Leserstimme zu
Der Sommer der schwarzen Schafe

Beeindruckend und hintergründig ...

Von: wortgeflumselkritzelkram
06.06.2017

„Der Sommer der schwarzen Schafe“ von Joanna Cannon ist 2017 im Limes Verlag erschienen. Zum Inhalt lt. Verlagshomepage: Eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Vorstadt irgendwo in England. Als während eines ungewöhnlich heißen Sommers Mrs. Creasy verschwindet, wird hinter verschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen getuschelt. Ist sie aus freien Stücken gegangen? Oder wurde Mrs. Creasy Opfer eines Verbrechens? Die beiden Mädchen Grace und Tilly beschließen, die Sache aufzuklären. Sie klopfen an Türen, stellen Fragen – und kommen dabei einem ganz anderen Geheimnis auf die Spur. Jeder hier scheint etwas verbergen zu wollen. Und als die Hitze immer drückender wird, drängt eine lange vergrabene Wahrheit ans Licht, die für alle Bewohner Konsequenzen haben wird … Was kann ich zu diesem Buch sagen, ohne zu spoilern oder sonst irgendwie zuviel von all den Geheimnissen, Abgründen oder der Verselbstständigung von Vorurteilen zu verraten? „Es liege an der Hitze, hatte Mr. Forbes gesagt, als er sie mit einer Tasse Tee und der Fernsehzeitschrift wieder ins Haus holte. „Warum geben die Leute der Hitze die Schuld an allem?“, fragte Tilly. „Weil es leichter ist.“ „Leichter als was?“ „Leichter als den anderen die echten Gründe zu sagen.“ Die Autorin, die hier ihren ersten Roman vorlegt, erzählt aus wechselnden Perspektiven und Zeitebenen eine Geschichte, die vordergründig von den Bewohnern einer typischen englischen Kleinstadt erzählt. Zunächst scheint alles, trotz des Verschwindens von Mrs Creasy, recht idyllisch und harmonisch. Blickt man jedoch hinter die Fassade, sieht man die Abgründe und durch etliche Andeutungen wird langsam deutlich, dass so einige der Bewohner ihre Geheimnisse haben. Dabei gelingt es Cannon, ihre Andeutungen so zu streuen, dass man als Leser zwar doch bald meint zu ahnen, was passiert sein könnte. Trotzdem bleibt es undurchsichtig. Und im letzten Drittel schafft dieses Buch es, mich vollkommen zu überraschen und im positiven Sinne umzuwerfen. „Wir müssen doch was tun.“ „Eine Hexenjagd?“ „Wenn es sein muss, ja, eine Scheißhexenjagd.“ Cannon schreibt mit typischem britischen Humor – oft sehr schwarz und oft hintergründig und nicht gleich als solcher zu erkennen. Sprachlich ist dieses Buch für mich oft ein Wechselspiel zwischen heller Begeisterung und leichtem Angenervtsein, da ich immer wieder Schwierigkeiten damit habe, wenn etwas aus Sicht von Kindern erzählt wird. Allerdings rutschen die zwei dadurch in die Rolle von Beobachterinnen, die das ganze wiederum auch sehr interessant macht. Freunde von englischer Literatur werden an diesem Buch ihre helle Freude haben. Der Autorin ist es sehr gut und eindringlich gelungen, das Wechselspiel einer Gemeinschaft mit all ihren Tiefen und Höhen darzustellen. Auf dieses Buch und seine Charaktere muss man sich einlassen können – dann wird man es lieben …