Leserstimme zu
Dämonen

Eine hoch philosophische, traurige Geschichte

Von: M.
14.12.2017

DÄMONEN JÜRGEN DOMIAN Eine hoch philosophische, traurige Geschichte Eins ist - aus meiner Sicht - klar: Jürgen Domian kann schreiben - und wie! Das ist Literatur! Das ist Philosophie! Die Geschichte ist nicht nur extrem beeindruckend und psychologisch, sie ist auch in Perfektion geschrieben. Und deshalb lässt sich "Dämonen" auch richtig gut lesen. Hier gibt's was zum Nachdenken – und zwar auf hohem Niveau. Domian ist ja bekannt dafür, dass er sich für das Mysterium "Tod" interessiert. Ein Thema, das wir meist ausklammern, weil es uns unangenehm ist. Aber eine Sache, die uns alle am Ende unseres Lebens ereilen wird. Oder wir werden mit dem Tod konfrontiert, wenn liebe Menschen sterben. Ein vermeintlich unschönes Thema. Aber nicht für Domian. Und auch nicht für Hansen, die Hauptfigur seiner Geschichte. Hansen wird bald 60 und so recht erfreut ihn nix mehr. Nicht mehr gutes Essen, nicht mal mehr das sich Betrinken, alles ist langweilig und eintönig geworden, jeder Tag ist gleich, nix interessiert ihn mehr, für nix kann er sich so recht mehr begeistern, die Kunst fesselt ihn nicht mehr, das Leben hat einen faden Beigeschmack bekommen. Wozu soll er morgens überhaupt noch aufstehen? Was sollte ihm das Leben schon noch bieten können? Was soll es noch bringen? Was sollte er noch erleben können, das er noch nicht erlebt hat? Was sollte noch geschehen, das ihm das Leben schmackhaft macht. Sein Leben ist gelebt! Sein Leben kann jetzt enden. Es ist aus und vorbei. Er will sterben! Das beschließt Hansen. Und dazu fährt er nach Lappland, mietet sich in einem Haus ein und hat vor, dort die letzte Zeit seines Lebens zu verbringen. Und in der Stille, in der Einsamkeit, beim Alleinsein - da begegnet er nicht nur nicht selbst und lässt sein Leben noch mal Revue passieren, dort trifft er auch auf seine Dämonen. Und die Stille und das Schweigen bringen eben allerhand hervor - Gutes, Geheimnisvolles, Wahres, Dämonisches. So recht können wir uns heute in diesen modernen, technischen Zeiten die echte Stille vielleicht gar nicht mehr vorstellen. Eins sein mit der Natur. Allein sein mit sich selbst, um zum Kern des eigenen Ichs zu gelangen. Eine Reise zum eigenen Inneren, damit die Welt nicht mehr laut sein kann. Aber nehmen wir die Welt am Ende nicht doch irgendwie mit in diese erzwungene Stille, wohnt das Laute nicht auch in uns? Hansen hat einen Sohn. Diesen Sohn liebt er heiß und innig. Der wichtigste Mensch in seinem Leben. Aber auch ihm sagt er nicht, dass er vorhat, zu sterben, dass er gehen möchte, dass er des Lebens müde ist. Warum soll er ihm das auch antun? Klar ist, dass da dann auch Zweifel aufkommen. Denn wie wird der geliebte Sohn denn reagieren, wenn er seinen Abschiedsbrief liest und den Vater zu Grabe trägt? Wird er ihm am Ende da nicht doch böse sein? Und dann ist da noch der einzige Freund, dem Hansen am Tag vor seiner Abreise in einer Alkohollaune von seinem geplanten Vorhaben erzählt. Natürlich darf der Freund niemandem etwas sagen. Auch hier geht es um eine irrsinnige Gewissensentscheidung. Fragen über Fragen über Fragen. Das Buch ist gut - zweifelsfrei. Große Literatur. Ich dachte zwischendrin sogar an Hesse. Was mir die richtig große Freude, diese innere Freude am geschriebenen Wort von Domian, ein wirklich großer Denker, dann aber doch ein kleines bisschen verdorben hat, ist die Tragik dieser Geschichte. Lustig ist hier nix. Klar, lustig ist das Leben nicht und lustig ist der Tod nicht. Bei so einem Thema kann es nicht lustig zugehen. Dennoch fehlt mir in der Story dieser Aha-Moment, die kleine Erleuchtung, der Lichtblick im Dunkeln, die wahre Erlösung. Vielleicht zu viel verlangt. Und was soll der Tod schon bringen, das uns das Leben nicht bieten kann? Als Quintessenz bleiben für mich die Gedanken, dass wir die Zeit, die uns bleibt, nutzen sollen, ja, sogar nutzen müssen und dass wir dankbar sein sollen, für die Menschen, die uns lieben und die uns wirklich nahe stehen. Das Leben ist ein Geschenk. Punkt. Denn wir alle wissen ja nicht, wann er vor uns steht, der Tod! Und manchmal kommt er eben völlig unberechenbar daher. Meistens sogar. Und dann, ja dann wissen wir das wieder zu schätzen, was wir manchmal, weil es so schwer sein kann, dämonisieren: Das Leben! c) M. / 14.12.2017 _______________