Leserstimmen zu
Das geheime Leben des Monsieur Pick

David Foenkinos

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Hardcover
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Hausaufgaben statt Ferienlektüre, so könnte ich mein Leseerlebnis in David Foenkinos Roman „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ zusammenfassen. Denn was als fluffige Lektüre für den Flug nach Kalifornien geplant war, entpuppte sich für mich als nach Seite 175 nicht weiter lesbar. Zum Glück hatte ich das Buch im letzten Moment wieder aus dem Rucksack genommen. Dafür liegt es nun seit Mai angelesen auf meinem Nachttisch. An der Geschichte ist nichts, wirklich nichts auszusetzen. Außer, dass sie vielleicht etwas übertrieben und vorhersehbar ist, aber im Grunde mag ich das aus alten Kindertagen, wo – zumindest in den für Kinder geschriebenen Geschichten – meist klar war, dass alles gut ausgeht. Ich mag es durchaus bei entspannter Freizeitlektüre, dass Dinge vorhersehbar sind, vielleicht auch ein Grund, weshalb ich einige Bücher immer wieder gern aufs Neue lese. Auch das Übergroße mag ich gelegentlich, ich würde eben auch mal gerne Lektorin in Paris sein, mit einem Elternhaus in der Bretagne und einer goldenen Nase, was neue Bücher angeht. Aber dann – ? Mir machte die Geschichte Spass. Klischees, Kitsch, Happy End schon auf den ersten Seiten, gemütlich, gemütlich, noch einen Kaffee, noch einen Keks. Eine tolle Idee, die von der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte. Natürlich – wie oft bei durchgeknallten tollen Ideen, eine aus Amerika (nee, in Wahrheit war es das Ideenwunderland Kalifornien). Richard Brautigan, der sie einst erfand, gibt es wirklich, die von Foenkinos daraus aufgenommene These von der „Schönheit des Scheiterns“, doch, ja, das fand ich durchaus akzeptabel. Auch die ersten Figuren, die auf den nächsten Romanseiten erschienen, waren akzeptabel: Magali, eine Mutter von zwei Kindern, die in dem französischen Ableger der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte anheuert, weil sie dringend einen Job braucht und Jean-Pierre Gourvec, ein stolzer, verschlossener Mann, der diese Bibliothek in Finistère, also an einem der zahlreichen Enden der Welt aufgebaut, hat. Im zweiten Teil, d.h. ab Seite 25, tauchen die wahren Helden des Romans auf, Delphine Despero, besagte Lektorin mit goldener Nase, und Frédéric Kosakas, ein mittelloser, unbekannter Schriftsteller, natürlich jung und schön, dessen Erstlingswerk von Delphine angenommen wird und dessen hübschen Körper samt Innenleben sie ebenso mühelos erst in ihr Bett und dann in ihr Leben lotst. Happy End auf Seite 32. Nein, nicht ganz, das Buch des hübschen Schriftstellers wird ein Flop. Delphine und Frédéric fahren in die Bretagne, um bei den Eltern Despero ihren Urlaub zu verbringen. Hier fängt die Geschichte noch einmal an, denn Finstère ist nicht weit, und es dauert nicht lange, bis sie dort ein ungelesenes Manuskript finden, das alle Erwartungen an einen Bestseller sprengt. Tatsächlich wird das Buch ein Hit. Delphine arbeitet Tag und Nacht an ihrem Erfolg, Frédéric wird immer blasser, er quält sich mit einem zweiten Roman, ohne wirklich weiter zu kommen. Es sieht ganz danach aus, dass die wundervolle, geradezu perfekte Romanze von den beiden ungewollt an die Wand gefahren wird. Allmählich verlagert sich das Interesse auf den unbekannten und auch schon verstorbenen Autor des brandneuen Bestsellers, den Herrn aus dem Buchtitel: Monsieur Pick. Und ab jetzt ist die Geschichte eine Art Krimi, die einmal nicht dem Mörder, sondern einem vollkommen unscheinbaren Pizzabäcker auf die Spur seiner – offenbar heimlichen – Schreiberei zu kommen