Leserstimmen zu
Vernichtung

David Lagercrantz

Millennium (6)

(9)
(12)
(5)
(3)
(0)
€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

Zum Inhalt: Bei einem toten Obdachlosen wird die Telefonnummer von Mikael Blomkvist gefunden. Bei der Obduktion wird bemerkt, dass der Tote ein "Super-Gen" besaß, worauf Mikael hellhörig wird und sich auf die Recherche begibt. Mikael bittet Lisbeth Salander um Hilfe, doch während der Recherche verschwindet Mikael plötzlich und Lisbeth macht sich auf eine gefährliche Suche auf. Eigene Meinung: Ich mag ja total gerne alle Bände der Millenium Reihe, sodass ich mich total auf diesen Abschlussband gefreut habe. Leider wurde ich etwas enttäuscht, denn dieser Thriller liest sich leider etwas zäh und nicht annähernd so spannend wie die Vorgängerbände. Insbesondere an die von Stieg Larsson persönlich geschriebenen Werke kann dieser Band nicht mithalten. Dennoch war die Story an sich ganz solide und man wurde insbesondere am Ende des Buches gut unterhalten. Lisbeth Salander ist meine persönliche Lieblingsprotagonistin, denn mit ihrer rabiaten Art und ihrem Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen, hat Larsson hier einen einzigartigen Charakter geschaffen. Ihr Geschick und Hackerkenntnisse verblüffen mich hier immer wieder aufs Neue. Aber auch Mikael Blomkvist wird durch seinen Mut und seine Risikobereitschaft wieder einmal spannend dargestellt. Dennoch war dieser Abschlussband leider nichts Neues und das gewisse Etwas, sowie die Schnappatmung-Momente haben leider gefehlt. Fazit: Wenn man die ganze Millenium Reihe geliebt hat, muss man natürlich auch diesen Band lesen. Leider der schwächste Teil der Reihe

Lesen Sie weiter

Ich war ein großer Fan der Reihe von Stieg Larsson, und konnte auch dem ersten Lagercrantz-Titel damals noch einiges abgewinnen. Den fünften Teil fand ich dann schon recht belanglos, und spätestens nach diesem Werk hier ist die Geschichte für mich endgültig auserzählt, da sie sich nur noch im Kreis dreht. Mit Lagercrantz' Schreibstil habe ich ja eh meine Probleme, da ich ihn recht langweilig finde, und die Handlung reiht sich da mittlerweile ein: Lisbeth ist abgetaucht, weil sie einen Rachefeldzug plant, Mikael macht sich Sorgen um sie, recherchiert parallel an einer Geschichte für die Zeitung, die später dann auch mit Lisbeth zu tun hat, landet währenddessen mit jeder Frau, mit der er spricht, im Bett, und am Ende dann der große Showdown, die Guten überleben. Das hatten wir alles schon und liefert mir als Leser leider nichts, woran ich mich langfristig erinnern werde. Was ich jedoch an der Millennium-Reihe mag, sind die politischen Themen, die darin vorkommen. Diesem Handlungsstrang konnte ich durchaus etwas abgewinnen, aber nicht genug für einen bleibenden Eindruck. Generell ist Vernichtung kein schlechtes Buch, ich habe mich beim Lesen durchaus nicht durchquälen müssen und wurde kurzfristig unterhalten. Aber im Kontext der gesamten Reihe und den starken drei ersten Bänden bleibe ich eher enttäuscht zurück.

