Leserstimmen zu
Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau

Anne Berest

(5)
(0)
(1)
(0)
(0)
€ 19,99 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau ist ein Roman von Anne Berest aus dem Hause Knaus, erschienen im Jahr 2016. Darin beschreibt die Autorin, was es heisst, in der heutigen Gesellschaft eine perfekte Frau darzustellen, die gut aussieht, Karriere macht, frei von Zweifeln ist und ihr Familienleben immer im Griff hat. Beim genaueren Hinsehen wird schnell bewusst, dass es die „perfekte“ Frau so vielleicht gar nicht gibt. Emilienne ist mittleren Alters, hat einen Sohn mit dem sie in Paris lebt und arbeitet als Fotografin. Unter ihren Eltern, die Zeit ihres Lebens als Künstler tätig sind, fühlte sich Emilienne mehr als Requisit denn als geliebte Tochter. Die perfekt gestylten Mädchen aus ihrer Nachbarschaft haben Emilienne schon als Kind beeindruckt. Auch als Erwachsene freundet sie sich schnell mit der ebenso perfekt scheinenden Julie an, die mit ihrem Mann und ihrem Baby nebenan lebt. Augenscheinlich ist Julie immer modebewusst gekleidet, erfolgreich im Job, beliebt bei Freunden, nie schlecht gelaunt und bis ins letzte Detail durch organisiert. Als Julie nach einem Zusammenbruch in der Psychiatrie landet, bröckelt die Fassade. Die Diagnose: akuter postnataler Erschöpfungszustand, verursacht durch eigene überhohe Ansprüche und den inneren Druck, den diese auslösen. Für Julie wird schnell klar, dass dafür die Gesellschaft verantwortlich ist, die Frauen zu viel abverlangt, sie zu Sklavinnen macht und erwartet, dass diese sich zu Tode schuften. Nach Julies Einweisung und der niederschmetternden Diagnose, beginnt Emilienne sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und sucht fortan für ein Fotoprojekt die „perfekte Frau“. Wichtig ist für sie vor allem eins: Die perfekte Frau ist nur dann perfekt, wenn sie Schwächen hat. Emilienne lernt auf der Suche nach Fotomodellen spannende Frauen kennen, die allesamt beeindruckende Geschichte erzählen können. Darunter verbergen sich sowohl schöne, als auch zutiefst verstörende Erlebnisse. Zudem wird Emilienne bewusst, wie viel jede einzelne von ihnen von sich selbst erwartet und wie sehr sie darunter leiden, wenn sie versagen. Nach jeder Begegnung fragt sie die Frauen nach der für sie perfekten Frau, um diese anschließend ausfindig zu machen und abzulichten. Wichtig zu erwähnen ist, dass auch Emilienne selbst die für sie perfekte Frau trifft. Anne Berest trifft mit ihrer Geschichte ins Schwarze. Das Thema könnte aktueller nicht sein. Es fühlt sich wohl jede Frau angesprochen, wenn es darum geht, von Selbstzweifeln zerfressen zu werden, sich mit anderen zu vergleichen und dabei immer den Kürzeren zu ziehen. Eine wichtige Message des Buches ist definitiv, dass es keine makellosen Frauen gibt und das auch gut so ist. Ein Ideal ist ein Fantasieprodukt und irgendwie ja auch ziemlich langweilig. Der Blick der Autorin auf ihre Charaktere ist ernst, aber auch humor- und liebevoll. Die Geschichte lässt sich fließend lesen, sodass ich schnell in das Geschehene hinein finden konnte. Emilienne als Charakter konnte mich nicht immer überzeugen, was auch daran liegt, das Berest bzgl. Sexualität unschöne Formulierungen verwendet, die ich an einigen Stellen grob unangebracht finde. Insgesamt ist es eine Geschichte, die den Nerv der Zeit trifft, mit der sich viele Frauen identifizieren können und die nachdenklich macht.

