Leserstimmen zu
Im Winter

Karl Ove Knausgård

Die Jahreszeiten-Bände (2)

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Karl Ove Knausgård ist den meisten von uns durch seinen erschütternd wahren und ehrlichen Romanzyklus „Mein Kampf“ bekannt, der sich in sechs Teile aufgliedert und in dem der norwegische Schriftsteller über sein Leben schreibt. Von der Beziehung zu seinem Vater, über seine Liebschaften und das Verhältnis zu seinen eigenen Kindern lässt er keine Alltäglichkeit aus und hat mich damit in seinen Bann gezogen. Seine Jahreszeitenbände, die mit „Im Herbst“ beginnen, sind anders. Sie sind weniger brutal, aber mindestens genauso ehrlich. Sie werden oft als seine „Liebeserklärung an das Leben“ beschrieben und ja, diese Beschreibung finde ich treffend. Knausgård hat mit dem ersten Jahreszeitenband begonnen, als seine jüngste Tochter noch in dem Bauch seiner Frau schlummerte. Er wollte die sinnlich erfahrbare Welt, wie er sie während des entstehenden Lebens seiner Tochter wahrnimmt, aufschreiben und für seine Tochter, im Nachhinein, ebenso erfahrbar machen. Er schreibt von seinem Leben in Norwegen, von seiner Rolle als Familienvater, über politische Situationen und seine Gedanken. Er ist der Schriftsteller, der es beherrscht seine eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben, ohne sich selber zu schützen und hat damit den Alltag zu einem riesigen Stück Literaturgeschichte gemacht. „Im Herbst“ spielt sich sechs Monate vor der Geburt seiner Tochter ab, die mittlerweile zwei Jahre alt ist. Über alle Jahreszeitenbände hinweg, bis zu „Im Sommer“, der diesen Sommer erschienen ist, archiviert Knausgård das Ist, damit seine Tochter es nachlesen, rückwirkend erleben kann, wenn sie alt genug ist. Diesen Gedanken finde ich wunderbar und es ist wohl seine ganz eigene Art, um ihr zu zeigen, wie sehr ihm ihre Entwicklung am Herzen liegt. Die Jahrezeitenbände sind ein Journal über die Banalitäten des Alltags, sie stellen Belanglosigkeiten in den Mittelpunkt und machen auf das Gesetz aufmerksam, nach dem nicht nur Knausgård, sondern auch viele andere Skandinavier leben. Das Jante-Gesetz ist ein Verhaltenskodex, der Bescheidenheit lehrt, Neid verurteilt und den Erfolg des Kollektivs im Blick hat. Karl Ove Knausgård reflektiert sein Verhalten in den Jahreszeitenbänden immer wieder nach Jante, der aus einem Roman von Aksel Sandemoses hervorgeht, und führt wieder einen Kampf. Den gegen sein zynisches Ich.

