Leserstimmen zu
Nachtlichter

Amy Liptrot

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Amy wächst auf den kargen, einsamen schottischen Orkney Inseln auf. Mit 18 Jahren verlässt sie ihre Heimat und stürzt sich in London ins Partyleben - Sex, Drogen und jede Menge Alkohol stehen an der Tagesordnung und führen von einem Absturz zum nächsten. Als Amy eines Tages Job, Freund und Wohnung gleichzeitig verliert, beschließt sie, ihrer Alkoholsucht ein Ende zu setzen. Nach einem erfolgreichen Entzug kehrt sie auf die Inseln zurück. Umgeben von der rauen, naturgewaltigen und imposanten Inselwelt, versucht Amy ihr Leben neu zu ordnen und dem Alkohol zu widerstehen. Wird sie den schweren Weg zurück in ein normales Leben schaffen? Die Journalistin Amy Liptrot hat mit „Nachtlichter“ einen sehr eindrücklichen autobiographischen Roman geschrieben. Schonungslos ehrlich und brutal beschreibt sie ihre turbulente Zeit in London, ihre peinlichen Alkoholabstürze, die daraus resultierenden Probleme, persönlichen Niederlagen, ihren harten Kampf gegen den Alkohol, die Sucht und die überall lauernde Gefahr eines Rückfalls. Einzig und allein ihre Heimat - die abgeschiedenen Orkneys im Norden Schottlands - gibt Amy die Kraft, ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu lenken. Mit ihrem klaren, schnörkellosen Schreibstil und großartigen erzählerischen Können hat mich Amy Liptrot absolut begeistert. Die faszinierende Beschreibung der Orkneys mit ihrer einzigartigen Natur und Tierwelt machen diese Lektüre zu etwas ganz Besonderem. Man erfährt viel Interessantes und Wissenswertes über die Geschichte und das alltägliche Leben auf diesem Archipel. Eine eindrucksvolle und überaus gelungene Mischung aus Biographie und Naturführer, die einen so schnell nicht wieder loslässt… Am Ende war ich ein bisschen verliebt in die Orkney Inseln, ihre traumhaft beschriebene Flora und Fauna und natürlich in Amy, die für so viel Mut und Kraft meinen äußersten Respekt verdient hat! Ein mutiges, ehrliches und beeindruckendes Buch, dem ich noch ganz, ganz viele LeserInnen wünsche! Absolut empfehlenswert!!!

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Die Autorin Amy Liptrot hat mit ihrer Autobiographie Nachtlichter ein dichtes, atmosphärisches, ergreifendes und gewaltiges Buch geschrieben. All diese Adjektive sind mir beim Lesen durch den Kopf gegangen. Amy wächst auf den Orkney Inseln auf. Das sind die Inseln die noch nach Schottland in der See liegen. Sie haben einen ganz eigenen Charme und wie es auf Inseln oft ist, eine eigene Welt. Das Wetter bestimmt dort das Leben. Und wie es oft so ist, wollen Jugendliche eigentlich nur von dort weg. Und so geht auch Amy noch London und stürzt sich in den Strudel dieser großen Stadt. Eigentlich ist es nicht geplant was passiert, denn sie will einfach nur am Leben teilhaben und versucht sich dort hinein zu finden. Allerdings gerät das Party machen und das Alkohol trinken mit der Zeit immer mehr aus dem Ruder. Irgendwann kommt der Zeitpunkt an dem sie früher von Parties nach Hause geht um schneller trinken zu können. Sie schreibt in ihrem Buch schonungslos von all den Dingen die ihr in dieser Zeit passiert sind. Von den Aussetzern, von den Peinlichkeiten, von der großen Liebe die sie verloren hat. Irgendwann erreicht sie den Punkt, an dem sie versucht Hilfe zu finden und schafft es auch tatsächlich durch ein Programm in den Entzug zu kommen. Ihr Weg zurück führt sie nach Hause auf die Orkney Inseln. Dort versucht sie in die Natur einzutauchen und das Leben dort als Heilung zu nutzen. Alkoholsucht ist eine der schwierigsten Süchte zum abgewöhnen. Und so kämpft sie jeden Tag gegen das Verlangen an. Mich hat dieses Buch zutiefst berührt. Diese Reise mit zu erleben die jemand machen muss, um sich aus seinem selbst gewählten Gefängnis wieder zu befreien. Sehr, sehr lesenswert und großartig geschrieben.