Lesen Sie weiter

Leicht und wolkig ist dagegen „Emilienne“. Mit dem Roman spricht Anne Berest alle Frauen an, die ein Stück von dem französischen Charme abhaben und von den Künstlerinnen der Verführung lernen wollen. Frauen, die in Paris leben versprühen Nostalgie, sind belesen, wunderschön, charmant und haben einen trockenen Humor – nahezu perfekt. Was perfekte Frauen ausmacht, ob es sie überhaupt gibt und welche Ansprüche wir an uns selber haben, erzählt die Autorin anhand von Julie. Einer französischen Elfe, die Emilienne immer wieder neidisch erblassen lässt. Wunderbare Frauen-Lektüre!

Lesen Sie weiter

Emilienne ist Fotografin und wäre gerne Künstlerin. Die geschiedene Mutter ist Künstlertochter und bewundert ihre Nachbarin Julie dafür, die perfekte Frau zu sein. Bis Julie einen Nervenzusammenbruch nach der Geburt ihres Sohnes erleidet. Um sich keifend, dass die Welt an Frauen nur unerfüllbare Anforderungen stellt, bringt sie Julie auf die Idee, eine Fotoserie zu der perfekten Frau zu machen und verschiedene Frauen dazu zu fotografieren und zu interviewen. Leichter gesagt als getan, stellt sich bereits Emiliennes erste Station als pädophile Pastorenwitwe heraus. Doch dann trifft Emilienne eine Frau, in die sie sich Hals über Kopf verliebt. Die perfekte Frau, die am nächsten Tag aus ihrem Leben verschwindet. Und Emilienne beginnt zu suchen. Ich gestehe, ich hätte Fassaden erwartet, hinter denen es kriselt und knarzt. Doch hier tun sich Abgründe auf. Prostitution, Verführung Minderjähriger, Abhängigkeiten und immer wieder die absolute Aufopferung der Frau, bis sie sich selbst keinen anderen Lebensinhalt mehr zugesteht. Es geht um den Verfall von äußerer Schönheit und das Wachsen von Begierde. Neben kulturellen und gesellschaftlichen Ressentiments werden so alltägliche Frauenbilder wie beispielsweise in der Werbung angesprochen. Das passiert so nebenbei, dass es zum Geschehen passt und die Handlung vorantreibt, aber auch zum Nachdenken anregt. Die eigentliche Handlung ist dann eher die Suche nach Georgia als die Suche nach dem Bild der perfekten Frau. Auch das ist gut gemacht, zeigt es doch, dass Perfektion im Auge des Betrachters entsteht. Für mich waren nämlich auch die Zuschreibungen, die Emilienne als Erzählerin an Georgia vergibt, keineswegs so perfekt, dennoch wird es für Emilienne geradezu zur Obsession, „ihre“ perfekte Frau noch einmal wieder zu sehen. Der auf der einen Seite durch Emotionen verklärte Blick auf die Frau wird also auf anderer Seite wieder dekonstruiert und das finde ich sehr gut. Wie tief das reicht und dass es nicht etwa „von selbst“ passiert zeigt eine Stelle gut. Emilienne hat mit einer ehemaligen Prostituierten, die nun erfolgreich Luxusdessous kreiert, ein Interview für einen Fernsehsender geführt und dabei über ihre kulturelle Prägung (sie ist Muslima) und ihre Sicht auf die Weiblichkeit gesprochen. Der Sender protestiert. Das könne nicht verwendet werden. Mit neuen, geschönten Fragen wird das Interview wiederholt und nun dreht sich alles um die Dessous an sich. Emiliennes Zusammentreffen mit den unterschiedlichen Frauen sorgt auch für einen generationsübergreifenden Blick. Der ist geschickt und vielfältig gemacht. Der jugendlichen Anhalterin wird beispielsweise die erste Freundin des Sohnes gegenüber gestellt. Der Pastorenwitwe die Angestellte des Exmannes, Emilienne selbst steht gegenüber ihrer erfolgsbesessenen Nachbarin. Natürlich spielt der Roman dabei mit Extremen, aber immer mit solchen, die durch und durch vielschichtig und glaubwürdig bleiben. Gerade Emiliennes Selbsteinschätzung ist bezeichnend für den Roman. Sie „ist“ einfach, behauptet sie und achtet doch genau darauf, wie sie sich verhält. Ihrem Sohn gegenüber versuchst sie beispielsweise Distanz zu wahren, damit er nicht mehr, wie sehr sie ihn braucht. Es misslingt. Auf einem gemeinsamen Foto, umarmt er sie, zeigt offen die Verbindung, die Emilienne so fürchtet. Der Roman mag auf den ersten Blick leicht und federnd sein, die Geschichte einer Frau nach der Frau, in die sie sich verliebt hat. Tatsächlich ist er aber durchdacht und tief, voller Momente, die nachwirken und erst am Schluss ihr Potential offenbaren. Der perfekten Frau per se wird schlicht kein Bild gegeben, sie wird heruntergebrochen auf Möglichkeiten, die sich stets als Sackgasse entpuppen. Und als wandelnder Imperfekt quasi macht sich ausgerechnet Emilienne auf diese Suche. Wunderbar. Ich wage fast zu sagen: perfekt.

