Leserstimmen zu
Alltag im Ausnahmezustand

Richard C. Schneider

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Kenntnisreiche Tiefe

Von: Ines Koenen aus Berlin

21.05.2018

Das Buch von Richard Schneider verunsichert und macht nachdenklich , nachdenklich über uns, über mich: ob ich denn nicht auch Vorurteilen und Denkklischees aufgesessen bin, wenn ich über Israel rede, lese und für diesen Staat streite. Schneiders historische und aktuelle Sachkenntnis ist kaum zu übertreffen, Geschichte und Geschichte gehen hand in hand. Das Verständnis für Handlungen und Verhaltensweisen von Isrealies werden oft in einen historischen Kontext gestellt, der dem weniger sachkundigem Leser die Einordung und das Verständnis sehr erleichtern. Dann ja, was wissen wir wirklich über die Mentalität im Nahen Osten, über ein früheres Leben in der Dispora und nach der Shoa. Und wie es sich anfühlt, bedroht zu werden, die Kinder im Krieg zu verlieren, niemandes Freund zu sein. Dennoch gibt es eine Lücke, denn wenn ich Israel lieben gelernt habe, dann über die Israelies selbst. Die mich immer großzügig, warmherzig, voller Lebensfreude und überbordender Energie empfangen. Sie teilen mit mir, der Deutschen, ihre Sorgen und Nöte, sind schonungslos offen, direkt und nie nachtragend. Ich habe dort viele Freunde gewonnen und das nicht nur unter Jeckes. Komme ich in das wohl situierte und gesättigte Deutschand zurück, atme ich zwar auf im Schatten von Birken und Kastanien, genieße die Morgenkühle und entspanne mich. Aber dann gucke ich in die Gesichter um mich herum und sehe statt wilder dunkler Locken, kurzer oder langer Bärte und glutäugiger Männer und Frauen: moralinsauer Gesichter und schmale Lippen. Solche Geschichten von den Leuten hätten mich aus seiner Tastatur auch sehr interessiert, aber das ist vielleicht ein anderen Buch.

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