Leserstimme zu
Istanbul Istanbul

Istanbul Istanbul – B. Sönmez

Von: Melanie
04.03.2018

Türkei. Ein Gefängnis tief unter den Straßen Istanbuls. In der Zelle mit der Nummer 40 sitzen Student Demirtay, Barbier Kamo und der Doktor. Kein Fenster, keine frische Luft, kaum zu essen oder zu trinken, lediglich drei Wände aus Beton um sich und die Türe mit einem kleinen Fenster mit Gitterstäben, durch welches man die gegenüberliegende Zelle, Zelle Nummer 31, sieht, in welcher ein Mädchen gefangen gehalten wird. Wer nicht von den Wärtern geholt wird, um gefoltert zu werden, sitzt in der Zelle, leidet unter den Folgen der Misshandlungen und vertreibt sich die Zeit. Man vertreibt sich die Zeit. Womit jedoch, wenn man nichts hat, außer sich selbst? Also beginnen sich die Männer Geschichten zu erzählen. Geschichten aus dem Leben, die erst zu Geschichten werden, wenn sie vergangen sind. Geschichten über die Menschen. Geschichten über die Liebe. Und Geschichten über Istanbul. Istanbul, die Stadt, die weit über ihren Köpfen ihren gewohnten Ablauf fortsetzt. Tag für Tag. Und als schließlich Küheylan Dayi zu den Männern in die Zelle stößt, erscheint ihnen tief unter der Erde plötzlich die Stadt von oben auf eine besondere Art und Weise greifbar nahe. Eine unglaubliche Geschichte, die mitunter mit schmerzlichem Humor das Schicksal so unterschiedlicher Männer tief unter den Straßen Istanbuls beschreibt. Durch die wechselnde Erzählperspektive, welche -je nachdem, wer an der Reihe ist, eine Geschichte zu erzählen- variiert, fühlt man sich den Figuren erschreckend nahe, mit all ihrem Leid und ihren Hoffnungen. Über den Menschen, das Leben und die Widersprüche einer Großstadt. Brilliant!