Lesen Sie weiter

Der Investigativ-Journalist Mikael Blomkvist kommt einfach nicht zur Ruhe. Denn in der Kleidung eines toten Obdachlosen wird seine Nummer gefunden. Pflichtbewusst wie Blomkvist ist, nimmt er sich des Falls an. Schon bald steht fest, dass der Mann keines natürlichen Todes gestorben ist. Das weckt die Neugier des Journalisten, er ermittelt in alle Richtungen. Als wichtiger Aspekt erweist sich eine bestimmte Gen-Variante des Toten, der Mikael in die Welt der Sherpas führt. Und damit liegt er richtig, denn der seltsame, lange Zeit unerklärliche Tod des Obdachlosen ist eng verknüpft mit einer Expedition in den Himalaja, die vor einigen Jahren stattgefunden hat. Der Autor springt zwischen den Ermittlungen im Speziellen und Blomkvists Leben im Allgemeinen und eben dieser vergangenen Expedition hin und her, flicht aber auch – wie kann es anders sein – Lisbeth Salander mit ein. Sie steckt gerade mitten in einem ganz persönlichen Projekt: Der Vernichtung ihrer verhassten Zwillingsschwester. Der Autor hat mal wieder einen spannenden Fall ersonnen, jedoch schweifte er dieses Mal oft in für mich eher uninteressante Gefilde ab. Natürlich ist im Großen und Ganzen alles wichtig, um die Verbindungen und Zusammenhänge zu verstehen, aber oft ging es – vor allem, was das Personenkonstrukt bezüglich der Tour zum Mount Everest betrifft – so verworren zu, dass ich nur schwer folgen konnte. Sehr interessant waren für mich jedoch die Ermittlungsfortschritte rund um den toten Sherpa, denn dessen genetische Besonderheit wurde sehr gut erklärt. Der Fall um den ermordeten Obdachlosen und die entsprechenden Hintergründe haben verhältnismäßig viel Raum eingenommen. Entsprechend weniger Platz war folglich für Mikael und vor allem für Lisbeth vorhanden, was ich sehr schade fand, denn diese beiden charismatischen Figuren waren für mich immer der heimliche rote Faden der bisherigen Thriller von Stieg Larsson respektive David Lagercrantz und hätten hier meines Erachtens mehr Berücksichtigung verdient. Möglicherweise ist dieses „Ungleichgewicht“ der gekürzten Hörbuchversion geschuldet und nicht der Vorlage des Autors. Alles in allem habe ich „Vernichtung“ aber gerne gehört. Bis auf einige etwas schwerer verfolgbare Passagen war der Fall fesselnd, hätte aber wie erwähnt mit mehr Lisbeth und Blomkvist, die beide etwas blass blieben, noch mehr meinen Geschmack getroffen. Eine Wucht ist mal wieder Dietmar Wunder, der in gewohnt überzeugender Manier diesen Thriller vertonte, die Stimmungen und Protagonisten gut umsetzte und an den richtigen Stellen die Spannung vertiefte! Inhalt In Stockholm wird in der Kleidung eines ermordeten Obdachlosen die Nummer von Mikael Blomkvist gefunden. Als eine DNA-Analyse ergibt, dass der Obdachlose ein Super-Gen besaß, das nur in einer Ethnie in Nepal vorkommt, nimmt Blomkvist die Recherche auf. Lisbeth Salander hält sich unterdessen in Moskau auf, wo sie einen Anschlag auf ihre verhasste Schwester plant. Blomkvist bittet Salander um Unterstützung, und sie findet heraus, dass der Obdachlose an einer Mount-Everest-Expedition mit tödlichem Ausgang teilgenommen hatte. Blomkvist kontaktiert einen Überlebenden und verschwindet. Salander spürt, dass er in großer Gefahr schwebt und begibt sich auf die Suche. Sprecher Dietmar Wunder leiht seit Jahren Hollywoodstars wie Adam Sandler, Cuba Gooding Jr. und Daniel Craig seine Stimme. Außerdem ist er als Dialogregisseur tätig und ein sehr gefragter Hörbuchsprecher. Quelle: Verlagsgruppe Randomhouse

