Leserstimmen zu
Lockvogel

Jacques Berndorf

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Mit “Lockvogel” gelingt Jacques Berndorf, hinter dem sich der Journalist Michael Preute verbirgt, eine spannende, ganz klassische Geheimdienststory. Darin entwirft der Autor ein beunruhigendes Szenario, das ebenso plausibel wie aktuell brisant ist. Denn die islamistische Rekrutierung junger Europäer, die gerade durch ihre guten Ortskenntnisse und ihre Vertrautheit mit den hiesigen Begebenheiten zu idealen Ausführern tödlicher Anschläge werden, ist leider eine aktuelle Tatsache. Dabei geht Berndorf auch auf die Koordinationsprobleme zwischen den verschiedenen europäischen (oder sogar deutschen) Geheimdiensten ein und stellt dar, dass natürlich auch die Agenten nicht frei von persönlichen Schwächen und Gefühlen sind. So ist “Lockvogel” ein packender Thriller, der zwar Fiktion ist, aber mit einer überzeugenden und glaubwürdigen Story aufwartet.

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Inhaltsangabe: Als in Berlin ein BND-Informant von der CIA einkassiert wird und zeitgleich die Ehefrau des Informanten im Jemen entführt wird, muss der Leiter des BND Krause mit Hilfe seines Mitarbeiters Karl Müller im Jemen unverzüglich Gegenmaßnahmen ergreifen. Zur gleichen Zeit ist Agentin Svenja Takamoto einer terroristischen Spur in Deutschland auf den Fersen. Kilt Brown, ein betuchter Ölhändler, lockt junge Leute an und verschleppt sie nach Karachi. Der BND vermutet, dass die Jugendlichen in terroristische Ausbildungslager gebracht werden, dort den Islam erlernen müssen und zu Selbstmordattentätern ausgebildet werden. Als Svenja und Thomas Dehner im pakistanischen Stammesgebiet unter Einsatz ihres Lebens observieren, bemerken sie dass die CIA ebenso aktiv ist. Das Cover: Das Cover gibt den Blick in eine schäbige Fabrikhalle frei. Schemenhaft erkenne ich Schienen die in Richtung eines hellen Lichts führen. Inmitten des Gegenlichts steht ein Unbekannter. Ob er dem Licht entgegenstrebt, dass ihn aus der Dunkelheit der bizarren neuen terroristischen Gefahr herausführen wird? Der Autor: Jacques Berndorf ist das Pseudonym von Michael Preute. Der 1936 in Duisburg geborene Journalist lebt seit Mitte der 80er Jahre in der Eifel. Bevor er sich ganz dem Schreiben als Autor widmete, arbeitete er unter anderem für den Stern und den Spiegel. Seine Eifel-Krimis mit dem Ermittler Siggi Baumeister wurden zu Bestsellern und erreichten Kultstatus. 2003 erhielt Michael Preute den "Ehrenglauser" für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur. Für Jaques Berndorfs BND-Reihe um Karl Müller öffnete ihm der BND als erstem Außenstehenden die Türen für Recherchen. Bisher erschienen im Heyne Verlag zu dieser Reihe bereits "Ein guter Mann", "Bruderdienst", "Der Meisterschüler" und "Die Grenzgängerin". Reflektionen: Berndorfs Roman, in einer niveauvollen und klaren Sprache, lebt von zahlreichen Dialogen, die durch den angenehmen fließenden Schreibstil immer deutlich einer Figur zuzuordnen war. Ich mag es immer besonders, wenn der Autor auf Umgangssprachliches verzichtet. Die verschiedenen Erzählstränge entstehen in diesem Roman oftmals auf Grund der unterschiedlichen Einsatzorte der BND-Agenten die ihre Aufträge ohne Machogehabe ausführen. Mal bin ich inmitten von Berlin und dann werde ich mit nach Afghanistan und Pakistan genommen und sehe die kargen Landschaften, die Gebirgsregionen und die Wüste leibhaftig vor mir. Die Handlung ist beunruhigend und authentisch, denn sie befasst sich mit der Rekrutierung von Jugendlichen, die in Terrorcamps zu radikalen Islamisten erzogen werden sollen. Die Figuren mit ihren aussagekräftigen Charaktereigenschaften sind sehr genau und interessant erschaffen. Die BND-Agenten sind weit entfernt von den sonst so typischen Actionfiguren im Geheimdienstumfeld. Sie sind kompetent, agieren unter Höchstleistung, doch der menschliche Aspekt fehlt hier bei keiner Figur. Ihre Handlungen sind so glaubwürdig dargestellt, dass ich manchmal glaube einen Tatsachenbericht zu lesen. Neben der eigentlichen Handlung fließen auch berührende Schicksalsschläge und unrund laufenden Lebensgeschichten der BNDler harmonisch mit in die Geschichte ein. Krause, der Leiter dieser Ermittlungsgruppe, kümmerte sich beispielsweise viele Jahre an der Seite seiner Ehefrau Walli um einen schwerbehinderten jungen Mann, der plötzlich verstirbt. Walli dreht völlig durch und Krause muss sich neben seinen in lebensbedrohlicher Gefahr schwebenden Agenten und um seine Frau kümmern. Goldhändchen, dass IT- und Überwachungsgenie der Gruppe, der stets in der Lage ist einen Ausweg aus brenzligen und ausweglosen Situationen für seine Kollegen zu managen ist plötzlich wie apathisch. Dabei unterlässt er Hilfestellungen und versäumt es die Agenten im Ausland ausreichend zu informieren, die dadurch um ein Haar ums Leben kommen. An dieser Stelle möchte ich nicht verraten, was in Goldhändchen vorgeht. Die Spannung wird gleichmäßig gut aufrechterhalten. Einzelne Höhepunkte ragen heraus, doch sie gelingen hier nicht explosionsartig. Es ist eher die realitätsnahe Geschichte an sich die mich durch die Seiten treibt, weil ich unbedingt die Hintergründe erschließen möchte. Meine Erwartungen an diesen Roman wurden definitiv positiv über den Haufen geworfen, da er keine große Ähnlichkeit mit „normalen“ Krimis besitzt. Hier geht es hauptsächlich um die Darstellung wie der BND tatsächlich heute arbeitet, wie die BNDler handeln, empfinden und letztendlich auch wie sie verzweifeln. Trotz der authentischen Handlung, die ich auf Grund ihrer Tiefgründigkeit sehr mochte, fehlte mir etwas. Ich konnte die Jagd der BNDler nicht richtungsweisend greifen und wusste lange nicht wer warum „genau“ das Ziel dieser BND-Aktion ist. Vernetzte Geheimdienste, Drogenhandel, Menschenhandel und radikaler Terrorismus sind die Themen um die sich die Story dreht. Trotz dieser Kritikpunkte hat mir dieser Roman jedoch sehr gut gefallen. Mein Fazit: Wer einen glaubwürdigen Einblick in die Arbeit des BND erlesen möchte, ist mit dieser Geschichte wohl aufgehoben. Die Tiefgründigkeit dieser Story entsetzt und sie hinterlässt ein düsteres Gefühl bezogen auf die terroristisch- islamistische Radikalisierung.

