Leserstimmen zu
Astrid Lindgren. Ihr Leben

Jens Andersen

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Hardcover
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„Astrid Lindgren – Ihr Leben“ in drei Worten? Lehrreich, erhellend, faszinierend. Cover & Gestaltung von „Astrid Lindgren – Ihr Leben“? Auf dem Cover sieht man eine Fotografie von Astrid Lindgren. Der Rest des Schutzumschlags ist weiß, wobei der Titel in Orangetönen gehalten ist. Alles in allem wirkt das Cover unwahrscheinlich hell und freundlich, was auch gut zu der Darstellung von Astrid Lindgren passt. Das Innere ist sehr liebevoll gestaltet, da es viele Seiten mit Fotos der Autorin und ihren Freunden zu sehen gibt. Ein sehr ansprechendes und freundlich gestaltetes Buch. Der Inhalt von „Astrid Lindgren – Ihr Leben“? In „Astrid Lindgren – Ihr Leben“ geht es um das Leben der wohl berühmtesten Kinderbuchautorin des letzten Jahrhunderts. Noch habe ich nicht viele Biografien gelesen, spüre aber dennoch, dass diese hier eine besondere ist. Sie ist unheimlich liebevoll und respektvoll geschrieben. Man spürt, dass Jens Andersen sehr akribisch vorgegangen ist. Er beleuchtet einige Stationen aus Astrid Lindgrens Leben von mehreren Seiten, gibt Denkanstöße und respektiert Astrid Lindgren und ihr Lebenswerk. Dabei wird dem Leser deutlich, welch enorme Bedeutung Astrid Lindgren für die Kinderliteratur hatte. Als Literaturwissenschaftlerin wusste ich um ihre Rolle, doch dass sie eine solch erhellende Persönlichkeit war, wurde mir erst durch ihre Biografie klar. Man hat das Gefühl, ein Stück der Autorin kennenzulernen. Die Biografie entwickelt einen Sog, der mich nicht mehr loslassen konnte. Ihr Leben wird in einer Weise dargestellt, die fasziniert. Der große Unterschied zwischen Lindgrens Kindheit und der heutiger Kinder schafft allein schon ein Faszinosum, das betrachtenswert ist. Dass sie aber eine solche Hingabe und ein solches Einfühlungsvermögen für Kinder und ihre Probleme hat, weil sie sie selbst bei ihrem Sohn beobachten konnte, hat mich tief berührt. Nach der Lektüre ihrer Biografie ist meine Hochachtung Astrid Lindgren gegenüber noch angewachsen. Sie ist nicht nur eine außergewöhnliche Autorin, sondern auch eine faszinierende und bewundernswerte Frau. Der Schreibstil von Jens Andersen? Jens Andersen ist, wie bereits gesagt, sehr akribisch vorgegangen. Er stellt eine Frau dar, die man gerne gekannt hätte. Er schafft es, eine respektvolle Biografie zu verfassen, die Hochachtung ausdrückt. Er schafft es, auch kritische Stellen von allen möglichen Seiten zu beleuchten, sich nicht nur auf eine Meinung zu versteifen und komplexe Situationen darzustellen. Er schafft es, etwas so komplexes wie eine Persönlichkeit in dieser Biografie zu schildern. Ich bin hin und weg. Empfehlung zu „Astrid Lindgren – Ihr Leben“? Ich kann dieses Buch nicht nur Liebhabern ihrer Bücher empfehlen. Astrid Lindgren war eine bewundernswerte Frau mit Weitsicht, Witz und Intelligenz. Sie ist eine Anwältin der Kindheit, die sich und auch den Kindern mit ihren Büchern Freude bereiten wollte. Ich danke dem DVA Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von „Astrid Lindgren – Ihr Leben“.

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Ich bin von dieser Biografie von Jens Andersen sehr angetan gewesen. Sie hat mich so tief berührt, dass ich über mehrere Nächte von Schweden geträumt habe. Einen Traum habe ich noch deutlich in Erinnerung. Es war ein Landschaftstraum, umgeben von einem wunderschönen See, an dem ich mich allein befand. Nun, was hat dieser Traum denn mit Astrid Lindgren zu tun? Auf dem zweiten Blick wurde er mir schließlich verständlich. Mich hat das Thema Einsamkeit sehr beschäftigt, denn die Einsamkeit ist ein Thema, das in dieser Biografie recht häufig behandelt wird, und ich dem so gut nachfühlen konnte. Ich bin schon als Kind immer sehr gerne alleine gewesen. Und wie oft macht man die Erfahrung, dass man sich gerade unter Menschen recht einsam fühlen kann. Viele Menschen haben mit dem Alleinsein ein Problem, es macht ihnen Angst, sodass die Einsamkeit in einer Industrienation doch recht negativ besetzt ist. Doch nicht bei Astrid Lindgren. Selbst aus ihrem eigenen Erleben heraus und in ihren Kinderbüchern ist die Einsamkeit ein großes Thema, denn die jungen ProtagonistInnen sind fast alles einsame Wesen, die daraus aber Potenziale schlagen und keineswegs daran verzweifeln ... Vieles war mir in dem Buch nicht neu, da ich schon andere Bücher von Astrid Lindgren und über sie gelesen habe. Aber die vorliegende Biografie ist aus meinem Leseerlebnis heraus, wie ein anderer Mensch Astrid Lindgren beschreibt, eine der authentischsten überhaupt. Die Texte waren gut durchstrukturiert und die vielen Fotos, darunter auch jede Menge Familienporträts, hat Andersen miteinfließen lassen. Dieser ganze Mix zwischen Text und Bildmaterial hat das Buch so richtig aufleben lassen. Einige Gedanken, mit denen sich Astrid Lindgren beschäftigt hatte, fand ich auch in meinen eigenen Gedanken wieder, wie z. B. die kritische Nutztierhaltung in Form von