Leserstimme zu
Blasse Helden

Absolute Empfehlung!

Von: Alison Fraser
17.03.2018

Ich lese gerne gesellschaftskritische Romane und Erfahrungsberichte, auch über Russland habe ich bereits einiges gelesen. Deswegen war klar, dass ich an diesem Buch nicht vorbei komme. Antons Geschichte, die in den Neunzigern spielt, zeichnet mit den Schablonen, die wir von Russland gewöhnt sind. Oligarchen, Reichtum, Bodenschätze und Partys. Der Autor schildert den damaligen Umstand, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Leider hat sich das bis heute nicht geändert, ganz im Gegenteil, die Schere geht noch weiter auseinander. Es hat mir beim lesen sehr leid getan, dass die erwartungsvolle damalige Stimmung tief enttäuscht wurde, denn seit damals hat sich nicht viel geändert. War Putin doch zu Anfang der Hoffnungträger überhaupt, werden heute die kritischen Stimmen immer lauter, auch wenn die Regierung dafür sorgt, dass sie schnell wieder verstummen. Die Geschichte hat ein hohes Erzähltempo, es wird nicht lange an einer Stelle verweilt. Das ist einerseits natürlich wünschenswert, andererseits hatte ich in mancher Situation ganz gerne ein bisschen verharrt, um die Stimmung zu erleben. Der Schreibstil passt zum Protagonisten und seiner Geschichte, er ist flüssig, dabei aber sarkastisch und ironisch, ganz wie ich es mag. Das Ende vom Lied ist ein nachdenklicher Leser und eine Geschichte, die man hoffentlich nicht vergisst.