Lesen Sie weiter

Das Buch „How to be Parisian wherever you are“, an dem Anne Berest mitgeschrieben hat, schaffte es gefühlt auf jeden Instagram-Account angesagter oder weniger angesagter Modeblogger. Jetzt hat Anne Berest mit „Emillienne oder die Suche nach der perfekten Frau“ ein weiteres Buch veröffentlicht. Ich habe es bisher aber noch nicht so häufig auf den obligatorischen Modeblogger-Stillleben entdeckt. Warum? Weiß ich nicht. Vielleicht ist es zu anspruchsvoll? Anne Berests Suche nach der perfekten Frau ist vielleicht zu kritisch für die Social Media Scheinwelt? Denn genau die präsentiert uns ja jeden Tag die vielen perfekten Frauen mit ihren perfekten Handtaschen in ihren perfekten Leben. Und das mit vollem Ernst. Da passt ein kritischer Roman, der sich genau mit diesem Problem unserer Gesellschaft beschäftigt, wohl nicht so recht ins Bild. In „Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau“ gibt es keine einfache Anleitung zum Thema, wie werde ich die perfekte Frau oder wie koche ich eine schnelle Suppe, die alle meine schicken perfekten Gäste begeistert. Nein, „Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau“ läßt uns eher nachdenklich zurück. Ob es diese perfekte Frau überhaupt gibt und was es für eine Rolle spielt, werde ich natürlich nicht verraten. Ich verrate lediglich, dass sich die Fotografin Emilienne, die sich selbst für absolut unperfekt hält, auf die Suche nach der perfekten Frau begibt. Sie will diese für einen Wettbewerb fotografieren. Eigentlich war Emilienne überzeugt, dass ihre Nachbarin Julie die perfekte Frau sei. Aber als Julie einen Zusammenbruch erleidet, muss Emilienne umdenken und sie begibt sich auf eine spannende Reise. Die Autorin Anne Berest ist Journalistin und Theaterregisseurin. Sie hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und zählt zu den interessantesten Menschen der französischen Literaturszene. Ja, und ein kurzer Blick auf ihr Foto im Buch zeigt, dass sie auch noch sehr hübsch ist. Ist sie etwa die perfekte Frau? Wer weiß? 😉 Das im KNAUS Verlag erschienene Buch richtet sich an erwachsene Frauen. Ich habe es zusammen mit meiner Frau Mama gelesen. Ein paar freizügige Textstellen hat mir Mami vorenthalten und ein paar Passagen hat sie mir erklären müssen. Aber ich fand den Schreibstil von Anne Berest wirklich sehr unterhaltsam. Ihr Humor ist teilweise zwar recht bissig, aber irgendwie immer charmant. Es gibt zahlreiche Zitate, die direkt in meinem Notizbuch gelandet sind, weil sie einfach so schön sind und mich zum Nachdenken anregen. Ich habe noch nicht viele Bücher gelesen, die ein ernstes Thema auf so leichte Art und Weise zur Diskussion stellen. Naja, sie ist eben eine echte Parisian, diese Anne Berest.