Tierfabriken; doch auch die politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus Hitlers über Tagebucheintragungen fand ich höchst interessant; und die fatale Steuerpolitik Schwedens hat mich beschäftigt. A.L. hatte von ihrem Einkommen als Schriftstellerin 102% Steuern an den Staat entrichten müssen. Literarisch versiert sagt sie den Kampf gegen diese absurde Steuerpolitik an ... Und das Allerwichtigste waren noch jede Menge reformpädagogische Gedanken und Aktivitäten. Astrid Lindgren setzte sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Rechte der Kinder ein … Sie hatte sich auch mit den Büchern von Ellen Key vertraut gemacht, eine schwedische Reformpädagogin, die von 1849 bis 1926 gelebt hat, die Astrid Lindgren als großes Vorbild diente. Key schrieb Über das Recht des Kindes, seine Eltern selbst auszusuchen. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Doch diese Thematik findet sich auch in einem der Kinderbücher von Astrid Lindgren wieder, wie z.B. in Rasmus und der Landstreicher. Und was ich zusätzlich ganz interessant fand, Key schrieb auch über die Seelenmorde in den Schulen. Seelenmorde, ein harter Begriff, doch er drückt genau das aus, was manche Kinder auch heute noch an Schulen durchmachen müssen, wenn sie nicht den Vorstellungen jener Bildungseinrichtung entsprechen … Ein paar Sätze zu ihrer Herkunft möchte ich noch schreiben. Astrid Lindgren wuchs in Näs, bei Vimmerby, auf. Sie wurde 1907 als zweites von vier Kindern vom Pfarrhofpächter Samuel August Ericsson und seiner Ehefrau Hanna Ericsson geboren. Die Eltern lebten streng religiös, was für die damalige Zeit normal war. Astrid Lindgren verlebte hier eine recht glückliche Kindheit. Sie beschreibt ihre Kindheit als die glücklichste Zeit ihres Lebens. Sie war ein sehr verspieltes Kind, und das blieb sie noch bis ins hohe Alter. Mit siebzig Jahren kletterte sie z.B. noch auf Bäumen. Sie starb 2002 mit 95 Jahren in Stockholm. Drei Jahre vor ihrem Tod erlitt sie einen Schlaganfall und wurde zu einem Pflegefall. Ihre Tochter Karin Nyman kümmerte sich bis zum Tod um ihre Mutter. Als Erwachsene hatte Astrid Lindgren kein so einfaches Leben mehr. Sie gebär im Dezember 1926 als neunzehnjähriges Mädchen ihr erstes Kind, ein uneheliches Kind, das sie vor der schwedischen Gesellschaft zu verbergen versuchte. Sie brachte das Kind, Lasse, die ersten Jahre schweren Herzens heimlich und anonym bei einer Pflegemutter unter. Sie liebte ihr Kind über alles, und nach jedem Besuch fiel ihr die Trennung sehr schwer ... Dessen ungeachtet, dass ihre Eltern streng religiös lebten, lernten sie schließlich ihren unehelichen Enkel doch noch zu akzeptieren, sodass A. L. Lasse zu den Eltern bringen konnte, nachdem die Pflegemutter ernsthaft erkrankte. Die Großeltern lernten Lasse zu lieben wie ihr eigenes Kind ... Das ist doch eine immense Entwicklung vonseiten der Eltern/Großeltern, die mir imponiert hat. Über Verhütungsmittel war Astrid Lindgren nicht richtig aufgeklärt. Obwohl der Kindsvater deutlich älter war als sie, da er sich schon in den reiferen Jahren befand, kümmerte er sich auch nicht um die Verhütung. Astrid Lindgren warf ihm Verantwortungslosigkeit vor … Nicht nur das Paar-Beziehungsleben von Astrid Lindgren zu zwei wichtigen Männern wird hier sehr eindrucksvoll beschrieben, sondern auch die freundschaftlichen und beruflichen Kontakte greift Andersen auf. Es existieren dazu jede Menge Briefe zu FreundInnen und zu ihren Fans jeden Alters. Dadurch wird deutlich, wie Astrid Lindgren in ihrem Leben in der Beziehung zu anderen Menschen, bedeutsamen und weniger bedeutsamen, gewirkt hat. Sie blieb in der Öffentlichkeit immer menschlich und immer souverän. Beruflich war Astrid Lindgren auf vielen Gebieten erfolgreich. In den ersten Jahren arbeitete sie als Sekretärin und als Stenotypistin und arbeite sich hoch als Lektorin in einem Verlag, doch hauptsächlich war sie als Schriftstellerin tätig. In dem Verlag lektorierte sie ihre eigenen Manuskripte ... In den jungen Jahren hatte sich Astrid Lindgren vehement gesträubt, Schriftstellerin zu werden, obwohl ihre LehrerInnen zu ihrer Schulzeit dazu geraten haben. Mein Fazit? Das Buch ist sehr, sehr spannend geschrieben, man möchte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Viele Punkte habe ich hier nicht erwähnt. Es gibt noch Vieles zu entdecken. Es werden in der Biografie zusätzlich jede Menge Werkproträts zu den Kinder- und Jugendbüchern Astrid Lindgrens vorgestellt und kurz behandelt. Im Anhang hat uns der Biograf Andersen eine Liste erstellt, auf der alle ihre Kinderbücher abgebildet sind. Es gab ein paar Bücher, die mir zuvor unbekannt waren. Nun bin ich so neugierig geworden, dass ich mir die Trilogie zu Kati in Amerika, Italien und Paris bestellt habe. Ich habe aber noch vor, mir Rasmus und der Landstreicher auch noch zuzulegen. Rasmus macht sich als Waisenkind auf die Suche nach neuen Eltern, die er sich selbst aussuchen möchte … Die Biografie von Andersen, die ich als sehr lebendig und als recht empathisch erlebt habe, werde ich zu gegebener Zeit ein weiteres Mal lesen.

