Leserstimmen zu
SCHWEIGEPFLICHT

Jens Lapidus

Die Stockholm Reihe (1)

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Das Buch an sich ist aus einer sehr guten Qualität und man bekommt trotz 640 Seiten keine Leserillen. Das Cover ist sehr geheimnisvoll sodass man erst beim Klappentext lesen erfährt um was es geht. Der Titel des Buches "SCHWEIGEPFLICHT" ist auf dem Cover anders gedruckt, sodass es abgehoben ist und man darüber streichen kann. Der Inhalt des Buches ist sehr spannend und verstrickt, was einem selber zum Nachdenken bewegt. Man weiß bis zuletzt nicht wie es ausgeht. Vor allem geht es in dem Thriller nicht nur um einen Fall, es wird auch viel mehr die Hintergründe analysiert, man erfährt viel von den Charakteren, das hat es für mich ausgemacht. Man lebt mit ihnen zusammen in der Geschichte und liest nicht einfach über einen Fall. Man fiebert mit ihnen mit, denn die Charaktere sind mir sogleich sehr sympathisch gewesen. Emelie, die trotzdem den Fall annimmt, obwohl die Kanzlei dagegen ist. Teddy der Ex-Knacki, der versucht sein neues Ich zu sein und von seiner Vergangenheit eingeholt wird und dann noch sein Neffe, der mehr oder weniger in Teddys Fußstapfen tritt. Im Buch geht es um Liebe und Freundschaft, aber auch um Gewalt und Korruption. Wer Thriller und verstrickte Fälle liebt sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Ich habe jede einzelne Seite genossen. Dem Buch kann ich nur 5 Sterne geben und da der Epilog auf einen zweiten Teil anspielt hoffe ich, dass dieser so schnell wie möglich erscheint.

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Skandinavische Krimis und Thriller haben generell einen guten Ruf und auch ich habe das einen oder anderen Lieblingsbuch aus der Region. Deswegen war ich auf diesen schwedischen Thriller sehr gespannt. Vor allem, weil Jens Lapidus schon mit vielen anderen Büchern die Leser überzeugen konnte und "Schweigepflicht" in Schweden sehr gut ankam. Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leicht gefallen und man fühlte sich sehr schnell mit den Charakteren verbunden. Schnell kam man in die Geschichte rein und obwohl es viele Wendungen und Veränderungen gab, fand man sich immer gut zurecht und hatte auch immer einen guten Überblick. Es war immer sehr spannend und man konnte oft gar nicht mehr aufhören zu lesen. Man könnte sogar sagen, dass der Autor eine Menge mit Stieg Larsson gemeinsam hat. Der Schreibstil ist wirklich angenehm und flott zu lesen. Die verschiedenen Handlungsstränge sind wirklich gut gewählt und besonders gut gefallen hat es mir, dass der Autor immer dann in einen neuen Handlungsstrang wechselt, wenn es im anderen sehr spannend ist. Dadurch erhielt Jens Lapidus immer die Spannung. Emelie und Teddy sind wirklich sehr interessante Protagonisten und man merkt richtig, dass sich der Autor viel Mühe mit den Charakteren gegeben hat und sie nicht einfach nur grob skizziert hat. Der einzige Kritikpunkt, denn ich an dem Buch habe ist, dass manche Stellen unnötig waren und das Buch dadurch etwas in die Länge gezogen wurde. Durch den flüssigen Schreibstil war dies zwar nicht so schlimm, doch eine kleine Kürzung hätte an manchen Stellen nicht geschadet (bei 640 Seiten wäre dies auch nicht so aufgefallen). Am Ende kann ich das Buch nur empfehlen und besonders für Stieg Larsson Fans ist dieses Buch ein Muss !!! Fazit: Eine absolute Lesepflicht zu "Schweigepflicht"!!!