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September 04, 2018 „2. Dezember. Den ganzen Sommer und ganzen Herbst hast du in ihrem Bauch gelegen. Umgeben von Wasser und Dunkelheit bist du durch die verschiedenen Entwicklungsphasen des Fötus gewachsen, die von außen der Evolution unserer menschlichen Art gleichen, ….“ Diese erste Satz des Buches „Im Winter“ von Karl Ove Knausgård enthält schon so viel von all dem, was im Grunde alle seine Bücher ausmachen. In fast lockerem Plauderton, ich nenne es privat für mich auch oft „Gelaber“, aber in einem freundlichen Sinn, erzählt er der Leserin privates und verknüpft es auf der Stelle mit einer Öffnung hin zu philosophischen Erkenntnissen, die uns noch auf der ersten Seite zum Thema "Regenjacken" führen werden "eine Art Haut, die wir anziehen". Beides durchdringt sich bei ihm beständig: das private und das Allgemeingültige, die Verbindung zu einem Lebensganzen, die er zu finden versucht. Diese Suche hat oft einen leicht verzweifelten Unterton, als wolle er durch möglichst viele Worte die Sinnlosigkeit der Existenz in eine Struktur zwingen, die wider besseres Wissen Bestand hat. Vielleicht macht das Knausgårds Wörtermeer und seine Faszination für so viele Leser aus: die Verzweiflung, mit der er durch die Worte die gewaltige Übermacht dieser Existenz, in der wir alle treiben, zu zähmen sucht. Im Winter ist einer von vier Bänden, den Jahreszeiten-Bänden, die er für sein viertes Kind während der Schwangerschaft geschrieben hat. So bekommt der Versuch, die Existenz verbal zu bändigen, einen äußeren Rahmen: er schreibt alles für dieses Kind, dem er die Welt, in die es bald eintreten wird, erklären möchte. Wieder reichen die Themen vom Familienleben, oft kommen die drei Geschwister der kleinen Anne in den Miniaturen vor, über die Natur, die gerade in diesem Winter Band eine sehr große Rolle spielt: Schnee, Eis, die Kälte, die abweisende Qualität des Winters, die Ruhe, die Zurückgezogenheit, bis hin zu Alltagsgegenständen: Zahnbürste, Q-Tips. In diesem Band befinden sich auch einige Kurzporträts von Menschen, die Knausgård näher kennt. Es ist ein typisches Knausgård Buch, illustriert mit wunderschönen Bildern von Lars Lerin, einem schwedischen Maler. Es ist typisch in dem Sinne, dass es Infantilität mit genialen Erkenntnissen zu paaren weiß, so dass es auf mich, wie alle Knausgård Bücher bis auf Lieben (ein Buch, in dem ich regelrecht versunken bin, weil es mir so gut gefiel und ich darin so viel vertrautes fand), den Effekt hat, dass ich zwischen totalem Genervtsein ob dieser unschlagbaren männlichen Egomanie und Eingesogenwerden seiner oft ans Geniale grenzenden Laberei hin- und hergerissen bin. Manchmal nicke ich beim Lesen ein, ein andermal springe ich zu meinem Bücherregal und blättere herum, um die von ihm angeregten Themen für mich alleine zu vertiefen. „Darüber hinaus verstehe ich, dass die neue virtuelle Welt, mit der unsere Kinder aufwachsen, gerade deshalb so immense Abhängigkeiten erzeugt, weil sie das Bedürfnis nach Antwort und Reaktion stillt und weil sie es unmittelbar tut. Auf diese Weise dringt das Virtuelle in den Kern der menschlichen Kontakte vor und schenkt uns alle Belohnungen der Geselligkeit, ohne dass wir den Preis für sie zahlen müssen, so dass wir heute ganz allein dasitzen können, auf unserer eigenen Insel, ohne dass diese mechanische Interaktion jemals das Bedürfnis nach anderen Menschen in unserem Inneren entfachen und hin und her hetzen lassen muss wie ein gerade gefangenes Tier in einem Käfig.“ Manchmal erinnern mich seine Bücher an die Abende in Langenfeld, wenn wir in dem Dachgeschosszimmer meines Freundes Lothar saßen, kifften, Kölsch tranken und so derart endlose Gespräche bis ins Morgengrauen führten. Auch diese reichten von der Analyse des Geschmacks roter versus grüner Gummibärchen bis hin zu Interpretationen der Bücher Friedrich Nietzsches oder Camus', meist sanft untermalt von der Musik der Doors. Ja, vielleicht mag ich Knausgards Bücher deshalb so, weil sie ein bisschen sind wie diese Abende und wie die Gespräche mit meinem alten Freund.💜 Hier noch einmal meine Rezension zu Im Herbst. Herzlich danke ich dem Luchterhand Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. (c) Susanne Becker

