Leserstimme zu
Das Porzellanmädchen

Super spannender Thriller!

Von: Lee
07.10.2017

Nachdem ich bereits Bücher von Max Bentow gelesen habe, bin ich mit gewissen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und muss sagen, dass sie alle erfüllt worden sind. Ich habe mich gegruselt, ein bisschen geekelt und ganz viel mitgefiebert. Bereits die erste Seite wirft einen Mitten ins Geschehen und während man sich noch fragt was bei einem Waldspaziergang am hellichten Tage schief gehen kann, ist der Hauptcharakter, Luna, auch schon entführt. In ihrer Panik verwechselt sie ihren Entführer zunächst mit einem übergroßen Insekt, was durchaus passieren kann, da er eine Gasmaske aus den Zeiten des ersten Weltkriegs trägt. Von ihrem Entführer wird sie zu ziemlich widerlichen Dingen gezwungen und der rote Lippenstift hat seinen ersten Auftritt. Ihr denkt an Lippenstift gibt es nichts ekliges? Dann habt ihr den Einfallsreichtum des Entführers unterschätzt. Er zwingt Luna sich selbst die Lippen und die Backen damit anzumalen und geht dann dazu über sie mit diesem Lippenstift am ganzen Körper anzumalen und letztendlich auch zu vergwaltigen. Ihr einziger Beistand ist eine Puppe. Eine alte Porzellanpuppe, die schon außerhalb von Horrorfilmen gruselig ist. Um das alles noch schlimmer zu machen sieht die Puppe exact aus wie Luna. Diese Puppe spielt in dem gesamten Thriller eine große Rolle. Nicht nur das Luna die Puppe sprechen hört, nein, sie ist auch mehr oder minder für den Unfall einer älteren Dame, die Fehlgeburt einer jungen Frau und das verlorene Augenlicht eines Puppendoktors verantwortlich. Und dabei gelingt es ihr sogar einen eigenen Charakter zu entwickeln, der, wie nicht anders zu erwarten, ziemlich blutrünstig ist. Immer wieder fordert sie den Tod von verschiedenen Personen und stellt sich dabei nicht einmal ungeschickt an. Max Bentow schafft es meisterhaft eine verstörend, schaurige Atmosphäre zu schaffen, in der man bald nicht mehr weiß was nun richtig und was nur eingebildet ist. Kann die Puppe wirklich sprechen? Ich würde die Frage gerne mit "Nein" beantworten, aber natürlich musste es ganz am Ende noch einmal einen Twist geben. Generell gibt es in dem Thriller mehrere Stellen, an denen ich gedacht habe: "Da wäre ich jetzt nicht drauf gekommen." und somit war das Lesen auch alles andere als langweilig. Vielmehr habe ich das Buch fast in einem Rutsch verschlungen. Etwas das mir sehr gefallen hat, sind die Stellen an denen man Einblicke in das Buch erhält, welches Luna gerade schreibt. Da es ihre eigene Geschichte ist, erfährt man immer wieder Hintergrundinformationen und Dinge die sie erlebt hat. Allerdings durch die Augen ihres blutrünstigen Buch-Ichs, das unter Einfluss der Puppe immer wieder Menschen umbringt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Lunas Buch-Ich und ihrer eigenen Wahrheit immer mehr, wodurch ein nicht abzuschüttelndes Gefühl von Misstrauen entsteht. Wird Luna wirklich verrückt? Generell ist Luna ein sehr vielschichtiger und interessanter Charakter. Trotz ihrer harten Vergangenheit bleibt sie stark und versucht aufzuarbeiten was mit ihr geschehen ist. Dabei ist sie jedoch keineswegs Superman, im Gegenteil, sie steht kurz vor dem psychischen Abgrund und klammert sich allein mit Starrsinn an ihr Ziel: Das Insekt zu überführen. Man merkt das eine Menge Arbeit und Recherche in ihre Entwicklung gesteckt wurde. Über das ganze Buch hinweg konnte ich mit Luna mitfühlen und bin mir fast ein wenig vorgekommen, als wäre ich live mit dabei. Wohl ein Grund weshalb ich einfach nicht glauben wollte, das sie vielleicht langsam anfängt durchzudrehen. Genauso wenig wie sie selbst. Ich habe wirklich lange keinen Thriller mehr gelesen, bei dem mir so die Luft weggeblieben ist und bei dem ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Max Bentow ist es einmal mehr gelungen mich mitzureißen und zu begeistern. Aus dem Grund möchte ich das Buch jedem Thrillerfan ans Herz legen. Von mir bekommt es vier einhalb Sterne. :) Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat: "Nach jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen befindet sich unter hundert Menschen mindestens ein Psychopath."