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Benjamin Emanuelsson, der junge Verdächtige in einem Mordfall, bei dem die Identität des Toten noch unbekannt ist, liegt im Koma und der Fall konnte daher bisher nicht vor Gericht gehen. In einem kurzen Moment der Ansprechbarkeit verlangt er Emilie Jansson als Strafverteidigerin – was sonderbar ist, weil sie mit dem Tatbestand Mord normalerweise nichts am Hut hat und als Anwältin auch noch sehr unerfahren ist. Wie kommt Benjamin also ausgerechnet auf sie? Eigentlich müsste Emelie Benjamins Forderung direkt ablehnen, denn ihre Kanzlei betrachtet derlei Fälle als nicht zum gewünschten Image passend. Eigentlich. Natürlich bringt sie das nicht über sich, sondern macht sich daran, sowohl im Namen ihres Arbeitgebers an anderen Fällen zu arbeiten als heimlich auch an diesem. Merkwürdigerweise hat Benjamin nicht nur nach ihr verlangt, sondern auch ausdrücklich darum gebeten, dass sie sich mit Najdan “Teddy” Maksumic zusammentut, der als Privatermittler für die Kanzlei arbeitet. Dem ersten Anschein nach ist Teddy ein zwielichtiger Charakter: er hat(te) Verbindungen zur jugoslawischen Mafia und hat eingesessen, nachdem er an einer Entführung beteiligt war, bei der das Opfer gefoltert wurde. Aber er hat das Ruder seines Lebens herumgerissen und will jetzt seinen Neffen Nikola davon abhalten, eine ähnliche Laufbahn einzuschlagen. Emelie und Teddy haben als gegensätzliches Gespann viel Potential. Anfangs dachte ich, Emelie würde der Star des Buches sein und Teddy ihr Sidekick, tatsächlich ist es aber schon bald umgekehrt: Teddy ist derjenige, der den Fall vorantreibt, während Emelie meines Erachtens immer blasser erscheint. Leider schöpfen die beiden ihr Potential daher nicht vollständig aus. Es gibt noch zahlreiche andere Charaktere, die mehr oder weniger zentral mit dem Fall zu tun haben. Unterm Strich konnte ich jedoch weder zu den Protagonisten noch zu den wichtigsten Nebencharakteren eine ausreichende Beziehung aufbauen, dass mich ihr Schicksal wirklich dauerhaft bei der Stange gehalten hätte. Die meisten davon wirkten auf mich eher schwach. Die schwedische Unterwelt gibt als Hintergrund eines Thrillers durchaus viel her. Kriminelle Machenschaften, Korruption, ein Justizsystem, das der organisierten Kriminalität nicht Herr werden kann… Jens Lapidus spricht eine Vielzahl an Themen an, mit denen er sich sicherlich bestens auskennt, da er Berufserfahrung als Strafverteidiger vorweisen kann. Die Grundidee der Geschichte ist auf jeden Fall interessant, vielschichtig und vielversprechend, und die Schilderungen der kriminellen Szene wirken authentisch. So weit, so gut. In meinen Augen verzettelt sich der Autor jedoch in allzu vielen Handlungssträngen, Hintergrundgeschichten und Motiven, so dass die Spannung für mich über lange Passagen verloren ging und der zentrale Fall etwas in Vergessenheit geriet. Ich habe nichts gegen dicke Wälzer, aber hier bin ich der Ansicht, dass man von den 640 Seiten einige hätte streichen können – so war für mich irgendwann die Luft raus. Da wäre weniger mehr gewesen. Da unser Krimilesekreis den Thriller letzten Monat gelesen und diskutiert hat, weiß ich, dass der Schreibstil sehr unterschiedliche Reaktionen hervorruft – besonders der Slang, der sich penetrant durchs ganze Buch zieht. Krass, Alter, voll der naize Sch***. Mein Vater ist auf f***ing Universität gegangen. (Kein genaues Zitat, aber so in etwa.) Sprechen Menschen aus diesem Umfeld in Schweden wirklich so? Falls ja, dann kann man dem Autor zumindest zugute halten, dass der Schreibstil zur Milieustudie beiträgt. Mich hat der Slang gar nicht so sehr gestört wie andere Teilnehmer der Leserunde, was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich das Buch als Hörbuch gehört habe. Das Ende nach dem Ende will mich dazu animieren, den nächsten Band zu kaufen. Das war mein erster Gedanke, denn nach dem eigentlichen Ende wird noch mal ein richtig fieser Cliffhanger draufgesetzt. Ein Blick ins Internet zeigt: “Schweigepflicht” ist tatsächlich Band 2 einer Trilogie, da kommt also noch was. (Wenn ich das richtig sehe, wurde der erste Band bisher allerdings nicht ins Deutsche übersetzt.) Zum Hörbuch: Sprecher Thomas M. Meinhardt hat eine angenehme Stimme und tut sein Bestes, die Spannung so gut wie möglich rüber zu bringen. Obwohl er stimmlich zwischen den verschiedenen Charakteren variiert, hätte er das eventuell noch deutlicher forcieren können. Es fiel mir manchmal schwer, die Charaktere direkt richtig einzuordnen – was aber auch daran liegen könnte, dass sie schon im Roman zu wenig eigene Persönlichkeit entwickeln. FAZIT Der im Koma liegende Benjamin gilt als Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Als er kurz ansprechbar wird, verlangt er Emilie Jansson als Verteidigerin – aber die ist buchstäblich gerade erst Anwältin geworden, arbeitet bei einer Kanzlei, die keine Mordfälle annimmt, und kann sich nicht erklären, woher Benjamin ihren Namen hat. Oder warum er ausdrücklich fordert, dass sie sich mit Najdan “Teddy” Maksumic zusammentut, der als freier Ermittler für die Kanzlei arbeitet und selber einen kriminellen Hintergrund hat. Kurz gesagt: das Buch hat einfach zu viele. Zu viele Handlungsstränge, zu viele Nebencharaktere, zu viele Hintergrundgeschichten, und zwischendurch zieht sich die daraus entstehende Masse wie Kaugummi. Um ~300 Seiten gestrafft und von allem ein bisschen weniger, und das Buch hätte großartig sein können, denn vieles ist wirklich interessant, geht aber einfach unter.

