Leserstimmen zu
Der Rat der Gerechten

Katarzyna Bonda

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Paperback
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In ihrer polnischen Heimat wird Katarzyna Bonda auch schon mal als “Königin des Kriminalromans” gepriesen. Wer daher auf der Suche nach spannender Unterhaltung Bondas neuen Roman “Der Rat der Gerechten” in die Hand nimmt, könnte womöglich enttäuscht werden. Denn obwohl Profilerin Sasza Zaluska auf der Spur eines Serienmörders in einen ganz anderen Fall hineinstolpert, ist dieser Roman viel mehr als ein Krimi. Es geht um Schuld und Verrat, um Geschichtsleugnung und Suche nach Wahrheit, um Vergangenheitsbewältigung und ethnische Konflikte in der ostpolnischen Region Podlachien, die vor dem Zweiten Weltkrieg ein Schmelztiegel der Nationalitäten und Religionen war. Schon die Widmung macht klar: dieses Buch ist für die Autorin auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte und einem blutigen Kapitel der jüngeren polnischen Vergangenheit, dessen Aufarbeitung in den vergangenen Jahren an erneutem Aufleben von Nationalismus zu scheitern droht. Zugegeben: Für Leser, die Polen und seine Geschichte nicht oder nur wenig kennen, ist dieses Buch anstrengend. Die komplizierte, oft tragische Entwicklung des Landes im 20. Jahrhundert, die Diskussionen über Vergangenheit, die bis in die heutige Zeit andauern - für den deutschen Durchschnittsleser ohne Polen-Bezug dürfte das schwerer Tobak sein. Wer sich auf mehrere Zeitebenen und Erzählstränge dieser epischen Erzählung einlässt, lernt dafür so einiges über die jüngste Vergangenheit des Nachbarlandes und Streitpunkte, die die Gesellschaft noch heute teilen. Dabei ist der Anfang noch zunächst übersichtlich: Profilerin Sasza Zaluska, trockene Alkoholikerin und alleinerziehende Mutter, versucht sich gerade an der Wiederaufnahme in den Polizeidienst, als ein Hinweis auf einen als “Rote Spinne” bezeichneten psychopathischen Serienmörders sie in die ostpolnische Kleinstadt Hajnowka bringt, In der psychiatrischen Klinik dort soll ein Mann in Behandlung sein, den sie verdächtigt, der Täter zu sein. Er ist zudem der Vater ihrer Tochter. In Hajnowka kommt Zaluska in einem Restaurant mit dem reichen Unternehmer Piotr Bondaruk ins Gespräch. Und von da an wird es schnell kompliziert. Der Mann, der in dem Ort als eine Art örtlicher König Blaubart gilt, will die junge Iwona heiraten, die altersmäßig seine Enkelin sein könnte und obendrein aus einer nationalistischen polnischen Familie stammt – eigentlich der komplette Gegensatz zu dem Holzfabrikanten mit weißrussischen Wurzeln. Gleich nach der Hochzeit verschwindet sie, und die Bewohner des kleinen Ortes rätseln: Ist sie mit ihrem früheren Freund durchgebrannt, wurde sie entführt, oder hat der frisch angetraute Ehemann die Finger im Spiel, dessen Partnerinnen bereits in der Vergangengheit verschwanden? Die Tatsache, dass bei der Polizei alte Totenschädel auftauchen, heizen die Gerüchteküche nur noch weiter an. Zaluska bietet der offensichtlich überforderten und unterbesetzten Polizei Unterstützung an, gerät aber selbst in Verdacht, möglicherweise unlautere Motive zu haben oder gar in ein Verbrechen verwickelt zu sein. Zudem stößt die Profilerin in der Kleinstadt auf eine Mauer des Schweigens, ist sie doch nicht “von hier”. In Rückblenden wird die Geschichte Bondaruks und seiner Frauen erzählt und nur nach und nach entwirrt sich das Beziehungsgeflecht des Ortes und die Ursache der Spannungen zwischen Polen und Weißrussen in der Stadt. Denn während polnische Nationalisten den antikommunistischen Partisanen “Bury” als Helden ansehen, dem Jugendliche bei Kriegsspielen im Wald nacheifern, ist der Mann für die Weißrussen ein Verbrecher, verantwortlich für blutige Pogrome in den weißrussischen Dörfern nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, für Morde an Frauen und Kindern. Auch das Dorf Zaluskie wurde damals dem Erdboden gleich gemacht und Sasza muss sich der Frage stellen, ob hier womöglich unbekannte Wurzeln der eigenen Familie liegen. Die Verbrechen von damals, ein mehr als 70 Jahre zurückliegender Verrat, überschatten die Menschen in Hajnowka bis in die Gegenwart. Gerade diesem Aspekt, der für Leser ohne Kenntnis der jüngeren polnischen Geschichte schwer verständlich sein dürfte, widmet Bonda den wohl persönlichsten Teil des Buches. Denn auch ihre Großmutter, nach der sie benannt wurde, kam bei einem Pogrom ums Leben, wie die aus Hajnowka stammende Bonda bei den Recherchen für das Buch herausfand. In der Familie wurde darüber geschwiegen – offiziell ermordeten. Der “Rat der Gerechten” ist ein vielschichtiger, stellenweise komplizierter und mit 700 Seiten etwas überbordender Roman um Verbrechen, Hass und Liebe. Bonda zeichnet mit ihrem Roman ein episches Gesellschaftsbild und erklärt eine Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reicht.

