Leserstimmen zu
Madame Rosella und die Liebe

Tuna Kiremitci

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Madame Rosella und die Liebe ist ein ungewöhnliches Buch, das vieles verspricht und auch manches hält. Verwundert war ich zunächst, dass das Buch recht dünn ist, was ja aber noch nichts über den Inhalt aussagt. Der Schreibstil ist wunderbar erdacht: Die betagte Madame Rosella stellt die Studentin Pelin ein, die sie einmal pro Woche besuchen soll - zur reinen Unterhaltung. Jeder Besuch von Pelin wird in einem Kapitel abgehandelt. Darauf kann sich der Leser schnell einstellen, die Protagonisten sind sehr sympathisch dargestellt. Rosella kann das Haus leider nicht mehr verlassen und freut sich jede Woche auf Pelin, die zunächst verschlossen wirkt. Für sie ist schon nach wenigen Besuchen klar, dass diese Verbindung nicht nur geschäftlicher Natur ist. Sie saugt Rosellas Geschichten aus der Vergangenheit auf und spiegelt diese auf ihr eigenes Leben. Rosella spürt, dass Pelin ihren rechten Weg noch nicht gefunden hat und hilft ihr auf die Sprünge, indem sie einen Deal mit ihr abschließt: "Diese Woche erzähle ich, die folgende Woche erzählst DU!" Pelin mag sich zunächst nicht darauf einlassen und empfindet diese Bitte eher als zu tiefes Eindringen in ihre Privatsphäre. Doch der Deal steht und sie öffnet sich immer mehr. Die beiden Frauen ergänzen sich wundervoll und jede gibt der anderen mit Respekt und Sympathie das, was sie kann. Rosellas Geschichte ist wundervoll, spannend und lehrreich - enthält sicher für jeden Menschen etwas, das ihn anspricht. Der Leser erfährt viel Weises zum Thema Liebe. Zudem wird die Judenverfolgung hier nochmal auf andere Weise dargestellt, was ich persönlich als sehr tiefgründig empfand. Auch die Mischung mit Pelins Liebesdramen sind gekonnt umgesetzt und geben Würze. Doch leider hatte ich den Eindruck, dass der Autor nach diesen paar Seiten nicht mehr die rechte Lust hatte, das Buch zu Ende zu schreiben. Man hätte noch so vieles daraus machen können - gern hätte ich mehr davon gelesen. Vor allem Pelins Werdegang ist zum Schluss viel zu schnell und vorhersehbar abgehandelt. Schade, denn letztlich ist das Buch nicht "ausgereift", sondern eher eine nette Lektüre für einen lässigen Tag auf der Terrasse. Was ja auch nicht schlecht ist. Ich hätte mir einfach mehr gewünscht...

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Madame Rosella und die Liebe ist ein ungewöhnliches Buch, das vieles verspricht und auch manches hält. Verwundert war ich zunächst, dass das Buch recht dünn ist, was ja noch nichts über den Inhalt aussagt. Der Schreibstil ist wunderbar erdacht: Die betagte Madame Rosella stellt die Studentin Pelin ein, die sie einmal pro Woche besuchen soll - zur reinen Unterhaltung. Jeder Besuch von Pelin wird in einem Kapitel abgehandelt. Darauf kann sich der Leser schnell einstellen, die Protagonisten sind sehr sympathisch dargestellt. Rosella kann das Haus leider nicht mehr verlassen und freut sich jede Woche auf Pelin, die zunächst verschlossen wirkt. Für sie ist schon nach wenigen Besuchen klar, dass diese Verbindung nicht nur geschäftlicher Natur ist. Sie saugt Rosellas Geschichten aus der Vergangenheit auf und spiegelt diese auf ihr eigenes Leben. Rosella spürt, dass Pelin ihren rechten Weg noch nicht gefunden hat und hilft ihr auf die Sprüche, indem sie einen Deal mit ihr abschließt: "Diese Woche erzähle ich, die folgende Woche erzählst DU!" Pelin mag sich zunächst nicht darauf einlassen und empfindet diese Bitte eher als zu tiefes Eindringen in ihre Privatsphäre. Doch der Deal steht und die öffnet sich immer mehr. Die beiden Frauen ergänzen sich wundervoll und jede gibt der anderen mit Respekt und Sympathie das, was sie kann. Rosellas Geschichte ist wundervoll und lehrreich, enthält sicher für jeden Menschen etwas, das ihn anspricht. Der Leser erfährt viel Weises zum Thema Liebe. Auch die Mischung mit Pelins Liebesdramen sind gekonnt umgesetzt und geben Würze. Doch leider hatte ich den Eindruck, dass der Autor nach diesen paar Seiten nicht mehr die rechte Lust hatte, das Buch zu Ende zu schreiben. Man hätte noch so vieles daraus machen können - gern hätte ich mehr davon gelesen. Schade, denn letztlich ist das Buch nicht "ausgereift", sondern eher eine nette Lektüre für einen lässigen Tag auf der Terrasse.