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„„Ich muss nach Hause“, hatte er gesagt, als sie ihn aufforderte, zu bleiben“. Eine kleine Szene nur der Zusammenarbeit der frischgebackenen Anwältin (und in diesem Fall des jungen Mannes Benjamin pro bono, heimlich und nervös unterwegs) und des freien Mitarbeiters der Kanzlei, ihres Arbeitgebers, Teddy. Der einen gravierenden Fehler begangen hatte vor in etwa einem Jahrzehnt, für diesen äußerlich bezahlt hat und innerlich noch zahlt. Und sich nun eine merkwürdige Querverbindung ergibt. Denn der verletzte junge Mann, der in der Nähe eines Mordschauplatzes einen Verkehrsunfall erlitten hat und nun des Mords verdächtigt wird, ist der Sohn genau jenes Mannes, den Teddy durch seine damalige Tat „aus der Bahn geworfen hat. Was nicht die letzte Querverbindung bleiben wird, denn Teddys Neffe, auch mit einigen Schwierigkeiten in seiner Person und seinem Umfeld versehen, hat seine Zeit in einem Erziehungsheim hinter sich gebracht und drängt (und wird gedrängt) mit einiger Wucht wieder in seine alte Gang. Zwei scheinbar voneinander getrennte Dinge, die Teddy dennoch überaus beschäftigten werden, samt einer ominösen Festplatte, deren Dateien Teddys damaliges Opfer schockiert geöffnet hatte. Das in den kriminellen Kreisen Stockholms ebenso eine „Omerta“ herrscht, wie in den klassischen Mafia Kreisen weltweit, dass Nikola, sein Neffe, in Gefahr geraten wird, dass die Kreise des „Clans“ nicht nur durch Ermittlungen der Polizei und die internen Verbindungen, die Teddy herstellen wird, unter Druck geraten, sondern auch durch stramm rechts-nationale politische Kräfte Gewalt mit ins Spiel geraten wird, all das verkompliziert (für den Leser in bester Weise) den zunächst einfach erscheinenden Fall eines Gewaltverbrechens und führt Teddy und Emilie mehr und mehr an den Rand der Belastbarkeit in jedwedem Sinne. Bis klar wird, dass die beiden nicht nur mit ihrer Reputation, ihrem Einkommen, ihrem Beruf spielen, sondern auch das körperliche Wohl mehr und mehr gefährdet wird und auch vor den Familien nicht Halt gemacht werden wird. Was Lapidus lange Zeit undurchschaubar fast gestaltet, den Leser aber dennoch mit den roten Fäden der Personen (die differenziert ausgestaltet vorliegen) und der Fälle eine klare Erzähllinie an die Hand gibt, die anregend, unterhaltsam, überaus spannend und zugleich rätselhaft vor die Augen des Lesers tritt. Wobei Lapidus zudem einige hochaktuelle Themen geschickt zu einem, am Ende, großen Ganzen verknüpft. Vom zunehmenden Einfluss der (in Teilen auch gewaltbereiten) „neuen Rechten“, von Übergriffen und Anschlägen auf Flüchtlinge, vom Missbrauch und Themen der Kinderpornographie bis hin zur Parallelwelt krimineller Vereinigungen mit ganz eigenen, überaus strikten Regeln. Sprachlich, vom Erzähltempo her und in der Feingestaltung ein hervorragender Thriller, der von der ersten bis zur letzten Zeile fesselt.