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Nachtlichter

Von: fredi.liest

01.09.2018

In dem autobiografischen Buch „Nachtlichter" beschreibt Amy Liptrot wie sie auf der Flucht vor ihrem selbstzerstörerischen Ich ihre einst verlassene Heimat, die Orkney-Inseln wiederentdeckt. Früher hasste sie die Enge und Stille der Provinz, dazu kamen schwierigen Familienverhältnissen und das Bedürfnis nach einer anderen Welt. Und so landete sie in London. Alkohol, Drogen, wilde Party, unverbindliche Begegnungen - jede mögliche Extreme der Großstadt durchlebte sie - und fand keinen Ausstieg. Sie verliert ihre wenigen Freunde, die irgendwie und irgendwann den Ausstieg in ein zivilisiertes Leben schaffen, nur sie ganz allein befand sich in diesem Teufelskreis, der durch ihre Sucht und Einsamkeit bestimmt war. Irgendwie findet sie - seelisch verwundet - ihren Notausgang - auch ein Extrem das Wasser rund um die Orkney- Inseln. Das intensive Naturerlebnis bildet ihre Ersatzdroge. Sie arbeitete für eine Vogelschutz-Organisation, lernte dadurch die reiche Vogelwelt der Inseln kennen und zählte nächst die Vogelbestände. Einen Winter lebte sie zurückgezogen in einem Cottage auf der sehr schwach besiedelten Insel Papa Westray. Die Tage, Wochen und Monate, die sie abstinent lebt, sind eine schwere Zeit, in der sie die Suchende ist. In den melancholischen, detailreichen Schilderungen des schwierigen Ausstieg aus ihrem Großstadtleben gewährt sie immer wieder Einblicke in dieses: ungeschönt berichtet sie, vom Abstieg durch die Sucht, von der Härte der Einsamkeit und von den Zügen der Selbstzerstörung. Kraftvolle wechseln sich mit leisen Tönen ab, beschreiben von ihrem Weg und mit eindrucksvollen Worten von der malerischen Landschaft, von den steilen Klippen, von der - vielleicht sogar heilenden - Kraft des Windes und des Meeres. Das Buch hat mich durch seine bemerkenswerten Offenheit, die Ehrlichkeit der Autorin und das reiches Wissen über Flora und Fauna der Orkney-Inseln beeindruckt. Definitiv deshalb kein leicht zu lesendes Buch - gerade die Rückblicke in die Londoner Zeit tun beim Lesen weh - doch für mich ein Lesehighlight des Sommers.

