Leserstimmen zu
Die rote Frau

Alex Beer

Die Kriminalinspektor-Emmerich-Reihe (2)

(19)
(8)
(0)
(0)
(0)
€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Wiener Dialekt wurde, wie beim ersten Band, als Würze hinzugefügt. Das Wien der 1920-er Jahre verlottert, das gilt für Gebäude, verrohte Sitten und die Politik. So nehmen die beiden versehrten Ermittler wieder Spuren auf, folgen ihren Nasen anstatt auf ihren Chef zu hören, machen sich unbeliebt und schleichen sich weiter ins Leserherz ein. Denn so skurril sie beschrieben werden, so sehr ist ihre Handlungsweise nachzuvollziehen. Alex Beer beschreibt sowohl das Leben in jener Zeit als auch das Leben verschiedener Gesellschaftsschichten. Dieser Rahmen tut dem Krimi gut. Er hebt sich damit von anderen historischen Krimis angenehm ab, suchte sich eine Zeit aus, die selten derart beschrieben wurde: Durch einen Berufsstand, der es in Wien damals offenbar eher schwer hatte sich durchzusetzen. Die zwei Hauptfiguren wurden im ersten Band bereits hervorragend charakterisiert. Darauf baut Beer auf. Man erfährt mehr über Emmerich als über seinen Assistenten Winter, vor allem eher Dinge, die ihn privat beschäftigen. Der Fall selbst scheint zu Beginn eher unscheinbar, schnell gelöst, aber gewinnt später an Brisanz und Schärfe gewaltig hinzu. Das Ende ist hochspannend und ungeahnt. Bin gespannt auf den dritten Band :-)

Lesen Sie weiter

Alex Beer hat mit „Der zweite Reiter“ den Erfolg bekommen, den sie unter ihrem bürgerlichen Namen und einer zeitgenössischeren Serie vergeblich gesucht hat. Das Feuilleton hat das erste Buch um August Emmerich gefeiert, Beer hat einen der wichtigsten Literaturpreise Österreichs gewonnen und auch mich hat sie begeistert. Nicht nur, weil es in meiner Heimatstadt spielt, sondern auch zu einer absolut interessanten Zeit – einer völlig vernachlässigten Zeit, wie Beer dem Krimisofa in einem Interview verriet. Jetzt kam der Zweite Teil heraus, der mich allerdings nicht mehr so euphorisch zurückließ. August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter haben es in die „Leib und Leben“-Abteilung geschafft – jene Abteilung, in die Emmerich schon vor seinem letzten Fall wollte. Winter ist noch von seinen schweren Verletzungen gezeichnet, die er im „zweiten Reiter“ erlitten hatte und kann nur einen Arm nutzen. Aber mehr als Protokolle abzutippen, haben die zwei, die vom Rest der Abteilung geschnitten und hinter ihren Rücken „Krüppelbrigade“ genannt werden, ohnehin nicht zu tun. Emmerich hingegen ist vom Heroin, das er im ersten Teil gegen seine Knieschmerzen genommen hat, losgekommen. Da er von seiner Luise ausziehen musste, weil ihr Mann es wider Erwarten aus der russischen Kriegsgefangenschaft heim geschafft hat, wohnt Emmerich jetzt in einem der neuen und von der Presse gefeierten Männerlogierhäusern. Anstatt einen Mordfall zu untersuchen, müssen die zwei sich den Fall der angeblich verfluchten Schauspielerin Rita Haidrich ansehen – eine weitere Schikane ihrer Vorgesetzten. Doch über diesen Fall stoßen die zwei auf den Fall des ermordeten Wiener Stadtrats Fürst, den die restliche Abteilung bearbeitet und die auch schnell einen Täter verhaftet. Aber Emmerich ist sicher, das es der falsche ist. Manchmal frage ich mich, ob man ein Buch nicht so gut findet, weil man in der falschen Stimmung ist, einen harten Tag hatte und deshalb nicht richtig in die Geschichte reinkommt – genau so erging es mir bei „Die rote Frau“, das ich erst gegen Ende richtig gut fand. Auch fragte ich mich, was die Sache mit dem Fluch am Anfang sollte, die so gar nicht in die Geschichte passen will – am Ende war ich dann aber schlauer, denn beim hervorragenden und historisch interessanten Showdown löst sich alles auf. Die Charaktere von Emmerich und Winter haben sich weiterentwickelt und die zwei sind sich gegenseitig wesentlich loyaler als zu Beginn von „Der zweite Reiter“, obwohl „Die rote Frau“ nicht mal ein halbes Jahr danach spielt. Obwohl es ein völlig anderes und wesentlich politischeres Buch ist als „Der zweite Reiter“, gibt es einige ähnliche Abläufe. Zum Beispiel hat Emmerich im ersten Teil der Serie sein lädiertes Knie verheimlicht – diesmal verheimlicht er, dass er in einem Männerlogierhaus in einer drei Quadratmeter Kabine haust. Oder dass die zwei Protagonisten über einen Fall zu einen Mordfall kommen – das gab es im ersten Teil schon. Dort war es der Schleichhändler, den sie dingfest machen solltest und über den sie dann zu einem Mordfall kamen. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man eine Serie schreibt. Teilweise macht Beer es sich beim Plot zu einfach: da findet Emmerich, der kein Latein kann, ein Heft, das in  reinstem Latein geschrieben ist – „Na kloa, do kenn i wen, der mir des übersetzt" (überspitzt zitiert). Oder Emmerich wird schwer verletzt, kann sich aber keine ärztlich Behandlung leisten – Winter schickt ihn zum Hausarzt seiner Oma, der macht's gratis. Und was mir leider sauer aufstößt, ist die Vermischung von Deutschem und Wiener Dialekt. Da findet ein regelrechtes Meet & Greet zwischen „die Faxen dicke“ und „Heast Oida“ statt und das geht leider auf Kosten der sonst so hohen und abermals herausragend recherchierten Authentizität. Denn ich glaube nicht, dass es in Wien 1920 gängig war, „die Faxen dicke" oder „klauen" zu sagen. Und falls doch – mea culpa.

