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Leserstimmen (5)

Marcellus Emants: Ein nachgelassenes Bekenntnis

Ein nachgelassenes Bekenntnis Blick ins Buch

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Gebundenes Buch, Leinen ISBN: 978-3-7175-2366-6

Erschienen:  12.09.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Gehobene literarische Kost

Von: Ashleys Thrillerkabinett Datum : 29.06.2017

ashleysthrillerkabinett.wordpress.com

Der Schreibstil verändert sich im Laufe des Buches. Anfangs hatte ich echt meine Probleme mit dem Schreibstil, die fehlenden Kapitel, der alte philosophisch gehobene Sprachgebrauch und ellenlangen Absätze haben da ihr übriges zugetan. Im späteren Verlaufe des Buches wird der Schreibstil dafür immer angenehmer, jedoch bin ich trotzdem kein Fan davon geworden. Besonders die philosophischen Schachtelsätze waren mir absolut zuwider. Auch das Nachschlagen der Fremdwörter (hierfür ist hinten im Buch extra ein „Kapitel“ Anmerkungen) empfand ich als nervig.

Leider, finde ich, ist das Wort Spannung im Klappentext hier fehlgegriffen. Der Geschichte zu folgen war für mich wirklich eine wahre Höchstleistung. Das ganze Buch über herrscht eine regelrechte Langeweile. Der Protagonist erzählt von seiner lieblosen Kindheit und Jugend, stellt sich ständig als Opfer der Gesellschaft dar. Sympathie konnte ich dadurch keine für ihn aufbauen, da für mich alles einfach nur eine Selbstbemitleidung auf höchstem Niveau war.

Obwohl ich sagen muss, dass sich meine Empfindung gegenüber dem Protagonisten im Laufe seiner Ehe etwas veränderte. Denn in dieser war er zwar der „Täter“, aber im Grunde wusste er keinen anderen Ausweg mehr. Er tat mir leid, da er aus dieser Ehe raus wollte, jedoch in dieser Situation Opfer der Gesellschaft, des Gesetzes und vorallem das Opfer seiner Frau war! Daher konnte ich in diesem Stadium sogar Mitleid mit ihm empfinden.

In der ersten Hälfte des Buches wirkt er ausserdem wie ein Soziopath. Er scheint keinerlei Gefühle zu haben, besonders drastisch wird dies dargestellt, als sein Kind stirbt. In der zweiten Hälfte, wird einem dann immer klarer, dass er sich gefühlsmäßig nicht weiterentwickelt hat aufgrund seiner lieblosen Erziehung und eigentlich nur auf der Suche nach wahrer Liebe, wahrer Erfüllung ist.

Ein nachgelassenes Bekenntnis ist definitiv gehobene Literatur. Doch auch gehobene Literatur kann etwas spannender gestaltet sein in meinen Augen. Daher gibt es von mir 2,5 Sterne!

Ein Bekenntnis ohne Reue

Von: tination Datum : 11.03.2017

https://booksoftination.wordpress.com/

Das Buch: Willem Termeer hat seine Frau ermordet. Und nun erzählt Willem dem Leser, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Dabei fängt er weit vor seiner Ehe zu der nun toten Anna an zu erzählen. Und dabei begibt sich der Leser mit Willem auf eine Tour durch seine Gedankenwelt mit viel Wahn, Wahnsinn und Selbstzweifeln.

Das Fazit: Als erstes muss man erwähnen, dass es sich hierbei um einen Klassiker handelt. Einen Klassiker der Niederlande. Und schon 1894 erschienen. Diese Tatsache wurde mir erst gegen Mitte des Buches bewusst, als sich der Autor mal nebenbei selbst erwähnte. Daran merkt man, dass es vom Stil her gut und zeitlos geschrieben wurde. Oder es lag einfach nur an die Übersetzung. Das kann man nun auch nicht gänzlich ausschließen.

Aber nun zum Buch: starten tut es doch mit einem ordentlichen Knaller: die Frau ist tot. Und Willem erklärt nun auf den folgenden Seiten, wie er sein Leben lebt. Und das ist sehr eigenartig. Denn Willem hasst Menschen. Er mag einfach keine Personen. Er mag nicht sein Leben. Er mag gar nichts.

