Leserstimmen zu
Die Schwestern von Applecote Manor

Eve Chase

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Applecote Manor 1959: Nachdem die Mutter der Wilde-Schwestern, wegen eines Jobangebots ins Ausland gegangen ist, sollen die vier Mädchen den Sommer, bevor sie wieder zur Schule gehen müssen, auf dem Landsitz ihres Onkels und ihrer Tante verbringen. Einerseits sind die Mädchen froh darüber zurückkehren zu können, an den Ort, an dem sie bereits vor Jahren einen unbeschwerten Sommer verbringen konnten, andererseits herrscht aber auch Befangenheit vor, denn ein tragischer Vorfall, zerstörte das bisherige glückliche Leben von Onkel und Tante. Audrey, deren Tochter, ging damals zum Angeln und kehrte nie zurück. Selbst die Polizei, die eingeschaltet wurde, konnte den Vermisstenfall nicht lösen. Während der Onkel von Margot, Flora, Pam und Dot glaubt, dass seine Tochter ermordet wurde, hofft ihre Tante insgeheim immer noch, dass Audrey eines Tages zurückkehrt. Beide sind an der Ungewissheit, was Audreys Schicksal angeht, fast zerbrochen. Die Ankunft der Mädchen soll die beiden auf andere Gedanken bringen. Wird das gelingen? Als zwei Nachbarsjungen die Nähe der Schwestern suchen, keimt unter Flora, Pam, Margot und Dot, schnell Eifersucht auf… Applecote Manor 2009: Weil Wills Tochter Bella, den Tod ihrer Mutter immer noch nicht verwinden kann und regelmäßig Schwierigkeiten in der Schule hat, beschließen Will und dessen neue Frau Jenny, mit Bella und der kleinen gemeinsamen Tochter Romy aufs Land zu ziehen. Zunächst ist Jenny, die kein gutes Verhältnis zu ihrer Stieftochter hat, glücklich über den Tapetenwechsel, obwohl Bella auch hier versucht, ihr das Leben schwer zu machen. Als jedoch Wills Geschäftspartner plötzlich aussteigt aus der gemeinsamen Firma, ist Will gezwungen, in London um den Erhalt der Firma zu kämpfen. So ist Jenny mit den beiden Mädchen plötzlich oft allein. Als Bella Schauergeschichten, über ein auf Applecote Manor verschwundenes Mädchen erzählt, die sie im Dorf aufgeschnappt hat und in der Folgezeit ständig über Gegenstände der Vorbesitzer stolpert, beginnt sich Jenny langsam zu fürchten, denn die Atmosphäre auf Applecote Manor ist durchaus düster zu nennen. Bella will unbedingt herausfinden, was damals mit Audrey geschah, wird ihr das gelingen? Und werden Jenny und Bella sich schließlich zusammenraufen? Nachdem ich vor einiger Zeit bereits Eve Chase Debütroman „Black Rabbit Hall“ mit großen Vergnügen gelesen hatte, freute ich mich sehr darüber, als ich erfuhr, dass die Autorin nun einen neuen Roman am Start hat. Genau wie in „Black Rabbit Hall“ erzählt Eve Chase eine geheimnisvolle Familiengeschichte, die auf zwei Zeitebenen geschildert wird. Das verbindende Element ist diesmal der Ort, Applecote Manor, allein. Genau wie sich fünfzig Jahre zuvor die vier Schwestern mit Onkel und Tante zusammenraufen mussten, ist es in der Gegenwart die gestörte Beziehung zwischen Stiefmutter Jenny und Stieftochter Bella, die gekittet werden muss. Während man die Erlebnisse der Vergangenheit aus Margots Sicht geschildert bekommt, steht im Handlungsstrang der Gegenwart, Jennys Entwicklung im Fokus. Der Schreibstil der Autorin ist anfangs ein wenig eigenwillig zu nennen. Ihr Talent, zwar zutiefst passende, sehr bildhafte, aber manchmal auch schon übertrieben poetisch anmutende Beschreibungen abzuliefern, mag, den, ein oder anderen Leser, womöglich irritieren. Kann man sich auf besagte, teils überschwängliche Ausdrucksweise einlassen, wird man dagegen mit einer unter die Haut gehenden Geschichte belohnt, die die Neugierde der Leser bis zum Ende des Romans zu schüren vermag. Die Autorin ist in der Lage die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Wilde-Schwestern überzeugend darzustellen und hat ihnen dazu sehr lebhaft wirkende, glaubwürdige Dialoge auf den Leib geschrieben. Ich mochte besonders Margot, die Hauptfigur des Handlungsstrangs der fünfzig Jahre zuvor spielt und deren kleine schüchterne Schwester Dot. Aber auch die Trauer und die innere Zerrissenheit von Onkel und Tante, deren selbst gewählte Isolation nach Audreys Verschwinden, kann man als Leser gut nachvollziehen, da die Autorin diesbezüglich mit sensibler Hand vorging und die Verwandten der Wilde-Schwestern sehr vielschichtig charakterisiert hat. Die 379 Seiten lasen sich praktisch wie im Flug und weil man sich als Leser gut in die Akteure hineindenken konnte, ging einem deren Schicksal auch sehr nahe. Obwohl mich bereits recht früh eine Ahnung beschlich, was wirklich mit Audrey geschah, fand ich den Roman dennoch packend erzählt und empfehle ihn besonders Fans der Romane von Kate Morton, Katherine Webb oder Susanna Kearsley, die es genauso gut verstehen, spannende und unheimliche Familiengeschichten zu erzählen.

