Leserstimmen zu
Das Gleismeer

China Miéville

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China Mieville kann mit seiner Wortwahl, den interessanten Charakteren und der zum Teil skrulien Welt in "Das Gleismeer" auf jeden Fall überzeugen. Leider dauerte es etwas, bis ich mich auf das Abenteuer des Protagonisten Sham ap Soorap auf der dem Maulwurfsfänger-Zug im Gleismeer einlassen konnte. Nachdem die ersten Hürden überwunden waren, hat mir das Buch jedoch gut gefallen. Zu Empfehlen für alle, die auf skurril-coole Phantasy/Science Fiction stehen.

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Das geheimnisvolle Meer der Schienen... Das Gleismeer ist eine von Schienen durchzogene Weite, das die weit voneinander entfernten Städte miteinander verbindet. Doch in dieser Leere existiert nicht nur das sich ständig verändernde Schienennetz, sondern auch riesige Kreaturen, die das Gleismeer zu einer lebensgefährlichen Zone gemacht haben. Nur die Züge durchqueren regelmäßig die gefährliche Wildnis. So auch die "Medes", auf der der junge Sham anheuert. Die Medes-Crew macht überwiegend Jagd auf Riesenmaulwürfe, die sogenannten "Moldywarps". Sham, der als Gehilfe des Arztes mitreist, ahnt noch nicht, was ihn auf dieser Fahrt alles erwarten wird. Als der Zug schließlich auf ein altes Wrack stößt und Sham sich in einem umgestoßenen Waggon umschauen soll, macht er eine interessante Entdeckung: Ein Gegenstand, der ein besonderes Geheimnis enthält. Sham lässt das schier Unglaubliche nicht mehr los und forscht nach. Ein Abenteuer mit ungewissen Ausgang wartet auf ihn... "Verkrüppeltes Strauchwerk, schwarz wie Eisen, flog vorüber, wie auch echter Eisenschrott aus versunkener alter Zeit. Über dieses Panorama, soweit das Auge reichte, zog sich ein fantastisches, schier endloses Geflecht aus Schienensträngen. Das Gleismeer." - Seite 15, eBook China Miéville hat hier einen außergewöhnlichen Roman mit einem sehr speziellen Schauplatz geschaffen: Eine von tausenden Schienen durchzogene Weite, in deren Erde unheimliche Gefahren lauern - Das Gleismeer. Auch in diesem Buch hat der Autor wieder seinen ganz eigenen, speziellen Schreibstil angewandt: So muss man sich erst daran gewöhnen, das im gesamten Buch für das Wort "und" nur das Zeichen "&" verwendet wird. (Dieses wird interessanterweise in Kapitel 33 auch angesprochen). Anfangs weiß man nicht wohin die Geschichte eigentlich führt, doch dieses kristallisiert sich nach und nach ein wenig heraus. Besonders Shams Entdeckung auf dem Wrack gibt der Geschichte nochmal eine ganz interessante Wendung. Sehr erwähnenswert ist auch das Cover, das mit seiner tollen Gestaltung sofort ins Auge springt und perfekt zum Buch passt. Mein Fazit: Ein außergewöhnliches Buch, dass so seine Stärken und Schwächen hat. Beeindruckend ist, was für eine skurrile Welt der Autor hier geschaffen hat. Nachdem man sich an den sehr speziellen Schreibstil gewöhnt hat, liest sich die Geschichte ganz gut, manchmal sind allerdings bestimmte Namen und Fachausdrücke etwas verwirrend. Nachdem das erste Drittel etwas beschwerlich ist, nimmt die Story danach zwar etwas an Fahrt auf, doch leider bleibt sie etwas wirr. Auch wenn die Geschichte ist eine gute Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und Steampunk enthält, hat mir eine klare Linie gefehlt. Gut, aber nicht ganz so stark wie andere Werke von ihm.

