Leserstimme zu
Der Mann im Park

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Düstere und melacholische Polizeiarbeit

Von: Claudia
24.09.2013

Kommissar John Stirna ermittelt im Mordfall Ingrid Bengtson, einem 8-jährigem Mädchen, welches in einer stillgelegten Werft entdeckt wird. Zunächst liegen keinerlei Hinweise auf den Mörder vor. Nur durch akribische Kleinstarbeit und Nachforschung ergibt sich nach und nach ein Bild des Täters. Da das Buch in zwei Zeitzonen spielt, ist dem Leser von Beginn an klar, dass der Mörder nicht geschnappt wird. Man kann über die nächsten 600 Seiten Kommissar Stirna bei der Polizeiarbeit beobachten und wie der ungelöste Fall den Kommissar und dessen Leben nach und nach beeinflusst und letztlich zerstört. Es war interessant zu lesen, wie Polizeiarbeit im Detail funktioniert, welche vielen Details zusammen spielen, um einem Mörder auf die Schliche zu kommen. Besonders interessant war zudem, dass sich das ganze 1928 abgespielt hat. Man muss jedoch ein Liebhaber von Details sein, da sich die Beschreibungen teilweise als recht langatmig herausstellen. Zudem legt der Autor viel Wert auf die Beschreibung der damaligen Lebensumstände: wie hat sich die Mode verändert, die Lebens- und Arbeitsumstände. Der Roman ist eher langsam gehalten, man hat das Gefühl, sich eher träge durch das Buch zu lesen, obwohl die Seitenzahlen schwinden und schwinden. Dies ist sicherlich dem doch eher quälend langsamen Fortschritt der Untersuchung des Falles geschuldet – die Kommissare haben sich ja auch gequält und haben den Mörder doch nicht stellen können. Stirna trifft der Fall besonders, verspricht er der Mutter doch eine Aufklärung des Falles. Am Ende ist der Kommissar ein gebrochener Mann, melancholisch und düster, vom Leben enttäuscht – Gleichgültigkeit scheint sein Leben fortan zu bestimmen. Weiß man als Leser gleich, dass der Mordfall nicht gelöst wird, so nimmt einen die detailverliebte melancholische Stimmung des Buches jedoch gefangen. Man scheint einzutauchen in das Stockholm der 20er Jahre. Durch den Einblick in die Gedanken des Mörders ist man jedoch nicht minder frustriert wie Stirna, wenn er der Polizei immer wieder entwischt. Man fiebert letzten Endes doch auf das Ende zu in der Hoffnung, dass Ingrid Bengston doch noch Gerechtigkeit erfährt.