Lesen Sie weiter

Wien 1920

Von: Myriade

23.06.2018

Alex Beer „Die rote Frau“ Limes: 2018 Das ist schon mein zweiter Wien 1920-Krimi von Alex Beer. Hier der erste. In beiden sind die harten Lebensbedingungen in Wien, kurz nach dem 1.Weltkrieg sehr eindringlich und wohl realistisch geschildert. Auch der Protagonist August Emmerich – „August“ weil er in diesem Monat gefunden und ins Waisenhaus gebracht wurde – hat eine Kriegsverletzung, einen Granatsplitter im Knie, der ihm starke Schmerzen und eine beträchtliche Gehbehinderung einbringt. Auch dieser Roman hat eine gut konstruierte Handlung. Die Spannung wird durch ein paar unerwartete Wendungen aufrecht erhalten, die Charaktere sind gekonnt herausgearbeitet. Die Handlung führt durch verschiedene soziale Milieus, die ich sehr überzeugend geschildert finde: vom Rotlicht bis zum verarmten Adel. Auch das Lokalkolorit ist einwandfrei – man muss sich als Ortskundige nicht fragen, wie um alles in der Welt man von A nach B in 10 Minuten kommen soll, wenn doch da die ganze Stadt dazwischen liegt. Kein Wunder, die Autorin lebt – laut Klappentext – selbst in Wien. Das einzige Problem, das ich mit diesem und auch dem anderen Text habe, ist stellenweise die Sprache. Es ist mir schon klar, dass es schwierig ist, in einem der zahllosen Dialekte des Deutschen zu schreiben und den Text trotzdem auch für Menschen, die diesen Dialekt nicht kennen lesbar zu machen. Die Lösung finde ich geschickt: diverse Einheimische sprechen Wiener Dialekt, der Ermittler spricht Hochdeutsch. Soweit so gut, aber an vielen Stellen werden Wörter verwendet, die es im Wien des Jahres 1920 garantiert gar nicht und auch im Wien des Jahres 2018 nicht wirklich gibt. Im österreichischen Deutsch wird nicht „gelaufen“ sondern gegangen; es erzeugt ein sehr seltsames Bild, wenn der gehbehinderte Ermittler durch die Gegend „läuft“, was für Wiener ein Synonym für „rennt“ ist. Es gibt keine „Jungs“ und es wird nicht „geklaut“. „Mit ´ner Puff´n bedroht“ als Mischung von zwei verschiedenen Umgangssprachen klingt ebenso seltsam wie „Da bin ich doch restlos überfordert mit“. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es mag kleinlich klingen, aber mich hat jeder dieser sprachlichen Missgriffe aus dem Lesefluss herausgeschleudert. Insgesamt ein guter Krimi. Mein Kritikpunkt ist ja auch für nicht österreichisch Sprechende völlig irrelevant.