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Darf ich euch ein neues Herzbuch vorstellen? Gleichzeitig hasse ich es aber auch an dieser Rezension zu arbeiten. Es ist mir unheimlich schwergefallen. Als jemand der eigentlich einen großen Bogen um skandinavische Krimis macht, bin in ich von mir selbst überrascht, wie leicht mich Schweigepflicht überzeugt hat. Dabei können 640 Seiten nicht nur auf den ersten Blick abschreckend wirken. Doch wer tief in die Geschichte eingetaucht ist, der merkt: Dieses Buch ist jede Seite wert. In einem schwedischen Sommerhaus wird eine verstümmelte Leiche entdeckt. Keine 200m vorm Haus liegt ein Mann bewusstlos in seinem PKW. Er wird direkt festgenommen und angeklagt. Seine sehr junge Anwältin Emelie Janson versucht alles um herauszufinden, was passiert ist, doch sowohl Anklage als auch ihr Mandant schweigen unerbittlich. 640 Seiten. Ein Monster. Aber für diese verzwickte und komplexe Geschichte hätte es auch keine Seite weniger sein dürfen. Es hat 250 Seiten gebraucht bis ich einen ersten Überblick hatte um wen und was es alles geht. Denn das Buch ist aus vielerlei Perspektiven geschrieben, die sich anfänglich gar nicht alle auseinanderdröseln oder zusammenpuzzeln lassen. Manchmal habe ich mich gefragt: Wozu brauche ich denn hier all die Namen und 50 Seiten später taucht ein Name in einem Handlungsstrang auf, dem ich ihn gar nicht zugeordnet hatte und langsam entstanden Verbindungen zwischen den verschiedenen Perspektiven. Emelie Janson hat grade erst ihr Jurastudium beendet. Das Buch beginnt quasi mit ihrer Abschlussprüfung. In der Woche darauf soll sie direkt in einer Kanzlei als Wirtschaftsanwältin beginnen, doch ein ihr unbekannter Mann nennt sie als seine Anwältin. Im Zwiespalt zwischen Brotjob und dem Wunsch das richtige tun zu wollen nimmt Janson den Fall an und stochert in alten Wunden herum. Teddy war Jahre lang im Gefängnis, weil er von einigen Jahren Mats Emanuelsson für die jugoslawische Mafia in Stockholm entführt hatte. Jetzt arbeitet er für die gleiche Kanzlei wie Janson und unterstützt sie bei ihren Ermittlungen. Er bereut seine damalige Tat und möchte nicht glauben, dass Emmanuelsons Sohn nun jemanden umgebracht hat. Es hat ein bisschen was von Wiedergutmachung, aber er hat eben auch noch Kontakte bei denen er versucht Hinweise zu bekommen. Mats Emanuelsson arbeitete als Banker, war spielsüchtig und hatte sich mit den falschen Leuten eingelassen. Vor einigen Jahren nahm er sich das Leben und wir erfahren seine Vorgeschichte nur aus alten inoffiziellen Vernehmungsprotokollen, wo er unter dem Decknamen Marina erzählt, was er für die jugoslawische Mafia tun musste, um seine Spielschulden zu begleichen. Dabei stößt er irgendwann auf einen Computer und Dateien, die nicht für seine Augen bestimmt waren. Sein Sohn Benjamin wird nun am Tatort gefunden und direkt angeklagt. Da die Staatsanwaltschaft und Benjamin selbst schweigen, muss Janson alleine herausfinden was in jenem Sommerhaus passiert ist. Teddys Neffe Nikola wird zu Beginn der Geschichte aus einer Rehabilitationsanstalt für Straffällige Jugendliche entlassen. Er lässt sich aber direkt wieder von seinen kriminellen Kumpeln in die Arme nehmen und bewegt sich wieder im zwielichtigen Milieu, wie einst sein Onkel. Vielleicht habt ihr bereits eine grobe Vorstellung davon, wie verzwickt es ist, wenn stetig zwischen so vielen Perspektiven gewechselt wird. Zudem sind die Kapitel nicht kurz. Ich hatte jedenfalls sehr großen Spaß beim Entdecken der Figuren und aller Zusammenhänge. Jens Lapidus ist ein wahrer Meister darin, seine Charaktere durch unterschiedliche Akzente und Sprachstile voneinander abzugrenzen und ihnen eigene Stimmen zu geben. Schweigepflicht ist allerdings kein einfaches Buch für mal eben zwischendurch. Ich musste mir schon eine ruhige Minute suchen und mich sehr auf alles konzentrieren, um nicht ein wichtiges Wort zu überlesen. Während man am Anfang langsam in die Geschichte wächst, klotzt das letzte Drittel actionmäßig schon ein bisschen rein. Mir haben der Showdown und die Auflösung des Mords auf jeden Fall sehr gut gefallen. Nix an den Haaren herbeigezogenes und einfach sehr schlüssig alle Fäden zusammengeführt. Und auch wenn ich skandinavische Krimis sonst nicht so gerne lese, weil es mir zu viel Geplänkel der ermittelnden Figuren gibt muss ich sagen, dass es sich hier sehr ausgewogen in Grenzen hielt oder eben doch Fallrelevant war. Das kann bei mir natürlich direkt extra Punkten! Schweigepflicht kann ich Thrillerfans nur empfehlen!