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Astrid Ericsson war eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse, damals in der Realschule von Vimmerby. Es war Studienassessor Tengström, der Schwedisch, Deutsch und Englisch unterrichtete, dem das außergewöhnliche Schreibtalent des erst dreizehnjährigen Mädchens längst aufgefallen war. 1921 besuchte er die Redaktion des örtlichen Blattes "Vimmerby Tidning", um die Texte dem Chefredakteur und Inhaber der Zeitung Reinhold Blomberg persönlich vorzustellen und zu empfehlen. So wurde Astrid Ericssons Schulaufsatz „På vår gård“ im September 1921 in der Zeitung gedruckt. Blomberg erkannte Astrids "für unsere heutige Jugend ganz ungewöhnliche stilistische Begabung" und förderte das junge Mädchen insofern, indem er sie nach erfolgreicher Beendigung der Realschule als Volontärin einstellte. Im Alter von nur 15 Jahren betrat sie eine absolute Männerdomäne. Der zwei Jahre zuvor veröffentlichte Aufsatz ("Auf unserem Hof") beinhaltete das Thema freies Spiel, welches sich im späteren Werk der Schriftstellerin zu einer maßgeblichen Bedeutung entwickeln sollte. Die sich entwickelnde Affäre mit Reinhold Blomberg stürzte Astrid Ericsson in eine tiefe Krise. Die Geburt ihres unehelichen Sohnes verheimlichte sie, so gut es eben ging. Sie brachte Lasse in Stockholm zur Welt, wo es entsprechende Möglichkeiten gab, dies als gerade mal 18-jährige ohne viel Aufsehen zu tun. Seine ersten drei Lebensjahre verbrachte Lasse in einer dänischen Pflegefamilie, bis die Pflegemutter schwer erkrankte und Astrid ihn zu sich nahm, was trotz der zunächst verwehrten Hilfe ihrer Eltern dann doch noch gelang. Die damit verbundenen seelischen Qualen brachten Astrid Ericsson an den Rand der Verzweiflung. Depressiven Stimmungen und einem abgründigen Pessimismus musste sie sich "in dieser schlechtesten aller Welten" stellen. Sie war davon überzeugt, dass es einen Teil von ihr gibt, "der noch immer unerträglich bittereinsam ist und es wohl auch immer bleiben wird". Um ihren beruflichen Qualifikationen - sie besuchte eine Kontoristinnenschule in Stockholm - nachgehen zu können, gab sie Lasse auf den Hof ihrer Eltern. Von 1926 bis 1930 besuchte sie ihn regelmäßig, bis sie mit ihm nach der Heirat mit Sture Lindgren, dem Büroleiter des schwedischen Automobilclubs K.A.K., eine neue Familie in Stockholm gründete. Die gemeinsame Tochter Karin folgte am 21.05.1934. Ihren journalistischen Aufgaben und den entsprechenden Zeitungsbeiträgen folgten erste Erfolge im belletristischen Bereich. Grundgedanke in der 1937 erschienenen Geschichte "Maja bekommt einen Verlobten" war, sich als Autorin in die Lage zu versetzen, die Welt mit den Augen eines Fünfjährigen zu sehen. Es folgte die Teilnahme an zwei Wettbewerben unter maßgeblicher Beteiligung von Elsa Olenius, welche später zur treibenden Kraft der "schwedischen Kinderkultur der Nachkriegszeit" wurde. Bereits 1941 entstand die Idee der Pippi Langstrumpf, deren Namen sich Tochter Karin ausdachte. Das Manuskript der "Ur-Pippi" schenkte Astrid Lindgren ihrer zehnjährigen Tochter zum Geburtstag am 21.05.1944. Nach einer Ablehnung des Bonniers Verlages 1943 gab sie das Manuskript an die Bibliothekarin und Theaterpädagogin Elsa Olenius, die sofort das enorme Potential des Werkes erkannte. So, und an dieser Stelle lässt der Rezensent seine Leserinnen und Leser alleine. Es folgen noch ein paar übergeordnete Bemerkungen und, ja, ja, das unvermeidliche Fazit. Damit aber keine Irrtümer entstehen: Mit dem letzten Satz des vorhergehenden Absatzes sind wir auf Seite 204 angekommen, also nicht einmal bei der Hälfte des Buches. Jetzt wird es erst so richtig spannend! Es ist schon unglaublich, was Astrid Lindgren zusammen mit ihrer unermüdlichen Förderin losgetreten hat. Haarsträubend gestaltet sich auch die Wahl des Verlages, der sich bereits am existenziellen Abgrund wähnte. Wenn die Süddeutsche Zeitung schreibt, Jens Andersen würde Astrid Lindgrens Werk und Leben "erschreckend neu" erzählen, trifft sie es damit auf den Punkt. Andersens Studium unveröffentlichter Quellen wirft ein anderes Licht auf die Autorin. Weshalb sie ihren Sohn erst so spät zu sich nehmen konnte, ist jetzt geklärt. Die damit verbundenen seelischen Abgründe sowie die privaten Komplikationen spart der Autor nicht aus, bleibt in seinen Betrachtungen einerseits stets der nüchternen Wahrheit verpflichtet, andererseits aber zurückhaltend, mitfühlend und stets in respektvollem Abstand. Höchst interessant sind neben den schreibtechnischen Entwicklungen Lindgrens auch die geschichtlichen Hintergründe sowohl in Europa als auch in Schweden selbst, die sich in ausführlichen Beschreibungen ihrer "(Nach-)Kriegstagebücher" manifestieren, von welchen sie 19 Bände auf 3000 Seiten verfasste. Sie begann am 1. September 1939 mit den Worten: "Oh! Heute hat der Krieg angefangen. Niemand wollte es glauben ... Gott helfe unserem armen, vom Wahnsinn betroffenen Planeten!" Das ereignisreiche Leben von Astrid Lindgren, ihr Werk sowie ihre An- und Einsichten, insbesondere in Zeiten privater Krisen, sowie ihr politisches Engagement sind das unsterbliche Zeugnis eines hellwachen, eigenständigen Geistes, und in einer würdigen Nachhaltigkeit verfasst. Es soll ja Menschen geben, die, wie ich, im Allgemeinen keine Biografien mögen. Bei dieser hier handelt es sich aber um eine Pflichtlektüre. Nach Studium des Buches geht man tatsächlich mit anderen Augen durch die Welt. Ganz besonders, wenn man an einem Spielplatz vorbeiläuft, die eigenen Kinder oder sich selbst im Spiegel betrachtet. Spätestens dann beginnen Astrid Lindgrens Worte über das Leben, welches "eine schnell vorübergehende Sinnlosigkeit ist" und wie man es aber trotzdem meistern kann, ihre Wirkung zu entfalten. Auch wenn es über meine Aufgabenstellung hinausgeht, vergebe ich trotzdem ein: Besonders wertvoll!