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Ein ungewöhnlicher Roman, mit einem Thema, das es so noch nicht gab: Eine Art postapokalyptische Welt. Die Welt der Menschen besteht aus Zügen: Quasi die gesamte Erdoberfläche ist mit Gleisen überzogen, und die Berufe haben sich zum großen Teil so entwickelt, dass sie auf fahrenden Zügen ausgeführt werden können – sei es Jäger, Pirat, Militär, Artefaktesammler, Arzt oder anderes. Außerhalb davon leben die Menschen in Refugien zwischen den Gleisen, die Inseln bilden, denn direkt auf der Erdoberfläche ist es nicht sicher: Riesenhafte, mutierte Tiere aller Art – seien es flugzeuggroße Maulwürfe, armlange Würmer oder kopfgroße Käfer – mit Appetit auf Menschenfleisch leben unter der Erde und in Tunneln, um jeden Mensch, der aus Versehen einen Fuß auf die blanke Erde zwischen den Gleisen oder Inseln setzt, binnen Minuten zu verschlingen. In dieser Welt lebt Sham – ein Jugendlicher, der bei Verwandten aufwächst, da er seine Eltern verloren hat, und nichts lieber täte, als Artefakter zu werden – Entdecken, sammeln, studieren und reparieren alter herumliegender Artefakte aus vorhergehenden Epochen, die zwischen den Gleisen und in alten Zugwracks noch zuhauf zu finden sind. Doch seine Verwandten stecken Ihnen in einen Zug der Maulwurfjäger, um dort Gehilfe des Zugarztes zu werden. Mehr schlecht als recht kämpft sich Sham durch unter seinen spottenden Kameraden und einer Kapitänin, die nichts anderes im Sinn zu haben scheint, als ihre persönliche Nemesis, den Monstermaulwurf Moldywarp zu fangen. Doch als Sham in einem Zugwrack eine Speicherkarte entdeckt und durch Zufall die Bilder darauf sieht, entdeckt er das Unfassbare: Ein einzelnes Gleis, das ins nirgendwo führt. Das undenkbare, nicht existierende Ende des Gleismeers. Fortan ist Sham von der Idee beseelt, den Bildern und der Geschichte, die Ihnen innewohnt, auf den Grund zu gehen, und beginnt seine abenteuerliche Reise erst richtig. Beurteilung Wie ich eingangs sagte – ein sehr ungewöhnliches Buch in jeder Hinsicht. Postapokalyptischer Steampunk mit einer einmaligen Idee, verpackt in einen etwas seltsamen Schreibstil, an den man sich gewöhnen muss. Die herausragendsten Merkmale sind, dass der Autor jedes Mal statt dem Wort „und“ das Zeichen „&“ verwendet – am Anfang extrem nervig, bis man es irgendwann nicht mehr wahrnimmt, es wird übrigens auch im Buch direkt angesprochen. Der Autor ist hier der direkte Erzähler, aber auch das ist nur in den kurzen Switches zwischen den Handlungssträngen spürbar, in denen der Leser direkt angesprochen wird. Soviel zu den äußeren Umständen, an die man sich wie gesagt schnell gewöhnt. Die Story selbst nimmt einen recht unerwartet mit – mir ging es so, dass ich nach den ersten Seiten dachte „oh je, das wird anstrengend…“ und dann gemerkt habe, dass ich 200 Seiten weiter bin und das Buch nicht zur Seite legen kann. Sehr schnell schließt man den jungen Sham, die Hauptperson des Buchs, ins Herz, denn er ist ein typischer Halbwüchsiger, unschlüssig, neugierig, ungeduldig, wankelmütig, eben wie viele von uns in dem Alter, gleich der Lebensumstände. Die Welt, in der Sham lebt, ist faszinierend und extrem gut beschrieben, so dass man beim Lesen richtig Kopfkino bekommt. In jedem Kapitel entdeckt man neue Welten für sich. Bis zum Ende bleibt leider viel unerzählt und der Fantasie viel Spielraum, um sich den Rest auszumalen. Es scheint nicht unbedingt eine Fortsetzung geplant zu sein – was sehr schade ist, denn man fängt am Ende eigentlich gerade erst an, die Welt von Sham und seinen Freunden zu entdecken. Ein einzigartiger Roman, der einen um eine tolle Leseerfahrung bereichert.