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Die junge Studentin Pelin ist von ihrem reichen Istanbuler Vater ins europäische Ausland geschickt worden, um seiner Beziehung mit einer deutlich jüngeren Frau nicht in die Quere zu kommen. Die Beziehung zwischen Pelin und ihrem Vater ist angespannt und Pelin will ihre Unabhängigkeit von ihm und seinem Geld so weit wie möglich wahren und so sucht sie nach eigenen Verdienstmöglichkeiten. Dabei stößt sie auf eine Zeitungsannonce, die in türkischer Sprache verfasst ist und deshalb ihre Neugierde weckt: „Suche Türkisch sprechende(n) Angestellte(n). Gute Bezahlung. Keine Berufserfahrung erforderlich. Nichtraucher bevorzugt.“ Als sie sich auf die Anzeige hin meldet, trifft sie Madame Rosella, eine alte Dame, die gemeinsam mit ihrer stummen Hausangestellten Zelda ihren Lebensabend in einem großen Haus verbringt und einen regen Mitteilungsbedarf hat. Rosella, eine Berliner Jüdin, ist vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs zu der Familie ihres Ehemannes in Istanbul geflohen und diese Zeit lässt sie nun mit Pelin Revue passieren - daher auch der Wunsch nach einer türkischsprachigen Angestellten: nur auf türkisch kann Madame Rosella ihre Erinnerungen erhalten: "Die Erinnerung an diese Jahre besteht im Türkischen fort, kann nur auf Türkisch weiterleben [...] Wenn ich mein Türkisch vergesse, dann habe ich Angst, dass das Erlebte in aller Stille verloren geht." Aber es geht bei diesen Gesprächen zwischen den beiden Frauen noch um viel mehr, als um Madame Rosellas Erinnerungen an ihre Zeit in Istanbul. Gekonnt überzeugt die alte Dame nämlich auch Pelin, mehr von sich preis zu geben und zögernd spricht Pelin von dem angespannten Verhältnis zu ihrem Vater und der Wut auf die Mutter, die Mann und Tochter verlassen hat, um mit einem anderen Mann zusammen zu leben. Außerdem drehen sich die Gespräche auch noch um die Liebe mit ihren vielen Facetten, um Religion, Sex, Wut und Vergebung. Der große Altersunterschied zwischen beiden Frauen wird ab und zu deutlich, wenn die junge Pelin mit umgangssprachlichen Redewendungen aufwartet, die sich Madame Rosella mit variierender Begeisterung aneignet. Besonders zu Beginn lässt Kiremitçi sich viel Zeit, ehe die Geschichte wirklich ins Rollen kommt. Da Pelin zunächst kaum etwas von sich preisgeben will, Madame Rosella aber auf einen Dialog mit ihr aus ist, gerät die Unterhaltung oft ins Stocken und Madame Rosella vertagt ihre Erinnerungen auf das nächste Gespräch. Mich persönlich hat das nicht gestört - wer sich drauf einlässt, wird mit einer netten Liebesgeschichte belohnt und schließt das Buch mit einem lächelnden und einem weinenden Auge ab. Insgesamt eine nette und leichte Sommerlektüre.