„Stundenlang lag ich auf der Couch und starrte dumpf vor mich hin, und wenn die Nebel, die meine Gedanken umhüllten, hin und wieder für einen Moment aufrissen, dann sah ich das Leben im Licht meiner kalten Eifersucht auf alles und jeden, dann verspürte ich nur einen alles umfassenden Hass. Elend öde Tage! Kein Funke Interesse für was auch immer!“ Seite 81

Und so geht es leider durch das ganze Buch hindurch: immer wieder erwähnt er, wie er die Menschen hasst. Dass er so anders ist als alle anderen. Willem ertrinkt mehr und mehr im Selbstmitleid. Und am Ende kommt er nicht um diesen Mord umhin. Denn offen umgehen kann er damit nicht. Immer wieder versucht er, sein großes Geheimnis zu verbergen. Immer wieder führt das zu mehr Lügen und Schauspielerei. Und so sehr er sich immer weiter hasst, umso mehr hasst der Leser Willem. Denn am Ende fragt man sich schon, was sein eigentliches Problem war. So richtig verstanden habe ich dies nicht. Aber es sind doch ein paar Seiten zu viel Selbstmitleid.

Da nun Willem seine Sicht auf die Dinge der Welt erklärt bleiben zwangsläufig die anderen Figuren ein wenig blass. Aber man merkt, wie es in ihm brodelt. Und auch, wer langsam hinter die Fassade von Willem blickt: Anna. Sie ist der Dreh-und-Angelpunkt in diesem Buch. Sie schwärmt für ihn und möchte ihn heiraten. Und Willem tut es – einfach, weil eine Heirat zum gesellschaftlichen Standard dazugehört. Doch schon in den Flitterwochen bröckelt der gute Schein. Und die Ehe wird so schnell zur Farce. Aber Anna hält durch und steht ihre Frau. Doch das ist nun Willem sehr suspekt. Er möchte, dass sie ihn hasst. So wie er sie und die Welt hasst. Doch Anna interessiert dies nicht. Sie lebt ihr Leben, inklusive kleiner Schwärmerei zum Nachbarn. Aber keine Sorge, auch Willem ist kein Kind der Traurigkeit (jedenfalls nicht bei diesem Thema).

Das Highlight des Buches ist nun einmal der Mord. Dieser wird präzise dargestellt. Und dieser ist absolut nicht blutig. Aber doch ekelerregend und abstoßend. Schon alleine wegen Willems Beschreibung.

Zusammenfassend ist dieses Buch doch eher nur Mittelmaß. Wer sich aber durch die vielen Seiten Selbstmitleid hindurchkämpft (zusammen mit Willem), auf den wartet ein kurzes aber imposantes Highlight am Ende des Buches. Und dies wird makaber. Aber auch literarischer Genuss. Wie makaber.

Durchschnittliche Weltliteratur

Von: Angela Maria Ruoff (Mathematiqua) Datum : 19.01.2017

Alles beginnt mit einem Bekenntnis, mit einem Eingeständnis von Schuld und dem gleichzeitigen Verdrängen und Rechtfertigen derselben.

"Ein nachgelassenes Bekenntnis" ist ein literarischer Roman, in dem der Protagonist schildert, warum er seine Frau ermordet hat. Dabei beginnt er ganz von vorn, bei seiner Kindheit. So entsteht eine Art literarische Scheinbiographie, auch wenn es sich beim Protagonisten um eine fiktive Figur handelt.

Die Thematik des Buchs ist hervorragend umgesetzt. Man merkt zunehmend, wie aus einem unbeschriebenen Blatt ein Mensch entsteht, der sich immer mehr von der Gesellschaft und gleichzeitig auch von sich selbst entfremdet. Seine Wahrnehmung verdreht sich, wird wirrer, die Schuld an seinen eigenen Gefühlsmissständen gibt er den Menschen um ihn herum. Wir haben es hier mit einem Protagonisten zu tun, der sowohl massive Selbstzweifel, Antriebslosigkeit und Depression, als auch einen übersteigerten Narzissmus aufweist.

Die Sprache des Romans ist ganz klar "Hohe Literatur", sofern es so etwas gibt. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, der Schreibstil ist etwa Ende des 19. Jahrhunderst einzuordnen, der Autor Marcellus Emants lebte von 1848 bis 1923. Es herrscht eine kontinuierlich wachsende, unbestimmte Bedrohung, die leicht an Kafka erinnert, auch wenn sie dort in ganz andere, noch viel wahnhaftere Fantasien ausufert.

Zusammenfassend ist "Ein nachgelassenes Bekenntnis" ein hervorragendes Buch für Literaturliebhaber, aber sicher auch ein Nischen-Roman und nichts für die kommerzielle Unterhaltungsbuchbranche. Manchmal wurde der Roman selbst mir zu langatmig, daher gibt es nur drei Sterne. Eine brilliante Sprache allein kann über inhaltlich mangelhafte Passagen leider nicht hinwegtäuschen. Aber die Idee ist definitiv hervorragend, in Emmants Verständnis von Alleine-unter-Menschen-Sein konnte ich mich an vielen Stellen wiedererkennen, seine Charakterarbeit ist beeindruckend. Verglichen mit kommerziellen Schmökern wären hier sicherlich vier oder sogar fünf Punkte drin, allein für das literarische Können des Autors, aber da ich Bücher im Kreise der ihnen ähnlichen bewerte, sehe ich für Weltliteratur leider nur ein durchschnittliches Buch.