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Ein gelungenes Cover, das mich gleich magisch angezogen hat, mit dem Zahnrad Flügel ein echter Hingucker. Dies war mein erstes Buch von Miéville und auch das erste aus dem Genre Steampunk. Ich kann euch schonmal so viel verraten: es hat mir richtig gut gefallen. Ich werde auch nicht zum letzten Mal ein Buch aus dem Genre lesen. Besonders gut hat mir die Aufmachung der Kapitel gefallen, jedes Kapitel beginnt mit einer Zeichnung von einer "Kreatur" aus der Geschichte. So bekommt man gleich einen Einblick in diese Welt, die sich auf den Gleisen abspielt und auch darunter ;-) Das einzige was mir an dem Buch nicht gefallen hat war die Schriftart, sie war sehr klein, es gab kaum Absätze und die Seiten waren dadurch sehr voll bedruckt, ich habe lieber ein paar Seiten mehr und dann dafür einen Moment wo sich die Augen entspannen können. Deswegen war es schwierig, mal eben zwischendurch ein paar Seiten zu lesen. Der Schreibstil ist fließend, bildlich und sehr detailreich. Die Charaktere werden wunderbar ausführlich beschrieben sodass vor dem geistigen Auge erscheinen, aber auch die Ereignisse werden sehr ausführlich beschrieben, sodass man gleich das Gefühl hat auf der Jagd nach den Maulwürfen auf dem Zug Medes mit dabei zu sein. Eine sehr spannende Geschichte mit interessanten Protagonisten und verrückten Maulwurf-Kreaturen, die einen in den Bann zieht. Die riesigen Überkreuzungen der Schienen die sich durch das Land ziehen und dann aussehen wie das Gleismeer haben es mir wirklich angetan obwohl überhaupt kein Fan von Zügen bin hat mich dieses Buch trotzdem überzeugt und gut unterhalten. Fazit: Eine tolle Geschichte, die hier und da ein paar kleine Schwächen hat, mich jedoch gut unterhalten hat. Es war spannend Sham auf seiner Reise zu folgen.

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Vorsicht: Spoiler! Vorausgeschickt: Dies ist mein erster Miéville. Ich habe mir von kompetenter Seite bestätigen lassen, dass Mievilles Romane für Erwachsene komplexer sind als dieser hier. Denn für einmal bin ich damit einverstanden, eine Geschichte mit einem jugendlichen Helden auch als Jugendroman zu bezeichnen - vor allem auch, weil die Geschichte sehr geradlinig und ohne grosse philosophische oder andere Kinkerlitzchen erzählt wird. Das schadet dieser Geschichte hier übrigens nicht einmal. Es gibt zwar den Erzähler, der sich auch schon mal direkt an seine Leser wendet und ihn damit triezt, dass er nun doch so oder so fortfahren könnte - es aber nicht tue. Doch das ist heute selbst in Kinder- und Jugendliteratur schon beinahe Standard. Nach allem, was ich weiss, gilt Miéville als Vater oder einer der Väter des Steam Punk. Diese Faszination mit veralteter oder veraltender Technik finden wir in Das Gleismeer zwar auch - aber die hier vorkommenden Fahrzeuge sind nicht nur mit Dampf, sondern ebenso mit Diesel betrieben, mit Elektrizität, mit Schwungrädern, werden aufgezogen wie Kinderspielzeuge oder verfügen über eine geheimnisvolle interne Energiequelle, die entweder Atomkraft sein könnte oder Robert A. Heinleins Shipstone. Überhaupt ... die fremden Einflüsse ... Miéville gilt als einer der Meister des sog. Mashup. Das ist im vorliegenden Zusammenhang mit der Pop-Musik zu verbinden, wo es das Mischen unterschiedlicher Motive bzw. Melodien in einem einzigen Lied meint. (Für die älteren Semester: ein Quodlibet.) Und dieses Mischen unterschiedlicher Motive beherrscht Miévielle tatsächlich aufs Meisterlichste. Wir