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Madame Rosella lädt die junge Studentin Pelin zu einem Vorstellungsgespräch ein – so denkt Pelin. Sie hat sich auf eine Anzeige beworben, weiß jedoch nicht so genau, was sie bei Madame Rosella zu tun hat. Rosella möchte ihre türkischen Sprachkenntnisse auffrischen und da sie nicht mehr so beweglich ist, plant sie jemanden anstellen, der sie unterhält. So besucht Pelin sie einmal in der Woche, um sich mit ihr auszutauschen. Durch das zunächst eher belanglose Gespräch ergibt sich jedoch schnell eine abwechselnde Erzählung – nur wenn Madame Rosella ein Stück aus ihrem Leben erzählt ist auch Pelin gewillt, etwas über ihre bisherigen Erfahrungen preiszugeben. Während es sich bei Pelin eher um den kontrollierenden Vater, die schon früh fehlende Mutter sowie um die Verehrer um sie herum dreht, von denen sie nichts wissen möchte, erzählt ihr Madame Rosella von ihrer Flucht aus Nazideutschland in die fremde Türkei, die lange Zeit mit der kleinen Tochter ohne ihren türkischen Mann Aldo auskommen musste und sich zudem dort in einen türkischen Dichter verliebt. Über die Schwierigkeiten und die engen Familienverhältnisse, über die Unverstandenheit und auch über die Rückkehr zu Aldo nach Berlin versucht Rosella Pelin ihr über das Leben zu berichten. Bis es Rosella zunehmend schlechter geht… Mein Fazit: Dieses Buch ist wirklich liebenswert und sehr anrührend. Als Leser erfährt man nicht nur die Lebensgeschichte von Madame Rosella, sondern lernt durch die Fragen von der älteren Dame an die eher verschlossenere junge Frau auch Pelin besser kennen. Beide Frauen kennen Angst, Verlust und Schwierigkeiten in ihrem Leben, nur die Lebenserfahrungen der Jüdin Rosella sind sehr viel mehr durch die Geschichte und eine heimliche Liebschaft geprägt. Rosella hat ihr Leben gelebt und alles Wichtige liegt bei ihr in der Vergangenheit – Pelin kann vieles im Leben noch steuern, daher setzt sie sich eher mit der Gegenwart auseinander. Madame Rosella entwickelt sich eine wenig zur Mutterfigur, zur Vertrauten und Ratgeberin. Und Pelin ersetzt Rosella ein wenig die Tochter, mit der sie keinen Kontakt hat. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen. Es ist in einzelne kurze Kapitel eingeteilt, die sich jeweils um einen Besuch von Pelin bei Madame Rosella handeln. So ist es sehr kurzweilig, weckt aber auch die Neugier auf das folgende Kapitel, welches immer mehr Lebensbausteine freigibt. Leider ist dieses schöne Buch viel zu schnell zu Ende gegangen, von dieser Art zu Schreiben und dies in eine schöne Erzählform zu geben, kann ich nicht genug bekommen. Bei mir wirken Rosella und ihre Geschichte noch lange nach. Kasmayın kendinizi!

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Die Gedanken zum Buch Madame Rosella ist eine alte Dame, die in Frankreich lebt und außer ihrer Haushälterin Zelda keinerlei Gesellschaft hat. Rosellas Mann Aldo ist verstorben, und da Zelda stumm ist, sehnt sich die alte Dame nach einem Gegenüber, mit dem sie sich unterhalten und austauschen kann. Am liebsten in der türkischen Sprache, denn Madame Rosella hat viele Jahre ihres Lebens als jüdischer Flüchtling in Istanbul verbracht und diese Sprache - sowie die türkische Kultur - schätzen und lieben gelernt. In der türkischen Studentin Pelin findet sie schließlich eine geeignete Gesprächspartnerin. So treffen sich die beiden Frauen wöchentlich zum Gespräch. Sie reden über das Leben, die Liebe und die Vergangenheit. Während Madame Rosella insbesondere von ihrer Zeit in Istanbul erzählt, berichtet Pelin nach und nach von ihren aktuellen Liebschaften und ihren damit verbundenen Zweifeln. Die alte Dame und die junge Studentin lernen sich mit jedem Treffen besser kennen - und aus einer zweckmäßigen Bekanntschaft wird eine innige Freundschaft. Eine Freundschaft, die geprägt ist von Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen und einem wahrhaften Interesse an dem Gegenüber. Pelin, die