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Von Jens Lapidus kannte ich bisher nur die Stockholm Noir-Trilogie, die auch schon erfolgreich verfilmt wurde. So war ich sehr gespannt auf diesen Auftakt zu einer neuen Reihe. Hauptperson ist diesmal die junge Anwältin Emelie Jansson, die gerade erst ihre Prüfung erfolgreich absolviert hat und bereits eine der großen Hoffnungsträgerinnen der renommiertesten Wirtschaftsanwaltskanzlei Schwedens ist. Dann ist da noch Teddy, ein inzwischen rehabilitierter Kleinkrimineller, der in seiner Vergangenheit einen schweren Fehler gemacht hat. Er hat im Auftrag Unbekannter einen Mann gekidnappt und dieser hat sich schließlich das Leben genommen aufgrund der schlimmen Erlebnisse in der Gefangenschaft. Teddy fühlt sich deshalb der Familie gegenüber schuldig. So ist es für ihn selbstverständlich, dass er dem Sohn des Mannes helfen will, als dieser unter Mordverdacht festgenommen wird. Benjamin wurde unweit eines Tatorts in seinem verunfallten Auto gefunden, die Indizien sind erdrückend und er kann sich an nichts erinnern. Er fordert Emelie als seine Strafverteidigerin an, was deren Chef allerdings nicht erlaubt. Sie entschließt sich, den Fall trotzdem anzunehmen und es zu verheimlichen. Unter sehr erschwerten Bedingungen stürzt sich die junge Anwältin also in ihren ersten eigenen Fall und ermittelt mit Teddy zusammen auf eine Faust. Sie stoßen auf ein Netz aus Korruption und legen sich mit dem organisierten Verbrechen an. Es wird gefährlich für alle Beteiligten … Jens Lapidus ist ja selbst ein sehr angesehener Strafverteidiger und plaudert somit aus dem Nähkästchen. Solche Bücher liebe ich immer sehr, denn man spürt einfach, dass er weiß, worüber er schreibt. Dazu hat er sich noch einige wirklich liebenswerte sympathische Charaktere ausgedacht, die ich gleich ins Leserherz geschlossen habe. Die toughe Emelie, ihre Anwaltskollegin Josephine, Teddy und dessen Neffe Nikola und viele mehr machen die Story zu einem Erlebnis, bei dem man gern mit den Beteiligten mitfiebert. Die Geschichte ist spannend aufgebaut, zunächst kann man einige Passagen, die ein Informantengespräch dokumentieren, nicht richtig einordnen, aber so nach und nach ergibt alles ein stimmiges Bild. Es geht um Geldwäsche und andere dunkle Finanzgeschäfte, um Diebstahl, Bandenkriminalität und vieles mehr. Ein Einblick in die finstersten Ecken Schwedens. Toll und mitreißend beschrieben, so dass man beim Lesen einfach gefesselt ist. Was mir dann allerdings nicht so gefallen hat, das war das Ende: ein Cliffhanger, der wirklich neugierig auf die Fortsetzung macht. Hoffentlich müssen wir nicht allzu lange darauf warten. Mir hat dieser Thriller einige Stunden beste Leseunterhaltung beschert, die Story ist komplex und prima durchdacht, ich mag die Protagonisten und bin gespannt, wie es mit ihnen weitergeht! 4,5 Sterne

