Leserstimmen zu
Das Erbe der Kriegsenkel

Matthias Lohre

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zum Inhalt Matthias Lohre betreibt nach dem Tod des Vaters Spurensuche. Warum waren die verstorbenen Eltern so wie sie waren? Was haben die Eltern im Krieg erlebt und warum prägt es ihn so sehr? Darf auch er sich als Kriegsenkel bezeichnen, obwohl der Vater nie an der Front war? Um sich von der Last der Schuld zu befreien , kehrt er zur elterlichen Heimat zurück und versucht zu verstehen, zu verzeihen und die verbuddelten Seelentrümmer zu einem befreiten Leben zusammen zu setzen. meine Meinung Als Stichpunkte fallen mir spontan ein: unausgelebte Trauer und Lebensbewältigung. Matthias Lohre gibt hier viel persönliches preis, sowohl sein eigenes unzufriedenes Leben und Unverständnis über seine scheinbar lieblose Kindheit, hinterlassen Fragen in seinem Kopf. Mit viel Gefühl begibt er sich auf Spurensuche, erfährt durch diverse Personen viele Zusammenhänge und versteht die Welt ein bißchen mehr. Er zeigt uns auf, das der Krieg auch Generationen später noch unser Verhalten prägt und wie wir uns davon befreien können. Ich habe mich an vielen Stellen selber wiedererkennen können. Ich fühle mich nun mit meinem 1977ger Jahrgang und einem 1940 geborenen Vater, auch als Kriegsenkel und beginne zu verstehen. Wir können noch so viel erfahren und verstehen lernen - wir müssen nur fragen. Die persönlichen Anekdoten finden, mit psychologischen Analysen,erzählenden Gesprächspartnern und vielsagenden Zitaten, eine Balance die nachwirkt. Ein wichtiges Buch das jeder lesen sollte, dem sein eigenes Leben oder das Verhalten von Familienmitgliedern und Freunden ein Rätsel ist. Wer Antworten finden will, kann sich hier einiges abgucken. Das Cover ist nicht aufringlich und hat den typischen Kriegskinder/Enkel Charme. Dafür gibt es von mir eine Extra Empfehlung und 5 ★★★★★