Lesen Sie weiter

Nein, so ist es kein schönes Leben. Rayonsinspektor August Emmerich lebt im Männerwohnheim, seine Kriegsverletzung schmerzt, oft nagt der Hunger und in der Dienststelle muss er Hilfsarbeiten leisten. Auch für die Bevölkerung Wiens bringt das Jahr 1920 nicht viel Gutes. Viele Menschen haben keine Arbeit, leiden Hunger, leben am Rande der Gesellschaft. Die Folgen des ersten Weltkrieges sind noch lange nicht überwunden. Als ein beliebter Politiker ermordet wird, möchte Emmerich an der Untersuchung beteiligt werden. Doch die Vorgesetzten lassen ihn und seinen Assistenten Winter außen vor. August Emmerich wäre aber nicht er selbst, wenn er sich davon entmutigen lassen würde. Zwar hat es August Emmerich in seinem zweiten Fall zur Abteilung „Leib und Leben“ geschafft, seine Tätigkeit dort hätte er sich allerdings anders vorgestellt. Nicht viel mehr als Zuarbeiten darf er leisten. Dabei will er doch auf die Straße und ermitteln. In einer eher nebensächlichen Angelegenheit gelingt es ihm, ein schnelles Ergebnis abzuliefern. Und damit hat er seinem Chef das Versprechen abgerungen, in die Morduntersuchung einbezogen zu werden. Schnell allerdings ist ein Verdächtiger gefasst, einer der Ärmsten der Gesellschaft, und Emmerich hat nur wenig Zeit, dessen Unschuld zu beweisen. Aufmüpfig, intelligent und pfiffig macht sich August Emmerich an die Arbeit. Wenn die Vorgesetzten nicht hinter ihm stehen, geht er eben auf eigene Faust los. Sein Kollege Winter ist dabei meist an seiner Seite und wirkt ausgleichend auf ihn ein. Der Mord an dem Politiker kommt wie ein simpler Fall daher, vielleicht ein mißglückter Raub. Doch bald schon ergeben sich Spuren, die auf eine wahrhaft menschenfeindliches Komplott hindeuten. Sehr anschaulich schildert die Autorin das Dasein der einfachen Menschen im Wien des Jahres 1920. Ein hartes Leben, das viele Entbehrungen beinhaltet. Das kleine Glück scheint beinahe unerreichbar. Und die wenigen hilfreichen Menschen, die die Situation verbessern wollen, sehen sich ungeahnten Widerständen gegenüber. Über den Fall wird dazu noch eine geradezu perfide Menschensicht der damaligen Zeit, von der man nicht glauben sollte, dass sie völlig überwunden ist, dargestellt. Und ein zunächst unspektakulärer Fall bekommt eine große Tiefe. Man ist mitgerissen und entsetzt und hat doch immer in Gedanken, dass diese Vergangenheit nicht fern ist. Schön wäre es, wenn die Menschen menschlich blieben, Sicherheit gibt es leider nicht. Und die Wurzeln des Übels wurden vielleicht schon zu damaligen Zeiten gesät. Ein herausragender historischer Kriminalroman, der seinem Vorgänger in Nichts nachsteht. 4,5 Sterne