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Iwona Bejnar (25) stammt aus einer armen polnischen Familie, die in einem kleinen Ort nahe der weißrussischen Grenze lebt, wo die Gegensätze beider Bevölkerungsgruppen das Bewusstsein der Menschen prägen. Obwohl Iwona eigentlich mit Quaku verlobt ist, nimmt sie nach zweimonatiger Bekanntschaft den Heiratsantrag des 66-jährigen Weißrussen Piotr Bondaruk an. Der Vater von drei erwachsenen Söhnen ist reicher Besitzer einer Holzfabrik und verspricht Iwona und ihrer Familie ein Leben in Wohlstand. Er selbst will nach der Eheschließung das Leben im Ruhestand genießen. Während der Hochzeitsfeier, die unter Polizeischutz stattfindet, verschwindet die Braut spurlos. Auch frühere Partnerinnen Bondaruks sind wie vom Erdboden verschluckt, und einige Leute vermuten sofort einen Zusammenhang. Iwonas Vater hatte seiner Tochter sogar die Heirat verbieten wollen und ihr während der Vorbereitungen zugeflüstert: "Bondaruk ist der Sohn eines Mörders. Er hat seine Frauen umgebracht! Es ist mir scheißegal, wie viel Kohle er hat." (E-Reader Pos. 1120) Die Polizei sucht Unterstützung bei der Profilerin Sasza Załuska, die bei ihren Recherchen tief in die Vergangenheit der Kleinstadt und ihrer Bewohner vordringt. Sie stößt dabei schließlich auf ein Verbrechen, deren Urheber nicht bestraft wurden, und an dem Bondaruk nicht unbeteiligt war. Resümee: In diesem Werk geht es laut Klappentext um die Aufklärung des Verschwindens von Iwona Bejnar und früherer Partnerinnen ihres Bräutigams Piotr Bondaruk. Die Profilerin Sasza Załuska unterstützt dabei die Ermittler. Die Taten treten allerdings in den Hintergrund bzw. sind "nur" der Aufhänger für das Herausarbeiten vieler Lebensgeschichten. Dies geschieht in epischer Breite und killt eine stellenweise zart aufkeimende Spannung sofort wieder. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass das Buch nicht als Krimi oder Thriller vermarktet wird, sondern als Roman. Ergo: Der Klappentext verspricht mehr - vor allem mehr Spannung -, als die Handlung hergibt. Insgesamt fand ich das Buch sehr mühsam zu lesen. Das liegt nicht nur an der Ausführlichkeit der Darstellungen, die oft ermüdend wirkt, sondern auch an Folgendem: • Es treten sehr viele Personen auf - die Zahl an sich ist schon eine Herausforderung! -, die alle ausländische Namen haben, zum Teil auch noch Kosenamen. Das kann man nun gewiss nicht der polnischen Autorin anlasten, schließlich hat sie dem Roman auch ein Personenregister vorangestellt. Jedoch ändert das nichts daran, dass der Leser immer wieder überlegen oder zurückblättern muss (beim Reader umständlich), um sich zu vergewissern, wer wer ist. Das hemmt den Lesefluss enorm. • Es gibt viele Zeitsprünge, • etliche Handlungsstränge und • die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt - wie bereits erwähnt, stets in epischer Breite. • Einige schwer verständliche Sätze sind vielleicht der Übersetzung geschuldet. Das alles hat zur Folge, dass man sich beim Lesen durchgehend ziemlich konzentrieren muss, um nicht den Faden zu verlieren. Die Profilerin Sasza Załuska ist mir im Verlauf der Handlung sehr sympathisch geworden. Die Mutter einer kleinen Tochter hat beruflich und privat eine traumatische Vergangenheit, ist trockene Alkoholikerin und versucht gerade, wieder Fuß zu fassen. Fazit: Dies ist ein ungewöhnlicher Roman mit einem interessanten Plot. Die Absicht der Autorin, Lebensgeschichten zu erzählen, die teilweise miteinander verwoben sind, wird deutlich, jedoch konnte mich das Werk nicht packen.