finden am Ende des Buchs, in der DANKSAGUNG, eine lange Liste von Autoren & Künstlern, in deren Schuld [er] stehe. Ich kenne vielleicht einen Viertel von den auf dieser Liste aufgeführten Namen. Joan Aiken - allerdings nur dem Namen nach. Defoe, dessen Robinson-Crusoe-Motiv des auf einer einsamen Insel Gestrandeten und sich aus angeschwemmten Resten der Zivilisation eine neue, eigene Zusammenbastelnden in einer jener oben erwähnten Triezereien Miéville anspricht. Was er Erich Kästner zu verdanken haben will, ist schwieriger zu bestimmen. Vielleicht das Grundmotiv des vom Vater (sowieso), aber auch von der Mutter verlassenen Jungen, der sich selbst wehren muss und schliesslich auch lernt, sich selber zu helfen. Meine Lektüre von Ursula le Guins Erdsee ist zu lange her, um genau sagen zu können, welchen Einfluss wir daran festmachen könnten, und vielleicht bezieht sich Miéville ja auch auf andere Romane dieser Autorin. Herman Melville ... man liest, Miéville hätte dessen Moby-Dick neu und gestrafft erzählen wollen, reduziert quasi auf den Abenteuerroman, der Moby-Dick nicht ist. Diese These ist, auch wenn sie von Miévielle selber stammt, Unsinn. Miéville parodiert ein paar Grundmotive von Moby-Dick. Dies nicht einmal ungeschickt - aber das ist alles. Die Ausgangssituation von Railsea und Parodie von Moby-Dick besteht darin, dass Miéville an Stelle des Meers aus Salzwasser ein Meer von Geleisen nimmt, gefüllt mit Kreuzungen und Weichen, nur mit einem nicht: einem Ende. Auf diesem Gleismeer fahren statt der Schiffe nun Züge. Diese Züge gehören verschiedenen Nationen an und üben verschiedene Tätigkeiten in diesem Gleismeer aus. Selbst Häfen gibt es und Schlepperlokomotiven, die die fremden Züge in ihre Häfen ziehen, damit diese dort ihre Ladung löschen können. Auf einem dieser Züge heuert der Held der Geschichte, der junge Sham ap Soorap, als Lehrling des Medicus an. Die Aufgabe dieses Zugs ist es - Maulwürfe zu jagen. Was nämlich bei Melville die Wale sind, die als riesige Bedrohung im Wasser schwimmen, sind bei Miéville riesige Maulwürfe, Hasen, Ameisenlöwen etc. etc., die unter der Erde in einem Affentempo Höhlen graben, um zu jagen. (Denn alle diese - zumindest für uns Menschen - harmlosen Viecher sind bei Miéville zu bedrohlichen, riesigen Bestien geworden.) Und natürlich haben die Züge bei Miéville keinen Lokführer, sondern einen Kapitän. Im Falle von Shams Zug handelt es sich dabei um eine Frau: Kapitänin Abacat Naphi (genau: ein Anagramm von Captain Ahab). Sie hat natürlich ihre Obsession - in ihrem Fall ein gelber Riesenmaulwurf. (Gelb? Vanille? Elfenbein? Man streitet sich sogar um die Farbe...) Der Riesenmaulwurf heisst Mocker Jack und hat ihr - nein, nicht das Bein - sondern den linken Arm abgerissen. Nun verfügt sie über einen künstlichen mit diversen Gadgets versehenen (was wiederum auf Heinleins Waldo hinweisen würde). Nicht nur sie, sondern Dutzende von Kapitänen haben eine solche Obsession, denen sie teilweise auch Gliedmassen geopfert haben; es ist sozusagen ein Teil der Berufsehre von Kapitänen, eine solche Obsession aufzuweisen und ihr Gliedmassen geopfert zu haben, und sie wird Philosophie genannt. Damit hat es sich dann mit der Ähnlichkeit bzw. Parodie - ausser vielleicht noch, dass die Jagd mit Harpunen auf den Maulwurf und das Schlachten und Zerlegen desselben natürlich noch auf Melville anspielt. Und dass die Parodie durch das Aufdecken der Tatsache, dass der künstliche Arm der Kapitänin eine Fälschung ist, akzentuiert wird. Selbst