anfangs noch verschlossen und skeptisch war, wird zunehmend offener und fasst immer mehr Vertrauen zu ihrer neuen Freundin. Und auch Madame Rosella empfindet ihren Ausstauch mit der jungen Türkin als äußerst wohltuend und erfrischend. Der türkische Autor Tuna Kiremitçi hat für seinen Roman einen außergewöhnlichen Erzählstil und besonderen Aufbau gewählt. In 19 Kapiteln stellt er die Unterhaltungen der beiden Frauen dar, wobei jedes Kapitel ein wöchentliches Gesprächstreffen beinhaltet. Dabei ist das gesamte Buch ausschließlich in Dialogform verfasst. Ein literarischer Erzähler taucht an keiner Stelle auf, und Tuna Kiremitçi verzichtet komplett auf Beschreibungen oder Erläuterungen jeglicher Art. Sogar einleitende oder abschließende Worte zu den Dialogen lässt er völlig außen vor. Außerdem gibt es nur einen einzigen Schauplatz: nämlich Madame Rosellas Zuhause in einer französischen Kleinstadt, wo sich Rosella und Pelin zu ihren Unterhaltungen treffen. Somit weist der Roman starke Ähnlichkeiten mit einem Kammerspiel auf. Trotzdem erhält man - gerade durch die Unterhaltungen - einen tiefen Einblick in die "Welt" und die Vergangenheit der alten Dame und in das Leben der jungen Studentin. Die eigene Meinung Auch wenn Kiremitçis Erzählweise zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig und ungewohnt ist und ich einen Erzähler anfangs noch vermisst habe, hat mich doch speziell dieser Erzählstil tief beeindruckt und fasziniert. Der Autor hat nur das begrenzte Erzählmittel der Dialogform zur Verfügung, um seine Charaktere zu beschreiben, lebendig werden zu lassen, ihre Geschichte zu erzählen und den Schauplatz anschaulich darzustellen. Und diese Herausforderung hat Tuna Kiremitçi meiner Meinung nach ausgezeichnet gemeistert. Man liest die Geschichte wie ein Kammerspiel - aus einer gewissen Distanz heraus - und fühlt sich Rosella und Pelin dennoch nah. So als würde man im Nachbarzimmer sitzen und ihren Gesprächen lauschen. Dabei hat der Autor beiden Frauen ihre ganz eigene Stimme und ein individuelles Sprachregister verliehen. Während Madame Rosella - entsprechend ihres Alters - eine eher altertümliche Sprache verwendet, irritiert Pelin sie des öfteren mit modernen Ausdrücken, die meist einer Erklärung bedürfen. Dass Rosella die junge Studentin konsequent "kleines Fräulein" nennt, stört sie keineswegs. Diese Bezeichnung ist absolut liebevoll gemeint und typisch für die Ausdrucksweise der alten Dame. Bemerkenswert fand ich, dass es Kiremitçi als Mann gelungen ist, zwei weiblichen Charakteren eine authentische Stimme zu geben und den gesamten Roman aus der Sicht von zwei Frauen zu erzählen. Es imponiert mir, dass ein männlicher Autor sich so intensiv in die weibliche Gedanken- und Gefühlswelt hineindenken und -versetzen kann und es anschließend vermag, diese glaubwürdig zu porträtieren. An der Geschichte selber hat mich besonders die Entwicklung der Freundschaft zwischen Madame Rosella und Pelin angesprochen und angerührt. Trotz des ernormen Altersunterschiedes kommen sich die beiden Stück für Stück näher und schließen sich gegenseitig immer inniger ins Herz. Sie zeigen aufrichtiges Interesse aneinander und sprechen ehrlich über persönliche Erfahrungen und Gefühle. Sie halten sich nicht zurück mit eigenen Ansichten und wagen es, ihr Gegenüber freundlich zu hinterfragen und liebevoll zu tadeln. Das sind für mich Merkmale einer aufrichtigen Freundin, und ich habe es sehr genossen, Rosella und Pelin beim Vertiefen ihrer Freundschaft zu "beobachten". Dass es sich hierbei um eine Freundschaft zwischen den Generationen handelt, habe ich als überaus bereichernd und inspirierend empfunden. Ich denke, solch eine innige Beziehung zu einem Menschen mit weitreichender Lebenserfahrung trägt stark zur Horizont-Erweiterung bei und macht das eigene Leben um einiges reicher. "Madame Rosella und die Liebe" ist ein ruhiges Buch mit vielen leisen Tönen, die man aus den Unterhaltungen zwischen Rosella und