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„Häuser sind nie bloß Häuser, dessen bin ich mir nun sicher. Wir hinterlassen winzige Teilchen von uns, Staub und Träume, Fingerabdrücke auf übertünchten Tapeten, unsere Schritte, die sich in die Treppen eingegraben haben...“ (Zitat S. 367, 2. Absatz) Applecote Manor, ein kleines und rustikales Herrenhaus mit Orangerie, Garten, Pool, liegt ein gutes Stück von London weg und bildet den Mittelpunkt zweier Familien – einmal 1959 und einmal rund 50 Jahre später. Wir begleiten die 4 Schwestern Flora, Pam, Margot und Dot, welche von ihrer umtriebigen Mutter Bunny nach Applecot zu Tante Sybil und Onkel Perry gebracht und somit zu den „Applecote-Schwestern“ werden, einen Sommer lang auf den Anwesen. Sie erleben die erste Liebe, aber auch bedrückende Momente, denn das Anwesen birgt ein schrecliches Schicksal: ihre Cousine Audrey ist vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Dennoch ist der Geist der jungen Frau immer noch allgegenwärtig und lähmt das Leben im Haus. 50 Jahre später begleiten wir Jessy, die mit ihrer Familie – Ehemann Will (der in 2. Ehe mit ihr verheiratet ist), Stieftochter Bella und dem gemeinsamen Töchterchen Romy – den Schritt vom turbulenten London mit all seinen Verführungen hin zum ländlichen Applecote Manor wagt. Das mittlerweile verfallene Herrenhaus bietet viel Raum für Träume – aber auch Alpträume... und obwohl sich die junge Frau sofort in den Haus wohl fühlt, wird sie von den Dorfbewohnern gemieden. Abwechselnd erzählt die Autorin nun in beiden Erzählsträngen und so manches Mal ist es mir anfänglich schwer gefallen, von einer Zeit in die andere zu switchen. Weder im Schriftbild, noch mit einer hilfreichen Überschrift lässt sich erkennen, mit welcher Geschichte es nun weitergeht... und das erhöht die Konzentration, denn der Roman fordert tatsächlich die ganze Aufmerksamkeit seiner LeserInnen. Er regt aber auch die Fantasie an, da die Autorin mit einer detailverliebten, fast zu ausführlichen und äußerst fantasievollen Sprache ihre Geschichte erzählt: das herbstrote Haar Jessies, das sonnentrunkene Vogelgezwitscher, blütenförmige Feuchtigkeitsflecke an der Tapete... besonders in der ersten Hälfte des Buches geht die Autorin fast verschwenderisch mit ihren Wort-Bildern um. Das ändert sich zum spannenden, hinteren Teil des Buches hin: die Erzählsprache wird klarer, akzentuierter und hebt so die Spannung bzw. wird dem Erzählten gerecht. Hohe Kunst, wie ich finde! Mich hat das Buch in der Geschichte sofort mitgenommen, auch wenn mich die anfänglich verspielte Sprache doch etwas irritiert hat und der Zeitenwechsel unübersichtlich erschien. Aber mit dem Lesen aufhören konnte ich dann doch nicht und habe es bis zum Ende auch nicht bereut. Wir bekommen Einblicke in das Seelenleben der wichtigsten Romanfiguren, dürften miterleben, wie schwer es ist, seinen eigenen Weg zu finden bzw. sich in eine neue Familie einzuleben und vor allem gegen Vorurteile ankämpfen zu müssen. Die angesprochenen Themen sind vielseitig und passen in die Geschichte. Ebenso passend erscheint mir das Buchcover bzw. das wunderschöne, stimmige und stimnungsvolle Bild auf dem Schutzumschlag... schon alleine aufgrund dieses Bildes, verbunden mit dem verwendeten Schriftbild hätte ich mir das Buch genauer angeschaut und kann es daher optisch wie inhaltlich aus vollster Überzeugung empfehlen.