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Ein entscheidender Lesegrund für dieses Buch war für mich der Hinweis in der Inhaltsangabe, dass die Orkney-Inseln eine Rolle spielen. Mir war da noch nicht so ganz klar gewesen, dass dieses Buch ein Erfahrungsbericht ist, keine Geschichte. Die Autorin Amy Liptrop berichtet über ihren Kampf gegen den Alkohol, gegen die Sucht. Und ihre Heimat Orkney hat ihr dabei geholfen sich wieder zu erden und die richtigen Weichen zu stellen. Sie erzählt nicht wirklich spannend, und gerade der Anfang in London mit allen Auswirkungen der Sucht, ist nicht einfach zu lesen, weil ich erst noch ein Gefühl dafür entwickeln musste. Die Alkohol-Exzesse werden ehrlich und ungeschönt dargestellt. Erst nach und nach bemerkte ich die Kraft dieses lakonischen und harten Erzähltons, den ich auch nach dem Lesen noch im Kopf zu hören glaubte. Eine Sprache, so rau und kühl wie die Orkney-Inseln. Abwechselnd wird von London und Orkney berichtet. Besonders die Zeit auf den Orkney-Inseln, als sich die Autorin neu finden, neu zusammensetzen muss und mit Hilfe der rauen Natur gegen die Sucht ankämpft, sind sehr eindrucksvoll zu lesen. Ich mochte diese Beschreibungen von den Inseln, von den Vogelbeobachtungen, den nächtlichem Himmel, dem Meer, der Historie. Ja, ein Faible für Orkney sollte man da schon haben. Alles in allem / Sterne: Eine Erzählstimme, die ich auch nach dem Lesen noch zu hören meinte, die sich mir im Kopf festgesetzt hat. Ein Erfahrungsbericht über den Kampf gegen den Alkohol und über das „sich selber finden“ in der rauen Natur auf den Orkney-Inseln. Dennoch sollte man schon ein Faible für diese Inselgruppe und für diese trockenen und dennoch kraftvollen Naturbeschreibungen haben. Dieses Faible habe ich und somit vergebe ich fünf und fünf Sternen und stelle das Buch zu meinem Orkney/Shetland-Insel Reiseführer. Am besten an einem regnerischen und kalten Tag lesen!

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Amy und ihr Bruder Tom wachsen auf den Orkney Inseln in Schottland auf. Einsame Weiten, unberührte Natur, viel Wildnis und eine bäuerliche Abgeschiedenheit. Nach einer Kindheit geprägt durch einen streng religiösen Mutter und einem psychisch labilen Vater verlässt Amy ihr Zuhause, um in London ein neues Leben zu beginnen. Sie holt auf, was sie an Leben auf den einsamen Inseln bisher meint, versäumt zu haben. Männer, Parties, Lichter, Krach, Menschen und viel viel Alkohol. Sie wird abhängig, trinkt bis zum Exzess und driftet immer weiter ab. Amy verliert ihren Freund, schließlich ihren Job und entschließt sich, ihrer Sucht mithilfe eines Alkoholprogramms entgegenzutreten. Schlussendlich kehrt sie nach zwölf Jahren Großstadt zurück auf die Orkney Inseln, sieht ihre Eltern wieder, arbeitet und hilft vor Ort. Eigentlich geplant als Zwischenstopp auf dem Weg zur Heilung werden die Inseln aufgrund mangelnder Alternativen erneut zur ihrer Heimat. Sie lässt sich mitreissen von der Natur, der Wildnis, der rauen Umwelt und ihre Sehnsucht nach dem Alkohol nimmt langsam ab. - So rau und natürlich wie die Gegend der Orkney Inseln, so schreibt auch Amy. Schonungslos und direkt, ohne Umschweife auf den Punkt. Sie nimmt den Leser mit auf die Reise durch ihr Leben und manchmal kann man fast vergessen, dass es sich um einen autobiografischen Roman handelt, den man hier vor sich hat. Die Beschreibungen der Natur, unfassbar plastisch, machen greifbar, was in Amy nach ihrer Rückkehr vorgeht und lassen ahnen, wie sie es schafft, langsam von der Sucht abzulassen. Besonders faszinierend geschrieben auch die Erzählungen ihrer Zeit in London - man feiert mit, trinkt mit, leidet mit, lebt mit ihr die Sucht. Sie beschönigt nichts, sie nimmt sich selbst nicht in Schutz. Sie erzählt. Dokumentiert quasi. Manchmal meint sie es vielleicht etwas zu gut, wenn sie sich ausführlich auslässt über ihre Emotionen, wiederholend und detailliert - aber vielleicht gehört das einfach dazu, zur Aufarbeitung des Ganzen. Sie springt hin und her, ihre Gedanken, grade zu Londoner Zeiten, sind flüchtig und schwankend. Manchmal ist es etwas schwer zu folgen, aber das macht es gleichzeitig auch greifbarer, das Ambivalente ihrer Situation in der Stadt. Zurück auf den Inseln werden das Leben und die Sprache ruhiger, fliessender. Die Natur rettet sie - jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Das Suchtverhalten, der Wunsch nach dem Erleben von Grenzerfahrungen bleibt. Wird teilweise ersetzt. So gibt ihr das Schwimmen im eiskalten Meer einen ähnlichen Kick wie damals der Alkohol. Man folgt Amy gebannt und gespannt durch ihr Leben, leidet mit ihr und hofft, dass sie den Absprung schafft. Man steht mit ihr in der wilden Natur Schottlands und versteht. Was sie erlebt und wie sie lebt. Ein unglaublich greifbares, trotz rauem Schreibstil emotionales Buch, das einen begeistert und nicht so schnell wieder loslässt.

