Leserstimmen zu
Altes Land

Dörte Hansen

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„Literaturwerkstatt- kreativ“ rezensiert „Altes Land“ von Dörte Hansen „Dit Huus is mien un doch nich mien …“ steht auf dem Balken des Hauses in dem die fünfjährige Vera mit ihrer Mutter – Hildegard von Kamcke – 1945 nach ihrer Flucht aus Ostpreußen Zuflucht findet. Sie sind unwillkommene Flüchtlinge im alten Land und werden so auch von der Hausherrin Ida Eckhoff – Altländer Bäuerin in sechster Generation – behandelt. Nachdem der traumatisierte Sohn von Ida Eckhoff, Karl aus dem Krieg zurückkommt, heiratet Hildegard von Kamcke ihn und wird somit Ida Eckhoffs Schwiegertochter und Herrin des Hofes. „Dit Huus is mien un doch nich mien… Die Inschrift galt für beide. Sie waren ebenbürtig, sie lieferten sich schwere Schlachten in diesem Haus, das Ida nicht hergeben und Hildegard nicht mehr verlassen wollte“. Kurze Zeit nach dem Ida Eckhoff verstorben ist wird Hildegard von einem anderem Mann schwanger und zieht mit ihm nach Hamburg. Dort bekommt sie noch eine Tochter, Marlene. Ihre mittlerweile vierzehnjährige Tochter Vera lässt sie einfach auf dem Hof bei ihrem Ex- Mann zurück. Vera bleibt auf dem Hof, beendet ihre Schule, wird Zahnärztin und kümmert sich viele Jahre um ihrem kranken und später auch dementen Stiefvater Karl. Ein halbes Jahr später nach dem Karl verstorben ist, bittet ihre Nichte Anne (Marlenes Tochter) Asyl für sich und ihren kleinen Sohn Leon. Diese hält es in Hamburg nicht mehr aus, nachdem sie raus bekommen hat, dass ihre Mann schon längere Zeit eine Geliebte hat. Vera nimmt die beiden Flüchtlinge auf. Beide Frauen müssen nun nachdenken, umdenken und sich auf neue Wege einlassen. Fazit Dörte Hansen ist mit “Altes Land” ein wunderbarer Debütroman gelungen. Ihr Erzählstil ist nie langweilig und die Handlungen gut auf den Punkt gebracht. Sehr ausdrucksstark und humorvoll beschreibt sie die einzelnen Protagonisten und lässt diese vor meinem Auge lebendig werden. Kopfkino vom feinsten. Die Autorin hat mich mit ihrem trockenen Humor auch laut lachen lassen, aber in andern Passagen musste ich tief durchatmen, denn sie verschont nicht. Besonders gefallen hat mir auch die immer wiederkehrende plattdeutsche Sprache und der dazugehörige norddeutsche Humor: „Na , wedder Stalingrad tohuus ?“ fragte Hinni dann. Es hatte sich herumgesprochen, dass bei Eckhoffs ziemlich oft die Wände wackelten, aber bei Lührs war es nicht besser. Hinnis Vater war in der Buddel, man wusste nie, in welchem Zustand er nach Hause kam. Am besten war es, wenn er leicht angetüdert war, dann wollte er die Welt umarmen und küsste seine Frau. Aber zwei Köm mehr, und Stalingrad war auch bei Lührs.“ Schön sind auch die Nebenschauplätze, wo Großstädter aufs Korn genommen werden oder die schrullige Landbevölkerung auch ihr Fett weg bekommt. Das Cover ist schlicht gewählt, passt aber wunderbar zur erzählten Geschichte, wunderbar zum Alten Land. Ich kann nur sagen lest dieses Buch. Bei mir sind die Seiten nur so dahin geflogen und ich habe so manches zu Hause liegen lassen, um nicht aus dem Sog des Kopfkinos heraus gerissen zu werden. Ich hoffe Frau Hansen schreibt weiter !!!

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Die Suche der Großstädter nach der ländlichen Idylle im Alten Land trifft auf knorrige Bauern und eine unverwüstliche Zahnärztin. Aus Sicht der verschiedenen Typen und besonders der nach dem 2. Weltkrieg aus Pommern geflohenen, heutigen Ärztin im Ruhestand zeichnet die Autorin mal liebevoll, mal etwas garstig ein klares Bild zum Landleben. So, wie es ist und so, wie manche SUV-Fahrer es erwarten. Ich habe beim Lesen oft geschmunzelt und mich an einigen Stellen sogar gekringelt vor Lachen. Knorrige Altländer, nach Idylle suchende Städter. Eine Enkelin, die samt Kind vor Hamburger Helikoptereltern zu ihrer Tante flüchtet. Journalisten, die das Landleben in vollen Zügen genießen möchten und dabei von einem Fettnäpfchen ins andere treten - ohne es zu merken, versteht sich. Viele Typen und Charaktere durchziehen diesen Roman, es entwickeln sich kurzgeschichtenartig kleine Begebenheiten durch die man die Akteure allmählich immer besser kennenlernt. Manche schätzt man, manche lernt man einzuschätzen. Ein Heimatroman, modern, mit klarer Sprache und Witz. Ohne Schnörkel bringt Dörte Hansen die scharfe Schere zwischen tiefer Verbundenheit zu einem Landstrich versus der Suche nach dem nächsten (Idylle-) Kick auf den Punkt. Herrlich!