Lesen Sie weiter

Emilienne arbeitet als Fotografin und kann so mehr schlecht als recht ihren Lebensunterhalt finanzieren. Die Teilnahme an einem großen Wettbewerb soll dies ändern, Thema ist die perfekte Frau. Sie selbst ist weit davon entfernt eine solche zu sein: aus unkonventionellem Künstlerelternhaus viel zu früh schwanger geworden, inzwischen geschieden, kein reguläres Einkommen, unsteter Lebenswandel, der ihren jugendlichen Sohn bisweilen erwachsener erscheinen lässt als sie. Ihr erstes Motiv soll ihre Nachbarin sein, Julie, erfolgreiche Karrierefrau und seit Kurzem Mutter. Doch diese offenbart sich gerade an den hohen Ansprüchen, die sie an sich selbst stellt, gnadenlos zu scheitern und nur in einer Psychiatrie Ruhe vor den Erwartungen der Welt finden zu können. Julie führt sie allerdings zu der ihrer Meinung nach perfekten Frau: Marie. Jedoch auch diese kann den gesellschaftlichen Konventionen nicht genügen. So führt Emiliennes Weg von einer Frau zur nächsten – jede auf ihre Weise perfekt, aber den eigenen Ansprüchen nicht genügend. Anne Berest ist keine Unbekannte im literarischen Frankreich. Einem breiten Publikum ist sie mit „How to be Parisian wherever you are“ bekannt geworden, auch ihre Biographie über Françoise Sagan wurde beachtet. Frauen sind ihr Thema, nun die Suche nach der perfekten Frau – mit einem Augenzwinkern kann man nach den vorangegangenen Büchern zur Kenntnis nehmen, dass diese in Frankreich bzw. Paris gesucht wird. Auch wenn dem Buch durchaus dank der Protagonistin eine Menge Humor und Situationskomik innewohnt, hat Anne Berest einmal wieder dem Leser eine gesellschaftlich relevante Frage untergeschoben, die scheinbar nebenbei daherkommt: die Erwartungen an die Frau von heute. Alle weiblichen Figuren im Roman negieren für sich das Adjektiv „perfekt“ aus unterschiedlichen Gründen: Julie wird ihrer Rolle als perfekte Mutter nicht gerecht (sie scheiterte schon an der natürlichen Geburt); Marie ist nicht die treusorgende Gattin, die nur Augen für ihren Mann hat, selbst als dieser tot ist; Jenanes wunderschönes Gesicht wird ihr zum Verhängnis und ihr Körper missbraucht – auch Attraktivität kann Hass auslösen; Zahia wird verurteilt für das, was andere mit ihr getan haben, nicht der Freier, sondern die Prostituierte wird verachtet. Alle Frauen haben für sich ein Bild von Perfektion entwickelt, dem sie nicht standhalten können. Keine der Erwartungen ist absurd überhöht, sondern einfach nur das, was in Zeitschriften, Fernsehen und sozialen Medien propagiert wird: Die junge, attraktive Frau, die neben der perfekten Optik auch die Intelligenz und den Biss mitbringt, beruflich erfolgreich zu sein. Daneben schmeißt sie locker den Haushalt und erzieht auch noch die Wunderkinder. Die Frage, weshalb sich Frauen diesem Druck unterwerfen, einem unerreichbaren Ideal hinterher zu eilen, wird nebenbei thematisiert; eine Antwort findet auch Anne Berest nicht. Sie lässt eine Psychologin spekulieren, doch deren Ansätze fand ich etwas unbefriedigend: wollen Frauen wirklich wie Männer sein bzw. genau das eine im Leben sein, was ihnen durch die Natur endgültig verwehrt ist? Zumindest mag ein Aspekt daran sinnvoll sein: sich vor Augen führen, dass manches Ideal absurd und unerreichbar ist, so dass es sinnhaft sein kann, einen anderen Maßstab anzulegen und ein neues Ideal zu definieren. Auch wenn hier ein ur-feministisches Thema aufgegriffen wird, fällt der Roman für mich nicht zwingend in diese Kategorie. Man kann ihn sicherlich so lesen, der leichte Ton nimmt jedoch etwas an Schärfe und geht das Thema eher humorvoll als ernst an. Dies ist ganz sicher die größte Stärke von Anne Berest als Autorin: Sie nähert sich leichten Fußes, um dann den Finger in die Wunde zu legen.

