Leserstimmen zu
Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde

Bruce D. Perry, Maia Szalavitz

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Von: Lydia Hantke, Institut Berlin aus Berlin

15.12.2008

Manchmal habe ich einfach keine Lust auf Fachbücher mehr, dann lese ich lieber Krimis oder gut geschriebene Geschichten. Über die Krimis des Kinderanwalts Andrew Vacchs bin ich ¿ wie wahrscheinlich viele von uns - schon vor Jahren auf Bruce Perry und seine Arbeiten aufmerksam geworden, die gleichermaßen engagiert, unerschrocken und von großer fachlicher Kompetenz geprägt sind: Seine Website www.childtrauma.org zeugt von seiner Arbeit als politisch engagierter Kinderpsychiater und Neurowissenschaftler und ist eine Schatzgrube für Artikel zum Thema kindliche Hirnentwicklung und Traumatisierung. Dieses Buch nun ist ein Kleinod: neurowissenschaftliches Fachbuch, Krimi und eine gute Erzählung zugleich. Zusammen mit Mala Szalavitz, einer Wissenschaftsjournalistin, hat Bruce Perry eine wunderbar nachvollziehbare und verständliche Einführung in alles geschrieben, was die Hirnforschung zur Auswirkung unterschiedlicher Traumatisierungen in den verschiedenen Altersstufen momentan bereithält. Anhand der Geschichten von 10 Kindern erläutern Perry/Szalavitz, wie die wissenschaftlichen Fragestellungen des Neurologen Perry sich mit jedem kleinen Patienten neu und differenzierter in therapeutisches Verständnis und Handeln übersetzen. Mala Szalavitz gelingt es auf bewundernswerte Weise, die eingängige Sprache US-amerikanischer Ratgeber mit einer hohen Differenziertheit in der Darstellung der nicht eben einfachen Sachverhalte zu verknüpfen. So nehmen Perry und Slalavitz die Leserin an die Hand, Erkenntnis an Erkenntnis fügend ¿ man möchte ewig weiterlesen und ¿lernen. Das Buch wird nicht nur Ärztinnen oder Psychologen begeistern, es sollte jedeR lesen, die oder der mit Kindern zu tun hat. Und natürlich auch diejenigen, deren Klientel aus Erwachsenen besteht, deren Traumageschichte in der Kindheit begann ¿ denn was hier beschrieben wird, ist ja nichts anderes als die Grundlage sehr vieler Komplextraumatisierungen. Ein wunderbares, wahnsinnig spannendes Buch!

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Von: Winfried Stanzick

24.04.2008

Viele der Kinder, mit denen Perry arbeitet, haben furchtbare Traumata hinter sich. Sie wurden Zeugen elterlicher Gewalt bis hin zum Mord, sie wurden Opfer sexueller Gewalt oder leiden unter den dramatischen Folgen von Chaos und Vernachlässigung in der Umgebung, in der sie aufwachsen. Und dennoch, so der Tenor dieses außergewöhnlichen Buches, gibt es Hoffnung. Trotz all der furchtbaren körperlichen und strukturellen Gewalt, der diese Kinder ausgesetzt waren, hängen sie am Leben fest, sie drücken Hoffnung aus, zeigen einen unbändigen Lebenswillen und versuchen, ihrem Trauma zu entfliehen und es mit Hilfe der Psychologen zu überwinden. ¿Mit traumatisierten und misshandelten Kindern zu arbeiten hat mich auch dazu gebracht, sorgfältig über die Natur des Menschseins und über den Unterschied zwischen Menschsein und Menschlichkeit nachzudenken,¿ schreibt der Autor. ¿Nicht alle Menschen sind menschlich. Ein Mensch muss erst lernen, menschlich zu werden. Dieser Prozess ¿ und wie er mitunter entsetzlich schief gehen kann ¿ ist ein weiterer Aspekt von dem dieses Buch handelt. Die enthaltenen Geschichten erforschen die Bedingungen, die für die Entwicklung von Einfühlungsvermögen erforderlich sind ¿ und diejenigen, die dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Grausamkeit und Gleichgültigkeit führen. Sie verdeutlichen , wie sich das Gehirn von Kindern entwickelt und wie es durch die Menschen in ihrer Umgebung geformt wird. Sie stellen auch heraus, wie dabei durch Unkenntnis, Armut, Gewalt, sexuellen Missbrauch, Chaos und Vernachlässigung verheerender Schaden angerichtet werden kann. Ein Buch, das zur Pflichtlektüre aller pädagogischen Berufe werden sollte.

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