Innenansicht eines Frauenmörders

Von: Jules Barrois Datum : 31.10.2016

https://julesbarrois.wordpress.com

Der Autor, Marcellus Emants (1848-1923) war kein fröhlicher Mensch. Er stammt aus einer prominenten, niederländischen Juristenfamilie. So wird Marcellus Emants von seinem Vater mehr oder weniger gezwungen, Jura zu studieren. Als sein Vater 1871 stirbt, bricht Emants sein Studium ab. Das Erbe erlaubt es ihm, sich voll und ganz der Literatur zu widmen. So lebt er wie der Protagonist seines wichtigsten Buches, „Ein nachgelassenes Geständnis“ von seiner Erbschaft. Aus seinen Büchern spricht ein radikaler Pessimismus.
Willem Termeer ist der tragische Anti-Held und Icherzähler dieses rätselhaften Romans. Das Buch beginnt mit seinem Geständnis:
„Meine Frau ist tot und längst begraben.“ (Seite 5) „Sooft ich in den Spiegel sehe – was ich nach wie vor tue – wundert es mich, dass so ein blasses, mageres, unbedeutendes Männlein mit stumpfem Blick, kraftlos geöffnetem Mund – viele werden sagen: solch ein Nichtsnutz – in der Lage war, seine Frau … die Frau, die er auf seine Art doch geliebt hat … zu ermorden.“ (Seite 6)
Er will belegen, beweisen, argumentieren und verteidigen, was ihn dazu geführt hat, seine Frau zu ermorden, obwohl niemand weiß, dass er der Täter ist. Er folgt der Spur weit zurück.
Er wächst in einer lieblosen Familie ohne Geschwister auf. Seine wohlhabenden Eltern starben, als er noch sehr jung war. So zieht er in die Welt um Menschen zu treffen, kennen zu lernen, vielleicht sogar zu lieben. Aber einen echten, normalen Kontakt mit anderen Menschen gelingt ihm nicht.
Willem Termeer ist ein schüchterner Neurotiker. Er ist überzeugt, dass er das seinen Vorfahren zu verdanken hat. Daraus folgt, dass alles, was er tun wird, zum Scheitern verurteilt ist, und er kann dafür nicht kritisiert werden, weil es eben diese ererbte Natur verursacht hat. Der freie Wille ist nicht da. Termeer ist ein typischer Vertreter des naturalistischen Denkens. Alles ist vorbestimmt und es ist unmöglich, seinem Schicksal zu entgehen, wenn jemand durch seine Geburt schon als „degeneriert“, als „entartet“ festgelegt ist.
Marcellus Emants liefert uns messerscharf die Innenansicht eines Menschen. Ein angenehmer Mensch ist er sicher nicht, im Gegenteil, verdorben, aufgebläht, arrogant, paranoid, egozentrisch, narzisstisch. Und gerade das macht ihn so interessant, weil wohl in uns allen ein Stück Willem Termeer steckt.
Das Buch hat eine einfache Struktur, eine glatte, fast moderne Sprache, einen ganz realistischen Antihelden und es erweckt Gefühle in uns, mit denen wir vielleicht gar nicht konfrontiert werden wollen. Deshalb ist es auch heute noch lesenswert.

Ein gutes Buch, aber hart zu lesen.

Von: Nomadenseele Datum : 29.09.2016

nomasliteraturblog.wordpress.com/

Ich hatte mit dem Buch große Schwierigkeiten.
Das Buch handelt fast nur von den Befindlichkeiten des Protagonisten und seinen Problemen mit der Umwelt. Dazu gehört, dass er sich selbst verachtenswert findet und es durch sein Verhalten soweit treibt, dass sein Lebenskreis ihn für wenig liebenswert hält - und der Leser auch. Deswegen empfand ich das Buch auch als so schwierig zu lesen, da ich die Hauptfigur regelgerecht gehasst habe. Selbst wenn die anderen Leute ihm Gutes tun wollen, sei es der Pfarrers-Nachbar oder seine Ehefrau, stößt er sie weg und bearbeitet sie solange, bis sie sich abwenden.

Fazit

Es war schmerzhaft, diesen Roman zu lesen und ich halte ihn für ein gutes Buch. Nr ein Vergnügen ist es keines.