das Falsche ist falsch. Die Geschichte biegt im Übrigen sehr rasch in einen Jugendabenteuerroman im Stile von R. L. Stevenson ein. Wie bei der Schatzinsel geht es um das Erreichen eines geheimnisvollen Ziels, wie bei der Schatzinsel kommen auch Bösewichte in Form von Piraten vor. Damit hätten wir zugleich einen weiteren Schriftsteller erwähnt, in dessen Schuld zu stehen Miéville zugibt. Von seiner Liste kenne ich dann nur noch die beiden Strugatzkis, allerdings auch nur das Picknick am Wegesrand - das ich allerdings bei der Lektüre enttäuschend fand. (Besser gelungen war da der Film nach Motiven von Picknick am Wegesrand, Stalker.) Aber die beklemmende Atmosphäre von Miévilles post-apokalyptischer Szene könnte durchaus auf die Brüder Strugatzki zurückzuführen sein. (Oder doch auf den Film?) Daneben gibt es sicher auch Einflüsse, die Miéville nicht nennt, auch wenn er sie in sein Quodlibet eingebunden hat. Da ist der bereits erwähnte Heinlein, der mir ein paar Mal aus den Seiten herauszugucken scheint. Auch Mangas, so wenig ich davon verstehe, haben sicher bei der einen oder andern Figur (mit) Pate gestanden - vielleicht steckt ja hinter diesem oder jenem Namen, der mir nichts sagt, ein Manga-Autor. Miévilles Roman spielt, wie schon gesagt, in einer post-apokalyptischen Welt. Erde und Himmel sind verseucht und werden von allerlei seltsamem Getier bewohnt. Die Ebenen sind unbewohnbar, weil diese Tiere, die dort unterirdisch leben, jedes sich darauf bewegende Lebewesen sofort packen, töten und fressen. Nur gewisse Gebirge, die aus extra-hartem Stein sind, können bewohnt werden. Diese Gebirge ragen aus der Ebene heraus wie Inseln oder Kontinente aus dem Meer. Der Grund für die Zerstörung von Himmel und Erde war offenbar ein Wirtschaftskrieg zwischen Eisenbahnbaronen, die lieber die ganze Welt zu Grunde richteten und mit Geleisen bedeckten, als miteinander Handelsverträge abzuschliessen. Nun gibt es nur noch die Geleise, aber weder die Barone noch deren Eisenbahngesellschaften mehr. Das Universum, in dem Railsea spielt, kann übrigens nicht das unsere sein. Das Tempo, das die Maulwürfe in ihren unterirdischen Grabungen an den Tag legen (bzw. eben nicht an den Tag sondern an die unterirdische Nacht legen), ist viel zu hoch, als dass es in einem andern Medium als in einem flüssigen (also Wasser) möglich wäre. Aber hier ist die Erde, auf die zu treten sich Sham so sehr hütet, feste Erde, auf der auch Geleise verlegt werden konnten. Auch sind gewisse Tiere, wie z.B. der riesige Ameisenlöwe, physikalisch nicht haltbar - jenseits einer gewissen Körpergrösse kann der offene Blutkreislauf eines hiesigen Insekts nicht mehr funktionieren. (Ich tippe bei diesen Viechern übrigens auf ein weiteres Mashup, diesmal mit alten Horrorfilmen, in denen Riesenameisen oder Riesenspinnen die Welt bedrohen.) Ein Jugendroman, der viel Spannung aufweist. Ich glaube nicht, dass Jugendliche mit ihrer doch noch beschränkteren Leseerfahrung alle Anspielungen Miévilles entziffern können - konnte ich es doch selber nicht. Die recht geradlinige und wenig komplexe Handlungsführung entschädigt mit ihrer Spannung dafür; enttäuscht allerdings vielleicht den 'erwachsenen' Leser. Man darf von einem Jugendroman wohl nicht zu viel erwarten. Es ist Miéville zu Gute zu halten, dass seine Figuren, selbst die piratischen Bösewichte, keinem Schwarz-Weiss/Freund-Feind-Schema untergeordnet werden können. Mir hat der Roman - unter diesem Gesichtspunkt gelesen - ein vergnügliches Wochenende beschert.