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wintermärchen

Von: michaellausberg@gmx.de aus doveren

26.06.2018

Dieses Buch ist der zweite Teil der Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgärd, die eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie sind. Der erste Band „Im Herbst“ erschien im September 2017, der zweite Band „Im Winter“ Ende 2017, die anderen beiden Werke „im Frühling“ und „Im Sommer“ kommen im Laufe des Jahres 2018 heraus. Knausgärds Zyklus der Jahreszeiten haben viele bekannte Vorbilder in Kunst und Kultur. Die vier Jahreszeiten sind das wohl bekannteste Werk Antonio Vivaldis. Es handelt sich um vier Violinkonzerte mit außermusikalischen Programmen; jedes Konzert porträtiert eine Jahreszeit. Der Band „Im Winter“ enthält Briefe an seine neugeborene Tochter, sinnliche Betrachtungen über die Weihnachtszeit, das Feuerwerk zwischen den Jahren, Schneegestöber, den Charme und die Inspiration des Winters und weiteres mehr. Dies alles wird von Winterlandschaften des Künstlers Lars Lerin visualisiert. In dem Band spiegelt sich seine Lebenslust, die sinnlich erfahrbare Welt zu genießen. Die Empfänglichkeit für die verschiedenen Sinnesempfindungen, besonders aber für solche psychischen Ereignisse, welche sich zunächst an Sinnesempfindungen anschließen, stehen bei ihm im Vordergrund. Dies ist also einerseits die Auffassung der uns umgebenden Erscheinungswelt nach Stoff und Form, die Wahrnehmung und Unterscheidung der außer uns befindlichen Dinge, ihrer Eigenschaften und Veränderungen. Knausgärd lässt die Leser literarisch teilhaben an der Geburt seiner Tochter und schreibt ein Dieses Buch ist der zweite Teil der Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgärd, die eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie sind. Der erste Band „Im Herbst“ erschien im September 2017, der zweite Band „Im Winter“ Ende 2017, die anderen beiden Werke „im Frühling“ und „Im Sommer“ kommen im Laufe des Jahres 2018 heraus. Knausgärds Zyklus der Jahreszeiten haben viele bekannte Vorbilder in Kunst und Kultur. Die vier Jahreszeiten sind das wohl bekannteste Werk Antonio Vivaldis. Es handelt sich um vier Violinkonzerte mit außermusikalischen Programmen; jedes Konzert porträtiert eine Jahreszeit. Persönliche Höhepunkte werden mit der Erfahrung des Erlebbaren und Sichtbaren vermengt und schafft eine träumerische, emotionale Atmosphäre, die ein Bild der Schönheit des Lebens entwirft und den Leser im Laufe der Lektüre in eine andere (heile) Welt versetzt.