Pelin heraushören kann. Leider verklingen diese Töne an manchen Stellen ein bisschen zu rasch, und ich hätte mir bei einigen Szenen etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch ein paar zusätzliche Kapitel hätten dem Roman sicherlich nicht geschadet. Gerne hätte ich die Beziehung der beiden Frauen noch weiter verfolgt und weitere Details über ihre Schicksale erfahren. So verging dieses Lesevergnügen für mich wie im Flug - und zugleich wäre mir eine langsamere und gemächlichere "Lesereise" lieber gewesen. Nichtsdestotrotz gehört "Madame Rosella und die Liebe" zu solchen Büchern, die ich gerne mehrere Male in die Hand nehme und mit Freude ein zweites Mal lese. Ein Zitat "...Denn alle Studenten der Berliner Uni waren in mich verknallt." - "Hahaha..." - "Wie, passt das Wort nicht?" - "Doch, Madame Rosella, besser ging´s gar nicht! Ich glaube, noch nie hat jemand das Wort ›verknallt‹ so niedlich gesagt. Machen sie weiter." (Seite 29) Das Fazit und die Bewertung "Madame Rosella und die Liebe" erzählt die Geschichte der außergewöhnlichen Freundschaft zwischen der entzückenden 88-jährigen Rosella und der jungen Studentin Pelin. Ein bezaubernder Roman, der mit ruhigen Tönen auf sich aufmerksam macht und mit zwei reizenden Protagonistinnen für vorzügliche Unterhaltung sorgt. Ein wohltuender Schmöker, der das Leserherz erwärmt.

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Die Gedanken zum Buch Madame Rosella ist eine alte Dame, die in Frankreich lebt und außer ihrer Haushälterin Zelda keinerlei Gesellschaft hat. Rosellas Mann Aldo ist verstorben, und da Zelda stumm ist, sehnt sich die alte Dame nach einem Gegenüber, mit dem sie sich unterhalten und austauschen kann. Am liebsten in der türkischen Sprache, denn Madame Rosella hat viele Jahre ihres Lebens als jüdischer Flüchtling in Istanbul verbracht und diese Sprache - sowie die türkische Kultur - schätzen und lieben gelernt. In der türkischen Studentin Pelin findet sie schließlich eine geeignete Gesprächspartnerin. So treffen sich die beiden Frauen wöchentlich zum Gespräch. Sie reden über das Leben, die Liebe und die Vergangenheit. Während Madame Rosella insbesondere von ihrer Zeit in Istanbul erzählt, berichtet Pelin nach und nach von ihren aktuellen Liebschaften und ihren damit verbundenen Zweifeln. Die alte Dame und die junge Studentin lernen sich mit jedem Treffen besser kennen - und aus einer zweckmäßigen Bekanntschaft wird eine innige Freundschaft. Eine Freundschaft, die geprägt ist von Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen und einem wahrhaften Interesse an dem Gegenüber. Pelin, die anfangs noch verschlossen und skeptisch war, wird zunehmend offener und fasst immer mehr Vertrauen zu ihrer neuen Freundin. Und auch Madame Rosella empfindet ihren Ausstauch mit der jungen Türkin als äußerst wohltuend und erfrischend. Der türkische Autor Tuna Kiremitçi hat für seinen Roman einen außergewöhnlichen Erzählstil und besonderen Aufbau gewählt. In 19 Kapiteln stellt er die Unterhaltungen der beiden Frauen dar, wobei jedes Kapitel ein wöchentliches Gesprächstreffen beinhaltet. Dabei ist das gesamte Buch ausschließlich in Dialogform verfasst. Ein literarischer Erzähler taucht an keiner Stelle auf, und Tuna Kiremitçi verzichtet komplett auf Beschreibungen oder Erläuterungen jeglicher Art. Sogar einleitende oder abschließende Worte zu den Dialogen lässt er völlig außen vor. Außerdem gibt es nur einen einzigen Schauplatz: nämlich Madame Rosellas Zuhause in einer französischen Kleinstadt, wo sich Rosella und Pelin zu ihren Unterhaltungen treffen. Somit weist der Roman starke Ähnlichkeiten mit einem Kammerspiel auf. Trotzdem erhält man - gerade durch die Unterhaltungen - einen tiefen Einblick in die "Welt" und die Vergangenheit der alten Dame und in das Leben der jungen Studentin. Die eigene Meinung Auch wenn Kiremitçis Erzählweise zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig und ungewohnt ist und ich einen