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Die Biografie von Astrid Lindgren, geschrieben von Jens Andersen, der auch schon die Biografie von Hans Christian Andersen schreib. Wer Astrid Lindgren ist, muss man glaube ich tatsächlich niemandem erklären, ich bin mit ihren Büchern aufgewachsen und habe mir (der Familienlegende nach) mit den Bullerbü-Büchern das Lesen beigebracht. Ihr Leben war genauso ungewöhnlich wie doch irgendwie normal. Mit 19 wurde sie von einem viel älteren verheirateten Zeitungsverleger schwanger und entschied sich für das Kind, aber gegen den Mann. Es folgte ein eigentlich ganz normales Leben in Schweden, sie heiratet, bekommt noch eine Tochter, findet Bürojobs bei Zeitungen und Verlagen, bis sie selber mit Pippi Langstrumpf erst Schweden und dann die Welt erobert. Die Biografie ist sehr nah dran am Leben (soweit man das beurteilen kann), liest sich wunderbar und hat bei mir ausgelöst, dass ich jetzt eigentlich auch alles andere über Astrid Lindgren (Die Kriegstagebücher! Der Briefwechsel mit der jungen Sara!) lesen will. Beim nächsten Elternbesuch müsste ich im Keller mal nach meinen alten Büchern suchen, denn die Figuren und Geschichten von Astrid Lindgren haben mich viele Jahre begleitet. Große Empfehlung, sicherlich auch immer als Geschenk.

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Anlässlich des Internationalen Frauentags, der diese Woche ja war, erschien es mir passend, über die Biografie von Astrid Lindgren, geschrieben vom Dänen Jens Andersen, der 2006 schon Hans Christian Andersen porträtierte, zu reden – viele von euch werden wissen, dass ich generell etwas verrückt nach Skandinavien bin und speziell eine Schwäche für Tove Jansson und eben auch Astrid Lindgren habe. Für mich war sie schon immer eine Art Kindheitsheldin und auch heute, wo ich bereits erwachsen bin oder es zumindest sein sollte, ist sie für mich eine der inspirierendsten und faszinierendsten Persönlichkeiten. Ich muss gestehen, ich schaue nicht oft über den Bücherrand und widme mich dem Lebensweg der Autoren und Autorinnen, die mir gefallen. Meist ist die traurige Wahrheit, dass mich einzig und allein die Werke interessieren, nicht die Person, die dahintersteckt. Über Astrid Lindgren wusste ich dagegen schon immer viel – ich weiß gar nicht, warum sie in der Hinsicht eine solche Ausnahme bildet, aber ihre Geschichte fand ich schon immer spannend und ich habe auch schon die ein oder andere Dokumentation über ihr Leben geschaut. Ihre Bücher waren durchweg Lieblingsbücher in meiner Kindheit und ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass all diese wunderbaren Geschichten ein und demselben Kopf entsprungen sind. Für mich war es unbegreiflich, wie so viele Ideen und so viele tolle Figuren von nur einer Person erfunden werden konnten. Ich möchte in dieser Rezension aber dennoch weniger auf Astrid Lindgrens Biografie eingehen – wer sich dafür interessiert, der sollte nämlich selber zum Buch greifen, denn ich möchte keinesfalls irgendetwas vorwegnehmen oder ihren Lebensweg in Kurzfassung niederschreiben – sondern eher auf das Buch im Allgemeinen und wie sich das Lesen angefühlt hat. Andersen schreibt sehr klar und detailliert und ich war von Anfang an begeistert davon, in diesen Lebensstrudel von Astrid Lindgren eingesogen zu werden. Der Autor widmet sich ausführlich jedem bedeutsamen Punkt in ihrem Leben und das nicht nur von außen, sondern indem viele persönliche Schriftstücke von Lindgren mit einbezogen wurden. Das gefiel mir unheimlich gut, denn so hatte ich das Gefühl, dass das alles wirklich stimmte, was dort stand und darüber hinaus fühlten sich viele Dinge wesentlich vertraulicher und intimer an, so, als würde eine gute Freundin einem etwas erzählen. Für mich war es ein großer Pluspunkt, dass Andersen die Lebensgeschichte von Astrid Lindgren nicht distanziert beschrieben hat, sondern wirklich mühsam passende Tagebuchausschnitte, Briefe oder andere Notizen zur Ergänzung herangezogen hat. Dazu zählen auch die zahlreichen Fotografien oder Notizbuchausschnitte, die in das Buch eingefügt wurden und alles so viel lebendiger und schöner gemacht haben. Ohne viel um den heißen Brei zu reden, aber auch, ohne der schwedischen Kinderbuchautorin Honig um das Maul zu schmieren, zeichnet Andersen ein faszinierendes Bild dieser außergewöhnlichen Frau und versucht dabei stets, ihrer großartigen Persönlichkeit gerecht zu werden, ihre Gefühle in der jeweiligen Lebenssituation nachzuvollziehen und für den Leser anhand der persönlichen Schriftstücke zu belegen. Astrid Lindgren hatte es fürwahr nicht immer so leicht, wie es scheint. Viele Niederschläge und Krisen begleiteten sie durch ihr Leben – umso bewundernswerter, dass sich diese Frau nie hat unterkriegen lassen, dass sie immer stark geblieben ist, sich selbst treu geblieben ist und ihren Einfluss, den sie dank ihrer unglaublichen schriftstellerischen Karriere hatte, auch für politische Dinge genutzt hat, sich stark gemacht hat für die Schwächeren, immer ihrem Moralgefühl gefolgt ist und das nie auf eine