Leserstimmen zu
Zwischen zwei Leben

Guido Westerwelle, Dominik Wichmann

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Absolut lesenswert

Von: A. Hoffmann

15.03.2017

Ein wunderbares ,sehr ergreifendes Buch! Ich schließe mich einigen Vorrednern an: obwohl mir Westerwelle als Politiker oft unsympathisch war , so ist er als Mensch sehr offen und ich habe mich sehr verbunden mit ihm gefühlt. Hatte mir das Buch vor allem gekauft, weil meine Freundin auch an AML erkrankt ist und transplantiert wurde. Man erfährt viel über die Hintergründe der Krankheit und ist sehr hilfreich! Sehr traurig ist die Tatsache, dass Guido Westerwelle den Krebs nicht besiegen konnte ,obwohl er lange Zeit davon ausging .

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Guido Westerwelle beschreibt in seiner Biographie die Zeit "zwischen zwei Leben": sein Leben als FDP-Politiker und Bundesaußenminister und sein Leben nach der Leukämieerkrankung. Das Buch beginnt im Dezember 2013 als Westerwelle noch in seiner Funktion als Außenminister die Ukraine besucht, die von inneren Unruhen geprägt ist. Zuvor hatte Präsident Wiktor Janukowytsch das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnet. Es ist eine der letzten Dienstreisen von Westerwelle, der sein Amt aufgrund der herben Stimmenverluste der FDP bei der Bundestagswahl im September 2013 abgeben muss. Er ist nicht resigniert, sondern vielmehr enttäuscht darüber, was aus den Liberalen geworden ist. Die bevorstehende ruhigere Zeit möchte er zusammen mit seinem Mann Michael Mronz verbringen und diese mit einem Urlaub auf seiner geliebten Insel Mallorca einläuten. Anschließend möchte er sich der "Westerwelle Foundation", einer Stiftung für internationale Verständigung, widmen. Westerwelle genießt die unbeschwerte Zeit auf Mallorca ohne Verpflichtungen und Termine, feiert dort Weihnachten mit seinem Mann, nur das rechte Knie bereitet ihm Probleme. In Deutschland möchte er seinen kaputten Meniskus operieren lassen, erhält jedoch bei einer Blutuntersuchung die niederschmetternde Diagnose Leukämie. Westerwelle hat Glück, dass die Erkrankung so früh erkannt wurde, dennoch beginnt ein körperlicher und seelisch belastender Leidensweg, bis im September 2014 ein geeigneter Spender für die Stammzellentransplantation gefunden ist. Egal wie man zu Guido Westerwelle als Politiker bzw. Person des öffentlichen Lebens stehen mag, in "Zwischen zwei Leben" lernt man den Menschen Westerwelle kennen, der die Sympathien des Lesers leicht gewinnt und der mit Hilfe des Journalisten Dominik Wichmann seinen Schicksalsschlag der Krebserkrankung berührend und eindringlich erzählt. Er schildert einerseits den Verlauf der Erkrankung, die Möglichkeiten der Therapie und vor allem ganz offen, wie er sich fühlte und wie froh er war, die Unterstützung durch seinen Mann und seine Freunde zu erfahren und die Versorgung durch vertrauenerweckende Ärzte zu haben. Gleichzeitig gibt er in Rückblenden Einblicke in sein Leben als Politiker, die Hürden, die er als Homosexueller umschiffen musste, und in sein Verhältnis zu Angela Merkel, die er sehr schätzt. Mit dem Buch möchte Westerwelle Mut machen, sowie ihm nach Erhalt der Diagnose und der schweren Zeit der Erkrankung selbst von Fremden immer wieder Mut gemacht wurde. Er betont, wie wichtig es ist, zu kämpfen, zuversichtlich zu bleiben und niemals aufzugeben. Gleichzeitig erinnert er daran, wie kurz das Leben sein kann und dass man es mit allen Facetten genießen sollte, solange es geht. Umso trauriger ist es, dass Westerwelle nur ein Jahr nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus nach der erfolgten Stammzellentransplantation und kurz nach der Veröffentlichung seines so optimistischen Buches wieder stationär behandelt werden musste und am 18. März 2016 den schweren Folgen der Leukämie erlag.