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Cover Das Cover des Buches gefällt mir gut. Es ist schön schlicht, großer Titel, & der mechanische Flügel gefällt mir sehr gut. Ich musste im ersten Moment etwas mehr an Steampunk denken, aber zu der Welt des Gleismeers passt es auch sehr gut. Über das Buch Sham ap Soorap heuert als Famulus des Schiffarztes auf der Medes an, einem Zug, der als Maulwurffänger durch das Gleismeer fährt. Der Kapitän des Schiffes verfolgt eine Philosophie, einen zahnfarbenen Maulwurf von ungeheurer Größe. Als sie auf ihrer Reise einen havarierten Zug untersuchen finden sie etwas, das vor allem Sham in eine neue Richtung lenkt. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Erzählers berichtet & verfolgt hauptsächlich Sham. Besonders ab der Hälfte des Buches schwenkt die Geschichte zwischen verschiedenen Perspektiven hin & her. Zwischen der eigentlichen Geschichte gibt es immer wieder kurze, relativ sachliche Abschnitte, die einen Einblick in die Welt des Gleismeers geben. Das Gleismeer an sich ist ein ziemlich interessantes Szenario für eine Geschichte. Riesenhafte Tiere wie Maulwürfe, die auch vor der Jagd nach Menschen nicht zurück schrecken, vergifteter Boden & geheimnisvolle Engel, die das Schienennetz instand halten. Mir hat die Atmosphäre gefallen, die das Buch & die Beschreibungen der Welt erzeugt haben. Die Charaktere haben mir insgesamt auch sehr gefallen. Sie waren sehr unterschiedlich, und hatten ihre eigenen Macken. Der junge Sham war ein sympathischer kleiner Kauz, am Anfang etwas planlos, aber dann zunehmend mit einer Mission. Er war sehr loyal, meist clever, und manchmal auch ein bisschen naiv. Er wirkte sehr natürlich. Von den anderen Charakteren mochte ich vor allem Kapitän Naphi, sie war manisch, total eingenommen von ihrer Philosophie, & dabei doch irgendwie ein guter Mensch. Die Story an sich fand ich nicht schlecht. Allerdings fehlte mir in der ersten Hälfte des Buches ein bisschen der rote Faden. Man hatte überhaupt keine Ahnung, in welche Richtung sich das ganze entwickelt & das hat mich ein bisschen gestört. Ab der Hälfte ist der rote Faden dann da & man weiß endlich, worum es geht. Und dann wird es auch wesentlich spannender. Das Ende hat mir zwar gefallen, aber ein Teil davon fand ich irgendwie unbefriedigend, & mir hat ein bisschen was gefehlt. Fazit “Das Gleismeer“ ist ein ungewöhnlicher Roman der seine starken und schwachen Momente hatte. Die Charaktere haben mir gefallen, die Story braucht etwas, um in Gang zu kommen, war aber dennoch sehr angenehm und ungewöhnlich zu lesen, nicht zuletzt weil es kein „und“ gab.

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Mit der "Klingen"-Reihe wurde Joe Abercrombie weltbekannt und berühmt. Jetzt präsentiert der Heyne-Verlag mit "Königsschwur" eine neue Reihe des Autors. Es ist dabei der Auftakt zu einer Roman-trilogie, deren zweiter Teil im August herauskommen soll. Der Autor wurde 1974 in Lancaster, England geboren. Er studierte an der Manchester-Universität Psychologie, ehe er anfing als freischaffender Fernsehredakteur zu arbeiten. Da er zu Beginn zu viel Freizeit hatte, beschloss er einen Fantasy-Roman zu schreiben, aus dem bald mehrere wurden. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath. Das Leben und Überleben in den Nordlanden ist kalt und hart. Denn nur, wer ein guter und großer Krieger ist, hat Chancen ein König zu werden. Yarvi ist das nicht. Er hat eine verkrüppelte Hand und wird deshalb zu einem Gelehrten ausgebildet. Doch dann werden sein Vater und sein Bruder, der Thronfolger, umgebracht. Und er wird zu einem König wider Willen. Doch allzu lange hat er diese Aufgabe nicht inne. Er wird verraten und als Sklave verkauft. Doch anstatt einzugehen und zu sterben, hält er durch. Er beginnt