Lesen Sie weiter

August Emmerich und Ferdinand Winter sind nicht zu beneiden. Den Kriminalbeamten der Abteilung ‚Leib und Leben‘ werden trotz der erfolgreichen Aufklärung ihres letzten Falls nur Schreibarbeiten zugeteilt. Dabei würden sie sich viel lieber in einem aktuellen Fall, bei dem der beliebte Stadtrat Richard Fürst ermordet wurde, nützlich machen. Unverhofft bekommen sie die Gelegenheit dazu – allerdings mit einem Haken: Sie müssen die Tat innerhalb von 72 Stunden aufklären. Alex Beer baut gleich mehrere Spannungselemente ein: Zum einen müssen sich Emmerich und Winter ganz schön ins Zeug legen – schließlich steht ihre zukünftige Karriere auf dem Spiel. Für den allem Anschein nach unschuldig Inhaftierten hängt sogar sein Leben davon ab, ob der wahre Täter gefasst wird. Und es ist nicht einmal klar, ob ein politisches, wirtschaftliches oder persönliches Motiv hinter der Tat steckt. Erneut skizziert Alex Beer das Nachkriegswien mit all seinen Gesichtern, diesmal noch vielschichtiger als im letzten Fall. Man hat das Gefühl, in jeden Winkel der Stadt einzutauchen, sei es die Straßen voller Hungerleidenden und Kriegsveteranen, das Nachtleben, die Unterwelt, die Palais der Reichen oder die illustre Filmindustrie. Die Autorin schildert die Lebensumstände und Atmosphäre so authentisch, als wäre ihr jedes Terrain vertraut. Nebenbei erläutert sie interessante Details über bedeutende Bauwerke und Lokale, die heute noch existieren. So stelle ich mir meine ideale Lektüre vor: Ein raffinierter Plot eingebettet in ein facettenreiches historisches Setting und detailliert recherchiertes Zeitgeschehen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall des gut eingespielten Ermittlerduos.

Lesen Sie weiter

In der Buchhandlung Leo in Wien stellte Alex Beer ihren zweiten August-Emmerich-Krimi vor. „Ich kann die Leser auf eine Zeitreise mitnehmen“, sagte die Autorin und sprach über die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe ihrer Geschichten, die sie in der Österreichischen Nationalbibliothek anhand der dort archivierten Tageszeitungen recherchiert. Der Mord, der den Auftakt zu Die rote Frau bildet, wird am 18. März 1920 verübt. „Damals war Wien ein Drecksloch.“ Diese Aussage gefiel nicht allen im Publikum, auch wenn die Autorin zu bedenken gab, dass dies die Zeit vor den als Rotes Wien in die Geschichte eingegangenen Sozialreformen gewesen sei. Lebensmittel- und Energieknappheit, hohe Arbeitslosigkeit, miserabelste Wohnbedingungen, schlechte Gesundheitsversorgung. Genau aus diesen Gründen sei Wien damals aber eine Metropole der Filmindustrie gewesen, die in Die rote Frau ebenfalls eine Rolle spielt: Ein Heer von Arbeitslosen, das waren billige Statisten für die Monumentalfilme. Auch dem Ermittlerduo Emmerich und Winter hat das Leben übel mitgespielt. August Emmerich ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Gerade einmal die Hälfte aller Kinder, die in einer solchen Einrichtung untergebracht waren, hätten ihre Volljährigkeit erlebt, erzählt Beer. Im Krieg war er durch einen Granatsplitter verwundet worden und leidet immer noch an den Folgen. Aufgrund von Umständen, die im ersten Teil der Serie nachzulesen sind, lebt Emmerich jetzt in einem Männerwohnheim in der Meldemannstraße im 20. Wiener Gemeindebezirk. Emmerichs Assistent Ferdinand Winter wohnt zwar wesentlich feudaler, aber ansonsten geht es dem verarmten Adeligen kaum besser als seinem Vorgesetzten. Meine Meinung: Die sympatisch-selbstsichere Unverblümtheit, mit der Alex Beer vor Publikum spricht, findet im Roman ihr Gegenstück in einer stilsicheren Beschreibung des sozialen Umfelds einer Zeit, die, wie die Autorin meint, in der Literatur unterrepräsentiert ist. Genau deshalb hat sie sich auf diese Epoche konzentriert. Sie will Unbekanntes zeigen und sagt: „Ich probiere, meine Leser an Orte mitzunehmen, wo sie sonst nicht hinkommen.“ Als Beispiele nennt sie den Wienerberg, die Chatham Bar (heute das legendäre Café Hawelka) oder die mehrstöckigen Keller unter der Innenstadt. Dort spielt eine sehr unterhaltsame, wenn auch brutale Ringkampfszene, und das ist auch eine der Passagen, in denen Dialoge im Wiener Dialekt dem Roman zusätzlich Authentizität verleihen. An dieser Stelle hatte die Geschichte schon rasant Fahrt aufgenommen, und das mit einer Lockerheit, die im Kontrast zum düsteren Setting steht. Ein Roman, der ganz anders ist als alle anderen deutschsprachigen Krimis, die ich bisher gelesen habe.