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Das sind schon ganz eigene Leute, die da im BND an den verschiedenen Stellen in der Abteilung zusammenarbeiten. Wenn man alleine schon „Goldhändchen“ mit seiner extrovertierten Kleidung, dem ständig Lob benötigendem Ego und seinem privaten Drama (was immense Auswirkungen haben wird) ansieht, weiß man bereits, dass Berndorf wie gewohnt sehr viel Wert auf besondere Figuren mit ihren inneren Brüchen legt. Von Kruse, dem „Chef“ angefangen, der ganz nebenbei noch ein privates Drama um seine Frau und sein Pflegekind auffangen muss, über Gillian, die zupackende und „über-alles-informierte“ Assistentin (die auch schon mal ganze Küchen wieder instand setzt), hin zu Dehner, dem attraktiven, coolen, durchsetzungsfähigen „Mann mit Herz“ (das er hier und da an einen Mann verliert und mit dem man sich besser nicht anlegen sollte, auch wenn man vom Secret Service und in der Überzahl ist), über Svenja, ebenso durchtrainierte wie kluge Agentin hin zu Müller. Der eigentlichen Hauptfigur des Thrillers (auch wenn Berndorf allen Personen Raum einräumt und die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven heraus erzählt). Müller, dem man in der Zeichnung der Person eine gewisse Nähe zum „modernen“ James Bond (in der Daniel Graig Ausführung) anmerkt. Mit Traumata versehen, in Behandlung, innerlich aus der Balance, seitdem diese Explosion ihm ein Kind (samt der abgerissenen Hand der Mutter) tot in die Arme geworfen hat. Müller, der dennoch keine Sekunde zögern würde, trotz massiven Erholungsbedarfes, sich in den neuen Fall hineinzustürzen, wenn er benötigt wird. Einen Fall, bei dem junge, wilde, aufbegehrende Menschen verschwinden. Wie sich herausstellt, angeworben werden. Um dann als und für Terroristen die Drecksarbeit zu erledigen. Auch in Deutschland. Aber gefunden werden müssen diese verschwundenen Leute und ihre Hintermänner in gefährlichen Gebieten des Nahen Ostens. Wo schon der ganz normale Alltag leicht zum Tod führen kann. Vorweniger, wenn man Agent ist und vorweniger, wenn es wenig Deckung gibt. Neben den angeworbenen Männern und Frauen wird die Ehefrau und das Kind eines Informanten entführt und verschleppt. Der erste Faden, den Müller aufnehmen muss und der ihn (fast) an die Grenze seiner Möglichkeiten bringt, während Svenja und Dehner sich Schritt für Schritt an den Kern der terroristischen Zelle vortasten. Temporeich, mit gut getimten Action Szenen, einem anregenden „Personal“ versehen, wirft Berndorf den Leser mitten hinein in diese Gemengelage. Technisch nicht in gleicher Form interessiert, wie es einem Tom Clancy oder anderen Spionage-Thriller Autoren eigen war oder ist (Waffenkunde, IT Technik und anders werden im Buch eher nur angerissen), folgt Berndorf im Stil den eher klassischen Agententhrillern in einer Mischung aus Forsythe und Fleming. Gut zu lesen, temporeich, unterhaltsam, hier und da vielleicht zu wenig detailliert auf die terroristische Bedrohung in Europa, bietet der „Lockvogel“ eine anregende Unterhaltung.

