Leserstimme zu
Magnet

Melancholisch, humorvoll und eigenwillig

Von: YukBook
04.04.2018

Es ist schon eine ganz eigenwillige Figur, die Lars Saabye Christensen in diesem Roman geschaffen hat. Jokum Jokumsen fotografiert gern heimatlose Dinge, die seinen Weg kreuzen. In ihrer Gesellschaft fühlt er sich weitaus wohler als unter Menschen, die ihm ständig zu nah auf die Pelle rücken. Am liebsten möchte er gar nicht auffallen – was ihm schwerfällt bei seiner Größe von über zwei Metern. Zu der Fotografie findet der Literaturstudent erst über Synne Sager, seine große Liebe, die Kunstgeschichte studiert. Die beiden werden privat, später auch beruflich ein Paar. Er fotografiert und sie organisiert als Kuratorin seine Ausstellungen. Der Autor nimmt sich viel Zeit, um Jokums Entwicklung und Karriere, die ihn und seine Frau von Oslo nach San Francisco führen, auszurollen. Mit viel Empathie und nuancenreich schildert er die Gedankengänge eines Künstlers, der in der Öffentlichkeit unbeholfen wirkt, an sich zweifelt und trotz seines Erfolgs selten richtig glücklich ist. Manchmal kam er mir so heimatlos vor wie die Gegenstände, die er fotografiert. Nur in einer Sache ist er sich hundertprozentig sicher: der Liebe zu seiner Frau. Christensen macht nicht nur die Kunst und Literatur zum Hauptthema seines Romans, sondern überrascht mit stilistischen Kunstgriffen, indem er den Autor als Figur einbaut. Dieser drängt sich dann mitten im Geschehen ganz plötzlich in den Vordergrund und kommentiert seine Geschichte und Erzählweise. Wie in seinen vergangenen Romanen lässt Christensen immer wieder seinen trockenen Humor aufblitzen und ist sprachlich so gewandt, dass die Lektüre von 960 Seiten erstaunlich kurzweilig ist.