Lesen Sie weiter

Die letzte Rezension auf meinem Blog ist schon etwas her, wie auch der letzte Beitrag überhaupt. Das hat viele unterschiedliche Gründe, vor allem das der 6. Teil der Millennium-Trilogie „Vernichtung“ von David Lagercrantz sehr mühsam zu lesen ist. Mühsam im Sinne von interessant, aber eben mit wenig Spannung, die Lust macht, den Krimi weiterzulesen. Aus dem Inhalt Ein Wohnungsloser wird leblos auf dem Stockholmer Mariatorget gefunden. In seiner Tasche befindet sich die Nummer vom abgehalfterten Journalisten Mikael Blomkvist. Eine DNA-Analyse ergibt, dass das Mordopfer ein auffälliges Gen besaß, das nur in einem Volksstamm in Nepal vorkommt. Blomkvist, von Neugierde gefesselt, nimmt die Nachforschungen auf. Die andere Protagonistin Lisbeth Salander unterdessen, ist auf Moskaus Straßen unterwegs. Sie versucht sich an einem Anschlag auf ihre verhasste Schwester Camilla. Blomkvist bittet Salander erneut um Unterstützung. Mit ihren speziellen Methoden findet sie heraus, dass der Obdachlose ein Sherpa war, der an einer Mount-Everest-Expedition mit tödlichem Ausgang teilgenommen hatte. Blomkvist kontaktiert einen der Überlebenden der Expedition und verschwindet plötzlich spurlos. Salander macht sich auf die Suche nach ihm. Sie spürt, dass Blomkvist in großer Gefahr schwebt. Wenn man nichts Gutes zu sagen hat… … Sagt man lieber nichts: Die ursprüngliche Story Millennium-Trilogie war an sich geschlossen. Alle Handlungsstränge machten einen gewissen Sinn und waren zu jederzeit klar in ihrem Zweck. Je länger sich David Lagercrantz mit der Trilogie auseinandersetzt, umso mehr wird sein eigener Stil deutlich und ändert naturgemäß die Sichtweise auf die Charaktere und deren Entwicklung. Die Gesamtkonstellation der Story wird dadurch nicht besser und die Trilogie hat ihr natürliches Verfallsdatum aus meiner Sicht längst überschritten. Es ist kein Gesamtzusammenhang mehr erkennbar und entwickelt sich zu einer 08/15 Serie mit den immer gleichen Protagonisten und denselben wiederkehrenden platten Stereotypen. Nachdem ich mich durch den 6. Teil gequält habe, weiß ich nicht ob ich mich auf die folgenden Teile freuen soll.