sucht. Nun? Klickerts im Kopf? Auf Seite 175 habe ich das Rätsel gelöst, und jede Motivation, auch nur einen Satz weiterzulesen, erlosch. Warum? Ich glaube Foenkinos kein Wort. Nicht, weil die Geschichte konstruiert ist. Sondern weil er diese Geschichte wie eine abzuarbeitende To-Do-Liste herunter formuliert. Natürlich: reizende Details, kluge Beobachtungen, Schönes übers Scheitern. Aber – das ist leider richtig schlecht geschrieben. Zugegeben, ich habe das Buch in deutscher Übersetzung gelesen. Doch glaube ich kaum, dass hier ein Missgeschick passiert ist. Jede einzelne Passage ist im leichten Duktus runtergeschrieben, was an sich ja kein Manko sein muss. Aber wenigstens eine Überarbeitung erwarte ich dann doch, denn ein Buch, das im Belletristik-Segment erscheint, dazu in der Deutschen Verlags-Anstalt, hat einen höheren Anspruch als ein flott geschriebenes Drehbuch für einen hübschen Samstag-Nachmittag-Film. Dazu stören mich die von Foekinos verwendeten Fußnoten gewaltig: Was bloß will er uns damit sagen? Ein Verweis darauf, dass auch labbrig geschriebene Romantexte mit ebenso labbrig geschriebenen Fußnoten gleich seriöser aussehen? Dass jede/r Fußnoten verwenden kann, nicht nur Wissenschaftler/innen? Nein! Das haut beides nicht hin. Denn Foenkinos steckt in die Fußnoten Informationen, die er nicht im Text unterbringen kann. Und das ist genauso schlimm wie die Verwendung von Klammern, wenn Autor/innen zu bequem sind, eine flüssige Satzfolge für komplexe Zusammenhänge zu finden. „Von diesem gedanklichen Streifzug (Fußnote Nr. 5) kehrte Frédéric in die Gegenwart zurück: „Hast du es denn nicht satt, so viele Manuskripte zu lesen?“, fragte Fabienne ihre Tochter. „Nein, ich mach das total gern. Aber stimmt, in letzter Zeit bin ich des Ganzen doch etwas müde geworden. Ich hab auch nichts sonderlich aufregendes gelesen.“ (S. 45) Diesen Absatz habe ich eben aufgeschlagen und ohne weiter zu suchen, als Beispiel für die unterirdische Sprache abgeschrieben. Ich kenne die Debatten um schlechte wörtliche Rede, die eben das Authentische, das Deprimierende der tristen Gegenwart in die Literatur holen soll. Aber wir haben es hier keineswegs mit trister Gegenwart zu tun: wir sitzen im sonnigen Sommerfrankreich am Tisch gut situierter und durchaus denkfähiger Menschen, tja, und dann das. Die Fußnote Nr. 5 will ich auch niemandem vorenthalten, sie lautet: „Wie lange hatte er sich aus dem Gespräch ausgeklinkt? Wer vermochte das zu sagen? Der Mensch verfügt über die einzigartige Fähigkeit, immerzu mit dem Kopf zu nicken, so zu tun, als würde er der Unterhaltung folgen, und dabei doch an etwas vollkommen anderes zu denken. Daher braucht man nie zu glauben, im Blick des anderen lesen zu können.“ (ebd.) Mal davon abgesehen, dass Kopfnicken nicht im Blick des anderen stattfindet – braucht es diese Fußnote für irgendetwas? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich mach das total ungern, solche unpräzise formulierten Sätze weiterzulesen. Ich mag durchaus plüschige Romane, Unterhaltung, Spannung, Nettigkeiten. Nicht jedes Buch, das ich in die Hand nehme, muss literarischen Ansprüchen genügen. Im Gegenteil. Deshalb lese ich auch so gerne Kochbücher. Nein. Im Ernst: Wer unsauber schreibt, egal in welchem Genre, fliegt aus meinen Regalen raus. Ein Mensch mit einem begrenzten Wortschatz kann mit präzisen Beobachtungen und ebenso genauer Formulierung bessere Ergebnisse erzielen, als ein schnellschreibender Profi. Von letzteren gibt es leider schon viel zu viele. Deshalb stecke ich meine Nase jetzt so schnell wie möglich in eine neues Buch, in der Hoffnung, auch mal einen Schatz zu heben. Ich danke Random-House für das Rezensionsexemplar.

