Leserstimme zu
Das Haus mit den sieben Giebeln

Das Haus mit den sieben Giebeln

Von: Tinka
21.09.2016

Nathaniel Hawthorne lebte von 1804 - 1864 und entstammte einer alten Puritanerfamilie. Sein Großvater war einer der Richter bei den Hexenprozessen von Salem. Dieses Ereignis inspirierte viele Künstler und es entstanden einige Bücher und Filme mit Adaptionen des Thema. Arthur Miller nahm es beispielsweise in sein Drama "Hexenjagd" auf, auch nimmt H.P Lovecraft in verschiedenen Werken Bezug auf die Prozesse. Die vor kurzem erschienene Serie American Horror Story befasst sich ebenso mit diesem Thema. Heute ist die Stadt Salem eine Art Disneyland für alles Okkulte. Den ganzen Oktober lang finden dort die Salem Haunted Happenings, die sogenannten Spuktage, statt. Überall in der Stadt werden Straßen für den Verkehr gesperrt, es gibt ausgelassene Umzüge, Veranstaltungen und Führungen. Seinen Höhepunkt hat der Spuk am 31. Oktober zu Halloween, dann strömen besonders viele Menschen in die Stadt. Ein guter Zeitpunkt also mal das Buch zu lesen, denn es stand schon jahrelang auf meiner Liste. Manche Instagram - Follower wissen bereits, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat, ich habe es auch gleich in meine Topliste aufgenommen und gestern auch auf Englisch bestellt. Das Haus mit den sieben Giebeln erschien 1851 und ist ein typisches gothic novel - Werk, schlägt man das erste Kapitel auf, wird man gleich verzaubert von dessen dunkler Atmospäre. Die Hauptfigur in diesem Roman bildet nicht ein Mensch, sondern wie eben der Titel schon verrät das Haus mit den sieben Giebeln. Seit Generationen ist es schon im Besitz der kauzigen Familie Pyncheon, von denen es allerdings nicht mehr so viele gibt. Allein die alte Hebzibah fristet ein Dasein in Armut und weilt in den schattigen Plätzen im Garten. Da kein Geld mehr für Renovierungen vorhanden ist, modert das Haus vor sich hin und beflügelt manch Spaziergänger für mystischen Dorfklatsch. Dazu trägt aber nicht nur das Äußere bei, sondern auch die Vergangenheit. "Gott wird ihm Blut zu trinken geben!" So verflucht Mathew Maule Ende des 17. Jahrhunderts den Oberst der Pyncheons, weil dieser ihn als Hexer hängen lässt, um an seine Ländereien zu gelangen. Als der Oberst dann bei der Einweihung des Hauses stirbt, ist man sich sicher, dass man sich ab nun von dem Haus und der Familie fernhält. Als eines Tages jedoch Hepzibah's entfernte Cousine Phoebe auftaucht, erhellt ihr frisches und ungezwungenes Wesen das Haus und auch der Leser verspürt einen Hoffnungsschimmer für ein Happy End. Meine Meinung: Ich liebe alles Mystische und kriege von solchen Büchern & Filmen nie genug. Meine Büchersammlung besteht aus einem gr. Teil aus Autoren wie Sir Arthur Conan Doyle, Agatha Christie, H.P Lovecraft und anderen Gothic-Novel Autoren. Das Haus mit den sieben Giebeln trifft genau meinen Geschmack! In die alte Hepzibah hab ich mich sogleich verliebt, sie wird zu Beginn als hässliche und gemeine Hexe beschrieben, mit der man sicher keinen Kaffee trinken will. Allerdings fällt der Schleier im Verlaufe der Geschichte und als Leser bekommt man richtig Mitleid mit ihr. Wie der Autor diese hagere Gestalt beschreibt und auch die Umgebung und Atmosphäre dieser Lektüre ist eine eigene Form von Ästhetik. Das muss einem einfach gefallen. Ein Tisch ist in diesem Buch nicht einfach nur ein Tisch, er ist dem Tode geweiht. Über allem schwebt etwas Mysthisches und Geheimnisvolles. Nathaniel Hawthorne ist in seiner Erzählweise wie ein alter Magier, der dem Leser eine dunkle und rätselhafte Welt vorführt. Ich wollte ihn einfach stellenweise küssen XD. Bei seinen verschachtelten Sätze kann es da schon mal vorkommen, dass ein Satz eine ganze Seite einnimmt. Wer damit keine Freude hat und lieber Bücher liest, in denen er Action oder Dauerschauer erwartet, den kann ich nur enttäuschen, denn hier wird Stück für Stück ein Geheimnis gelüftet, ohne viel Handlung zu beinhalten. Das Buch besticht durch seine schöne Sprache und einzigartige Stimmung und hat mich einfach sehr verzaubert.