sich zu verändern, wird härter. Und plant sein Überleben und seine Rache. Denn wer auch immer hinter allem steckt, soll dafür büßen. Joe Abercrombie ist ein Vertreter der "Dark Fantasy". Das heißt, es geht bei ihm heftig zur Sache. Blut und Inneren werden in dieser Geschichte haufenweise verloren. Das muss man wissen, denn es zeichnet dieses Buch aus. Dabei ist die Story durchaus faszinierend. Yarvi erinnert etwas an Tyrion Lennister. Beiden ist gemein, dass sie auf Grund einer Behinderung keine Krieger werden können und deshalb gezwungen sind, ihren Verstand einzusetzen. Nur das Yarvi eben eine entsprechende Ausbildung erfährt. Der Auftakt des Romans liest sich deshalb faszinierend. Und auch die Charakterisierungen stimmen. Man merkt wie Yarvi von der Situation zu Beginn überfordert ist, wie untypisch er für diese Kriegergesellschaft ist. Der Verrat, der zu seinem Sklavendasein führt, schmerzt dabei deutlich, weil man die Emotionen nachvollziehen kann. Doch danach baut die Geschichte ab. Sie wird immer mehr zu 08/15. Und was besonders tragisch ist: Sie wird immer vorhersehbarer. Zu deutlich telegraphiert der Autor die Bedeutung von "Nichts" an, dem versklavten Schiffschrubber, der mit einer Waffe in der Hand tödlich ist. Zu sehr wirkt die Wandlung Yarvis zu einem rachebesessenen Menschen aufgesetzt. Es überzeugt nicht und was noch schlimmer ist, der berühmte Funke will nicht überspringen. Das liegt auch daran, dass man sich, je weiter die Handlung fortschreitet, immer mehr langweilt. Natürlich läuft die Flucht nicht glatt. Natürlich kommt es zu Kämpfen. Und natürlich wird, wie es im Genre üblich ist, jede gute Tat mit einer schlechten vergolten. Man kennt das alles und kann gut darauf verzichten. Am Ende ist das Buch "Nur Für Fans" etwas.

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Das Gleismeer ist mein erster Roman von China Miéville, weshalb es sich bei mir nicht dem Vergleich mit seinen Perdidi Street Station - Büchern stellen muss, von denen ich hinterher erfahren habe. Die Geschichte siedelt sich im Steampunk Genre an, vermischt mit Fantastischem und Science Fiction. Es ist eine sehr bunte, sehr eigene Mischung, die sicherlich nicht jedermans Sache ist. Grob gesagt, ist es eine Geschichte um ein großes Abenteuer, um eine Monsterjagd. Das Buch beginnt mit einem Prolog, der mitten in der eigentlichen Geschichte einsetzt: eine Gruppe von blutüberströmten, singenden Jungen. Im Weiteren soll erzählt werden, wie es dazu kam. Ein klassisches Element, allerdings etwas anders verwendet, als ich es kenne. Es erinnert anfangs ein bisschen an einen Filmdirektor, der Anweisungen an seinen Kameramann weitergibt. Überhaupt ist der Schreibstil sehr eigen, sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist nicht nur die lockere und erfinderische Sprache, sondern beispielsweise auch die Angewohnheit, statt "und" das kaufmännische "&" zu schreiben. Sieht seltsam aus und stört auf den ersten Seiten gehörig den Lesefluss, später habe ich mich ein wenig daran gewöhnt. Die Geschichte selbst erinnert an einen modernen Moby Dick. Ich will nicht zu viel verraten, aber wer Shams Abenteuer ließt, wird die Gemeinsamkeiten erkennen. Besonders angetan hat es mir die Idee des Gleismeeres selbst. Statt aus Wasser besteht es aus Sand, und es wimmelt vor gefährlichen Kreaturen, die von Menschen wie Sham gejagt werde. Statt von Schiffen wird es von Zügen bereist, dessen Gleisnetz sich verändern kann. Wäre es nicht so anstrengend zu lesen gewesen, hätte ich es sicherlich in einer Nacht verschlungen, denn die Grundidee dieser zerstörten, bizarren Welt hat mich vollkommen überzeugt. Auch die Figuren und ihre Ausarbeitung gefallen mir, weil sie so komplex und dadurch echt erscheinen.

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