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Im beschaulichen kleinen Dorf im bretonischen Finistère hat der längst verstorbene Bibliothekar in der Gemeindebibliothek, eine Bibliothek für abgewiesene Manuskripte eingerichtet. Es war nicht seine Idee. Richard Brautigan hat in seinem Buch „Die Abtreibung“ eine solche Bibliothek geschaffen. In den 90er Jahren wurde diese Idee in den USA umgesetzt. Jean-Pierre Gourvec gefiel die Idee, Geschichten, die eigentlich in den Abfall gehörten, eine letzte Ruhestätte zu gewähren. Vielleicht erbarmt sich jemand und liest sie doch noch. Dies geschieht dann mit dem Roman von Henri Pick. Delphine, die Pariser Lektorin, ist in diesem Dorf aufgewachsen und hat in der Bibliothek Picks Roman entdeckt. Die Witwe des angeblichen Autors beteuert immer wieder, ihr Mann habe niemals etwas gelesen und schon gar nie geschrieben. Plötzlich steht die Welt in der Bretagne auf dem Kopf.  Das Buch soll mit einem Augenzwinkern auf die ganze Maschinerie, die mit der Veröffentlichung eines Buchs in Gang gesetzt wird, aufmerksam machen. Die richtige Werbestrategie und der ganze Medientross, der eine Rolle spielt wie erfolgreich ein Buch wird.    Der Schreibstil von David Foenkinos würde ich als typisch französisch bezeichnen - leicht, locker und lässt immer wieder kleine ironische Spitzen einfliessen. Der Franzose stichelt eben gerne. Gleichermassen lieben die Franzosen die verschiedenen Spielarten der Liebe. Das kommt hier auch nicht zu kurz. Sehr geliebt habe ich die Nennung von   Nebensächlichkeiten wie Chansons, Filme, Bücher und andere Geschehnisse aus der französischen Gegenwart.  Wenn man mein Fazit liest, könnte man auf einen oberflächlichen Roman schliessen. Aber dem ist überhaupt nicht so. Denn David Foenkinos ist ein Meister der Sprachbilder. In einem Satz kann er Szenen und Figuren bildhaft und punktgenau umschreiben.

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Dieses Buch wollte ich unbedingt lesen, weil der Klappentext eine ganz besondere Geschichte verspricht. Ich mochte den Gedanken, dass es eine Bibliothek mit abgelehnten Manuskripten gibt. Wo jeder Autor sein Werk hinbringen kann und es dann vielleicht doch noch gelesen werden kann und nicht nur in der Schublade versauert. Der Einstieg ins Buch fällt eigentlich ganz leicht. Ich mochte die Stimmung und den Flair in dem Buch und hatte sofort das Gefühl selber in der Bretagne zu sein. Die Geschichte rund um Henri Pick ist in der Tat aussergewöhnlich und birgt auch viele Rätsel in sich. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was wohl dahinter steckt, dass seine Frau nichts über das Manuskript wusste und das Henri nie Bücher gelesen hätte. Weiterhin fand ich es durchaus interessant auch mal einen kleinen Einblick ins Verlagswesen zu bekommen. Delphine als Lektorin gefiel mir ganz gut. Ihr Freund Frédèric allerdings weniger. Er erschien mir launisch und zu sehr von sich selbst eingenommen. Seine Eifersüchtelein, wenn Delphine ein anderes Buch als seines verlegen lässt, fand ich sehr kindisch und unangemessen. Allerdings passt es super zu seinem Charakter. Leider bin ich der Meinung, dass alle Charaktere viel zu oberflächlich und flach dargestellt wurden. In meinen Augen fehlt ihnen einiges an Tiefgang und Emotionen. Ich konnte überhaupt keine Bindung zu den ganzen Personen aufbauen und so liessen mich ihre Lebensgeschichten auch teilweise ziemlich kalt. faz Alles in allem ist „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ ein schönes, ruhiges Buch, welches sich prima lesen lässt. Für zwischendurch oder wenn man einfach mal was zum entspannen braucht, ist es daher bestimmt genau das Richtige. Allerdings sollte man nicht zu viel Tiefgang erwarten. 4 von 5 Punkten!