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Hat mich nicht wirklich fesseln können

Von: Rosmarie Dobler aus Benningen

29.04.2019

Bei diesem Buch habe ich mich vom schönen Cover und den Lobeshymnen auf den Autor auf dem Buchrücken verführen lassen. Leider bin ich mit der Handlung nicht wirklich warm geworden. Die ersten 400 Seiten sind so dahingeplätschert und für mich hat die Spannung erst im letzten Drittel etwas angezogen. Den Plot fand ich durchaus interessant. Ein unbekannter Toter, ein komatöser Hauptverdächtiger und ein ungleiches "Ermittlerteam". Die Hauptcharaktere waren für mich weder sympathisch noch irgendwie glaubhaft. Emelie scheint die ganze Zeit total überfordert und zaubert dann wenn es darauf ankommt, juristische Kunststücke aus dem Hut. Teddy kommt trotz aller Bemühungen nur schwer aus seinem alten Leben, der organisierten Bandenkriminalität, heraus. Die alten Bekannten begegnen ihm überall. Für mich waren die Beschreibungen der kriminellen Machenschaften rund um Geldwäsche, Scheinfirmen, Strohmänner ... interessanter als die 'Mordermittlung'. Die Bezeichnung Thriller ist für mich hier nicht treffend. Ein ordentlicher Krimi würde ich sagen. Durch den Cliffhanger am Schluss vermute ich, dass es eine Fortsetzung geben wird. Ob ich die lesen würde, halte ich momentan noch für fraglich.