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<strong>Erste Begegnung: Leipziger Buchmesse, März 2016</strong> <blockquote><i>"Die Elterngeneration krempelte die Ärmel auf, um die äußeren Trümmer zu beseitigen. Die seelischen Trümmer zu beseitigen – das ist Aufgabe der Enkel."</i></blockquote> Dieses Zitat vom Kriegsenkel-Kongress 2012 in Göttingen umreißt klar die Aufgabe: Nicht verdrängen, sondern sich in den (Gegen-)Wind stellen, zuhören und kraftvoll bewältigen. Doch das geht nicht ohne Hilfe der Alten, ohne Unterstützung derer, die nur selten ihr Schweigen über erlebtes Grauen brechen und ihre Traumata stumm weitergeben. Matthias Lohre (Jahrgang 1976) ist Politikjournalist in Berlin. Sein Ansatz: Nicht verarbeitete Traumata der Großelterngeneration erzeugen bei Kriegsenkeln mangelndes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und diffuse Ängste. Sie leiden unter einer Katastrophe, die sie selbst nicht erlebt haben. Lohre beginnt seine Nachforschungen nach dem Tod seines Vaters Ende 2012, geht die Wege seiner Eltern (Jahrgänge 1931 und 1937) nach, spricht mit noch lebenden Verwandten und zieht Therapeuten hinzu. Er muss "mitten hinein springen ins tiefe Dunkle, was uns trennt." Die mögliche Lösung ist Versöhnung. <strong>Zweite Begegnung: Elbe Day Torgau, April 2016</strong> <em>Und wieder stehen mir Tränen in den Augen. Wenn ich es nicht schon seit der Beschäftigung mit der Biografie meines Vaters und der Lesung von Matthias Lohre auf der Leipziger Buchmesse wüsste, so wäre mir spätestens jetzt klar: Die Last als Kriegsenkel hat mein Handeln über Jahrzehnte bestimmt, die Befreiung bewirkt jetzt eine späte Wende in meinem Leben.</em> Matthias Lohre liest die ersten beiden Kapitel seines Buches. Dabei wählt er einen anderen Weg als Sabine Bode, die das Thema Kriegsenkel in Deutschland ins Bewusstsein rief. Statt Theorie und konstruierter Lebensbeispiele wagt er das Private. Er erzählt vom Tod seines Vaters als Geisterfahrer, lässt weitere Einblicke in sein Leben zu. Doch genau das verlangt Lohre auch seinen Lesern ab. Wer sich einlässt, wird auf einen Weg geführt, der fordert: Sich erinnern, Schmerz und Trauer zulassen, schließlich Ballast abwerfen und neues Lebensglück finden. Lohre versteht es journalistisch geschickt, schon früh im Text Betroffenheit auszulösen und dem Leser die Entscheidung zu überlassen, ob er ihm folgen will. Rund zwanzig Gäste in der Stadtbibliothek Torgau waren dazu bereit. Lohres Weg der Traumabewältigung trägt schnell Früchte: Auch die Zuhörer öffnen ihr Privatleben. Einer erzählt von der Vertreibung mit der Familie 1944 aus Ostpreußen, damals drei Jahre alt. Seine Generation sei um die eigene Jugend komplett betrogen worden, und doch wurde keiner der Mitschüler und Kommilitonen aus der Lebensbahn geworfen. Wir packen das, nur dieses Motto galt, und unsere Kinder sollen es einmal besser haben. Null Bock? Undenkbar. Gibt es Unterschiede in der Aufarbeitung zwischen Ost und West? Schon Sabine Bode hatte Probleme, im Osten Deutschlands Gesprächspartner zu finden. Die Menschen im Osten, so ein Zuhörer, seien von einer Diktatur in die andere gerutscht. da sei es doch nicht verwunderlich, dass man persönliche Verletzungen nicht gerne preisgebe. <em>Die Verdrängung als Kraftquell, um das äußerliche Leben zu meistern - Matthias Lohres Analyse trifft offenbar das Lebensgefühl vieler. Man könne mit der Verdrängung sein Leben beenden, so eine Stimme, doch wer aufarbeite, dem gehe es deutlich besser. Und genau dazu will Matthias Lohre ermutigen: Man kann erkennen, dass eine traumatisierte Generation die kommende zeugt und die Kultur der Untertanen fortlebt. Man kann betrauern, was in der Kindheit so furchtbar schief gelaufen ist. Und dennoch kann man umkehren und die Verursacher des eigenen Leids lieben. Ich habe es durch die Beschäftigung mit dem Thema gelernt.</em>