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Gefunden! Mit Freude habe ich David Foenkinos Monsieur Pick zu mir genommen, weil ich da doch dieses Faible für Bücher habe, die in der Bücherwelt spielen. Diesmal geht die Geschichte nicht in einem Buchgeschäft, sondern an zwei Orten, nämlich einer Bibliothek und einem Verlag los. Perfekte Aussichten also, näheres über das Verlagswesen zu erlesen und ein Bisschen in Erinnerungen zu schwelgen – hatte ich schon mal erwähnt, dass ich als junger Erwachsener ehrenamtlich in einer Gemeindebücherei mitgeholfen habe? So. David Foenkino siedelt seine Geschichte im Finistère an, einer Gegend, die ich sehr gerne mag, weil sie sehr urwüchsig auf mich wirkt und ich dort schöne Urlaubszeiten verbracht habe. Na gut, und dann las ich das Buch: Im Finistère , einem Landstrich in der Bretagne, also am „Ende der Welt“, hatte Jean – Pierre Gourvec in der Gemeinde – Bibliothek eine besondere „Abteilung“, ein Regal eingerichtet, in dem er begann nie veröffentlichte Bücher (also solche, die kein Verlag veröffentlichen wollte) zu sammeln. Diese Sammlung war nicht der Rede wert und eigentlich schon fast vergessen, als die junge aufstrebende Pariser Lektorin Nicole aus eben diesem Regal ein vermeintliches Meisterwerk zaubert, und tatsächlich einen Bestseller herausbringt. Henri Pick, für alle, die ihn kannten, ganz überraschend zum Starautoren avanciert, war der Pizzabäcker des Ortes und schon seit einiger Zeit verstorben. Seine Witwe ist sicher, dass Henri Pick nie gelesen hat. Allerdings sagt sie auch, dass er vormittags oft alleine in seiner Pizzeria war. Dass er allerdings etwas anderes als die Einkaufslisten für die Pizzeria geschrieben haben solle, findet sie schon merkwürdig. Die Geschichte des zufälligen Bestsellers beschäftigt die Menschen in der Bücherwelt: Verlage suchen unter abgelehnten Schriftstellern nach weiteren unerkannten Genies und Journalisten suchen die Story hinter dem Geheimnis des Autoren. Die Aufregung um den neuen Bestseller bringt auch Bewegung in die Beziehungen der Menschen, die von der Geschichte um das Buch des Monsieur Pick betroffen sind: Die Familienangehörigen des Monsieur Pick, die Angehörigen von Nicole und ebenso die aktuelle Bibliothekarin der kleinen Bibliothek. Foenkinos hat ein sehr interessantes Buch geschrieben, dem an manchen Stellen das Feuer fehlte. Einige Protagonisten arbeiten an diesem Buch nur halbherzig mit, Beziehungsbesonderheiten hätten tiefer gehend beschrieben werden können. Und wo bleibt plötzlich .. naja, nicht vorgreifen 😉 Der Roman, obwohl auf einem witzigen Plot beruhend, gewinnt für mich nicht genug Kontur. Die Pointe wird nicht ausgekostet, manche Figuren werden angerissen und sind plötzlich verschwunden. Insgesamt war mir das geheime Leben des Monsieur Pick gut für einen verregneten Sonntag.