Lesen Sie weiter

Wien nach dem Ersten Weltkrieg, wir schreiben das Jahr 1920, zehn Tage im März. Der Mangel ist allgegenwärtig. Hunger und unzureichende medizinische Versorgung bestimmen den Alltag. Es gibt kaum Arbeit, und wer welche hat, ist auch bestrebt, diese zu behalten. Speziell die Kriegsheimkehrer, die buchstäblich vor dem Nichts stehen. Die Lebensumstände der Kriegsgewinnler und des einfachen Volkes könnten nicht unterschiedlicher sein. Die einen leben im Luxus und dinieren unter Kronleuchtern von bestem Porzellan, die anderen sind froh um einen Schlafplatz im Männerwohnheim und stehen in den Schlangen der Armenspeisung für einen Teller Wassersuppe an. Golden Twenties? In keinster Weise. Nein, für die meisten geht es ums nackte Überleben, Moral wird klein geschrieben, Raub, Mord und Totschlag gehören zum Alltag, das Verbrechen blüht. Der kriegsversehrte Rayonsinspektor August Emmerich ist mit seinem Assistenten Ferdinand Winter, beide dem Leser bereits aus dem Vorgängerband „Der zweite Reiter“ bekannt, endlich in die Abteilung „Leib und Leben“ versetzt worden. Doch vom Lösen spektakulärer Mordfälle sind die beiden meilenweit entfernt. „Krüppelbrigade“ werden sie despektierlich genannt und in eine Abstellkammer verbannt, wo sie ihre Tage mit dem Abtippen von Berichten verbringen. Emmerich ist ein äußerst sympathischer Protagonist, der zwar manchmal mit seinem Schicksal hadert, aber doch immer bemüht ist, aus seiner Situation das Beste zu machen. Er gibt nicht auf sondern beißt sich durch, ganz gleich wie viele Steine man ihm in den Weg legt. Und davon hat das Leben für ihn mit Sicherheit noch jede Menge in petto. Nur seinem Insistieren ist es zu verdanken, dass man ihn und seinen Assistenten mit einem kleinen Fall betraut. Eine Schauspielerin fürchtet um ihr Leben, da am Set ihres Films immer wieder unerklärliche Dinge geschehen. Die Erklärung dafür ist schnell gefunden, aber dann wird ein Stadtrat ermordet aufgefunden, der sich, wie sie auch, in einer karitativen Organisation engagiert hat, die sich um Kriegsheimkehrer kümmert. Emmerichs Schnüfflerinstinkt erwacht und begibt er sich mit seinem Assistenten auf die Suche nach dem Mörder. Wer hätte ahnen können, dass sie dabei in ein Wespennest stechen und ihr eigenes Leben in Gefahr bringen würden… Einmal mehr gelingt es der Autorin Alex Beer das Nachkriegswien mit all seinen Facetten anschaulich zum Leben zu erwecken. „Die rote Frau“ ist ein höchst spannender historischer Kriminalroman, gespickt mit einer Unmenge Details, nicht nur zum Alltagsleben sondern auch zur politischen Situation der damaligen Zeit, was von einer eingehenden Recherche zeugt. Der Kriminalfall an sich ist kompliziert, verästelt, entwickelt sich aber ohne Längen logisch und nachvollziehbar. Wenn ich einen historischen Kriminalroman lese, möchte ich nicht nur spannend unterhalten werden, sondern auch verbürgte Informationen zu der Zeit und dem Umfeld erhalten, in dem sich die Handlung abspielt. Das ist Alex Beer mit ihrem neuen Fall für Emmerich und Winter gelungen. Von daher – volle Punktzahl!