Lesen Sie weiter

Die originäre Millenium-Trilogie von Stieg Larsson hat innerhalb der Welt der Krimi-Literatur Anfang 2005 mit Erscheinen des ersten Bandes Verblendung (schwedischer Titel: „Män som hatar kvinnor“, frei übersetzt „Männer, die Frauen hassen“) einen regelrechten Hype entfacht. Im Jahrestakt erschienen dann auch 2006 und 2007 die weiteren Bände Verdammnis und Vergebung, welche die Romanreihe zu einer Trilogie ausbauten (insgesamt sollten planmäßig 10 Bände erscheinen). Stieg Larsson hat von diesem Erfolg allerdings nichts mehr mitbekommen. Der schwedische Autor erlag am 9. November 2004 einem Herzinfarkt, der vermutlich in Folge eines ungesunden Lebensstil – Larsson rauchte bis zu 60 Selbstgedrehte am Tag und war notorischer Wenigschläfer – aufgetreten ist. Obschon einige Kritiker und auch redaktionelle Weggefährten ihm einen schlampigen und redundanten Schreibstil vorwarfen, wurde die Reihe ein voller Erfolg. Das lag m.E. vor allem an zwei Dingen: Trotz fehlender literarischer Finesse, sorgte der stark gesellschaftskritische und politische Unterbau, der thematisch und motivisch Kapitalismus, Misogynie und Rechtsextremismus in die Handlung einbettete, für eine leidenschaftliche Dringlichkeit. Mit dem Figurenduo um den charismatischen Investigativ Journalisten Mikael Blomkvist und die Asperger-autistische Hackerin Lisbeth Salander kreierte er dann auch zwei popkulturelle Archetypen, die perfekt in die kaputt-sterile Welt des 21. Jahrhunderts hineinpassten: Getrieben. Idealistisch. Zornig. Verwundbar – genau wie die Erzählung selbst. Mit den gelungenen schwedischen Filmadaptionen konnte man die beiden Figuren hervorragend mit dem mittlerweile verstorbenen Mikael Nyqvist und Noomi Rapace besetzen und setzte das Material kongenial um. Auch das US-Remake zu Verblendung von Thriller-Experte David Fincher war wunderbar besetzt und glänzte mit betörend-unterkühlten Bildern – Rooney Mara ringte der Figur Salander das nötige Maß an Verwundbarkeit ab. Es gab zudem mehrere Graphic Novel-Interpretationen, die sich dramaturgisch und künstlerisch allerdings weitgehend an den Filmen orientierten. Kurzum: Die Welt lechzte nach Mikael und Lisbeth. Und dieses Verlangen wurde bedient, als der schwedische Verlag Norstedts mit dem offiziellen OK der Larsson Erben (Vater Erland und Bruder Joakim) den Schriftsteller David Lagercrantz damit beauftragte, eine Fortsetzung zur Millenium-Reihe zu schreiben. Die wurde dann 2015 unter dem deutschsprachigen Titel Verschwörung (schwedischer Titel: Det som inte dödar oss, Was uns nicht tötet) veröffentlicht, basierte aber bekanntlich nicht auf den Manuskripten, die Larsson hinterlassen hatte. Angesichts der Platzierung in diversen Bestseller-Listen, wurde damit der Startschuss für eine neue Trilogie geliefert. 2017 erschien Verfolgung, 2018 wurde der Lagercrantz-Erstling von Fede Alvarez verfilmt und jetzt haben wir also seit August 2019 den finalen Band vorliegen: Vernichtung. Ein beinahe ebenso endgültiger Titel wie das schwedische Hon som måste dö, das so viel heißt wie „Sie, die sterben muss“ – Kann also der abschließende Band eine zwar grundsolide, aber gleichermaßen unglaublich mediokre Trilogie auf befriedigende Weise abschließen? Das gilt es im Rahmen dieser Besprechung herauszufinden. FOKUSSIERTER ALS DIE BEIDEN VORGÄNGER Zunächst einmal eine Klarstellung – Ich bin ziemlich großer Fan der Original-Trilogie, sowohl der Filme- als auch der Bücher. Ich bin mir ihrer Schwächen zwar durchaus bewusst, aber gerade die Bücher fühlten sich, mit Blick auf Larssons Biographie, sehr aufrichtig an. Wenn er also Lisbeth Salander als kämpferisches Tank Girl inszenierte, die dem Patriarchat einen grausamen Kampf angesagt hat, dann fühlte sich das definitiv biographisch verortet an. Wenn die Figur Mikael Blomkvist den dubiosen Machenschaften von Großindustriellen und Wirtschaftslobbyisten auf die Finger schaut, dann fühlte es sich tatsächlich so an, als sei das ein Kommentar Larssons zur Natur des Kapitalismus in westlichen Industriegesellschaften. Seine politische Positionierung als Kommunist und seine Tätigkeit als Begründer des EXPO-Magazins schuf also eine Authentizität beim politischen Subtext. Die fehlte mir bei den Lagercrantz-Büchern immer ein wenig. Jedes Buch griff jeweils ein aktuelles politisch brisantes Thema auf: Bei Verschwörung war es etwa die NSA-Affäre- aber auch die Risiken von KI-Forschung. Verfolgung dreht sich partiell um das Gefängniswesen in Schweden aber auch um patriarchale Strukturen in muslimisch geprägten Milieus. Vernichtung wiederum greift immer wieder die aktuell