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Ich habe selten ein Buch so verschlungen seit ich Kinder habe wie dieses. Selten genug habe ich Zeit um mich in Ruhe hin zu setzen um zu lesen, doch bei diesem Buch habe ich mir Zeiten frei geschaufelt. Das Thema fand ich generell sehr interessant, Untertitel: "Was das Schweigen der Eltern mit uns macht" ch gehöre zu der Generation der Kriegsenkel, denn meine Eltern waren Kriegskinder, aber geschwiegen wurde bei uns eigentlich nicht, so war ich sicher, dass ich auch kein typischer Kriegsenkel bin. Doch was ist schon typisch, jeder Mensch ist anders und verarbeitet Erfahrungen anders auch das erfährt man in dem 250 Seiten starken Buch das am 21.3. erschienen ist. (Der Welt Down Syndrom Tag, das muss ein gutes Buch sein ;-) ) Auf der Suche nach mir selbst war ich auch schon, mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen, doch ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es eigentlich daran lag, dass meine Eltern Kriegskinder mit eigenen Traumata sind. Dieses Buch half mir einen schritt weiter zu mir zu finden und deshalb erzähle ich hier nicht nur über das Buch, sondern zeige Euch auch, dass ich ein Kriegsenkel bin, auch wenn mir das bis vor einer Woche noch gar nicht bewusst war. Das erste Aha-Erlebniss hatte ich allerdings schon bei dem ganzen Trubel zu 25 Jahren Deutsche Einheit. Wow, 25 Jahre? Das war doch gefühlt erst gestern und das geteilte Deutschland ist immer noch irgendwie in meinem Kopf. Und dann rechnete ich. Es sind weniger Jahre nach dem Krieg bis zu meiner Geburt vergangen, als jetzt die Wiedervereinigung her ist. Ich bin gar nicht so lange nach dem Krieg groß geworden, vielleicht ist deshalb alles näher an mir dran, als andere das in einem Geschichtsbuch lesen. a, ich bin wirklich ein Kriegsenkel und es hat was mit mir gemacht. Vieles ist mir erst beim lesen dieses Buches klar geworden und ich laufe Gefahr Kriegsurenkel zu erziehen, aber vieles finde ich gar nicht so falsch, andere aber doch und so kam es wohl auch, dass ich in dem Post in dem ich meine Erziehungsmethoden kurz anriss was die Kleiderwahl meiner Töchter betrifft gewaltig angeeckt bin. Ich bin so erzogen. Meine Mutter hatte das auf die 60er umgeschriebene Buch der Babyerziehung im Schrank und wurde von ihrer Mutter und Großmutter angeleitet mich genau so zu behandeln wie es im 3. Reich vorgesehen war. Kinder lässt man schreien, sonst werden sie zu kleinen Tyrannen. Gestillt wird strikt nach Zeitplan. Kinder haben zu gehorchen und nicht dazwischen zu quatschen. Ich wundere mich immer warum die heutigen Kinder so anders sind als wir früher. Niemals hätten wir gewagt Erwachsenen ins Wort zu fallen und wenn, dann nur einmal. Louisa muss mir IMMER ganz dringend etwas erzählen, wenn ich zB ein wichtiges Telefonat mit Behörden führe. Auch bei der Schweigeminute, die wir in den Niederlanden für die Anschläge in Belgien einhalten sollten, hatte sie mir etwas mitzuteilen. Ich: "Pschtttt" sie plapperte weiter. Ich gedämpft: "Sei still!" aber es nützte nix. Ich weiß, mir hätte man bei der Gelegenheit mal kurz auf den Mund geklopft (geschlagen wäre zu heftig gesagt) nur das versuche ich ja nicht so zu machen, also mache ich es ja doch nicht so verkehrt und hinterher nahm ich sie mir auch gewaltig zur Brust, wenn ich ihr vorher nicht lang und breit erklärt hätte warum wir 1 Minute schweigen und gedenken. Wir Kriegsenkel hatten also noch gelernt zu gehorchen, so wie das im 3. Reich auch von den Kinder gewollt war. Nur hat man damals versucht Soldaten zu züchten. Ich bin genau so geworden wie man das auch damals gewollt hätte, Mist, ich bin jemand der durchzieht was er begonnen hat, auch ohne Rücksicht auf mich selbst. Ich war mal so verrückt mit einer gebrochenen Rippe in Mexiko zu tauchen, Wahnsinn was da hätte passieren können, doch es war ja nur ich. So denke ich und bin immer erstaunt wenn andere nicht so sind, hahaha. Nur einen Vorteil hat das. Es gab niemals auch nur den kleinsten Gedanken Jolina mit ihrem Down Syndrom nicht als meine Tochter haben zu wollen. Ich hatte es angefangen, also musste ich durchziehen, egal wie. Die Liebe kam später und ich schämte mich, wenn man mir sagte ich sei "Eine ganz starke Frau". Quatsch, ich war nicht stark, sondern ich bin jemand der sich wie ein Pittbull verbeißt und nicht locker lässt. Eigene Gefühle werden hintenan gestellt. Ich habe schreckliche Angst eingeschlossen zu sein, Jahre lang wusste ich nicht wieso, meine Eltern hätten mich niemals in den Keller gesperrt, das hatte man mit ihnen gemacht und das wollten sie mir sicher nicht antun, aber woher kam es dann? Mit ca. 25 Jahren kam ich darauf. Ich war mit 2 im Krankenhaus zu einer OP, damals durften Eltern noch nicht bei ihren Kindern sein, 1 Stunde Besuchszeit, fertig. weil ich so sehr weinte und die anderen Kinder im Zimmer nervte wurde ich mit meinem Gitterbett in einem kleinen Raum eingeschlossen in dem die Bettpfannen gesäubert wurden. Die Schwester die das veranlasste war schon recht alt, eine treue Befürworterin der Erziehungsmethoden der NS-Zeit. Auch über diese Frauen findet man einen Satz in dem Buch. Ich bin ein Kriegsenkel! Auch wenn meine Eltern nicht über ihre Kindheit und die ganzen erlebten Dinge im Krieg geschwiegen haben, wie es die Eltern des Autors taten habe ich doch immer noch ne gehörige Portion Kriegstrauma abbekommen, ohne den Krieg je erlebt zu haben. Dies muss man sich erst mal eingestehen. Genau bei dieser Reise dürfen wir Matthias Lohre begleiten. Warum bin ich wie ich bin? Diese Frage stellte er sich erst nachdem sein Vater zum Geisterfahrer wurde und er sich eingestehen musste nichts über seine Eltern gewusst zu haben. Jetzt waren beide tot und die Chance vertan. Doch er findet Gesprächspartner die ihm helfen die Vergangenheit aufzurollen und zu verstehen. Er lernt, dass Eltern auch trotz den besten Absichten vieles falsch machen können. Das Buch, erschienen im Gütersloher Verlagshaus, ist zwar ein "Sachbuch" und doch wieder nicht. Es ist auch eine Autobiographie und eine Erzählung über die Suche nach Antworten. Spannend und gar nicht trocken geschrieben und vor allem für die heute 40-60jährigen ein Blick in ihr eigenes Innerstes.