Lesen Sie weiter

Titel: Die rote Frau Autor: Alex Beer Reihe: August Emmerich Band: 2 Verlag: Limes Seiten: 416 ISBN: 978-3809026761 Wien, Frühling 1920: August Emmerich und sein Partner Ferdinand Winter haben es geschafft. Sie dürfen für die Abteilung "Leib und Leben" arbeiten. Jedoch werden die beiden eher für Sekretariatsaufgaben eingesetzt, während sich die Kollegen um den Mord an einem hohen Politiker kümmern. Emmerich und Winter hingegen sollen eine Schauspielerin mit Hang zum Aberglauben beschützen. Doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Politikermord mehr steckt... "Die rote Frau" ist der zweite Fall für August Emmerich und konnte mich wieder komplett überzeugen. Alex Beer entführt ihre Leser in das Wien der Gegensätze und zeigt, dass der Tod auch vor der Dekadenz keinen Halt macht. Großartig! Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Emmerich und Winter, die zunächst in einem kleinen Büro bei Schreibarbeiten zu versauern scheinen. Durch den Spürsinn des im 1. Weltkrieg verletzten Polizisten ermitteln die beiden geheim und setzen damit mehr aufs Spiel als nur ihre Jobs. Schon im ersten Teil hatte ich August Emmerich und seinen sehr jungen Assistenten ins Herz geschlossen. Im zweiten Teil hätte ich beide noch öfter umarmen können. Denn auch wenn die Zeiten nach Kriegsende rau und unmenschlich sind, agieren sie menschlich, mit Herz und, im Falle Emmerichs, unkonventionell. Zudem schafft es die Autorin, dass ich mit jeder Figur, egal ob sympathisch oder nicht, mitfühlen konnte. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Story selbst ist von Beginn an spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mit den beiden Ermittlern recherchiert, befragt und gezweifelt. Bis zum Schluss hatte ich wenig Ahnung, wer nun der Mörder ist. Das Tolle: Alex Beer setzt auf solide Ermittlungen ohne Zufall und großen Knalleffekt. Das fand ich klasse. Das Ende ist rund, passt zum gesamten Krimi und birgt so manchen Moment zum Luft anhalten. Großartig! Zwar kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen, da die Fälle abgeschlossen sind. Aber mit dem Vorwissen aus Band 1 kann man die Entwicklungen zwischen Winter und Emmerich sowie die Umstände in Wien besser verfolgen. Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Alex Beer erzählt detailgenau, lässt das Wien der Nachkriegszeit aufleben und zieht mit ihrer ruhigen Art ihre Leser in den Bann. Fazit: Wien sehen und sterben. Ich kann das Buch sehr empfehlen.

Lesen Sie weiter