nach wie vor präsente Fakenews-Problematik im Kontext von populistischen Bewegungen auf. Da die Figur Mikael nach wie vor als angesehener Journalist eines angesehenen Polit-Magazins unterwegs ist, gehört es offenkundig auf die Checklist, dass es zwangsläufig eine politisch getriebene Nebenhandlung geben. Nur wirkt das bei Lagercrantz eben wesentlich konstruierter als bei Larsson. Dennoch ist Vernichtung fokussierter als seine beiden Vorgänger – denn als Abschluss der zweiten Trilogie ordnet er die Politik dem Figurengespann Mikael und Salander unter, forciert den Showdown von in den Vorgängerbänden angelegten Konflikten und spannt zugleich mehr als zuvor den Bogen zur alten Larsson-Trilogie. Das macht Vernichtung m.E. zum besten Band der Lagercrantz-Fortsetzungen. Wo die beiden Vorgängerbände nämlich mitunter recht dröge geraten sind, und ihre konstruierten Handlungsbögen nicht zu kaschieren vermochten, nimmt Vernichtung gerade im letzten Drittel richtig Fahrt auf. A TALE OF TWO SISTERS Vernichtung folgt bezüglich der Handlung einer ähnlichen Struktur wie die beiden Vorgänger – Es werden zwei vermeintlich autonome Handlungsstränge entfaltet, die sich an einem schmalen Punkt überlappen. Als ein obdachloser Sonderling eines Tages in der Nähe des Stockholmer Mariatorget verstirbt, nimmt davon zunächst einmal niemand so wirklich Notiz. Zwar schien der „Zwerg“, der quasi aus dem Nichts in Stockholm auftauchte, für einen typischen Wohnungslosen bemerkenswert erhaben, aber ansonsten wies alles darauf hin, dass er dennoch einer klassischen Alkoholvergiftung erlegen zu sein schien. Nur die Gerichtsmedizinerin Fredrika Nyman scheint bei der Obduktion mehr in dem Leichnam des Mannes zu sehen, dessen vernarbter und ausgezerrter Körper von massiven Anstrengungen gezeichnet ist, die er wohl zeitlebens erfahren hatte. Da der Mann in keiner Datenbank registriert war und lediglich eine Telefonnummer des Millenium-Journalisten Mikael Blomkvist bei sich hatte, beschließt Fredrika diesen in Ermangelung sonstiger Hinterbliebener anzurufen. Mikael wiederum ist auf der Suche nach seiner alten Weggefährtin Lisbeth, die zwischenzeitlich unbekannt verzogen ist und jegliche Kontaktanfragen von seiner Seite ignoriert. Lisbeth befindet sich just zu diesem Zeitpunkt in Moskau, wo sie den Dämonen ihrer Vergangenheit hinterherjagt und konkret die Ermordung ihrer Zwillingsschwester Camilla plant, die bekanntlich in die Fußstapfen des kriminellen und übergriffigen gemeinsamen Vaters Zalatschenko getreten ist und dessen GRU-Verbindungen- und Ressourcen nutzt, um unerbittlich Jagd auf Lisbeth zu machen. Die Geschichten überschneiden sich ab dem Zeitpunkt, als sich herausstellt, dass der Obdachlose ein nepalesischer Sherpa mit einer seltenen DNA-Struktur war, die das Zurechtkommen in hohen Lagen möglich macht, und sich von zentraler Bedeutung für eine verhängnisvolle Mount Everest-Expedition entpuppt hatte, an welcher Verteidigungsminister Johannes Forsell und eine Reihe weiterer wichtiger Persönlichkeiten teilgenommen haben, die aber desaströs mit mehreren Toten geendet ist. Forsell wiederum ist das Opfer einer russischen Desinformationskampagne, die tatsächlich gewissermaßen auch GRU-Organe mit involviert und die ihn beinahe an den Rand des Verderbens bringt. Inmitten dieser Irrungen und Wirrungen zielen Camilla und ihre Schergen auf Lisbeths naheste Bezugspersonen ab, sodass Mikael unmittelbar zur zentralen Zielscheibe wird. Der manichäische Kampf der zwei Schwestern kulminiert schließlich in einem brachialen Showdown. VON HÖLZERNER EROTIK UND COLD WAR-NARRATIVEN Während der Handlungsstrang um den identitätslosen Sherpa anfangs schwer in die Gänge kommt, zieht der Roman spätestens ab der Hälfte in Sachen Tempo und Intensität deutlich an. Es werden gleichermaßen extrem viele Dinge verarbeitet, die zu aktuellen medialen Tropen gehören. Fakenews, Handelskriege, Desinformationskampagnen, russische Einflussnahme – Vernichtung bedient ganz klar ein Narrativ, das den erweiterten Kalten Krieg als globalpolitische Realität begreift. Das sorgt als Rahmen zwar für genügend Suspense, wirkt aber stellenweise ungelenk bis unbeholfen. Es ist aber schön, dass Lagercrantz den Bogen zurückspannt und einige klassische Charaktere wiederbelebt – Die SÄPO-Ermittlerriege um Bublanski und Sonia Modig etwa bekommt ein wenig mehr Raum als in den Bänden zuvor, der planlos-chauvinistische Hans Faste wird zumindest als kleiner Side Gag erwähnt – und auch die von Lagercrantz mit Verschwörung eingeführten Spiders – also Camilla und ihre linke und rechte Hand Jurij Bogdanov