Leserstimme zu
Totenfrau

Gemischte Gefühle

Von: Birgit Schmitt
24.04.2014

Der Roman von Bernhard Aichner scheint mittendrin zu beginnen und doch erfährt man, hat Blum, die Hauptperson in dem Buch, schon eine Menge erlebt und erleidet, um an genau diesen Punkt zu gelangen. Aichner verwendet eine eigentümliche Sprache. Worte wie Gedanken kurz, prägnant, in seinem Hirn erdacht. Man muß ihm folgen, seinen Gefühlen und Gedanken manchmal hinterher hechten, um am Ball zu bleiben. Die größte Liebe in all seinen Facetten, der Schock und der Abgrund der Seele im direkten Vergleich in Zwietracht mit einer eigentümlich starken Brutalität. Aichner läßt den Leser teilhaben an der gemischten Gefühlswelt von Blum. Die Sprache ist ungewöhnlich und gestaltet das Tempo des Buches. Entweder man gewöhnt sich innerhalb des Buches daran oder eben nicht. Entweder man kann sich an den Stil gewöhnen und an die außergewöhnliche Brutalität der Morde oder nicht. Das Thema ist interessant, Blum ist eine aussergewöhnliche Figur. Die Neugier auf die nächsten Ereignisse halten die Spannung. Diese scheint sich mehr und mehr abzunutzen. Zu konstruiert wirken die Verknüpfungen, zu wenig erfährt man über die anderen Figuren, zu vorhersehbar sind die nächsten Schritte. Punkt für Punkt werden die Gegner ohne jegliche Mühe aus dem Leben verbannt. Schwierigkeiten gibt es kaum. Wo bleibt das wahre Leben, welches so manche Fußfessel bietet? Wie ein Messer durch weiche Butter mordet sich Blum durch das Buch. Idealerweise ist sie Inhaberin eines Bestattungsinstitus - am Rande des Leuchtturms ist es immer am dunkelsten. Dieser Punkt hat mich fasziniert, ein kluger Schachzug, die Protagonistin genau hier wirken und arbeiten zu lassen. Schade nur, dass die anderen Figuren so blass und ereignislos bleiben. So eigentümlich geradlinig und einfach der Plot daherkommt, so gespannt ist man doch auf die scheinbar demnächst zwangsläufig auftretende Komplikation, auf die man ständig wartet. Und so liest man bis zum Schluss und wird doch noch einmal überrascht.