Leserstimme zu
Als die Liebe endlich war

Rezension zu Als die Liebe endlich war - Andrea Maria Schenkel

Von: lebenslesezeit
11.09.2017

Klappentext Als der junge Carl 1950 in New York Emmi kennenlernt, findet er bei ihr die Geborgenheit, die er seit seinem elften Lebensjahr vermisst. Mit seiner Familie floh er 1938 von Regensburg nach Shanghai und emigrierte später in die USA. Emmi hat Deutschland erst nach dem Krieg verlassen – beide wollen über die Vergangenheit schweigen, um neu zu beginnen. Jahrzehntelang führen sie ein unbeschwertes Leben. Bis Carl die Wahrheit über seine Frau erfährt. Meine Meinung Ich stolperte über das Buch beim Stöbern auf dem Bloggerportal. Der Titel sprach mich an und das Cover gewann meine Aufmerksamkeit. Ich hatte vorher weder etwas von dem Buch noch von der Autorin gehört. Doch der Klappentext hatte mich überzeugt. Also habe ich das Buch angefragt und freundlicherweise auch bekommen. Zuerst möchte ich sagen, dass ich vom Klappentext her etwas anderes erwartet hatte als das, was ich dann las. Das Buch war in keinster Weise schlecht und die Autorin hatte mich schon nach den ersten zwei Seiten von ihrem Können überzeugt. Die Handlung war auch durchweg interessant und hat einen in ihren Bann gezogen. Allerdings erwartete ich eine Liebesgeschichte. Eine Geschichte, in der ich als Leser dabei bin, wie Carl und Emmi zueinander finden und sich ein gemeinsames Leben aufbauen. Natürlich war mir von vornherein klar, dass auch die Vergangenheit der beiden eine große Rolle spielen und dass einige Kapitel sowohl in Shanghai als auch in Regensburg spielen werden. Doch genau da lag der "Denkfehler". Wobei Denkfehler möchte ich nicht sagen. Schließlich lässt der Klappentext genau das vermuten. Aber dem ist nicht so ganz der Fall. Im gesamten Buch spiele maximal 1oo Seiten in der Gegenwart. Den Großteil der Zeit verbringen wir mit Carl in den Jahren 1938 - ca. 1948 in Shanghai bzw. von 1938 - ein paar Jahre nach Kriegsende mit Emmi in München. Ich habe mich sehr oft gefragt, wie der Klappentext zum Buch passt, da die Aufklärung erst so richtig im letzten Kapitel kommt. Wie gesagt. Ich finde das nicht schlimm, da mir das, was mir die Autorin bot, unglaublich gut gefallen hat. Es gab keine Längen oder Ungereimtheiten innerhalb der Geschichte. Die Charaktere waren alle sehr authentisch. Man konnte Entscheidungen nachvollziehen und nicht verstehen. Handlungen respektieren und Gefühle nachempfinden. Was mir besonders gut gefiel war, dass es im Vergleich zu anderen historischen Romanen nicht übertrieben war was die NS-Zeit angeht. Oftmals werden mit Klischees und Übertreibungen gespielt. Hier nicht. Alles ist super authentisch, recherchiert und erzählt. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber als Leser hatte ich nie das Gefühl, dass es sich um etwas ausgedachtes handelt. Ich dachte mir immer "Ja. So kann es passiert sein.". Es wurde mal eine andere Seite aufgezeigt. Es gab nicht nur "die bösen Nazis", "die armen Juden" und die "naiven Deutschen". Es waren Menschen mit Fehlern, Geschichten, Schicksalen und einem Leben. Mich hat das Buch sehr berührt aber nie auf eine kitschige Art und Weise. Ich habe wunderbare Lesestunden verbracht, bei denen ich über so manch eine Aussage oder Entscheidung von Carl den Kopf schütteln musste, bei der ich schmunzeln musste, wenn Tante Marga, Trude und Irene zusammen saßen und mit Erna tratschten oder wenn Otto mit Grete und Eleonore erzählte. Der Grund, wieso es von mir "nur" 4 statt 5 Sternen gab hängt zum einen damit zusammen, dass der Klappentext so "irreführend" ist. Jedoch ist das nicht der Grund. Mit fehlt am Ende einfach etwas. Ein Abschluss, eine Auflösung. Ich möchte wissen, wie es weitergeht, da ich finde, dass mir das jetzt zusteht. Ich möchte wissen, wie Carls auf Emmis Vergangenheit reagiert, wie sie sich erklärt und rechtfertigt. Möchte wissen, wie es weitergeht. Aber natürlich ist das Ende auch gut so, wie es ist. Es kurbelt die Phantasie an. Man macht sich Gedanken und denkt nach. Und doch hätte ich gerne Antworten. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der historische Romane, eine spannende und interessante Handlung sowie authentische Charaktere mag und auch gerne mal auf Kitsch und Romantik verzichtet sondern eine Geschichte lesen mag, die das Leben eben so schreibt.