und Ivan Galinov bekommen im Finale nochmal ausreichend Präsenz. Durch den Spagat zwischen alter und neuer Trilogie fühlt sich Vernichtung mehr nach literarischem Erbe an, als nach einem gewöhnlichen Thriller, der einfach nur die kultigen Figuren irgendwie verwurstet. Zwar fehlt zum Schluss ein wenig die nötige Konsequenz, aber dennoch ist der Band in seiner düsteren und definitiven Ausrichtung spürbar kompromissloser als die eher laschen Lagercrantz-Vorgänger. Das gilt hingegen nicht für alle Elemente des Romans: Waren sexuelle Handlungen bei Larsson noch relativ explizit, gleichen sie jetzt eher einem weichgezeichneten Rosamunde Pilcher-Roman, in dem sich die Begehrenden nach einem intensiven Disput plötzlich leidenschaftlich an die Wand drücken und mit brennenden Küssen übersähen. Und wenn dann Mikaels konservative Liebschaft Cathrin mal wieder ihre Pflanzen nicht gießen konnte, weil sie zu viele Nächte bei Mikael verbracht hat, dann kann man angesichts dieser latent sexistischen, vor allem aber schrecklich flachen Charakterisierung nur schlicht den Kopf schütteln. Auch die bislang recht stark gezeichnete Millenium-Chefredakteurin Erika verkommt hier zur weinerlichen Pomeranze, die sich um ihre „große Liebe“ Mikael sorgt. Zweifelsohne war Mikael schon bei Larsson der superpotente Superheld, gleichermaßen abgebrüht und sensibel, dem die Frauenwelt zu Füßen lag, aber der Ideengeber hat es noch ein wenig raffinierter hingekriegt, zu kaschieren, dass dieser Aspekt einer reinen Männerfantasie entwachsen ist. Ein weiterer Punkt, der zwar im Sinne des Fanservices eingebettet worden ist, mir aber nicht so recht gefallen wollte, ist Lisbeths kleine Affäre mit der deutschen Geo-Redakteurin Paulina. Paulina hat einen gewalttätigen wohlhabenden Ehemann und bricht erst durch ihre Romanze mit der verwegenen Lisbeth aus ihrem Kokon aus. Lisbeth revanchiert sich mit einer brutalen Attacke auf den übergriffigen Ehemann, in dem sie ihm bei lebendigem Leibe das Hemd anbügelt. Hier wollte man ganz klar an das Motiv des self-empowerten Racheengels anknüpfen, die ihrem Betreuer und Peiniger Nils Bjurman damals die Worte „Ich bin ein sadistisches Schwein und ein Vergewaltiger“ eintätowiert hat. Wo Larsson diesen Akt aber als Zäsur in Lisbeths Charakterentwicklung markiert hatte, wirkt es bei Lagercrantz wie eine eher plumpe Reminiszenz, der die Handlung in keiner Weise voranbringt. Atmosphärisch und stimmungsmäßig erreicht Lagercrantz zwar zu keinem Zeitpunkt die aufwühlende Stimmung der originalen Trilogie, aber der Showdown zum Schluss zwischen Camillas Schergen, die Mikael entführt haben, und einer knallharten Lisbeth fühlt sich sehr brachial, organisch und befriedigend an. Sprachlich ist das Ding solide geraten – Das schnelle Pacing und die Montage wirkt naturgemäß sehr filmisch. Die Dialoge sind manchmal zwar recht flach geraten, aber dann wieder knackig genug, um drüber hinwegzusehen. Die Wortwahl ist zeitgemäß und umgangssprachlich, manches Mal, sobald es etwa um die Hacking-Prozesse geht, verliert sie sich aber im bedeutungsschwangeren Techno Babble. Und es gibt etliche Passagen, wo man bemüht bad-ass klingen will, die Nutzung der Anglizismen aber schlicht zur Lächerlichkeit verkommt. Da kommen dann sinngemäß so grausame Konstruktionen wie etwa „sie fühlte sich fucked up“ … einfach nein. Bei den betroffenen Passagen fragte ich mich, ob das Ganze im Schwedischen auch so ekelhaft klingt. Abgesehen von diesen seltenen Ausfällen liest sich der Roman aber flüssig und angenehm. Fazit: Vernichtung ist ein solider und befriedigender Abschluss der Millenium-Reihe, der durch mehr Intensität und höheres Tempo in der zweiten Hälfte mehr Unterhaltungswert bietet als die beiden eher mediokren Vorgänger. Durch den Umstand, dass das Duo Mikael und Lisbeth wieder stärker im gemeinsam geteilten Fokus steht, die alten SÄPO-Leute wie Bublanski und Sonia Modig ihre kleinen denkwürdigen Auftritte haben, und die Action kompromissloser wirkt, kommt signifikant mehr Millenium-Feeling auf als bei Verschwörung und vor allem Verfolgung, die eher dröge Angelegenheiten waren und wie mittelmäßige Stand-Alone-Thriller daherkamen. Zwar kommt Lagercrantz auch hier zu keinem Zeitpunkt an den dringlichen Vibe der Ur-Trilogie von Larsson heran, aber Vernichtung bereitet dennoch Spaß, wenn man von vereinzelten sprachlichen Grobheiten und flachen Charakterisierungsansätzen einiger Nebenfiguren absieht und ist ganz klar der beste Band der Lagercrantz-Bücher. Tatsächlich könnte ich mir zu Vernichtung auch wieder eine halbwegs vielversprechende Verfilmung vorstellen.