gewaltsame oder bäsartige Art und Weise, sondern mit Verstand, Fingerspitzengefühl und auch Humor. Ich hatte schon vor dem Lesen dieser Biografie ein positives Bild der Autorin, aber diese Biografie hat mir noch einmal gezeigt, was für ein beeindruckender Mensch Astrid Lindgren wirklich war. Vielen Dinge, die in dem Buch Erwähnung fanden, habe ich nicht einmal gewusst – etwa, dass Astrid Lindgren damals die von Tove Jansson illustrierte Ausgabe von Tolkiens “Der kleine Hobbit” initiiert hat – für mich war das vermutlich das Highlight des Buches, weil ich beide Frauen wie gesagt unheimlich gerne mag und sympathisch finde. Positiv ist daneben übrigens auch, wie hochwertig sich dieses Buch angefühlt hat. Die ganze Aufmachung war unglaublich schön und auch die Fotografien, die sich im Inneren befunden haben, waren hochauflösend und hochwertig. Man merkt geradezu, dass viel Arbeit in dieses Buch gesteckt wurde und das verdient wirklich Anerkennung. Wer mit Astrid Lindgrens Büchern aufgewachsen ist, aber sonst nicht viel über die Autorin weiß, dem würde ich auf jeden Fall dazu raten, zu dieser bewegenden Biografie zu greifen, denn sie gewährt einen eindrucksvollen Blick hinter die Fassade dieser einzigartigen Frau. Die Einbindung von Astrids persönlichen Schriftstücken sowie zahlreicher Fotografien machen diese Biografie in meinen Augen besonders spannend und hochwertig und sorgen dazu für eine besonders persönliche Note – und das, obwohl diese Biografie ohne jegliche Mitarbeit der bereits verstorbenen Autorin entstanden ist. Für diesen wunderbaren Abriss über Astrid Lindgrens Leben vergebe ich deswegen 4.5 von 5 Sternen.

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„Die beinahe achtzigjährige Astrid Lindgren wurde gefragt, was sie wohl getan hätte, wenn sie seinerzeit nicht Schriftstellerin geworden wäre. Ihre Antwort lautete: „Ich wäre eine kleine aktive Widerstandskämpferin in der ersten Zeit der Arbeiterbewegung geworden. (...) Eine kleine Vorkämpferin für die Menschen der damaligen Zeit.“ Die Biographien über Astrid Lindgren, darunter die autorisierte von Margareta Strömstedt, werden nun durch eine weitere ergänzt, die erstmals die zahlreichen handschriftlichen Aufzeichnungen der Autorin berücksichtigt. Ihr Verfasser, Jens Andersen, Nordist und Literaturkritiker, könnte als Dänischer Nationalbiograph bezeichnet werden. 2005 legte er die Lebensgeschichte des Märchendichters Hans Christian Andersen vor, die international beachtet wurde. Seine Biographie über Königin Margrethe II. im Jahr 2012 sorgte vor allem im königstreuen Dänemark für Furore. Mit Astrid Lindgren widmet er sich einer Autorin, der nicht nur ihre Figur Pippi Langstrumpf weltweite Beachtung brachte. Gerade deswegen stellt sich die Frage, ob es über die berühmte Kinderbuchautorin noch viel Neues zu erzählen gibt? Bergen Lindgrens Blöcke und Briefe Unbekanntes über die Mitteilsame, die auch öffentlich gerne ihre Meinung sagte? Ein großes Interesse ist Andersens Buch gewiss, denn fast jeder ist in seiner Kindheit den Figuren Lindgrens begegnet. So verbrachte ich viele junge Jahre mit Pippi und den Kindern aus Bullerbü, um mit meinen Kindern noch tiefer in den Lindgren-Kosmos einzutauchen. Als Karlsson-Vorleserin amüsierte ich mich mindestens so sehr wie meine Zuhörer. Andersen nutzt diese Bindung der Leser an Astrid Lindgren. Im ersten Kapitel Fanpost steigt er mit dem Briefwechsel zwischen einer jungen Leserin und der Autorin wie nebenbei in die Lebensphilosophie Lindgrens ein. Dann berichtet er in drei Kapiteln über ihre Jugend und die frühen Erwachsenenjahre, bevor der Biograph zu ihrer Kinderbuchkarriere kommt. Aufgewachsen in der Provinz, im Flecken Näs nahe der Kleinstadt Vimmerby, war Astrid mit 17 ganz up-to-date als Flapper mit Bob und Männerhosen unterwegs. Ihr Sprachtalent veranlasste ihren Lehrer die herausragende Schülerin dem Redakteur der Vimmerby Tidning zu empfehlen. Der nahm dies allerdings zu wörtlich. Die attraktive und intelligente Frau wurde Volontärin der Zeitung und bald auch Geliebte des 30 Jahre älteren, verheirateten Redakteurs Blomberg. Zwei Jahre später erwartet sie ein Kind und verlor ihre Stellung. So interessant diese Lebensphase Lindgrens für den Leser auch ist, Andersen tut sich mit der Schilderung schwer. „Was Mutter sagen wird“ oder „Mysterien der Fortpflanzung“ sind kurios klingende Überschriften, Informationen werden zum Teil wortgleich wiederholt und Redewendungen wie „Perlen an der Schnur“ oder „die Tränen kommen“ treten gehäuft auf. Diese sprachlichen Defizite stören auch im psychologisch einfühlsam geschilderten Abschnitt über die ersten Jahre der alleinstehenden Mutter, die vom Zerrissensein zwischen ihrem kargen Leben in Stockholm und den Fahrten nach Kopenhagen geprägt sind. In der dänischen Hauptstadt lebt ihr Sohn Lasse in einer Pflegefamilie bis Astrid, die damals noch ihren Mädchennamen Ericsson trägt, ihn 1930 endlich zu sich nach Schweden holt. Unterstützung findet sie bei ihren Eltern in Näs. In der Geborgenheit dieser Großfamilie verbringt der