Leserstimme zu
Jetzt, Baby

Julie Engelmann, wie man sie kennt: einfühlsam und poetisch…

Von: Bücherhausen
22.11.2016

„Ich bin nur ein kleines Korn, mich wird keiner fallen hören. Doch fallen wir alle simultan, wird der Lärm die Ruhe stören.“ (Seite 88) Julia Engelmann ist wohl den meisten Menschen durch ihren Poetry-Slam an der Bielefelder Universität bekannt. Damals hat sie mich mit ihren Texten gleich gefangen genommen. So war es klar, dass ich mir ihr aktuelles Buch auch gleich zu Gemüte fügen musste. Und gleich verliebte ich mich in die reduzierten aber auch aussagekräftigen Illustrationen. Die Texte sind wieder einfühlsam verfasst, wobei das dritte Werk der Reihe es schwer hat, gehen ihr Debüt anzutreten. Julia Engelmann ist gebürtige Bremerin und 1992 geboren. Das Video vom Bielefelder Hörsaal-Slam wurde im Netz milionenfach gesehen und verbreitete sich in einem wahnsinnig schnellen Tempo. Bereits drei Werke sind seit 2014 von ihr veröffentlicht worden: "Eines Tages, Baby" (2014), "Wir können alles sein, Baby" (2015) und "Jetzt, Baby" (2016). Julia Engelmann schreibt poetische Texte mit einer jugendlichen Frische. "Ihr wolltet meine Fantasie, und wir fiel das Träumen schwer. Und jetzt wollt ihr meine Wahrheit, das erschreckt mich noch viel mehr." (Seite 27) "Jetzt, Baby" behandelt die Tücken des Erwachsenwerdens. Die Ängste, die einem die Zukunft machen kann. Und so verschafft Julia Engelmann sich mit ihrer Leisen Stimme auch in diesem Werk wieder Gehör. Werte, Wertschätzung und das Miteinander sind zentrale Themen, die die Autorin nach wie vor behandelt Ihre Texte regen zum Denken an. So setzt Julia Engelmann sich mit ihrem eigenen Ich auseinander, schildern ihre Selbstzweifel. Ihr Poetry-Slam Text „One Day“, welcher in ihrem ersten Buch veröffentlicht wurde macht es Julia Engelmann wirklich schwer, sich dem anzuschließen, oder es gar zu toppen. Aber in dem vorliegenden Werk gibt es, neben für mich eher unspektakulären Texten, auch einige schöne Schätze, wie zum Beispiel „Erwachsensein feat. Quarterlife-Crisis“ und „Luna“, zwei Texte, die mich berührt haben. Julia Engelmann hat in einer wirklich kurzen Zeit drei Werke veröffentlicht. Vielleicht war das etwas zu viel des Guten. Wo sich im ersten Buch noch ein Juwel an das andere reiht, gibt es in ihrem neusten Werk zwar noch einige gute Texte, aber viele von ihnen haben mich nicht wirklich erreicht. Ich hatte den Eindruck, dass ein paar Reime fehlten, und ihr „jugendlicher Flow“ vielleicht etwas auf der Strecke geblieben ist. Alles in allem ist es aber wieder ein schönes Buch, welches mich zum Nachdenken angeregt hat und den Leser in eine andere Sphäre versetzt. "Bleib du bei dir selber, dann passieren die besten Sachen. […] Das hier ist kein Ende, es geht gerade erst richtig los." (Seite 115)