Erzähler anfangs noch vermisst habe, hat mich doch speziell dieser Erzählstil tief beeindruckt und fasziniert. Der Autor hat nur das begrenzte Erzählmittel der Dialogform zur Verfügung, um seine Charaktere zu beschreiben, lebendig werden zu lassen, ihre Geschichte zu erzählen und den Schauplatz anschaulich darzustellen. Und diese Herausforderung hat Tuna Kiremitçi meiner Meinung nach ausgezeichnet gemeistert. Man liest die Geschichte wie ein Kammerspiel - aus einer gewissen Distanz heraus - und fühlt sich Rosella und Pelin dennoch nah. So als würde man im Nachbarzimmer sitzen und ihren Gesprächen lauschen. Dabei hat der Autor beiden Frauen ihre ganz eigene Stimme und ein individuelles Sprachregister verliehen. Während Madame Rosella - entsprechend ihres Alters - eine eher altertümliche Sprache verwendet, irritiert Pelin sie des öfteren mit modernen Ausdrücken, die meist einer Erklärung bedürfen. Dass Rosella die junge Studentin konsequent "kleines Fräulein" nennt, stört sie keineswegs. Diese Bezeichnung ist absolut liebevoll gemeint und typisch für die Ausdrucksweise der alten Dame. Bemerkenswert fand ich, dass es Kiremitçi als Mann gelungen ist, zwei weiblichen Charakteren eine authentische Stimme zu geben und den gesamten Roman aus der Sicht von zwei Frauen zu erzählen. Es imponiert mir, dass ein männlicher Autor sich so intensiv in die weibliche Gedanken- und Gefühlswelt hineindenken und -versetzen kann und es anschließend vermag, diese glaubwürdig zu porträtieren. An der Geschichte selber hat mich besonders die Entwicklung der Freundschaft zwischen Madame Rosella und Pelin angesprochen und angerührt. Trotz des ernormen Altersunterschiedes kommen sich die beiden Stück für Stück näher und schließen sich gegenseitig immer inniger ins Herz. Sie zeigen aufrichtiges Interesse aneinander und sprechen ehrlich über persönliche Erfahrungen und Gefühle. Sie halten sich nicht zurück mit eigenen Ansichten und wagen es, ihr Gegenüber freundlich zu hinterfragen und liebevoll zu tadeln. Das sind für mich Merkmale einer aufrichtigen Freundin, und ich habe es sehr genossen, Rosella und Pelin beim Vertiefen ihrer Freundschaft zu "beobachten". Dass es sich hierbei um eine Freundschaft zwischen den Generationen handelt, habe ich als überaus bereichernd und inspirierend empfunden. Ich denke, solch eine innige Beziehung zu einem Menschen mit weitreichender Lebenserfahrung trägt stark zur Horizont-Erweiterung bei und macht das eigene Leben um einiges reicher. "Madame Rosella und die Liebe" ist ein ruhiges Buch mit vielen leisen Tönen, die man aus den Unterhaltungen zwischen Rosella und Pelin heraushören kann. Leider verklingen diese Töne an manchen Stellen ein bisschen zu rasch, und ich hätte mir bei einigen Szenen etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch ein paar zusätzliche Kapitel hätten dem Roman sicherlich nicht geschadet. Gerne hätte ich die Beziehung der beiden Frauen noch weiter verfolgt und weitere Details über ihre Schicksale erfahren. So verging dieses Lesevergnügen für mich wie im Flug - und zugleich wäre mir eine langsamere und gemächlichere "Lesereise" lieber gewesen. Nichtsdestotrotz gehört "Madame Rosella und die Liebe" zu solchen Büchern, die ich gerne mehrere Male in die Hand nehme und mit Freude ein zweites Mal lese. Ein Zitat "...Denn alle Studenten der Berliner Uni waren in mich verknallt." - "Hahaha..." - "Wie, passt das Wort nicht?" - "Doch, Madame Rosella, besser ging´s gar nicht! Ich glaube, noch nie hat jemand das Wort ›verknallt‹ so niedlich gesagt. Machen sie weiter." (Seite 29) Das Fazit und die Bewertung "Madame Rosella und die Liebe" erzählt die Geschichte der außergewöhnlichen Freundschaft zwischen der entzückenden 88-jährigen Rosella und der jungen Studentin Pelin. Ein bezaubernder Roman, der mit ruhigen Tönen auf sich aufmerksam macht und mit zwei reizenden Protagonistinnen für vorzügliche Unterhaltung sorgt. Ein wohltuender Schmöker, der das Leserherz erwärmt.

