Leserstimme zu
Die Drachenkämpferin: Nihals Vermächtnis

Keine richtige Fortsetzung, aber ein Muss für Fans!

Von: Schattenkämpferin
30.03.2016

Vor etwa hundert Jahren hat die Halbelfe Nihal, gemeinsam mit dem jungen Zauberer Sennar und mit Unterstützung einiger Verbündeter, die Aufgetauchte Welt von der Schreckensherrschaft des Tyrannen befreit. Niemand weiß, wohin sie anschließend ging oder was danach mit ihr geschah. Für die meisten ist sie nur noch eine Legende, hat längst ihren Frieden im Tod gefunden. Zwar werden noch immer Geschichten über ihre Heldentaten erzählt, doch keiner glaubt daran, dass wirklich alles wahr ist, wie es berichtet wird, geschweige denn dass Nihal noch am Leben sein könnte. In einer ungemütlichen Winternacht allerdings findet ein Barde seinen Weg in eine Taverne – und beginnt, nie gehörte und gekannte Bruchstücke aus Nihals Leben zu erzählen. Er berichtet über den Tod ihrer Eltern, wie Nihal zu ihrem Pflegevater gekommen ist und wie es ihr nach dem Sieg über den Tyrannen ergangen ist. Was er jedoch niemandem verrät, ist seine Identität und woher er all das weiß … Mit ihrer Trilogie um "Die Drachenkämpferin" hat Licia Troisi sich schnell in die Herzen der Fantasy-Fans geschrieben, in der großen und vielseitigen Kulisse der Aufgetauchten Welt fanden später auch weitere Reihen ihr Zuhause. Dass einige dieser Fäden aus "Die Schattenkämpferin" und "Die Feuerkämpferin" in diesem unerwarteten, aber freudig entgegengenommenen vierten Teil minimal aufgegriffen werden, ist daher nicht verwunderlich, wenn auch etwas verwirrend für Leser, die diese Reihen nicht kennen. Dieser Punkt spielt auch keine große Rolle, denn egal, wann man die Vorgänger gelesen hat – man ist sofort wieder in der Geschichte und begrüßt liebgewonnene Charaktere mit einem Lächeln. Es ist interessant zu sehen, wie ihr Weg seinen Anfang nahm und wie er endete. Licia Troisi hat es tatsächlich geschafft, viele Informationen in "Nihals Vermächtnis" unterzubringen, ohne dass man sich als Leser überfordert fühlt. Alles ist stimmig und an die bereits bekannte Geschichte angepasst, nichts wirkt aufgedrängt oder an den Haaren herbeigezogen. Auch neue Aspekte finden ihren Platz und es fühlt sich an, als wäre genau dieser Verlauf vorherbestimmt gewesen. Eine schöne Idee ist die Form der Erzählung, denn die Rahmenhandlung wird aus der Taverne erzählt, in welcher der geheimnisvolle Barde von "Nihals Vermächtnis" berichtet. Im Grunde bekommt man hier als Leser sowohl die Vor- als auch die Nachgeschichte serviert, zwischendurch nur unterbrochen von einem kurzen Blick in den Schankraum. Das gibt dem Leser die Möglichkeit, zwischen den relevanten Haupterzählsträngen Luft zu holen, bevor er sich in die nächste Episode aus Nihals Leben stürzt. Eingeleitet werden die einzelnen Passagen durch kleine, zu den darauf folgenden Kapiteln perfekt passende Strophen, die einen Eindruck dessen vermitteln, was die anderen Gäste in der Taverne zu hören bekommen. Natürlich wird nicht jeder Leser mit dieser Fortsetzung, die keine wirkliche ist, zufrieden sein und sicherlich gibt es hier und da ein paar Kritikpunkte, doch das Lesevergnügen wird in keiner Weise eingeschränkt – die Autorin weiß sehr genau, wie sie die Abenteuer um die Trilogie spannend und unterhaltsam gestalten kann. Obwohl viele Jahre zwischen den Büchern liegen, hat sich Licia Troisi ihren Stil auf wunderbare Weise erhalten. Und man merkt sofort, wie sehr ihr Nihals Vermächtnis am Herzen liegt. Wer "Die Drachenkämpferin"-Trilogie gelesen hat, der kann gut nachvollziehen, warum dieser – vielleicht, vielleicht aber auch nicht – finale Band unbedingt von ihr geschrieben werden musste. Eine schlechte Idee war es in jedem Fall nicht – Fans sollten hier nicht skeptisch oder ängstlich sein, sondern zugreifen. Es lohnt sich! Fazit: Damit hat wahrscheinlich niemand gerechnet – nach mehr als acht Jahren hat Licia Troisi eine freudige Überraschung für ihre Fans der ersten Stunde parat und veröffentlicht mit "Die Drachenkämpferin – Nihals Vermächtnis" ein weiteres Buch über die Heldin vieler begeisterter Leser. Ob es sich dabei nun um Geldmacherei oder um eine Notwendigkeit, um die Abenteuer der Halbelfe wirklich abzuschließen, handelt, sollte jeder selbst entscheiden. Fakt ist, dass man auch nach all den Jahren sofort wieder in Nihals Bann gerissen wird und sich Fans, auch wenn nicht jeder mit dem späten Finale und den mitgebrachten Antworten zufrieden sein dürfte, diesen vierten Band nicht entgehen lassen sollten. Wertung: 4 von 5 Schwertpaaren Handlung: 3.5 / 5 Charaktere: 4.5 / 5 Lesespaß: 4 / 5 Preis/Leistung: 4 / 5