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*Das Erbe der Kriegsenkel* ist ein sehr persönliches und mutiges Buch, denn der Autor packt seine Familiengeschichte an den Wurzeln. Dabei gelingt es ihm sehr gut, Parallelen von seiner Familiengeschichte zur gesamtdeutschen Geschichte zu ziehen. Wie z.B. auf einmal jeder einen in der Familie hatte, der Juden entweder versteckte oder im Widerstand aktiv war. Was mir durchaus bekannt vorkommt. Bis jetzt war die Auswirkung des Krieges für mich nur in einem ersichtlich: Wenn ich ein wenig nachforschte, warum jemand für die Masseneinwanderung von Asyloptimierern ist, kam immer raus, dass die Personen entweder selbst auf der Flucht gewesen ist, oder zumindest die Familie hatte einen Fluchthintergrund. Ich fand das immer interessant, wobei sich Frauen anscheinend stärker und fanatischer in diese Störung reinsteigern können als Männer. Vieles aus dem Buch konnte ich nachvollziehen, wie das Schweigen meiner Großeltern. Väterlicherseits weiß ich gar nichts, mütterlicherseits gab es die Familiengeschichte her, dass meine Großmutter Juden versteckte und mein Großvater sich vor der SS-Rekrutierung solange im Wald versteckte, bis sein Bruder ihn verriet. Allerdings hat er seine Erinnerungen im Alter aufgeschrieben, gelesen habe ich sie nicht. Vielleicht steht ein wenig mehr darin, als seine Erlebnisse in Frankreich, Stalingrad und jahrelanger russischer Gefangenschaft. Wenig nachvollziehen konnte ich dagegen, die Sorgen des Kleinbürgertums, die Schilderungen, das Leben wäre für die Großeltern ein Strafe gewesen. Auch hier kann ich für meine Familie väterlicherseits nichts sagen und die paar Dinge, die ich weiß und übereinstimmen mit dem Buch, gehören nicht ins Internet. In meiner Familie hat sich das großbürgerliche Erbe meiner Großmutter mütterlicherseits erhalten, und sowohl ich als auch meine Mutter sind sehr frei und vor allem gewaltfrei aufgewachsen. Alleine schon deswegen, weil mein Großvater als Kind so vertrümmt wurde, dass er sich schwor, seine Kinder nie zu schlagen. Denn, und das zeigt das Buch auch auf, bereits die Generation der Ururgroßväter war bereits durch den Ersten Weltkrieg traumatisiert und taugte nicht mehr als Vorbild für die Großväter. Fazit Ein sehr emotionales Buch, welches mir sehr an die Substanz ging, aber eben auch Vieles erklärte, was seit Generationen, nicht nur in meiner Familie, in Deutschland schief läuft. Eine unbedingte Leseempfehlung.,*Das Erbe der Kriegsenkel* ist ein sehr persönliches und mutiges Buch, denn der Autor packt seine Familiengeschichte an den Wurzeln. Dabei gelingt es ihm sehr gut, Parallelen von seiner Familiengeschichte zur gesamtdeutschen Geschichte zu ziehen. Wie z.B. auf einmal jeder einen in der Familie hatte, der Juden entweder versteckte oder im Widerstand aktiv war. Was mir durchaus bekannt vorkommt. Bis jetzt war die Auswirkung des Krieges für mich nur in einem ersichtlich: Wenn ich ein wenig nachforschte, warum jemand für die Masseneinwanderung von Asyloptimierern ist, kam immer raus, dass die Personen entweder selbst auf der Flucht gewesen ist, oder zumindest die Familie hatte einen Fluchthintergrund. Ich fand das immer interessant, wobei sich Frauen anscheinend stärker und fanatischer in diese Störung reinsteigern können als Männer. Vieles aus dem Buch konnte ich nachvollziehen, wie das Schweigen meiner Großeltern. Väterlicherseits weiß ich gar nichts, mütterlicherseits gab es die Familiengeschichte her, dass meine Großmutter Juden versteckte und mein Großvater sich vor der SS-Rekrutierung solange im Wald versteckte, bis sein Bruder ihn verriet. Allerdings hat er seine Erinnerungen im Alter aufgeschrieben, gelesen habe ich sie nicht. Vielleicht steht ein wenig mehr darin, als seine Erlebnisse in Frankreich, Stalingrad und jahrelanger russischer Gefangenschaft. Wenig nachvollziehen konnte ich dagegen, die Sorgen des Kleinbürgertums, die Schilderungen, das Leben wäre für die Großeltern ein Strafe gewesen. Auch hier kann ich für meine Familie väterlicherseits nichts sagen und die paar Dinge, die ich weiß und übereinstimmen mit dem Buch, gehören nicht ins Internet. In meiner Familie hat sich das großbürgerliche Erbe meiner Großmutter mütterlicherseits erhalten, und sowohl ich als auch meine Mutter sind sehr frei und vor allem gewaltfrei aufgewachsen. Alleine schon deswegen, weil mein Großvater als Kind so vertrümmt wurde, dass er sich schwor, seine Kinder nie zu schlagen. Denn, und das zeigt das Buch auch auf, bereits die Generation der Ururgroßväter war bereits durch den Ersten Weltkrieg traumatisiert und taugte nicht mehr als Vorbild für die Großväter. Fazit Ein sehr emotionales Buch, welches mir sehr an die Substanz ging, aber eben auch Vieles erklärte, was seit Generationen, nicht nur in meiner Familie, in Deutschland schief läuft. Eine unbedingte Leseempfehlung.