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Die Autorin Amy Liptrot ist Alkoholikerin. Nach einem Entzug in London, kehrt sie zurück auf die abgelegenen, rauen Orkneyinseln, wo sie aufgewachsen ist. Dort schafft sie es Stück für Stück wieder in ein normales Leben ohne Alkohol zurückzufinden. Dabei sind ihr die wundervolle, ganz besondere Natur und die einzigartige Tierwelt große Helfer... Was für ein herausragendes Buch über Sucht und Heilung. Schonungslos berichtet Amy Liptrot von ihrer jahrelangen Alkoholsucht ohne irgendetwas zu beschönigen, einfach nur mutig und ehrlich. Ihre Rückkehr zu den Orkneyinseln war die beste Entscheidung, die sie treffen konnte. Durch ihren klaren, detaillierten und schnörkellosen Schreibstil nimmt sie den Leser mit in ihre Welt. Ihre Alkoholabstürze und die daraus resultierenden Probleme und Niederlagen hat sie ebenso treffend geschildert wie ihre Mühen aus diesem Sumpf herauszukommen. Das war absolut ergreifend und berührend zu lesen. Die Landschaftsbeschreibungen dieser Inseln und des Alltags dort, sind grandios. Ich habe es besonders genossen, diese Schilderungen von Fauna und der einzigartigen Flora zu lesen, da ich vor einigen Jahren selbst dort sein durfte und von den wilden, windigen Orkneys total begeistert war. Dieses Buch ist eine für mich sehr gelungene Mischung aus Biografie und fast schon einem Naturführer, der unheimlich viel Interessantes und Wissenswertes zu bieten hat. Fazit: Wer mit Natur zu begeistern ist, ist bei diesem Buch genau richtig. Neben wirklich spannenden Einblicken in das Leben Amy Liptrots ist es für mich auch eine Hommage an diese wunderschöne schottische Inselgruppe. Klasse.