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Erster Satz Dieses Buch schildert die Zeit zwischen meinen zwei Leben. Meine Meinung Egal wie man zu seinen politischen Überzeugungen steht, Guido Westerwelle war vor allen Dingen eins: unglaublich sympathisch. Auch wenn man seine Ansichten vielleicht nicht geteilt hat, so kenne ich persönlich niemanden, der ihn als Mensch nicht mochte oder zumindest mal schmunzeln musste, wenn Herr Westerwelle wieder mal etwas Unkonventionelles tat. Egal ob er mit der Kanzlerin in einem Käfer Cabrio unterwegs war (sie war bis dahin noch nie Cabrio gefahren) oder in seinem Guidomobil auf "Wahlfang" ging - immer trug er ein sehr ansteckendes Lächeln im Gesicht! Doch so fröhlich wie er schien, so verletzlich war er auch. Diesen Eindruck bekam ich zumindest beim Lesen dieses Buches. Ungeschönt und absolut ehrlich berichtet er von der Zeit "zwischen seinen zwei Leben". Sein politischer Rückzug, sein angestrebtes Leben danach und eine Miniskusverletzung, die sein ganzes Leben ändern sollte. Denn nur durch Zufall erfuhr er von seiner Krebserkrankung. Akute myeloische Leukämie. Eine bösartige Erkrankung des blutbildenen Systems. In Deutschland treten etwa 3.600 Neuerkrankungen pro Jahr auf, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen und das Durchschnittsalter liegt bei 63 Jahren. Als Guido Westerwelle seine Diagnose bekam, war er gerade mal 53. Dominik Wichmann beschreibt diese Tatsache wunderbar in seinem Nachwort: In vielem, was er tat und erreichte, war Westerwelle stets der Jüngste: Ob im Amt des FDP-Generalsekretärs, als Parteichef oder Außenminister. Als Guido Westerwelle am 18. März 2016 starb, da war er gerade einmal 54 Jahre alt. Er starb so jung wie kein deutscher Spitzenpolitiker vor ihm. (Seite 237) Natürlich wird in diesem Buch auch über Politik gesprochen - immerhin war das etwas, was ihm auch nach seinem Rückzug nicht egal war - aber der Kern handelt von einem ganz normalen Mann, der zwischen Hoffnung und Aufgabe schwankt. Immer wieder hat man als Leser das Gefühl, dass es hier um den Nachbarn von nebenan gehen könnte. Es gibt Situationen im Leben, in denen ein Promistatus ausgeschaltet ist und man einfach nur Mensch ist. Guido Westerwelle macht Mut. Er schenkt Hoffnung, aber scheut sich auch nicht davor ganz offen von Ängsten und Schmerz zu berichten. Wie es sich anfühlt, wenn der Knochenmarkspender in der letzten Sekunde abspringt und warum er und sein Mann schallend lachen müssen, als Schuhe geklaut wurden. Wie viel es bedeutet Genesungswünsche zu erhalten und warum zwei kleine Perlen manchmal ein Anker sind. Obwohl er eine Knochenmarktransplantation erhalten hatte, verlor er den Kampf, dem er so mutig und hoffnungsvoll gegenübergetreten war. Ein Mann, der vieles erreichte und bewegte, doch dabei vergaß zu leben. Fazit Die ungeschönte Wahrheit über eine Krankheit, die ein Leben mit dem Flügelschlag eines Schmetterlings auslöschen kann. Immer zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Schmerz und Fortschritt. Die Geschichte eines Mannes, der zu früh gehen musste. Dieses Buch hat mich auf vielen verschiedenen Ebenen berührt und wird noch lange in meinem Kopf nachhallen.