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Bewegend

Von: CogitoLeider

24.03.2016

'Das Erbe der Kriegsenkel' ist ein sehr persönliches Buch des Autors Matthias Lohre. Denn schließlich geht es um seine ganz eigene Familiengeschichte. Doch gelingt es ihm gleichzeitig, den Bogen zu allgemeinen Aussagen zu spannen, sodass sich 'Kriegsenkel' auf alle Fälle wiederfinden können. Das fängt mit Tipps zur eigenen Suche an und endet mit mit psychologischen Ratschlägen. Ich habe dieses Buch mit einem Textmarker in der Hand gelesen und sehr viel markiert. Sätze, die mir meine Eltern erklären, die mir mich selbst erklären. Und Sätze, die ich mir zu Herzen nehmen will. Wenn zum Beispiel das 'und' das 'aber' ersetzt - eine Kleinigkeit, die für mich so etwas wie ein 'Befreiungsschlag' war. Es kommt halt doch immer auf die Formulierung an. Auch gab es Erkenntnisse, die das Bild ein wenig abrunden, wie zum Beispiel die 'Erziehungsmethoden', die einiges erklären und die Not der Kriegskinder noch einmal mehr verstärken und den nachfolgenden Generationen verdeutlichen. Und den Zorn auf die Täter verstärken. So bedeutet Verstehen nicht unbedingt Verzeihen, aber es erleichtert den Weg zu einem verständigeren Umgang. Ich gehöre zu denen, deren Eltern durchaus erzählt haben, wobei die Erzählungen emotionale Lücken aufweisen oder mir unverständlich blieben. Bücher wie 'Das Erbe der Kriegsenkel' leisten die Arbeit, Lücken zu füllen und zu erklären. Mir hat das sehr viel gebracht, wobei ich noch vieles für mich selbst klar machen muss. Stilistisch bewegt sich Matthias Lohre auf hohem Niveau ohne unverständlich zu werden. Seine Suche nach Antworten ist na vielen Stellen auch ein Tasten nach den richtigen Worten, was ich sehr eindrucksvoll fand. So ist 'das Erbe der Kriegsenkel' für ihn sicherlich ein Weg der Eigentherapie, wobei er sich manchmal auch im Kreis dreht und wiederholt. Dass er dabei aber eben auch Allgemeingültiges beschreibt, macht es gleichzeitig zu einem Buch, das hilft, Mut macht. Und für mich den Weg ganz klar vorzeichnet: Fragen stellen, hinterfragen, auseinandersetzen und aufschreiben - immer und immer wieder! Fazit? Ein hilfreiches Buch!

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