Enkel 16 Monate. Als Astrid, mittlerweile Stenotypistin im K.A.K. Automobilclub, 1931 den Redakteur Sture Lindgren heiratet, kommt das Familienleben in geregelte Bahnen und ihre schriftstellerische Karriere langsam in Fahrt. Sie verfasst Reiserouten für das Tourenbuch des Clubs, aber auch Märchen und Geschichten für die Zeitungen und Zeitschriften Stockholms-Tidningen, Landsbygdens Jul (Weihnachten auf dem Land) und Mors hylling (Lob der Mutter). Angeregt von ihren Kindheitserinnerungen und den Schriften A.S. Neills und Bertrand Russells liefert ihr der Kontakt zu anderen Müttern und Kindern, denen sie mit Lasse und der 1934 geborenen Karin im Vasapark begegnet, Stoff für ihre Geschichten. Die Ideen notiert sie zunächst in ihrem Haushaltsbuch, wo sie auch die Entwicklung der Kinder und die originellen Sprüche Lasses festhält. Ihr eigenes Motto im Umgang mit Kinder lautet „Lass die Kinder in Ruhe, aber sei in Reichweite, wenn sie dich brauchen“. Seit 1941 entstehen auf ihren Notizblöcken die Geschichten von Pippi Langstrumpf. In ihnen fließen Lindgrens Eindrücke von den Grausamkeiten des Krieges, den die Autorin in den Nachrichten verfolgt. Den Folgen der nationalsozialistischen Bedrohung ist sie als Brief-Spionin des schwedischen Geheimdienstes auch mittelbar ausgesetzt. In ihren ab 1939 geführten Tagebüchern bezeichnet sie die Tätigkeit als „Drecksarbeit“, die so gewonnen Einblicke lassen sie dennoch nicht los. Besorgt und beschäftigt wie Astrid Lindgren war, wundert es also nicht, daß Pippi erst drei Jahre später vollendet wurde. Gelegenheit dazu gibt ein verstauchter Fuß, der ihr die Muße verschafft, die Taten des stärksten Mädchens der Welt zu notieren. In Stenographie und mit Bleistift auf ihrem Block, das ging auch im Liegen und sollte Lindgrens bevorzugte Kreativhaltung werden. Mit Pippi wehrt sie sich gegen Kriegsgewalt und Hitlerangst, indem sie ihre Heldin über den brutalen Schlägerbenno und den tyrannischen Zirkusdirektor triumphieren lässt. Inspiriert hat sie auch die populäre Comicfigur Superman, worauf Andersens Archiventdeckungen hinweisen. Pünktlich zum 10. Geburtstag ihrer Tochter Karin hat Lindgren die Ur-Pippi fertig gestellt. Gedruckt wird sie erst ein Jahr später. Zuvor erscheint Britt-Mari erleichtert ihr Herz, ein heute wenig bekanntes Mädchenbuch, das jedoch ihre Karriere ins Rollen bringt. Die auf dem schwedischen Kinderbuchsektor einflussreiche Elsa Olenius wird zur Förderin und Freundin der Autorin. Trotz dieser Unterstützung lehnt das führende schwedische Verlagshaus Bonniers das Buch ab. Ausgerechnet der Verlagsleiter findet es zu anspruchsvoll. So wird Pippi wie schon Britt-Mari unter hohem finanziellen Risiko bei Ravén&Sjögren veröffentlicht. Zudem bietet ihr der Verlag nach Olenius’ Fürsprache eine Stellung als Lektorin an, die die vor kurzem geschiedene Lindgren gerne annimmt. Vormittags arbeitet sie nun an ihren eigenen Texten, nachmittags an denen der Kollegen. Die Werke Lindgrens schildert Andersen neben Privatem beinahe beiläufig. Dies wundert nicht bei der enormen Produktionsdichte, alleine in den Fünfzigern erscheint jährlich ein neuer Titel. Einzelne Werke stellt der Biograph allerdings heraus und öffnet durch sie Einblicke in die „Bullerbü-Kindheit“ der Autorin oder betont ihre literarische Entwicklung. Andersen stellt stets den Bezug zum Leben Astrid Lindgrens her. In Mio, mein Mio schreibt die Autorin über das Leid des einsamen Kindes und verarbeitet so, laut Andersen, den Trennungsschmerz, den die ersten Lebensjahre Lasses in ihm und in ihr hinterlassen haben. Eine Erfahrung, die auch später bei ihr Melancholie und Angst erzeugt. Ihr Mittel dagegen ist das Schreiben. Neben eigenen Büchern liefert sie ihrem Verlag auch Texte für Fotobände und Bilderbücher. Erwähnenswert ist Tomte Tummetott, Harald Wibergs zeichnerische Gestaltung des in Schweden sehr bekannten Gedichts Tomten von Viktor Rydberg. Auf Verlegerwunsch soll das Bilderbuch eine Prosafassung des Gedichts erhalten, die Lindgren übernimmt. Ihren Name findet man als alleinige Autorenangabe, Wiberg erscheint lediglich kleingedruckt und auf den Namen Rydberg wird vollkommen verzichtet. Das mag der verkaufsfördernden Berühmtheit Lindgrens geschuldet sein, verblüfft aber angesichts ihres Gerechtigkeitsideals. Man muss es ihr nachsehen im Hinblick darauf, welche Rolle ihr Werk bei der Aufklärung und Durchsetzung der Bedürfnisse und der Rechte von Kindern einnimmt. Trotz kritischer Stimmen, die Pippi krankhaftes Verhalten attestierten, die Scherze geschmacklos fanden oder das Schicksal der Brüder Löwenherz für Kinder unzumutbar, erhielt Lindgren von vielen Kinderpsychologen Beifall. Ihrer Kunst blieb sie stets treu, politische Korrektheit lag ihr fern, sie leistete mit ihrer Literatur Widerstand gegen Verhältnisse, die ihr nicht gefielen. So auch mit Pomperipossa in Monismanien, ein „Märchen“ mit dem sie als es 1976 kurz vor den schwedischen Parlamentswahlen im Expressen erscheint in die politische Debatte eingreift. Mit gewichtiger Stimme wehrt sich die 69-jährige Autorin gegen die Finanzpolitik der sozialdemokratischen Regierung. Ihr Motiv: „Ich habe Angst vor Geld, ich will kein Geld, ich will nicht eine Menge Dinge und Eigentum, ich will nicht die Macht, die Geld verleihen kann, denn sie verdirbt beinahe ebenso sehr wie politische Macht. Aber ich finde, dass niemand, wer auch immer es sein mag, gezwungen sein sollte zu stehlen, um das Geld für die Steuer zusammenzukratzen.