Leserstimme zu
Deathline - Ewig dein

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Janet Clark – Ewig Dein – Deathline

Von: Sandy Kolbuch
17.09.2018

Die Faszination der Unsterblichkeit bewegt die Menschheit seit Jahrzehnten. Meist wurde sie mit Vampiren in Verbindung gebracht. Die deutsche Autorin Janet Clark beschreibt in ihrem Roman „Ewig Dein – Deathline“ (cbj), der den Auftakt zu einer neuen und ganz grandiosen Reihe liefert, auf erfrischende Art und Weise die Unsterblichkeit als Ritus des indianischen Yowama-Stammes: Mit vierzehn Jahren beschließt Josie ihr Leben in die Hand zu nehmen. Sie schnitzt eine tiefe Kerbe in einen Kwaohibaum und versenkt ihren Taufanhänger darin, im Tausch gegen eine aufregende Bestimmung und eine große Liebe. Zwei Jahre vergehen, in denen Josies Leben auf den Kopf gestellt werden. Nachdem ihre Mutter bei einem Autounfall zu Tode kam und sich ihr schwerverletzter Vater mühsam zurück ins Leben kämpften musste, blieben die Arbeiten auf der Ranch an Josie und ihrem älteren Bruder Patrick hängen. Doch die Familie hielt zusammen und konnte weiterhin den Betrieb aufrecht erhalten. Mit ihren sechzehn Jahren ist Josie nicht nur einer erfahrene Reiterin, die wilde Mustangs zähmt, sondern auch eine engagierte Geschäftsfrau. Routiniert arbeitet sie neben der Schule im Betrieb mit und führt die Pensionsgäste durch die Wälder von Angels Keep. In den Sommerferien nimmt sie tatkräftig zudem noch eine Arbeit bei ihrer Freundin Dana ein, deren Eltern einen Virtual Dome betreiben und genießt die wenig freie Zeit mit ihrem Freund Gabriel verbringen. Doch als der Greeny (Yowama-Indianer) Ray in ihr Leben tritt, wird die kleine Stadt von mysteriösen Ereignissen heimgesucht. Josie taucht ein in eine Welt voller Mythen und Legenden, in der sich Leben und Tod vereinen. Zudem gerät ihr Familienleben mächtig durcheinander. Und doch kann Josie sich nicht von Ray trennen, in den sie sich unsterblich verliebt hat. Als auch er ihr seine Liebe gesteht, scheint ihr großer Traum endlich wahrzuwerden. Doch dann wird sie mit einer schrecklichen Wahrheit konfrontiert, die ihr die Luft zum Atmen nimmt. Bereits das Cover ist sehr ansprechend und versprüht Magie. Der Klappentext wagt nur eine Andeutung dessen, was den Leser erwartet. Die Geschichte beginnt mit dem Wunsch eines Mädchens und endet mit einer großen Bestimmung, die Lust auf mehr macht. Das Buch wird aus Josies Perspektive erzählt, sodass der Leser stets Einblick in ihr Seelenheil bekommt. Wie eine Art Tagebuch berichtet sie dem Leser, was ihr widerfahren ist. Immer wieder deutet sie dabei an, dass ihre Geschichte einen unerwartetem Höhepunkt bereithält, mit dem man nie rechnen würde. Daher fällt es einem wirklich sehr schwer, das Buch zwischenzeitlich aus der Hand zu legen. Die mystischen Ereignisse durchziehen die Handlung wie ein roter Faden. Schnell wird einem klar, dass alles zusammenhängt und am Ende etwas ganz Großes auf einen zukommt. Worum es sich aber genau handelt, kann man nur sehr schwer erahnen, wodurch die Spannungskurve sehr hoch ist. Trotz der vielen Andeutungen lässt sich die Geschichte nicht erahnen, was ein ganz großer Pluspunkt für das Buch ist. Clark ist es gelungen eine sehr detailreiche Kulisse für ihre Geschichte zu erschaffen, die dem Zuschauer das Leben von Josie direkt vor der geistige Auge projektiert. Sei es nun das Leben auf der Ranch, die gemeinsamen Stunden mit ihren Freunden in der Eisdiele oder die heimlichen Treffen mit Ray im dunklen Wald, jeder Moment wird ausgekostet. Dadurch wirken auch die Ereignisse und die Geschichte von Ray trotz der phantastischen Gestaltung stets authentisch und glaubhaft. Mit Josie und Ray sind zwei starke Persönlichkeiten im Fokus der Geschichte platziert, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie scheinen beinahe unterschiedlichen Welten zu entstammen und doch sind sie füreinander bestimmt. Was sich romantisch anhören mag, ist keinesfalls kitschig inszeniert, sondern durch äußere Bedingungen bestärkt. Ray und Josie verlieben sich nicht einfach ineinander, sondern werden von einer großen Kraft zusammengeführt, die die Grenze zwischen Leben und Tod zu überwinden weiß. Neben der phantastischen Ebene hält der Roman aber auch Elemente von Krimi und Thriller bereit, die dem Zuschauer den Atem zu rauben weiß. Spannung, Humor und Romanze vereinen sich zu einem sehr gelungenen Mix, dem auch eine Prise Dramatik hinzugefügt wurde. Der Leser lacht und meint mit Josie, hofft und bangt und findet am Ende seine Ruhe. Doch möge die Ruhe nicht allzu lange währen und bald der zweite Teil der Reihe erscheinen, an dem die Autorin momentan noch arbeitet.