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Flucht und Zuflucht

Von: Herbstrose aus 87772 Pfaffenhausen

03.01.2017

Als Flüchtling aus Ostpreußen kommt Hildegard von Kamcke mit ihrer kleinen Tochter Vera 1945 auf den Hof der Kriegerwitwe Ida Eckhoff. Nur ungern nimmt diese die verlausten „Polacken“ auf, eine kalte Kammer für die beiden muss genügen. Schon damals war das alte Reetdachhaus für Vera eine Zuflucht, aber kein Zuhause. Das änderte sich auch nicht, als ihre Mutter den aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Hoferben Karl heiratet. Stark traumatisiert und von bösen Träumen geplagt kann er einer Frau außer einem Dach über dem Kopf nichts bieten. Als ihre Mutter eines Tages mit einem Anderen abhaut und Ida Eckhoff ihren letzten Gang auf den Speicher des Hauses antritt, ist Vera mit Karl allein auf dem alten Hof. Aufopfernd pflegt sie ihren Ziehvater bis zu seinem Tod. Nun ist es sehr einsam um Vera, sie ist hart und verbittert geworden. Kalt ist es im Haus, das an allen Ecken und Enden knarrt und langsam zu verfallen beginnt. – Dann steht eines Tages Veras Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn vor der Tür. Auch sie ist ein Flüchtling, eine Frau auf der Flucht vor einer gescheiterten Beziehung. Vera ist zunächst skeptisch, doch die beiden Frauen arrangieren sich, geben sich gegenseitig Halt … In ihrem Debütroman „Altes Land“ erzählt die Autorin Dörte Hansen eine wunderbare Geschichte, eine Lektüre über menschliche Sehnsüchte, Enttäuschungen und Hoffnungen, eine Geschichte, in der man sich wohlfühlt. Es geschieht nicht sehr viel, keine Action, aber es steht sehr viel zwischen den Zeilen. Ein in die Jahre gekommenes altes Fachwerkhaus mit Reetdach ist der Mittelpunkt und die Zuflucht seiner Bewohner. Zwar sind Vertreibung, Flucht und Heimatlosigkeit die Grundthemen, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch ziehen, dennoch überwiegen Wärme und hoffnungsvolle Zukunft. Auf eindrucksvolle Weise werden Gegenwart und Vergangenheit, Großstadt- und Landleben, einander gegenübergestellt. Hamburg mit seinen typischen Stadtteilen, Parks und Ökomärkten wird sehr real und lebensnah geschildert, analog dazu erfährt der Leser sehr viel über das einfache Leben und den Obstbau im Alten Land. Herrlich auch, wie die Autorin in ihrem exakten knappen Schreibstil mit leicht ironischem Unterton die Menschen beschreibt, ihre Stärken und Schwächen, Charaktere, in denen jeder Leser sich auf die eine oder andere Art wiederfinden kann. Fazit: Ein wunderbares Buch, wohltuend anders, voller Wärme, kraftvoll erzählt, ohne Romantik und Klischees – ein Roman, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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Altes Land

Von: Karin-Irina Willberg aus Berlin

07.08.2016

Altes Land-mein Mann und ich waren begeistert, danke für Ihren ersten Roman, liebe Dörte Hansen. Wir konnten ihn beide beim Lesen fühlen und freuen uns "up dat, wat kümmt!"

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Von: Ann-Christin Reimer  aus Berlin