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Die schwarzen Taschenbuchausgaben der Eifelkrimis von Jacques Berndorf füllen bei mir Zuhause ein ganzes Regal. Lockvogel hätte ich beinahe übersehen, da es nicht nur eine gebundene Ausgabe ist, sondern auch bei einem anderen Verlag erschien (Heyne statt KBV). Bei weiteren Recherchen habe ich dann gesehen, dass auch schon Die Grenzgängerin und drei weitere Bände im Heyneverlag erschienen ist. Neues Format, neuer Verlag - neue Reihe? Sowohl Die Grenzgängerin wie nun auch Lockvogel sind nicht Teil der eifler Siggi Baumeister Reihe, sondern bilden eine neue Geschichte um die BND-Agenten Karl Müller und Svenja Takamoto. Der erste Band dieser anderen Reihe ist bereits 2007 im Heyne Verlag erschienen, bei Lockvogel handelt es sich um den fünften. Lockvogel wird vom Verlag als "Roman" betitelt, die Siggi Baumeister Geschichten sind für mich Krimis. Lockvogel ist dagegen eher eine Unterart des Thrillers, fast schon ein politischer Thriller, vermischt mit Agentenroman. Müller und Svenja agieren getrennt von einander in unterschiedlichen Fällen, doch beide beschäftigen sich mit Terrorismus. Ich denke, im Angesicht der aktuellen Geschehnisse in Paris, liest man diesen Thriller noch einmal mit anderen Augen, denn hier geht es um das Anwerben neuer potenzieller Attentäter. Mit diesem Anwerber beschäftigt sich Svenja und folgt einer Spur quer durch Hamburg. Ihr Partner Karl Müller ist dagegen im Jemen unterwegs, um einen Informanten aus den Händen der Amerikaner zu befreien. Das Spannende an diesem Roman - abgesehen vom Plot - ist das Gerücht, dass Jacques Berndorf über Insiderwissen der Geheimdiesnarbeit verfügt und einiges tatsächlich so oder so ähnlich ablaufen könnte oder vielleicht schon mal geschehen ist. Das macht aus dem Thriller mehr als nur Kopfkino, es ruft auch irgendwie ein beklemmendes Gefühl hervor. Obwohl es sich bei Lockvogel bereits um den fünften Band der BND-Reihe handelt, hatte ich nicht das Gefühl, dass mir Vorwissen fehlt. Hier und da vielleicht ein paar Kleinigkeiten die Figuren betreffend, aber grundsätzlich lässt sich der Roman auch prima als Einzelband lesen und verstehen, was ich sehr positiv finde. Diese Reihe ist auf jeden Fall anders als die Siggi Baumeister Bücher, die in der Eifel spielen, aber nicht schlechter. Die Grenzgängerin steht schon auf meiner Leseliste fürs nächste Jahr.

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