Lesen Sie weiter

Stockholm. Ein Obdachloser wird gefunden. Es ist offensichtlich, dass er an einer Überdosis gestorben ist. Doch die Gerichtsmedizinerin glaubt das nicht und ruft die Nummer an, die der Tote in seiner Jackentasche hatte. Es ist die Nummer von Mikael Blomkvist. Blomkvist kennt den Mann nicht. Der Obdachlose lässt ihn aber nicht los und Mikael fängt an, der Sache auf den Grund zu gehen. Blomkvist kontaktiert Lisbeth Salander und bittet sie um Hilfe in der Sache. Doch Lisbeth ist gerade in Moskau. Sie hat ihre Schwester aufgespürt und will sie endlich umbringen. Zu tief sitzt der Hass und schwärt die Rache, als dass sie von ihr ablassen könnte. Trotzdem macht sich Lisbeth auf und hilft Blomkvist den Fall zu lösen. Der Fall zieht weitere Bahnen als sich die beiden je denken konnten. „Vernichtung – HB“ ist der sechste Band der Millennium Saga aus der Feder des Autors David Lagercrantz. Gehört habe ich das Buch als Hörbuch. Der Sprecher Dietmar Wunder hat wieder sehr gute Arbeit geleistet. Mit dem Inhalt des Hörbuches bin ich dann nicht so warm geworden. Ich fand die komplette Story irgendwie langweilig und total verworren. Ich habe das Hörbuch vor vier Tagen fertig gehört und kann jetzt schon den Inhalt nicht mehr richtig rekonstruieren. Ich kann mich nicht einmal mehr an das Ende mit Lisbeth und ihrer Schwester erinnern. Ich fürchte, das sagt schon einiges über das Buch aus. Ich muss gestehen, ich wusste nicht, dass es sich bereits um den sechste Band der Reihe handelt. Ich hatte vor kurzem den Film „Verschwörung“ angesehen und dachte, das wäre der letzte Teil der Reihe. Wobei ich jetzt im Nachhinein erst mitbekommen habe, dass der Film erst der vierte Teil war. Was mich dann noch verwirrter mit dem sechsten Teil zurück gelassen hat. Die beiden Hauptpersonen an sich, waren mir ja soweit schon vertraut. Wobei ich mich jetzt auch frage, wie oft stirbt Lisbeths Schwester denn eigentlich in den 6 Teilen? Sie scheint eng verwandt mit einer Katze zu sein. Die Story selbst kam mir einfach zu überladen vor. In die Geschichte wurde einfach zu viel reingepackt. So viele verschiedene Personen, so viele Begebenheiten, so viele Verbrechen, weniger wäre da wohl mehr gewesen. Mir hat das Hörbuch jetzt nicht so gefallen, wobei ich von dem Film letztens begeistert war. Wenn ich nach dem hören eines Buches, den Inhalt nicht mehr weiß, muss ich sagen, es war wohl nicht so gelungen. Die Leser sollten sich da aber besser selbst ein Urteil bilden. Vielleicht ist es hier auch besser, das Printbuch zu lesen, anstatt zu dem Hörbuch zu greifen.