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"Im Winter", der zweite Teil der Jahreszeiten-Bücher von Karlove Knausgård, begleitete mich in den letzten Tagen dieses Winters oder was man dank Schnee halbwegs als Winter bezeichnen konnte. Nachdem ich schon recht viel über Knausgård gehört habe und sich die Meinungen doch stark voneinander unterscheiden, musste ich mich nun einfach selbst davon überzeugen. Da die Herbstzeit nun schon eine Weile zurückliegt, war dieses Buch über den Winter nahezu perfekt. Und was soll ich sagen? Großartig! "Du warst in allem ahnungslos, wusstest nicht, wo du warst oder wer du warst, aber vage, ganz vage, musst du gewusst haben, dass du warst, da es Unterschiede in deinen Zuständen gab..." Knausgård nimmt uns mit in seine Gedanken- und Gefühlswelt. Im Winter enthält zum einen Briefe an seine ungeborene und etwas später dann neugeborene Tochter. Diese sehr fürsorglichen Zeilen, die Einblick auf seine Gedankenwelt geben, sind umringt von einer Menge anderer Essays - Erklärungen und Gedanken über den Einzug des Winters, des Feierns und Teilens, aber auch über den Abschied, den Lebenswillen und Neubeginn. Jedem Brief werden so an die zwanzig philosophischen Ansätze zur Seite gestellt, die zwar losgelöst betrachtet und für sich alleine stehen können, allerdings im Bezug auf sie, Bekräftigung oder Angst und Hoffnung verdeutlichen. Knausgård richtet neben dem Familiengeschehen den Fokus auf verschiedenste Dinge wie Eulen, Hohlräume, Unordnung, Feuerwerk, die man zwar wahrnimmt, aber nur selten bewusst mit so vielem verknüpft. "Es ist merkwürdig, dass du existierst, aber nichts darüber weißt, wie die Welt aussieht. Es ist merkwürdig, dass es ein erstes Mal dafür gibt, den Himmel zu sehen, [...] die Sonne zu sehen, [...] die Luft auf der Haut zu spüren." Mit Gedankenreichtum kann man mich einfach immer begeistern, daher ist es für mich auch nicht schwer dieses Buch toll zu finden. Es ist auch kein typisches Winterbuch, da sich sehr viele Essays auch um andere Dinge drehen. Die thematische Abwechslung macht es für mich so faszinierend, interessant und zugleich so inspirierend. Seine Beschreibungen und gezielt gewählten Metaphern zogen mich sofort in den Bann. Es ist ein gedanklicher Blick über den Tellerrand. Nicht nur inhaltlich, auch optisch und haptisch macht dieses Buch einiges her. Die Bilder von Lars Lerin, die klare Linie und der Weißraum zwischen den einzelnen Themen verleihen den Gedanken Raum und laden zum Runterkommen ein. Dies wird auf jeden Fall nicht mein einziger Knausgård bleiben und ich freue mich schon jetzt auf die bald erscheinende Fortsetzung und den Frühling. "Weiß ist die Abwesenheit von Farbe, das Äquivalent zum Weiß in der Welt der Klänge muss deshalb die Stille sein. Wenn der schneebedeckte Wald reglos unter dem schwach dämmernden Himmel steht, herrscht vollkommene Stille."

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Inhalt: Die Jahreszeiten-Bücher von Karl Ove Knausgård: "Im Winter" ist der zweite Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: Briefe an eine neu geborene Tochter, Essays über Weihnachten und den Schnee, das Licht am Winterhimmel und ein Feuerwerk zwischen den Jahren, das Leben im Winter. Die Jahreszeiten-Bücher von Karl Ove Knausgård: "Im Winter" ist der zweite Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: Briefe an eine neu geborene Tochter, Essays über Weihnachten und den Schnee, das Licht am Winterhimmel und ein Feuerwerk zwischen den Jahren, das Leben im Winter. Mein Lieblingszitat: Meine Meinung: Nachdem ich „Im Herbst“ von Karl Ove Knausgård gelesen habe und sehr begeistert von seinem Schreibstil und seiner Sicht auf die Welt war (hier geht es zur Rezension), wollte ich natürlich auch den zweiten seiner Jahreszeiten-Bände lesen! Wie auch das Cover von „Im Herbst“ besteht dieses Cover aus einem schönen, zum Winter passenden Gemälde. Auch im Buch sind einige Gemälde von Lars Lerin abgebildet, die Knausgårds Erzählungen wunderbar illustrieren. Wieder gibt es eine Einteilung in drei Monate (in diesem Fall Dezember, Januar & Februar), jeweils mit einem Brief an Knausgårds ungeborene und später geborene Tochter, die wirklich berühren. Der Autor beschreibt in 60 kleinen Kapitelchen ganz alltägliche Dinge, wie z.B. Zahnbürsten, Busse und Stühle. Allerdings widmet er seine Aufmerksamkeit auch Objekten oder Themen, über die wir gar nicht Nachdenken und beleuchtet sie in einem völlig neuen Licht, wie z.B. Rohre, Weihnachtsgeschenke und Gespräche. Er schreibt in einem sehr nachdenklichen, poetischen Schreibstil, der sich deutlich von den Schreibstilen anderer moderner Autoren abhebt. Obwohl seine Erzählungen zum Nachdenken anregen, lässt der Autor an der ein oder anderen Stelle zum Ausgleich auch etwas Humor einfließen. An dieser Stelle kann ich nur sagen: Werft selber einen Blick in „Im Winter“ und lasst euch von Knausgårds Sichtweisen und Perspektiven auf die Welt bezaubern. Mein Fazit: Dieses Buch, das für die jüngste Tochter Knausgårds geschrieben wurde, ist jedem zu empfehlen, der seinen Blickwinkel auf die Dinge um sich herum verändern möchte. Vielen Dank an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar! Im Winter bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

