Leserstimme zu
Ausgerechnet Deutschland

Integration mal anders betrachtet ;-)

Von: Vera Höhne
16.05.2018

Autor: Wladimir Kaminer wurde am 19.07.1967 in Moskau geboren, wo er nach der Schule eine Ausbildung als Toningenieur für Theater und Rundfunk und ein Dramaturgie-Studium am Moskauer Theaterinstitut absolvierte. Seit 1990 lebt er in Berlin-Prenzlauer Berg, wo er 1995 auch seine Frau Olga kennenlernte und mit ihr eine Familie gründete. Zu dieser Familie gehören die inzwischen erwachsenen Kinder Nicole und Sebastian, die Familien-Katzen und Wladimirs Mutter, die eine Wohnung im gleichen Haus bewohnt. Bekannt wurde er durch die legendäre Russendisko im "Kaffee Burger" in Berlin, die er mittlerweile auch weltweit veranstaltet. "Russendisko" war der Titel seines Erstlings im Jahr 2002, 2012 mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt. Es folgten über 20 weitere Bücher zu den unterschiedlichsten Themen, Tätigkeiten als Radio-Moderator, Kolumnist und Autor für verschiedene Zeitschriften und Magazine. Wladimir Kaminer ist auch ein beliebter Gast in Talkshows. Seine Hörbucher hat er alle selbst eingelesen und seine Lesungen sind ein besonderes Event. Handlung: Seit Beginn der Flüchtlingswelle der Syrer beobachtet Wladimir Kaminer mit seinen ganz einen Spürsinn das Aufeinandertreffen arabischer und deutscher Kulturen sowohl in Berlin als auch in seiner Zweitheimat in Brandenburg. Diese Beobachtungen hat er in 35 teils humorvollen, teils aber zur Nachdenklichkeit anregenden Kapiteln in seiner ganz eigenen Betrachtungsweise zusammengetragen in diesem Buch. Fazit: Die Optik des Buches ist durch das Vortäuschen eines leicht angegilbten Leinenumschlags (der eigentlich nur aus Pappe ist) auf alt getrimmt. Der Shisha rauchende Gartenzwerg auf dem Cover präsentiert - vielleicht die besten Dinge aus beiden Kulturen, aber sicher welche der traditionsreichsten, aber kuriosesten ;-) Das Buch ist recht kurz - 34 Kapitel + Epilog sind auf 236 Seiten verteilt. Das Schriftbild ist großzügig und die Kapitel von angenehmer Leselänge, wenn auch ein paar Kapitel recht lang geraten sind - aber wir kennen alle Wladimir Kaminer, der in seinen Geschichten manchmal etwas abschweift - und mögen ihn deshalb auch, weil die Betrachtungsweise seiner Welt immer ganz speziell ist. Er geht in dem Buch nochmal auf seine eigene Flüchtlingsgeschichte 1990 als jüdischer Russe von Moskau nach Berlin und dem Start in einer Marzahner Flüchtlingsunterkunft zurück, berichtet über Missverständnisse seiner syrischen Nachbarn in Brandenburg in Bezug auf Post und Paket-Annahme, über den Beitrag seiner mittlerweile erwachsenen Kinder Nicole und Sebastian zur Integration von Flüchtlingen, über Sprachunterricht, über die Erfahrungen mit dem Google-Translator in Bezug auf die syrische Sprache, die es so offenbar gar nicht gibt - und so viele Dinge und Beobachtungen mehr. Das ist wieder so ein typisches Kaminer-Buch: Beste, humorvolle Unterhaltung, Ironie, Sprachwitz - aber er schafft es auch, zum Nachdenken anzuregen. Das Buch ist also sehr facettenreich - genau, wie der Autor selbst. Ich habe das Buch sehr genossen und gebe hierfür eine 5***** Sterne-Leseempfehlung :-)