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Weil ich an etwas glaube

Von: Elisabeth Bulitta aus Donaueschingen

15.04.2019

Jens Lapidus‘ hoch gelobter 637-seitiger Thriller „Schweigepflicht“ ist im April 2019 bei btb erschienen. Sie: Emelie, frisch gebackene Anwältin in einer der renommiertesten Wirtschaftskanzleien des Landes. Er: Teddy, Ex-Knacki auf dem Weg der Läuterung und freier Mitarbeiter in ebendieser Kanzlei Als auf einer Schäreninsel ein grausam zugerichteter Leichnam gefunden und daraufhin der bewusstlose Benjamin Emanuelsson des Mordes verdächtigt wird, engagiert dieser Emilie als seine Verteidigerin. Gemeinsam mit Teddy begibt sie sich daraufhin auf die Suche nach dem wahren Hintergrund – und stößt dabei auf einen Fall, der schon viele Jahre zurückliegt. Der Beginn des Buches ist etwas verwirrend, werden doch viele verschiedene Charaktere und scheinbar unzusammenhängende Handlungsstränge rasch nacheinander eingeführt, was andererseits aber auch neugierig darauf macht, diese zu durchdringen. Und tatsächlich werden im Laufe des Lesens Zusammenhänge immer ersichtlicher. Das Auffinden der Leiche gleich zu Beginn weckt ebenfalls Interesse und baut einen Spannungsbogen auf, der allerdings etwas später ziemlich rasch einbricht. Über weite Strecken des Thrillers dümpelt die Handlung eher so vor sich hin, und Rückblenden in das Leben der Protagonistin berühren die Thematik des Romans eher am Rande. Erst gegen Ende nimmt die Handlung wieder an Tempo zu und endet schließlich in einem überraschenden Finale. Der Epilog mit seinem Cliffhanger lässt eine mögliche Fortsetzung offen. Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen geschildert, wobei vor allem Aktennotizen den Zusammenhang zum mehrere Jahre zurückliegende Fall herstellen. Stil und Sprache des Autors sind flott zu lesen und durchaus vielfältig sowie der jeweiligen Perspektive angepasst, was an sich ein Pluspunkt wäre; allerdings mochte ich Wörter wie „voll krass“ und „naiß“ am Ende kaum mehr lesen. Was auf der einen Seite ein gutes sprachliches Mittel darstellt, um ein Milieu zu verdeutlichen, kann auf die Dauer recht ermüdend wirken. Insofern verstehe ich nicht so recht, was an diesem Roman „sprachlich genial“ sein soll, vor allem da sprachlich Ausgefeiltes oder Besonderes gänzlich fehlt. Die Charaktere sind vielschichtig und entwicklungsfähig gezeichnet, was man insbesondere Teddys und Nikolas Darstellung entnehmen kann. Dennoch wurde ich mit keinem der Charaktere wirklich „warm“, bleiben sie doch trotz allem eher distanziert. Vor allem Emelie fiel mir mit ihrer teilweise doch sehr unprofessionellen Herangehensweise immer wieder auf die Nerven. Der Thriller spielt vor allem im Umfeld der schwedischen Jugoslawen-Mafia, die Grundstimmung ist entsprechend eher deprimierend, ohne dass jedoch eine ansonsten in diesem Bereich anzutreffende Brutalität zum Tragen käme, was mir persönlich positiv aufgefallen ist. Anhand von Teddys Neffen Nikola werden zudem Probleme aufgezeichnet, die Jugendliche haben, wenn sie ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Punkten konnte der Thriller bei mir auf jeden Fall mit der integrierten Kritik am Justizwesen, wenn Emelie am Ende sagt: „Ich will zu einem System beitragen, das alle unterstützt, (…) sich um die Menschen bemüht, die schwach und isoliert sind.“ Lapidus präsentiert mit „Schweigepflicht“ einen Thriller, der eine durchaus lesenswerte Botschaft übermitteln will, der meiner Meinung nach jedoch aufgrund von Längen und einer teilweise doch sehr eintönigen und zu milieuhaften Sprache einiges an Spannung und Wirkung einbüßt: ein Buch, das man lesen kann – aber nicht muss.

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