Leserstimmen zu
Die Liebe, das Glück und ein Todesfall

Kerry Fisher

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Hohe Ansprüche hat unsere Protagonistin in diesem Roman an ihr Leben nicht. Ein wenig erinnert mich die Geschichte an eine etwas abgewandelte Form von Aschenputtel. Zwei sehr unterschiedliche Welten prallen in "Die Liebe, das Glück und ein Todesfall" aufeinander und wir dürfen Maia auf dem Weg durch dieses Abenteuer begleiten. Kitschiger Titel, interessantes Cover. Dieses Buch ist tatsächlich aufgrund des Covers in mein Bücherregal gewandert. Amaia Etxeleku, oder auch Maia, verbringt ihr Leben bis dato als Putzfrau, mit zwei Kindern und einem Mann, der unsympathischer nicht sein könnte. Eines Tages stirbt jedoch ihre Lieblingskundin, eine in die Jahre gekommene, sehr liebenswürdige Professorin. Maia wird zur Testamentsverkündung eingeladen und sieht ihre Kinder plötzlich als Erben - sie sollen das Schulgeld finanziert bekommen, um aus ihrem Leben das bestmögliche raus zu holen. Hatte Maia eben noch die Befürchtung gehabt, dass der Tod der Professorin ihr sowieso schon schmales Einkommen noch mehr schmälert, ändert sich innerhalb weniger Tage die ganze Situation gewaltig. Nicht nur ihre Söhne finden sich plötzlich in einer anderen Welt wieder, auch Maia muss sich erst zurecht finden - in dieser, ihr fremden, neuen Gesellschaftsgruppe. Dass die Liebe auch eine größere Rolle spielen könnte suggeriert hier bereits der Titel - ein sympathischer Lehrer kann daran nicht ganz unschuldig sein. Ein sehr unterhaltsamer Roman von Kerry Fisher. Maia ist eine spannende Persönlichkeit, genauso wie auch die verstorbene Professorin. Der steinige Weg der zweifach Mutter, die Wende und ihr neues Abenteuer scheinen vielleicht vorhersehbar, sie sind es aber ganz und gar nicht. Fisher schafft es sehr gut Überraschungen einzubauen, den Leser zu fesseln und sehr oft auch zum Lachen zu bringen - das könnte auch mit Maias teilweise etwas plumper und vulgärer Art zu Reden zu tun haben. 4 von 5 Sternen

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Maia Etxeleku hat es nicht leicht im Leben. Die junge Frau ist baskischer Abstammung und ist seit 19 Jahren mit Colin zusammen, ohne jemals geheiratet zu haben. Das Paar hat zwei Kinder und lebt in einem Viertel, in dem die meisten Gefahren von gewalttätigen Übergriffen ausgehen. Colin scheint zufrieden mit seinem untätigen Leben. Für ihn ist Bildung verschwendete Fernsehzeit, was er auch gerne seinen Kindern vermittelt. Maia hält die Familie mit ihren Jobs als Putzfrau über Wasser, aber das Geld reicht nie bis zum Ende des Monats. Als auch noch die betagte Aristokratin und Lieblingskundin stirbt, sieht Maia schon ihre Einkünfte schrumpfen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die ehemalige Professorin hat in ihrem Testament verfügt, dass die neunjährige Bronte und ihr um ein Jahr älterer Bruder Harley das Schulgeld für eine bessere Ausbildung bekommen. Die beiden bekommen also die Möglichkeit, etwas Besseres aus ihrem Leben zu machen. Dass man aber nicht nur das Schulgeld aufbringen muss, um dazu zu gehören, merkt Maia schon nach kurzer Zeit. Kerry Fisher spielt hier mit den Einflüssen der Erziehung auf das spätere Leben. Sie lässt die am Rande der Verwahrlosung aufgewachsenen Kinder von einem auf das andere Trimester in eine Privatschule gehen. Hier werden ihre Talente erkannt und gefördert und sie haben Möglichkeiten, ein fundiertes Wissen zu erlangen. Viele Dinge sind nur möglich, weil die Eltern der Schüler das entsprechende Geld haben. Hier kann Maia natürlich nicht mithalten, weil sie laut Erbschaft ja nur das Schulgeld erhält. Die Protagonistin erregt Mitleid, wenn sie sich immer wieder über die Hürden wuchtet, die die anderen Mütter offenbar nicht haben. Aber schnell wird deutlich, dass auch wohlhabende Familien Probleme haben. Maia freundet sich mit Clover an, die zwar finanziell in die Gruppe der anderen passt, jedoch mit ihrem chaotischen Auftreten dort keine Anerkennung erntet. Die beiden Außenseiter stützen sich nun gegenseitig, zumal Clover von ihrem Mann verlassen mit der Haushaltsführung komplett überfordert scheint. Für Maia bietet sich hier eine Möglichkeit, ihre Probleme mit Colin getrennt voneinander zu betrachten. Was sich wie eine turbulente Chick-lit-Wohngemeinschaft anhört, birgt auf den zweiten Blick einen bitteren Beigeschmack. Die Erzählweise der Autorin ist stets humorvoll und treibt die Geschichte voran. Maia darf über den Rand ihres Tellers schauen und ihren Kindern eine Welt ermöglichen, von denen sie schon früher geträumt hat. Lediglich in den Häusern ihrer Arbeitgeber konnte sie ein wenig von dem was-hätte-ich-erreichen-können-wenn erahnen. Die Tochter einer alleinerziehenden Baskin hat nach dem Kennenlernen von Colin ebenfalls das bequeme Leben vorgezogen, statt einen Schulabschluss zu machen. Knapp 20 Jahre später bereut sie diese Entscheidung und ist froh, dass ihr die Professorin immer wieder Zugang zu ihrer Bibliothek ermöglicht hat. Den Unterschied der Lebensweise hebt Fisher auch mit der jeweiligen Aussprache hervor. Diese variiert zwischen Akademikern, Bewohnern des Problemviertels und der Oberschicht. So haben die anschaulich beschriebenen Charaktere einen hohen Wiedererkennungswert. Natürlich werden hier auch ein paar Klischees verarbeitet, hinter denen sich jedoch auch oft ein Stückchen Wahrheit verbirgt. Dramatisch wird es, als Bronte plötzlich verschwunden ist und der Zusammenhalt nur durch die Zugehörigkeit entschieden wird. Hier spielt Geld überhaupt keine Rolle, sondern vielmehr die Akzeptanz derjenigen, die das Sagen haben. Die Geschichte, die im Original „The School Gate Survival Guide“ heißt, hat eindeutig Tiefe und bietet mehr, als das rosarot umrandete Cover erahnen lässt. Das Debüt ist trotz der vielen bedrückenden Themen unterhaltsam. Maias Schicksal weckt Empathie beim Leser und durch die offenen Möglichkeiten ist das Ende lange nicht vorhersehbar. Maia lebt ein modernes Märchen, das aufzeigt, welche Faktoren das Leben eines Menschen bestimmen. Zudem wird durch den attraktiven Lehrer Zac die romantische Seite bedient. Alles zusammen wird zur Leseempfehlung für Frauenunterhaltung.

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