12.06.2016

Als gebürtige Hamburgerin (Jahrgang 60) habe ich mich in vielen Beschreibungen wiedergefunden. In das „Alte Land“ fuhren meine Eltern mit mir in der Regel zur Apfelblüte und jedes Mal wurde mir gezeigt wo die großartige Schauspielerin Elisabeth Flickenschild wohnt. Wir hatten damals noch kein Auto, also war es fast so etwas wie eine Urlaubsreise. Selbst als Kind hat mich diese knorrige Landschaft vor den Türen der „Weltstadt“ beeindruckt. Später habe ich meine Mutter im Auto dorthin kutschiert, diesmal war es für sie immer eine Highlight mit vielen Erinnerungen. Nach der Trennung meiner Eltern zog ich zu meinem Vater, der sich mit einer neuen Frau liierte, die aus Ostpreußen stammte. Dort fuhren wir dann auch mal hin (allerdings nicht im Reisebus)…ich kenne diese melancholischen, wie romantisierenden Erinnerungen nur zu gut. Seit gut 10 Jahren wohne ich in Berlin, zunächst in Weißensee und habe mich viel im Prenzlauer Berg aufgehalten…Sie können sich denken, daß die Ottensener Eltern hier ihr Pendant haben. Vieles erkenne ich also wieder und Ihre Beschreibungen aller Charaktere haben mich sehr beeindruckt. Lustig, sarkastisch, nie verletzend und zwischendrin sehr berührend wenn es um das Leben oder das Beendigen geht. Die Kriegskinder und Kriegsenkelgenerationen haben eine derartige Auswirkung noch auf uns - Sie haben es wunderbar beschrieben. Und letztendlich einen überaus aktuellen Bezug zur heutigen Flüchtlingssituation gezogen. Menschen, Liebe, Verzweiflung, Verdrängung und Bereitsein für Veränderungen. Als dies vereint uns und macht uns gleich. Und dann noch eins: „ ...Anfang September wurden die Tage blank, der Himmel trug ein ernstes Bau, es schien ein Räuspern in der Luft zu liegen, als plante jemand seine Abschiedrede…“ diese und viel andere Beschreibung von Natur und Luft und Gerüchen habe ich selten so treffend/berührend gelesen.  Es hat mir großen Spaß gemacht Ihre Gedanken zu lesen und zwischendrin auch von Hannelore Hoger zu hören. Vielen Dank für bewegende, erinnernde, heimatliche und sehr witzige Momente.

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Von: Dr.Rutger Tillessen, aus Wilhelmshaven

15.05.2016

Durch meinen besten Freund (vor drei Jahren verstorben, bis dahin Obstbauer in Drochtersen-Assel, also im alten Land) kenne ich sowohl Letzteres als auch den sehr eigenen Menschenschlag dort recht gut, und nicht selten erkennt man die Einstellung, daß - bei so richtigem" Schietweer" - der Bauer seine Leute in die Obstplantagen jagte ,und -vor der Hoftür stehend - zu seinem Hund sagte: "Hund, kum rin, regend!!" So aber war mein Freund wahrlich nicht!! Wie wunderbar hat Frau Hansen Menschen und Charaktäre des Alten Landes beschrieben, wie herrlich das bäuerliche Land, wie treffend die alten Fachwerkhöfe auf denen die Bauern in früheren Jahren Könige waren und die heute - oftmals bereits vom Charm der Vergänglichkeit gezeichnet - nur noch vage erahnen lassen, wie reich und großbäuerlich geprägt dieses Land einst war! Ein ganz wunderbares Buch!

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In Dörte Hansens Altes Land wird die Geschichte von zwei Frauen erzählt, die in ihrem jungen Leben schon einiges mitgemacht haben, sich aber trotzdem nicht unterkriegen lassen. Die Charaktere werden so eindrucksvoll beschrieben, dass man fast meint, sie selbst zu kennen. Außerdem schreibt Dörte Hansen mit viel Wortwitz und Ironie, sodass die Geschichte auch zum Schmunzeln ist. In dem Roman geht es nicht um die Liebe, sondern um Familie, Erwachsenwerden, Heimat...und Heimatlosigkeit. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und war doch zutiefst berührt, da die Geschichte der beiden Mädchen unter die Haut geht. Als Erzähler hätte ich mir niemand besseren als Hannelore Hoger vorstellen können, die mit ihrer rauen Stimme perfekt zur hanseatischen Kulisse des Romans passt.

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Ein außergewöhnliches Buch

Von: Hans-Werner Koch aus Lippstadt

06.04.2016

Ich habe das Buch gelesen und bin völlig überwältigt wie genau und authentisch Dörte Hansen das Leben auf dem Land und die Charakteristiken der Menschen in diesem Roman beschreibt. Ich komme selbst von einem Bauernhof, allerdings aus Westfalen, und bin in diesem Buch vielen Menschen begegnet, die mir aus meiner Kindheit noch in Erinnerung geblieben sind. Exakt beschrieben auch das Aufeinandertreffen zweier Kulturen: Die Schickimicki-Gesellschaft aus Hamburg Eppendorf und das Landvolk, feinsinnig, humorvoll, manchmal bissig und sarkastisch aber völlig zutreffend. Ich kann gar nicht glauben, dass ein Debut Roman so gelingen kann.Großes Kompliment! Jemand, der über eine solche Beobachtungsgabe verfügt, muss ein großartiger, feinsichtiger Mensch sein. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen. Es sollte ein "Muss" in jedem Bücherschrank sein!

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