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„Nachtlichter“ war mir vor einiger Zeit mal in der Buchhandlung aufgefallen, aber erst im letzten Monat habe ich es mir zugelegt (danke an Randomhouse für das Bereitstellen des Exemplars!). Der Klappentext hat mich ziemlich angesprochen, da ich großes Interesse an Schottland und seiner kargen Insellandschaft habe und ich deshalb sehr gerne Romane und Erzählungen lese, die dort handeln. Das Werk von Amy Liptrot ist in dieser Hinsicht etwas anders, denn es sind ihre Memoiren, sozusagen ihre Biografie. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie vorher an Literatur dieses Genres rangewagt. (Ausgenommen die Miley Cyrus-Biografie, die damals von „Bravo“ und „Popcorn“ empfohlen wurde, aber ich glaube, das zählt nicht.) Nach den ersten Seiten war ich jedoch schon SO fasziniert von Liptrots Art, mit Worten umzugehen, dass ich sämtliche Zweifel über Bord werfen und mich ganz dem Buch hingeben konnte. Im Gegensatz zu den Romanen, die ich sonst lese, habe ich für dieses Werk ziemlich lange gebraucht, weil ich oft Pausen machen musste, um über den Inhalt nachzudenken. Das soll kein Kritikpunkt sein, ganz im Gegenteil. Die Worte besitzen so viel Tiefe, dass es mir einfach nicht gelungen ist, alles beim „drüberlesen“ zu verstehen – die ganze, nackte Wahrheit über die schwere Alkoholsucht und ihre Folgen, sowohl sozial, als auch körperlich. Trotz der vielen Pausen, die ich gemacht habe, blieb es interessant und nun bin ich um wahnsinnig viel Orkney-Wissen reicher. In jedem Kapitel erfährt man so viel Interessantes, seien es die alten Sagen und Legenden der Inseln, die die Autorin erzählt, oder auch wissenschaftliche Fakten über den Weltraum und die Polarlichter. Man könnte meinen, so viele „neutrale“ Informationen über Dinge, die nicht primär mit der Alkoholabhängigkeit zu tun haben, lassen die Erzählung vielleicht träge werden, aber ich kann versichern, dass das nicht so ist. Und irgendwie sind diese wissenschaftlichen Erklärungen nicht überflüssig, denn genau mit diesen beschäftigte sich Liptrot während ihrer Genesung auf Orkney, entwickelte so eine neue Passion, die den Drang nach Alkohol kompensieren konnten. Sie kämpft jeden Tag von Neuem gegen die Sehnsucht an, sich diesem Drang hinzugeben. Doch stattdessen badet sie im eiskalten Meer, unternimmt Vogelzählungen und verbringt den Winter in einem Cottage auf der nördlichsten bewohnten Insel von Orkney. Diese karge Lebensweise ist das gegenteilige Extrem zu den Londoner Clubnächten – und so schonungslos wie ehrlich wird der Leser damit konfrontiert. Aber es ist eine inspirierende Ehrlichkeit. Es ist ein komplett neues Genre, das ich mit diesem Buch erkundet habe, und ich habe daher hohe Ansprüche an das Werk gestellt. Was soll ich sagen...diese Ansprüche wurden nicht enttäuscht. Mit jedem Kapitel habe ich eine neue Seite des Orkadischen Lebens entdeckt, das spannend und beruhigend zugleich ist. Und es macht Mut, dass auch schwere Krankheiten wie Alkoholabhängigkeit überwunden werden können.