Lesen Sie weiter

Mit “Vernichtung” vollendet David Lagercrantz das Erbe des viel zu früh verstorbenen Erfolgsautors Stieg Larsson. Im großen Finale der Story um den Journalisten Mikael Blomkvist und die schräge IT-Expertin Lisbeth Salander führt er uns in ein Bergsteiger-Basislager mitten im Himalaya, streift russische Internet-Trollfabriken und erzählt die sehr persönliche Geschichte Lisbeths zuende – einschließlich ihres extrem gespannten Verhältnisses zu ihrer Schwester Camilla. So inszeniert Lagercrantz einen spannenden Thriller, dem allerdings ein wenig der allerletzte Schliff fehlt. Die Personen, auf denen immer viel Gewicht lag, bleiben etwas blass und auch das lang ersehnte Finale ist schnell vorbei. War das jetzt das Ende all der liebgewonnen Figuren? David Lagercrantz’ “Vernichtung” ist, auch Dank Dietmar Wunders lebendiger und mitreißender Sprechrolle, spannend erzählt, hinterlässt uns aber dennoch mit einer kleinen Portion Wehmut.

Lesen Sie weiter

-diese Rezension basiert auf ein Rezensionsexemplar und dafür wurde ich nicht bezahlt- Titel: "Vernichtung" Autor: David Lagercrantz Verlag: Heyne Seitenzahl: 432 Cover: Wie gewohnt, dezent gestaltet, aber dennoch so dass es die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schreibstil: Der Schreibstil ist auch hier wieder sehr interessant, flüssig und jugendlich. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, was dem Lesegenuss aber nicht negativ beeinflusst, ganz im Gegenteil. Dadurch taucht man vollkommen in die Welt von Mikael, Liesbeth und Co. ab. Inhalt: Ein Obdachloser wird tot auf dem Stockholmer Mariatorget gefunden. In seiner Jackentasche findet sich die Telefonnummer von Mikael Blomkvist. Als eine DNA-Analyse ergibt, dass der Obdachlose ein sogenanntes Super-Gen besaß, das nur in einer bestimmten Ethnie in Nepal vorkommt, wird Blomkvist hellhörig und nimmt die Recherche auf. Lisbeth Salander hält sich unterdessen in Moskau auf, wo sie einen Anschlag auf ihre verhasste Schwester Camilla plant. Blomkvist bittet Salander um Unterstützung, und sie findet heraus, dass der Obdachlose ein Sherpa war, der an einer dramatischen Mount-Everest-Expedition mit tödlichem Ausgang teilgenommen hatte. Blomkvist kontaktiert einen der Überlebenden der Expedition und verschwindet plötzlich spurlos. Salander macht sich sofort auf die Suche nach ihm. Sie spürt, dass Blomkvist in großer Gefahr schwebt. Meinung: Ich bin ein sehr großer Fan der Millenium-Triologie und war überrascht das sie fortgesetzt wird, aber nicht von Stieg Larsson, ob das gut geht war mein erster Gedanke damals…aber ja es ging gut, so gar hervorragend und konnte sehr gut an dem Erfolg anknüpfen ohne dass es nach Larsson klingt…er hat seine eigene kleine Trilogie geschaffen. Ich fand das Buch überwältigend, wieder einmal mit Liesbeth und Mikael auf tour zu gehen. Anfangs hatte ich etwas Startschwierigkeiten, da ich den letzten Teil vor langer Zeit gelesen habe, ich kramte meine Mitschriften raus und dann flutschte es. Es wurde viele Thematiken an- und besprochen zum einem die Sichtweise jüdischer Mitbürger in Stockholm, ich war etwas geschockt, dann wurde ein Gen thematisiert was übertragen werden kann, was einen super stark werden lässt…ich weiß nicht warum, aber ich musste sofort an die Avengers denken. Dann wurde die Korruption, nachsagen von irgendwelchen Gerüchten usw. Dadurch wird diese wunderschöne Lektüre Interessent, weil die Verstrickungen sich alle mit einander verbinden. Von Liesbeth hört man Anfang wenig, da sie sich im Urlaub befindet…aber das ändert sich als Mikael ihr Hilfe braucht. Und auch die Familie lässt Liesbeth nicht in Ruhe, sie ist ihrer Schwester auf den fersen und man bekommt neue Hintergrundinformationen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, aber man sollte die anderen zwei vorher gelesen haben. Vielen Dank für den wunderbaren Abschluss einer fantastischen Geschichte.

Lesen Sie weiter