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Nachdem ich mir den Klappentext durchgelesen habe, war für mich klar, dass ich die Geschichte lesen wollen würde. Ich hatte mich allerdings gewundert, wieso das Buch als Roman deklariert wurde und nicht als Thriller. Mittlerweile weiß ich wieso, denn durch die ausschweifende Erzählung der Geschichte ist eine anhaltende Spannungskurve schlichtweg unmöglich. Ich habe mir eine spannende Erzählung um die Aufklärung des Falles der verschwundenen Frauen erhofft. Bekommen habe ich einen Roman, der den Leser zwar aufklärt, aber ohne Spannung. Die Autorin hätte gut daran getan, die Hälfte des Buches einzukürzen und den Fokus mehr Richtung Thriller legen sollen. Potenzial dafür wäre auf jeden Fall dagewesen. Epische Erzählungen scheinen jedoch das Markenzeichen der Autorin zu sein, denn der Vorgänger dieses Romans ist die Geschichte "Das Mädchen aus dem Norden". In diesem Buch geht es ebenfalls um die Profilerin Sasza Załuska, doch dieses Buch ist als Thriller deklariert. Thrill hatten dann wohl auch viele Leser erwartet, doch bekommen haben sie ihn nicht, denn auch dieses Buch hat Seiten und ist ebenfalls sehr ausschweifend erzählt. Dann hat der Verlag bei diesem Buch wohl gedacht dass man es besser als Roman statt als Thriller bezeichnen sollte, um dieses Problem zu umgehen. Doch das reicht nicht, um den Leser zufrieden zu stellen. Die Handlung in "Der Rat der Gerechten" ist durch die verschiedenen Zeitsprünge und Perspektiven sehr unübersichtlich. Man braucht oft ein paar Seiten, bis man überhaupt versteht, wen man gerade begleitet und wieso. Ich habe mich am Anfang eigentlich recht wohl gefühlt, bis die Zeiten und die Handlungsstränge ständig gewechselt haben. Das hat mir das Lesevergnügen ganz schön getrübt. Ich musste mich beim lesen schon sehr konzentrieren, Entspannung Fehlanzeige. Der Schreibstil an sich war ganz angenehm, er war flüssig und leicht verständlich. Es gab jedoch des Öfteren Sätze, die einfach keinen Sinn gemacht haben, ich gehe mal davon aus, dass das an der Übersetzung liegt. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Sätze einfach nur wörtlich und nicht sinngemäß übersetzt wurden. Unprofessionell finde ich allerdings, dass hier nicht drauf hingewiesen wird, dass es bereits einen vorigen Band über die Protagonistin gibt. Ich hätte gerne den Ersten zuerst gelesen und nicht den Zweiten. Das sollte man dringendst nachholen. Wegen der sympathischen Protagonistin und der Idee des Buches gebe ich so gerade noch zwei Sterne, aber weiter empfehlen werde ich den Roman nicht.

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