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Sie sind nicht so sehr bekannt wie die in der Nachbarschaft liegenden Shetlands, berühmt für die gleichnamige robuste Pony-Rasse. Und sicherlich stehen die Orkney-Inseln, nordöstlich von Schottland und auf dem Längengrad wie Südgrönland gelegen, nicht unbedingt auf der Liste der beliebtesten Reiseziele. Denn allzu rau ist das Klima, sind einige der rund 70 Eilande der Inselgruppe nur spärlich oder gar nicht besiedelt. Wer hier wohnt oder dorthin reist, muss mit dem Norden verwurzelt sein. Die Journalistin und Autorin Amy Liptrot ist hier aufgewachsen. In ihrem Buch „Nachtlichter“ erzählt sie von ihrer Heimat und ihrer Rückkehr nach zehn Jahren in London – vor allem aber von einer besonderen Heilung. Denn die Britin verfällt bereits in jungen Jahren dem Alkohol, der ihr ständiger Begleiter wird. Schon im Alter von 18 Jahren verschlägt es sie nach London – mit wenig Gepäck, aber mit einem Strauß an Zukunftsplänen, Hoffnungen, Wünschen und Träumen. Doch die pulsierende Metropole, ein herber Kontrast zur auf den ersten Blick einsamen Inselwelt, ist kein einfaches Pflaster. Die Mieten sind hoch, hart ist die Konkurrenz im Journalismus, den die junge Frau für sich entdeckt hat. Und es lauern viele Fallen. Liptrot gleitet ab in einen unstetigen Lebenswandel, in dem Drogen, allen voran der Alkohol, zunehmend ihren Alltag bestimmen. Der Ausstieg aus diesem Teufelskreis soll mit einer mehrmonatigen Entzugstherapie sowie anschließend mit dem kompletten Rückzug in die Heimat gelingen. Obwohl es die vertraute Heimat ist, gestaltet sich der Weg aus dem Alkoholsumpf steinig: Nicht umsonst sind die Rückfall-Quoten nach Therapien oft hoch. Allzu verlockend ist auch für Liptrot der Gedanke an ein Bier am Abend, ein Drink zum Feiern. Hinzukommen die schmerzvollen Gedanken an die psychische Erkrankung ihres Vaters, die Trennung ihrer Eltern. Und ein Schlückchen eignet sich prima, um sich zu betäuben, die dumpfen Gedanken einfach wegzuspülen. Doch Liptrot macht in der ihr bereits bekannten Welt Entdeckungen, die sie prägen, körperlich wie seelisch formen: Sie arbeitet für eine Vogelschutz-Organisation und lernt dadurch die reiche Vogelwelt der Inseln kennen. Im Winter lebt sie zurückgezogen in einem Cottage auf der Insel Papa Westray. Sie schwimmt im eiskalten Meer, beobachtet Merry Dancers, wie das Nordlicht auf der Inselgruppe genannt wird. Sie lernt, dass die einfachen und unauffälligen Dinge kostbar sind und ein Leben reich machen. Die Tage, Wochen und Monate, in denen sie trocken ist, abstinent lebt, zählt sie mit Stolz, aber auch mit einer gewissen Furcht. Sie weiß um die Nähe zum Abgrund. Dieses autobiografische Werk mit seinen kraftvollen wie leisen Tönen erstaunt in vielerlei Hinsicht: Liptrot berichtet sowohl auf drastische Weise über den fürchterlichen Abstieg und die hinterhältige Seite der Sucht, die sie fortan ein Leben lang begleiten wird, als auch voller Poesie von der zwar kargen, aber trotzdem malerischen Landschaft, von den steilen Klippen, von der Kraft des Windes und des Meeres, die gemeinsam die Inseln seit Jahrtausenden formen und die Einwohner vor Herausforderungen stellen. Dabei erinnert Liptrots Band ein wenig an „H wie Habicht“ ihrer Landsmännin Helen Macdonald. Beide Autorinnen suchen und finden in der Natur Kraft für ihre Heilung, beide sind seelisch verwundet. Macdonald infolge des überraschenden Todes ihres Vaters, Liptrot durch ihre Alkoholsucht und die problematischen Familienverhältnisse. Und beide vermitteln nicht nur ihre Gedanken und Gefühle in einer bemerkenswerten Offenheit und Ehrlichkeit, sondern auch reiches Wissen. Liptrot stellt die Besonderheiten ihrer Heimat vor, geografische wie auch jene der Flora und Fauna. Interessant sind auch ihre Ausführungen zur Geschichte sowie den Mythen und mythische Gestalten. Zudem geht die Autorin auf die aktuelle Situation auf den Inseln ein, wie sie trotz ihrer Abgelegenheit und Kargheit durch das Internet und damit den Anschluss an die große weite Welt attraktiv für neue Bewohner sein können. Das Buch „Nachtlichter“, für das die Autorin den Wainwright Prize for Best Nature and Travel Writing sowie den PEN Ackerley Prize für autobiografisches Schreiben erhielt, ist ein Buch, das berührt und ergreift wie es sogleich einen – mich eingeschlossen – dazu animieren kann, sofort eine Reise zu buchen und die Koffer zu packen. Mich würde es nicht wundern, wenn dank dem Werk der Tourismus auf den Orkneys einen kleinen Boom erlebt. Und dann gibt es noch eine weitere Hoffnung: Dass das Buch für das Thema Alkoholismus sensibilisiert. Denn allzu sehr wird das Trinken verherrlicht, die Schattenseiten des übermäßigen Alkoholgenusses belächelt, stehen die Suchtkranken in der Öffentlichkeit im Abseits, sind ihre Erfahrungen ein Tabuthema. Dabei braucht die Heilung nicht nur den Willen des Kranken und eine medizinisch-fachliche Unterstützung und Betreuung, sondern auch ein geeignetes Umfeld und Rückhalt.

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