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Mit „Im Winter“ geht Knausgårds Jahreszeitenzyklus weiter und wieder kann man das Buch nicht aus der Hand legen. Durchschnittlich nimmt sich der Autor vier Seiten Zeit, um einen Begriff oder Zustand zu beschreiben, der irgendwas mit Winter zu tun hat. Schon in seinem Mammut-Werkzyklus ist auch hier vieles langatmig, unwichtig und manchmal weit davon entfernt Literatur genannt zu werden, aber bei Knausgard geht es um die Poesie des Unpoetischen und nicht um die Handlung. Das Große Ganze ist entscheidend. Denn irgendwo in diesen Geschichten findet der Leser sich wieder und identifiziert sich mit dem Text, weil die Gedanken des Autors so alltäglich sind, so unprätentiös und ehrlich. Versteckt in den Details ahnt der Leser, dass manche Texte der großen Literatur gerade deshalb ganz nahe kommen.

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Pünktlich zur kalten Jahreszeit ist der zweite Teil eines vierbändigen Projekts von Karl Ove Knausgård erschienen. Der Titel hätte auch ebenso gut „Das Leben“ lauten können, denn darum geht es in dieser Essay-Sammlung. Das deutet bereits das erste Kapitel an, in dem der Autor in einem Brief seine ungeborene Tochter darauf vorbereitet, was sie nach der Trennung vom Mutterleib erwartet. Es folgen Betrachtungen über Alltagsgegenstände, Lebewesen, Naturerscheinungen und abstrakte Themen, die in ihrer Auswahl willkürlich erscheinen. Manche haben einen Bezug zum Winter, manche nicht. Der norwegische Schriftsteller hat dabei einen ganz eigenen Stil: Erst beschreibt er sachlich Form und Funktionalität eines Elements wie Wasser oder eines Möbelstücks wie einen Stuhl. Daraus lässt er überraschende Assoziationen und Gedanken entfalten, die oft das ganze Universum umfassen. Eines haben die Miniaturen gemeinsam: Sie sind alle angetrieben von Knausgårds immenser Neugier, Wissbegierde und Bewunderung für seine Umwelt. Er versucht das Leben zu begreifen, indem er Gesetzmäßigkeiten ausarbeitet, nach Parallelen zwischen der materiellen Welt und den Lebewesen sucht und Gegenstände bin ins Kleinste seziert. Nach den Naturbeschreibungen zu Beginn des Buches, die eher trist, dunkel, teilweise mystisch sind, tut es richtig gut, wenn der Autor aus seinem Familienleben plaudert. Er beschreibt Geburtstagsrituale, die Unordnung im Kinderzimmer oder Weihnachtsvorbereitungen und bringt dabei nicht nur Farben, Fülle und Lebensfreude ins Spiel, sondern strahlt auch eine unglaubliche Wärme aus. Besonders gut gelingt ihm dies in der Episode „Weihnachtsgeschenke“. Darin beschreibt er, wie leblose Gegenstände wie ein Kuscheltier mit seinem neuen Besitzer eine Bindung eingehen und eine völlig neue Bedeutung gewinnen – erst als ständiger Begleiter, später als wertvolle Kindheitserinnerung. Es ist erstaunlich, welche tiefgründigen Gedanken banale Alltagsgegenstände wie Zahnbürsten oder Q-Tips bei Knausgård auslösen. Sein Buch liest sich wie ein Appell, auf das Besondere, Staunenswerte im Leben, das sich einem nicht sofort erschließt, zu achten. Es enthält außerdem sehr schöne Aquarelle von Lars Lerin, die mit den Essays stimmig sind. Es könnte gut sein, dass ich bei meinem nächsten Waldspaziergang die Winterlandschaft mit anderen Augen sehe als bisher.

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