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Es gibt Rezensionen, die leben von schönen Zitaten. Diese gehört dazu … Ein Buch, das mich tief berührt hat … Guido Westerwelle lebte ein schnelles Leben, als habe seine Seele gewusst, dass er nicht viel Zeit hat. Der jüngste Politiker, der im Vergleich zu den vielen alten PolitikerInnen recht früh gestorben ist. Sein Buch ist mit so viel Weisheit geschrieben, dass es mich wirklich beeindruckt hat. Wer Guido Westerwelle als Mensch erleben möchte, der sollte dieses Buch lesen. Er war mir als Politiker recht unsympathisch. Auch sein großes Mundwerk hatte mich genervt. Aber hier lerne ich ihn als Mensch kennen. "Ein Herz hat nur, wer es für andere hat.“ Wer hätte jemals gedacht, dass der Politiker Guido Westerwelle ein Herz für andere hat. Zumindest hatte er es nicht für die Menschen, die sein Verständnis und seinen Schutz gebraucht hätten. Ihm war es wichtig, dieses Buch zu schreiben, um anderen krebskranken Menschen Mut zu machen. Auch wenn bei ihm die Leukämie-Erkrankung tödlich verlaufen ist. Dominik Wichmann schreibt dazu im Nachwort: „War deshalb alles umsonst? Hat er den Kampf gegen die Krankheit verloren? Nein. Denn die Auseinandersetzung mit dem Krebs ist keine Frage von Sieg oder Niederlage. Der Überlebende ist kein Sieger und der Sterbende kein Verlierer. Die Angelegenheit ist viel komplexer, komplexer auch als die Sentenz, wonach derjenige, der kämpft, verlieren kann; aber der, der nicht kämpft, schon verloren hat. Treffender ist da ein Zitat des Dichters und Politikers Václav Havel: >>Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.<< (2016, 242f) In der Auseinandersetzung mit der tödlichen Erkrankung stellte sich auch Westerwelle die Warum-Ich-Frage (…) „… so lange, bis mir die ersten leukämiekranken Kinder begegneten. Nachdem ich in deren so unschuldige und traurige Gesichter geblickt habe, stellte ich mir diese Frage nie, nie wieder." (158) In dem Buch findet man weitere schöne Zitate von anderen AutorInnen. Die Auseinandersetzung mit dem Krebs ist ein langer Prozess. Westerwelle fand viele AutorInnen, die ihm vorgelebt haben, diesen Prozess anzugehen, sich mental nicht in der Erkrankung zu verlieren. Hierbei möchte ich so gerne ein Zitat von Nietzche aufgreifen, das Westerwelle in seinem Buch festgehalten hat: „Man müsse die Phantasie des Kranken beruhigen, dass er wenigstens nicht, wie bisher, mehr von seinen Gedanken über die Krankheit zu leiden hat, als von der Krankheit selbst." (159) Guido Westerwelle selbst gebraucht folgendes personifiziertes Bild in der Auseinandersetzung mit seiner Erkrankung, das absolut passend ist. „Die Krankheit ist ein Egoist, sie zieht alles an sich, saugt alle Aufmerksamkeit auf und gibt sie nicht wieder her.“ (210). Sein Ehepartner Michael Mronz litt ein wenig darunter, dass Westerwelle keine Zeit mehr für sein Leben zeigen konnte. In dem Buch spricht Westerwelle nicht nur über seine Erkrankung. Er spricht auch über sein ehemaliges politisches Leben als FDP-Vorsitzender und als Außenminister, geht erneut auf die von 2010 Hartz-IV-geführte Debatte ein, bezogen auf die „spätrömische Dekadenz“, die für viel Wirbel in den Medien und in der Gesellschaft gesorgt hat. In der Mitte des Buches sind ein paar Fotos abgebildet; aus seiner Kindheit und Jugend und Westerwelle als Politiker in der FDP. Westerwelle ist schon sehr früh, Anfang zwanzig, den „Jungen Liberalen“ beigetreten. Auch hat er über sein Leben als Homosexueller geschrieben, und dass er die Liebe in seinem Ehemann Michael Mronz gefunden habe. Mein Fazit zu dem Buch? Der Buchtitel "Zwischen zwei Leben" kommt sehr gut rüber. Darin beschreibt er sein Leben vor der Erkrankung und das Leben mit der Erkrankung. Ein Auf und Ab, zwischen beiden Leben jonglierend. Westerwelle ist in seinem Buch immer sachlich geblieben, trotz seiner schweren Lebenslage. Er hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, hat gekämpft, auch dann noch, als sich sein erster Spender einen Tag vor der Operation zurückgezogen hat. Insgesamt finde ich, hat Westerwelle mit seinem Buch viel Größe gezeigt. Das Buch ist sehr mutig, recht offen und sehr persönlich geschrieben, was mir gut gefallen hat. Und es sind längst nicht alle schönen Zitate, die ich herausgeschrieben habe. Es gibt für die LeserIn, die, so wie ich, schöne Gedanken liebt, thematisch noch viele mehr im Buch zu entdecken.

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Von: Annette Barth-Zoch aus Giessen

08.05.2016

Ein einfühlsames sehr zu empfehlendes Buch über einen tollen Menschen.

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