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Mal ehrlich, ist das Cover nicht herrlich? Allein das ist den Kauf des Buches schon fast wert ;) Auch im Nachhinein gefällt es mir noch immer sehr gut und passt auch hervorragend zum Inhalt. Das Buch hat zwar nicht allzu viele Seiten, aber die braucht es auch nicht. Es verspricht dennoch interessante Leseunterhaltung. Das ganze Buch ist wie eine Vielzahl an Unterhaltungen aufgebaut. Jedes Gespräch hat dabei ein eigenes Kapitel erhalten. Ich hatte zwar mit diesem Schreibstil gerechnet, der Klappentext merkt es ja bereits an, dennoch war er zunächst ungewohnt. Wenn ihr wissen möchtet, was ich meine, kann ich euch nur die Leseprobe rechts ans Herz legen. Die beiden Hauptfiguren Madame Rosella und Pelin werden über die Gespräche hinweg vorgestellt. Da es hier keine Beschreibungen an sich gibt, und sich der Leser wirklich nur über die Unterhaltungen einfinden kann, fällt es etwas schwer eine Beziehung zu den beiden Figuren aufzubauen. Letztlich wachsen sie einem aber doch irgendwie ans Herz, sodass man gespannt die Erzählungen der beiden verfolgt. Den Altersunterschied zwischen ihnen fällt beim Lesen tatsächlich nur an einigen wenigen Stellen auf. Insbesondere hinsichtlich der Ausdrucksweise wirkt Madame Rosellas Redegewandtheit reifer und wohl auch überlegter. Es ist herrlich amüsant ihre Unterhaltung zu verfolgen, in der Pelin immer wieder sehr jugendliche Ausdrücke einfließen lässt, die bei Rosella dann natürlich zu Irritationen und fragenden Blicken führen. Auch wenn diese nicht beschrieben werden, so konnte ich sie beim Lesen doch regelrecht vor mir sehen. Insgesamt ist “Madame Rosella und die Liebe” ein rundum empfehlenswertes Buch. Der Schreibstil ist anders und ungewohnt, doch die anfängliche Irritation verfliegt schnellt. Die Unterhaltungen sind flüssig, voller kleiner Rätsel und nicht nur für die Protagonisten unterhaltsam. Tuna Kiremitci hat hier einen tollen Roman geschaffen, den ich jedem gern ans Herz lege und wie ihr euch wohl schon denkt nur mit den vollen 5 Sternen bewerten kann.

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Madame Rosella ist eine ältere Dame, die aufgrund ihres Alters nicht mehr aus ihrer Wohnung kommt. Sie möchte jedoch ihre Türkischkenntnisse nicht verlieren, denn mit denen verbindet sie eine ganz besondere Zeit in ihrem Leben. Also gibt sie eine Anzeige auf und sucht jemanden, der sich nur mit ihr unterhält. Und so tritt Pelin in ihr Leben. Beide treffen sich nun einmal wöchentlich und schnell entwickelt sich eine Freundschaft zwischen der Studentin und der älteren Dame. Ihre Geschichten handeln vom Leben, von der Liebe, den Familien und ihren Träumen. Es werden alte Wunden wieder geöffnet und neue geschlossen, die Lieben zum Leben erweckt und neue Träume entdeckt. Die Gespräche sind kurz und somit auch die Kapitel, in die das Buch eingeteilt ist. Jedes Kapitel ist ein Besuch und fast jedes Mal wechseln sie sich mit dem Erzählen ab. Während Rosella in der Vergangenheit schwelgt und ist für Pelin die Gegenwart wichtig. Der Wechsel der Perspektiven macht die Geschichte interessant und man möchte stets wissen, wie die Geschichte der jeweils anderen weitergeht. Das Buch ist so leicht und kurzweilig geschrieben, dass man es schnell gelesen hat. Man klappt das Buch fast schon etwas traurig zu, da man nun Madame Rosella und Pelin verlassen muss. Eine liebevolle, ironische und nachdenkliche Geschichte über das Leben, den Krieg, die Liebe und die Freundschaft.

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