Lesen Sie weiter

Emilienne arbeitet als Fotografin und kann so mehr schlecht als recht ihren Lebensunterhalt finanzieren. Die Teilnahme an einem großen Wettbewerb soll dies ändern, Thema ist die perfekte Frau. Sie selbst ist weit davon entfernt eine solche zu sein: aus unkonventionellem Künstlerelternhaus viel zu früh schwanger geworden, inzwischen geschieden, kein reguläres Einkommen, unsteter Lebenswandel, der ihren jugendlichen Sohn bisweilen erwachsener erscheinen lässt als sie. Ihr erstes Motiv soll ihre Nachbarin sein, Julie, erfolgreiche Karrierefrau und seit Kurzem Mutter. Doch diese offenbart sich gerade an den hohen Ansprüchen, die sie an sich selbst stellt, gnadenlos zu scheitern und nur in einer Psychiatrie Ruhe vor den Erwartungen der Welt finden zu können. Julie führt sie allerdings zu der ihrer Meinung nach perfekten Frau: Marie. Jedoch auch diese kann den gesellschaftlichen Konventionen nicht genügen. So führt Emiliennes Weg von einer Frau zur nächsten – jede auf ihre Weise perfekt, aber den eigenen Ansprüchen nicht genügend. Anne Berest ist keine Unbekannte im literarischen Frankreich. Einem breiten Publikum ist sie mit „How to be Parisian wherever you are“ bekannt geworden, auch ihre Biographie über Françoise Sagan wurde beachtet. Frauen sind ihr Thema, nun die Suche nach der perfekten Frau – mit einem Augenzwinkern kann man nach den vorangegangenen Büchern zur Kenntnis nehmen, dass diese in Frankreich bzw. Paris gesucht wird. Auch wenn dem Buch durchaus dank der Protagonistin eine Menge Humor und Situationskomik innewohnt, hat Anne Berest einmal wieder dem Leser eine gesellschaftlich relevante Frage untergeschoben, die scheinbar nebenbei daherkommt: die Erwartungen an die Frau von heute. Alle weiblichen Figuren im Roman negieren für sich das Adjektiv „perfekt“ aus unterschiedlichen Gründen: Julie wird ihrer Rolle als perfekte Mutter nicht gerecht (sie scheiterte schon an der natürlichen Geburt); Marie ist nicht die treusorgende Gattin, die nur Augen für ihren Mann hat, selbst als dieser tot ist; Jenanes wunderschönes Gesicht wird ihr zum Verhängnis und ihr Körper missbraucht – auch Attraktivität kann Hass auslösen; Zahia wird verurteilt für das, was andere mit ihr getan haben, nicht der Freier, sondern die Prostituierte wird verachtet. Alle Frauen haben für sich ein Bild von Perfektion entwickelt, dem sie nicht standhalten können. Keine der Erwartungen ist absurd überhöht, sondern einfach nur das, was in Zeitschriften, Fernsehen und sozialen Medien propagiert wird: Die junge, attraktive Frau, die neben der perfekten Optik auch die Intelligenz und den Biss mitbringt, beruflich erfolgreich zu sein. Daneben schmeißt sie locker den Haushalt und erzieht auch noch die Wunderkinder. Die Frage, weshalb sich Frauen diesem Druck unterwerfen, einem unerreichbaren Ideal hinterher zu eilen, wird nebenbei thematisiert; eine Antwort findet auch Anne Berest nicht. Sie lässt eine Psychologin spekulieren, doch deren Ansätze fand ich etwas unbefriedigend: wollen Frauen wirklich wie Männer sein bzw. genau das eine im Leben sein, was ihnen durch die Natur endgültig verwehrt ist? Zumindest mag ein Aspekt daran sinnvoll sein: sich vor Augen führen, dass manches Ideal absurd und unerreichbar ist, so dass es sinnhaft sein kann, einen anderen Maßstab anzulegen und ein neues Ideal zu definieren. Auch wenn hier ein ur-feministisches Thema aufgegriffen wird, fällt der Roman für mich nicht zwingend in diese Kategorie. Man kann ihn sicherlich so lesen, der leichte Ton nimmt jedoch etwas an Schärfe und geht das Thema eher humorvoll als ernst an. Dies ist ganz sicher die größte Stärke von Anne Berest als Autorin: Sie nähert sich leichten Fußes, um dann den Finger in die Wunde zu legen.

Lesen Sie weiter