Leserstimmen zu
Der Garten über dem Meer

Jane Corry

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Devon 1866: Die junge Mary Rose Marchmont kann es nicht fassen, als ihre geliebte Mutter am Kindbettfieber stirbt und sie und ihren Vater trauernd zurücklässt. Auf dem Totenbett gibt die Mutter Mary Rose zuvor einen alten Ring, der laut einer Sage jeweils an alle weiblichen Mitglieder der Familie weitervererbt werden soll. Gerät der Ring in fremde Hände, wird ein Familienfluch ausgelöst. Mary Rose steckt ihn ein, doch als ihr Vater einige Zeit später danach sucht, mag sie ihm nicht erzählen, dass sie im Besitz des Rings ist, da sie ihn für eine Weile behalten möchte. Doch auf dem Begräbnis der Mutter findet Mary Rose Vater den Ring und nimmt diesen, schwer erzürnt über Mary Rose Lügen, an sich. Das führt zum ersten leichten Bruch zwischen Vater und Tochter. Ihr Verhältnis verschlechtert sich zusehends, als sich Mary Rose Vater in deren schöne, viel jüngere, französische Gouvernante verliebt, diese Hals über Kopf heiratet und ihr den Ring der verstorbenen Mutter ansteckt. Veronique zeigt allerdings nach der Heirat ihr wahres Gesicht- sie versucht Mary Rose auszubooten und gegen ihren Vater aufzubringen. Trauriger Höhepunkt: Veronique beschuldigt Mary Rose, etwas Ungeheuerliches getan zu haben. Sie soll ihren kleinen Bruder in einem Anfall von Eifersucht getötet haben. Doch Mary Rose will, auch wenn ihr Vater sie verstoßen hat, nicht aufgeben und ersinnt einen Plan…. Devon Gegenwart: Laura Marchmont, die bislang ledig und ohne Kind durchs Leben gegangen ist, lernt eines Tages den charismatischen Charles bei einer Vernissage kennen. Charles, geschieden und Vater von zwei Töchtern im Teenageralter und Laura können nicht genug voneinander bekommen, doch als Laura schließlich das erste Mal Charles Töchter trifft, fürchtet sie gleich, dass nun große Schwierigkeiten auf sie zukommen werden, da die Töchter keinesfalls davon angetan zu sein scheinen, dass ihr Vater eine neue Liebe gefunden hat. Dennoch nimmt sie kurze Zeit später den Heiratsantrag von Charles an und wird kurz darauf schwanger. Die Schwangerschaft beunruhigt Laura, denn sie trägt seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herum, dass sie fürchten lässt, keine gute Mutter sein zu können. Zudem findet sie heraus, dass eine Vorfahrin von ihr, einst in einem Haus lebte, dass auf dem gleichen Grundstück stand, wie das Haus, in dem Laura und Charles nun wohnen. Neugierig geworden beginnt sie mit ihrer Recherche, ist jedoch erschüttert, als sie erfährt, dass ihre Ahnin womöglich eine Mörderin gewesen sein könnte… Ich mag Unterhaltungsromane, in denen dunkle Familiengeheimnisse aufgedeckt werden müssen und in denen starke Frauen im Fokus des Geschehens stehen und so stach mir auch Jane Corrys „Der Garten über dem Meer“ gleich ins Auge. Die Geschichte wird auf gleich zwei Zeitebenen im Wechsel erzählt. Während der Leser es im viktorianischen Zeitalter mit Mary Rose Marchmont zu tun bekommt, ist es in der Gegenwart ihre Nachfahrin Laura, die den ihr zugedachten Platz im Leben erst noch finden muss. Beide Frauen sind dann auch recht unterschiedlich gestrickt. Mary Rose ist ein junges Mädchen, das ein recht naives Weltbild besitzt, in allem nur das Gute zu sehen scheint und völlig arglos, wie ein Lamm auf die Schlachtbank geführt wird. Obwohl Mary Rose Geschichte durchaus großen Unterhaltungswert besitzt und jede Menge Drama und Tragik zu bieten hat, fand ich allerdings schon irgendwann, dass es die Autorin etwas übertrieben hat damit. Ehrlich gesagt ist es schon befremdlich, dass Mary Rose geliebter Vater, der sein Töchterchen eigentlich besser kennen müsste, absolut kein Vertrauen zu Mary Rose besitzt und einer Fremden mehr Glauben schenkt, als seiner Tochter. Diese Passivität des Vaters zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch das Buch und lässt den Vater als recht schwachen Charakter erscheinen. Genauso schlecht weg kommen auch die anderen männlichen Akteure in diesem Buch. Ob Mary Rose Cousin oder auch Charles; alle sind energielose Geschöpfe, denen es an Durchsetzungsvermögen und Charakter fehlt, was sie ein wenig eindimensional und schablonenhaft wirken lässt. Überhaupt sind die Figuren in Jane Corrys Roman entweder durchweg böse, schwach oder hoffnungslos gut. Hier hätte ich mir ehrlich gesagt ein wenig facettenreicher gezeichnete Akteure gewünscht. Auch hatte ich anfangs etwas Problem mit dem eigenwilligen Schreibstil der Autorin, der sich zwar flüssig lesen lässt, jedoch, besonders hinsichtlich der Dialoge, verhinderte, dass ich vertrauter mit den Figuren werden konnte. Viele Dialoge wirkten auf mich viel zu gestrafft wiedergegeben, teilweise wurde auf Antworten mancher Personen ganz verzichtet und stattdessen einfach die Story weitererzählt, woraus man zwar dann als Leser die Antworten der anderen Person schließen konnte, was einen die Personen aber auch nicht näher brachte. Während ich Mary Rose Story in der Vergangenheit dennoch recht spannend erzählt fand, konnte mich die Story über Laura dann leider weniger packen, was auch viel daran lag, dass Laura einfach kein Sympathieträger war. Besonders in den Szenen in den sie sich um ihr neugeborenes Kind sorgt, ist sie teilweise unausstehlich, auch wenn sie einen guten Grund für ihr Verhalten hat, schießt sie jedoch dabei meilenweit übers Ziel hinaus. Und auch hier bekommen es die Leser abermals mit einem sehr schwachen männlichen Charakter in Gestalt von Charles, zu tun, so dass man sich fragt, was Laura überhaupt an ihm findet. Und dennoch, obwohl einiges zusammenkommt, was mir an „Der Garten über dem Meer“ weniger gut gefallen hat, komme ich nicht umhin zuzugeben, dass sich die 608 Seiten wie im Flug lesen ließen und zumindest Mary Rose Story meine Neugierde beim Lesen schürte. Wenn man in der Lage ist, die etwas schablonenhaft gezeichneten Charaktere nicht überaus kritisch zu beäugen und sich an den, wie ich finde, eigenwilligen Schreibstil gewöhnt hat, wird man sicherlich keine Langweile beim Lesen verspüren und die Story gebannt verfolgen.

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