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Weil sich ihre exzentrische Mutter auf den Weg nach Afrika macht, müssen die Schwestern Flora, Pam, Margot und Dot 1959 kurzerhand zu ihrer Tante und ihrem Onkel in die Cotswolds ziehen. Doch auf Applecote Manor herrscht eine mysteriöse Stimmung, seit vor fünf Jahren ihre Cousine Audrey verschwunden ist. 50 Jahre später stößt Jessie auf das ländliche Anwesen und verliebt sich sofort in die alten Gemäuer. Von diesem Augenblick an setzt sie sich in den Kopf, das Haus zu kaufen und mit ihrem Mann Will und den beiden Töchtern, Bella und Romy, von London aufs Land zu ziehen. Schon das erste Buch der Autorin war für mich ein riesiges Highlight, umso erfreuter war ich, dass mir der blanvalet Verlag ihr neues Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat. Ein ganz großes Dankeschön dafür. Ich habe auch diesen Roman wieder regelrecht verschlungen und bin einfach begeistert. Wieder einmal bekommt man die Geschichte hier in zwei verschiedenen Zeitebenen und aus verschiedenen Erzählperspektiven erzählt. Dabei ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig und man muss sich beim Lesen schon etwas konzentrieren, denn die Autorin schreibt mit recht langen und teils verschachtelten Sätzen recht ausführlich und plastisch. Dennoch konnte mich die Geschichte von der ersten Seite an packen und in ihren Bann ziehen. Und obwohl die Handlung sich eher langsam entwickelt, wollte ich immer wissen, wie es weiter geht. Erst recht spät wird man mit den Geheimnissen der Familie Wilde konfrontiert und auch die Probleme in Jessies Familie kommen eher langsam ans Licht. Trotzdem steigert sich die Spannung von Seite zu Seite und ich konnte das Buch schon bald kaum noch zur Seite legen. Dazu kamen die Cliffhanger an den Enden der Kapitel und dass es dann jeweils mit der anderen Perspektive weiter ging. Eve Chase hat es geschafft, mich in die Welt der vier Geschwistern genauso hinein zu ziehen, wie in die von Jessie und ihrer Familie. Sie beschreibt auf eine wunderbar lesenswerte Art, wie Mädchen langsam erwachsen und mit der ersten Liebe konfrontiert werden, und wie Geschwister zusammen halten. Auf der anderen Seite ist da aber auch die Familie von Jessie, die nicht so gefestigt scheint, wie es aussieht und Jessie selbst, die immer mehr an sich und ihrer Ehe zweifelt. Ich habe es wirklich sehr genossen, diese beiden Erzählstränge zu verfolgen. Außerdem mochte ich das Setting super gern und solch alte Anwesen sind eigentlich immer mysteriös und interessant, so auch hier. Die Auflösung der Geschehnisse von 1959 ist dann zwar nicht wahnsinnig originell, dennoch mochte ich sie und ich fand vor allem, dass sie authentisch ist. Und gerade das Ende des Romans war noch einmal richtig herzerwärmend und emotional. Auch die einzelnen Charaktere und deren Entwicklung mochte ich sehr. Einerseits haben wir hier die vier Schwestern, die komplett unterschiedlich sind und doch eine Einheit bilden, die langsam auseinander zu brechen droht. Dabei wird die Vergangenheit aus der Sicht der 15-jährigen Margot erzählt, die immer wieder an ihrer Durchschnittlichkeit zu knabbern hat, sich aber dennoch nicht unterkriegen lässt. Noch viel interessanter fand ich allerdings die Familienkonstellation von Jessie, Will und den beiden Töchtern. Denn Bella ist nicht Jessies leibliche Mutter und so kommt es zu Konflikten, bei denen man nie so richtig weiß, auf wessen Seite man ist. Letztendlich leiden nämlich beide darunter. Ich kann nur sagen, dass Eve Chase es geschafft hat, mich mit ihrer Geschichte in eine andere Zeit und in eine andere Umgebung zu entführen. So bin ich förmlich in die Handlung eingetaucht und konnte kaum noch daraus auftauchen. Wer also spannende und herzerweichende Familiengeschichten liebt, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen.

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