“ Selbstbewusst und unbeugsam zeigt sie sich auch bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahr 1978. Nachdem das Komitee auf ihre eingesandte Dankesrede antwortet, sie möge sich nur „kurz und gut“ bedanken, droht sie nicht zu erscheinen und einen Botschaftsmitarbeiter zu senden, der sich „kurz und gut“ bedanke. Die Herren lenken ein und Astrid Lindgrens Rede Niemals Gewalt! wird ein großer Erfolg. Ihre letzten aktiven Jahre verbringt die Autorin oft auf der Schäreninsel Furusund. Sie liebt die Ruhe in der Natur und schätzt wie Thoreau die Einsamkeit, dessen Walden entlehnt sie folgenden Gedanken. „Ich bin unendlich gern allein. Noch nie fand ich einen Gesellschafter, der so gesellig war wie die Einsamkeit. Wir sind meist einsamer, wenn wir unter Menschen gehen, statt in unserem Zimmer zu bleiben. Der denkende und arbeitende Mensch ist immer allein, sei er, wo er wolle.“ Jens Andersen erinnert einfühlsam und zitatenreich an die berühmte Autorin. Der Biographie sind zahlreiche Abbildung und neben Werk- und Quellenverzeichnis ein Personenregister zugefügt.

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Neues Jahr, neues Buch. Heute möchte ich Euch mal einen weiteren SPIEGEL Bestseller vorstellen: Astrid Lindgren. Ihr Leben. Eine Biografie von Jens Andersen. Ich muss gestehen, dass ich bislang noch nie so eine beeindruckende Biografie gelesen habe. Anhand vieler Zeitungsartikel, Briefe, Tagebücher und Interviews ist es dem Autor gelungen eine sehr authentische Biografie über Astrid Lindgren zu schreiben, die einen sehr berührt. Wer kennt schon die Frau hinter den vielen erfolgreichen Kinderbüchern? Was hat sie bewegt? Lindgren war sehr weltoffen, hat vieles erlebt. Der zweite Weltkrieg und vieles mehr beeinflussten Ihr Leben. Hier kommt meine Rezension. Ich musste auch feststellen: Astrid Lindgren und ich haben vieles gemeinsam. :-) Astrid Lindgren, Lektorin, Schriftstellerin, Biografie, Stockholm, Ihr Leben, DAV, Jens Andersen, Blog, Skandinavien, Schweden, Pippi Langstrumpf, Kinder Bullerbü, Michel, Kinderbuch-Autorin, Vimmerby, Über den Autor: Jens Andersen, Jahrgang 1955, lebt in Kopenhagen und hat in Nordistik promoviert. Er arbeitete als Literaturkritiker für dänischen Zeitungen bevor er selbst zum Autor wurde. 1990 begann er Biografien über skandinavische Persönlichkeiten zu verfassen. Mehrfach ausgezeichnet wurde er für seine Biografie über Hans Christian Andersen. Aber auch "Astrid Lindgren. Ihre Leben" bescherte ihm einen Preis: Er gewann 2015 den dänischen Politikens Literaturpris und in Schweden wurde die Biografie über die schwedische Ausnahme-Autorin zum Bestseller. Über das Buch: Wie viel Zeit muss Andersen damit verbracht haben, all die Informationen über Astrid Lindgren zusammenzusammeln? Wie oft war er in schwedischen Archiven und hat die Dokumente der Vergangenheit gelesen? Das Ergebnis ist auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Biografie über die Kinderbuch-Autorin vieler weltweit erfolgreicher Meisterwerke, wie Pippi Langstrumpf, Bullerbü, Karlsson vom Dach, Die Brüder Löwenherz, Ronja Räubertochter und so weiter. Insgesamt soll sich die Auflage Ihrer Bücher auf 145 Millionen Exemplare belaufen. Ich möchte in dieser Rezension nun nicht Ihr Leben nachzeichnen ,denn dem könnte ich nicht gerecht werden. Dafür gibt es ja die Biografie. Viel mehr möchte ich versuchen zu beschreiben, wie Anderen Astrid Lindgren dargestellt wird. Natürlich beruht eine Biografie immer auf Fakten. Es gibt zahlreiche Zitate in dem Buch aus Briefen, Zeitungsartikeln und Tagebüchern. Doch vieles steht auch zwischen den Zeilen. Und Andersen, der selbst in Dänemark lebt, hat vielleicht noch einen direkteren Bezug zu der Autorin, die oft zwischen Kopenhagen und Stockholm pendelte, als wir Leser. Astrid Lindgren war eine einzigartige, außergewöhnliche und vielleicht auch nicht immer umgängliche Frau. Aber sie war oft ihrer Zeit weit voraus. Sie besaß den berühmten "Blick über den Tellerrand" und das auch in einer Zeit voller Ängste und Unruhen. Lindgren begann Ihre Karriere bei einer Lokal-Zeitung im schwedischen Vimmerby als Volontärin. Es war damals ungewöhnlich, dass eine Frau journalistisch arbeiten wollte. Mit 18 Jahren wurde sie zum ersten Mal schwanger vom Chefredakteur der Lokalzeitung und brachte Ihren Sohn heimlich in Kopenhagen zur Welt. Dort lebte er lange bei einer Pflegefamilie. Wie schrecklich muss das für eine Mutter sein, wenn man sein eigenes Kind abgibt und nicht täglich sieht? Und damals konnte man nicht mal eben von Stockholm nach Kopenhagen fliegen. Die Fahrt musste mit dem Nachtzug gemacht werden, der sehr teuer war. Sehr