Leserstimmen zu
Bleib bei mir

Elizabeth Strout

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ZWEI ROMANE AUS MAINE, Nordamerika.

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart

02.06.2016

Rezension Elisabeth Strout: Das Leben natürlich! Roman. Luchterhand 2013. Bleib bei mir. Roman. Luchterhand 2014. ZWEI ROMANE AUS MAINE, Nordamerika. Von Tanja Jeschke Die amerikanische Pulitzerpreisträgerin Elizabeth Strout hat beim Luchterhand Verlag zwei Romane innerhalb eines Jahres vorgestellt, ins Deutsche übersetzt von Sabine Roth und Walter Ahlers. Titel: Das Leben natürlich! (2013) und Bleib bei mir (2014). Beide Romane sind unterhaltsam, gut erzählt und leben von der anschaulichen und bisweilen humorvollen Beschreibung sympathischer Charaktere der nordamerikanischen Mittelschicht von Maine. Es sind Menschen wie du und ich, die in ihren Alltäglichkeiten und Sorgen aufeinander angewiesen sind und in lebhaften Dialogen korrespondieren. Im ersten Roman sind es drei gemeinschaftliche Bezugsrahmen, die sich plötzlich überschneiden, als der Sohn von Susan Burgess einen Schweinekopf in eine Moschee schmeißt. Auf einmal sind sie alle zur Stelle: die Burgess-Brüder, sonst Anwälte in New York, die Mitglieder der islamischen Glaubensgemeinde, die somalischen Flüchtlinge. Sie müssen zusammen eine Lösung in diesem Skandal finden. Elisabeth Strout geht es dabei nicht um die Lösung, die es schließlich nicht wirklich gibt, sondern um das, was dabei an Leben entsteht, an Beziehungen. Dies ist überzeugend gemacht, auch wenn die Sache mit dem Schweinekopf etwas theatralisch anmutet. Im zweiten Roman ist es der freundliche Pastor Tyler Caskey, dessen Frau Lauren gerade an Krebs gestorben ist und ihn mit zwei Kleinkindern allein in seiner Gemeinde zurücklässt. Er versucht, sich an Dietrich Bonhoeffer festzuhalten, dessen Theologie die Autorin offensichtlich gut kennt. Es ist gerade aus deutscher Sicht hochinteressant zu lesen, wie sich Tyler an diesem modernden Heiligen abarbeitet, um am Ende - bei seinem unvermeidlichen Zusammenbruch -großer Menschlichkeit zu begegnen. Auf dem schmalen Grat zwischen Reflexion und Unterhaltung, Humor und Ernst balanciert Elizabeth Strout ihren Text, nur ab und zu droht er ein bisschen zu kippen, wenn das „Gefühl“ mit Tyler und der Autorin durchgeht. Auch ist nicht klar, warum Connie, die Haushälterin, das Thema Sterbehilfe in den Roman schleusen und sogar dafür ins Gefängnis gehen muss. Aber letztlich sind beide Romane eine überaus empfehlenswerte Lektüre!

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