emotional wird das Erlebte Ihrer ersten Schwangerschaft und die regelmäßigen Besuche des Sohnes in einem Briefwechsel zwischen Lindgren und der Pflegemutter beschrieben. All die Sorgen und der Schmerz, die eine alleinerziehende Mutter hat. Astrid Lindgren, Lektorin, Schriftstellerin, Biografie, Stockholm, Ihr Leben, DAV, Jens Andersen, Blog, Skandinavien, Schweden, Pippi Langstrumpf, Kinder Bullerbü, Michel, Kinderbuch-Autorin, Vimmerby, 1939 begann Lindgren mit Ihren Kriegstagebüchern. Sie verarbeitete scheinbar darin Ihre Bedenken. Durch Ihre Tätigkeit beim schwedischen Nachrichtendienst hatte sie viele Briefe lesen müssen, die aus dem Ausland nach Schweden kamen. Sie konnte so das "big picture" erkennen. Sie wusste, wann und wo wieder neue Kämpfe stattfanden. Es ist interessant zu lesen, wie Lindgren über diese Zeit dachte. - 1941 erfand Astrid Lindgren die wohl bekannteste Kinderfigur "Pippi Langstrumpf". Ursprünglich sollte die Geschichte nur für Ihre Tochter sein. Doch schließlich fand das Manuskript, nach einigen Umwegen, seinen Weg zu einem Verlag und das Ergebnis kennen wir alle. Astrid schrieb gerne Ihre Manuskripte im Bett. Sie beherrschte die Stenografie und konnte so schnell Ihre Ideen aufs Papier bringen. (Auch ich blogge gerne im Bett. Dort ist es ruhig, gemütlich und man ist allein.) Auch Astrid Lindgren genoss regelmäßig die Ruhe und das Alleine sein. Lindgren besuchte nach dem Krieg Deutschland und schaute sich Ost-Berlin an. Sie war erschüttert. Sie wurde von einer Freundin begleitet, die auf Frauen stand und Lindgren vergeblich den Hof machte. Astrid Lindgren war zu dieser Zeit schon mit Ihrem zweiten Mann, Sture Lindgren, verheiratet. Doch, in Bezug auf die damalige Zeit, war Astrid Lindgren auch hier sehr tolerant und nahm die gleichgeschlechtige Neigung der Freundin als natürlich hin. Sehr beeindruckend. In dem Buch wird auch deutlich, dass Astrid Lindgren eine treue Seele war, wenn es um Freundschaften und Bekanntschaften ging. Sie hielt über viele Jahre den Briefkontakt und traf sich auch im hohen Alter regelmäßig mit einer Bekannten in einem Stockholmer Park. - Interessant sind in dem Buch auch die Informationen über das Marketing zu Ihren Büchern. Ich hätte nicht gedacht, dass damals schon so perfekte Vermarktungsstrategien für Kinderbücher existierten. Nach Ihrer erfolgreichen Zeit als Schriftstellerin engagierte sich Lindgren erfolgreich für den Tierschutz und die Politik. Doch eigentlich mochte Sie nicht den Trubel um Ihre Person. Besonders an Geburtstagen. (Auch hier haben Astrid Lindgren und ich etwas gemeinsam.) Es ist sehr beeindruckend, wie sie damals Ihr Leben gemeistert hat. Es ist unvorstellbar, wie sie so viele Bücher geschrieben hat. Heutzutage hauen wir auf die Tasten des Computers und können schnell Content generieren. "Astrid Lindgren. Ihr Leben", gebunden, ist mit der ISBN 978-3-421-04703-8 beim DVA-Verlag für 26,99 Euro erschienen. NordicWannabe-Fazit: Mit der Biografie "Astrid Lindgren. Ihr Leben" lässt Jens Andersen sehr eindrucksvoll das Leben der beeindruckenden Kinderbuch-Autorin Revue passieren. Er gewährt uns einen Blick hinter die Fassade der Frau, die so einiges in Leben erlebt und bewegt hat. Wer kennt schon Astrid Lindgren? Was hat sie inspiriert? Wie war das Leben in Schweden während des Zweiten Weltkrieges? - Lindgren wird oft nur nur in Verbindung mit Pippi Langstrumpf genannt. Aber hinter diesem Namen verbirgt sich so viel mehr. Die Biografie ist ein Must-have für Alle, die die Helden aus Lindgrens Bücher lieben und mehr über die bekannteste Kinderbuch-Schriftstellerin der Welt erfahren wollen.

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Auch die Kinder meiner Schwester haben gerade unsere Astrid Lindgren Reihe, die nun schon in dritter Generation in der Familie ist (meine Mutter bekam sie im Alter von 12 zu Weihnachten). Und was haben meine Schwester und ich sie geliebt - und auch mein Neffe und meine Nichte lassen sich jeden Abend fleißig daraus vorlesen und die Filme können sie längst auswendig mitsprechen. Für mich ist das super spannend, weil man als Erwachsener natürlich einen völlig anderen Blick auf die Filme und Bücher hat - neulich habe ich mit den beiden Kids die Pippi Filme geschaut. Und dabei stellt man sich wohl immer die fröhliche Märchentante vor. Doch wenn man auf die Feinheiten achtet, weiß man, welch vielschichtige Persönlichkeit hinter diesen Büchern steckt. Die Biografie beschäftigt sich sehr umfangreich mit allen öffentlichen Quellen zum Leben der Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels. Und in Verbindung damit wird auch der mögliche EInfluss auf ihre Figuren untersucht. Dass Astrid Lindgren persönlich sehr unkonventionell gelebt hat, konnte man sich gut vorstellen, aber etwa wie ausführlich sie sich mit dem Krieg beschäftigt hat und dass sie so früh einen Sohn bekam, der ihr dann auch noch weggenommen wurde, weil sie alleinstehend mit 18 für zu jung gehalten wurde, sind für mich wirklich interessante Aspekte.

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