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Ich muss ganz ehrlich mit euch sein, es gab eigentlich gar keinen wirklichen Grund. Für mich ging es im Juli für zwei Wochen in die Toskana, wie ihr wisst, und ich war einfach nur auf der Suche nach einer Urlaubslektüre. Das Cover und der Titel sahen nach Sommer aus. Den Inhalt und Rezensionen zu diesem Roman kannte ich damals noch gar nicht. Dank des Verlages durfte ich dann aber auch diesen Roman mein eigenen nennen und mich in der Sonne Italiens mit dem Inhalt beschäftigen. Mein Eindruck Total entspannt saß ich mit diesem Roman in der Sonne, und konnte ich mich komplett auf die Geschichte einlassen. Das war nun aber auch kein Hexenwerk, denn Foenkinos Schreibstil lässt einem nichts anderes übrig. Durch ungekünstelten Witz und Charme fühlt man sich direkt lebhaft in die Bretagne versetzt. Man darf schmunzeln, die kleinen Andeutungen versuchen zu verstehen, und sich einfach nur über einen gelungen Roman freuen. Am Schreibstil gibt es also überhaupt gar nichts auszusetzen. Besonders beeindruckend empfinde ich bei diesem Roman die Charakteristika der Romanfiguren. Jede Figur hat ganz besondere aber authentische Züge. Von Liebe, die nicht einfach ist, bis hin zu unsagbar von Erfolglosigkeit verfolgten Schriftstellern. Selbst die Nebenfiguren in diesem Roman überzeugen durch Authentizität und Tiefgang. Auch hier wieder mal eine beeindruckende Arbeit von Foenkinos. Neben des Stils und den Figuren ist aber die Handlung und das Setting das ausschlaggebende Merkmal des Romans. Foenkinos bringt uns Lesern die Literaturbetrieb näher. Durch den geheimnisvollen Monsieur Pick erfahren wir von den Schwierigkeiten gute Manuskripte zu erkennen, aber auch von geheimen Leben der Schriftsteller und Literaturliebhaber. Foenkinos erzählt uns mit Witz aber einer harten Ehrlichkeit von der Überheblichkeit der Verlage heutzutage und ihrem Fokus auf den Umsatz. Er zeigt durch diese Punkte auf, dass Literatur mehr als nur Verkaufszahlen ist, besonders für Schriftsteller und auch die Leser. Die Marketingmaßnahmen von Verlagen werden in diesem Roman auch aufgegriffen und indirekt kritisiert. Je besser die Beeinflussung des Publikums, desto leichter steigen die Verkaufszahlen. Er stellt die Szene so dar, als wäre es alles mehr Schein als Sein. In diesem Roman stimmen alle einzelnen Punkte, wie Stil, Witz, Charakter und vieles mehr, und es wird zu einem runden Ganzen. Absolute Leseempfehlung! Warum sollte man dieses Buch lesen? Wir werden in diesem Roman nicht viel lernen oder ähnliches. Jedoch sollten wir diesen Roman lesen, um zu verstehen, warum Lesen und die Zeit mit einem guten Buch so toll und wertvoll sein können! Sterne: 5/5

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Augenzwickern

Von: Rita Fischer aus Hamburg

24.08.2017

Foenkinos, David: Das geheime Leben des Monsieur Pick, DVA 2016, 329 Seiten  Während Zafón in Barcelona den düsteren "Friedhof der vergessenen Bücher" hütet, lädt Foenkinos ein ins Finistère, dem Ende der Welt, in die "Bibliothek der nichtveröffentlichten Manuskripte". Crozon, eine bretonische Kleinstadt, ist Brennpunkt dieses abenteuerlichen (Schelmen-)Romans, dessen Held, der Pizzabäcker Henri Pick, posthum Meriten als Bestsellerautor erntet. Delphine, eine ehrgeizige junge Lektorin, und Frédéric, ein erfolgloser Autor, verbindet nicht nur die Liebe zueinander, sondern auch ihre bibliophile Leidenschaft. Zufällig erfahren sie von der " Bibliothek der unveröffentlichten Manuskripte" und scheinen sich mit Begeisterung durch die verstaubten Exemplare zu lesen, bis sie auf "Die letzten Stunden einer großen Liebe" stoßen. Zielstrebig recherchieren sie, wer sich hinter dem Autor Henri Pick verbirgt. Dessen Witwe und Tochter sind überrascht von dem literarischen Werk des verstorbenen Pizzabäckers und beginnen, Ehemann und Vater mit anderen Augen zu sehen. Der Roman wird veröffentlicht und ab sofort stehen das öffentliche wie literarische Leben kopf. Der Hype um den Autor beginnt Blüten zu treiben, Nachforschungen bringen neue Erkenntnisse zutage, Skepsis erwacht. Der sensationelle Coup, ein abgelehntes Manuskript die Büchercharts erobern zu lassen, ist Drehkreuz des Romans. David Foenkinos ist bekannter Bestsellerautor in Frankreich. Er weiß, wovon er spricht. Oder: Honi soit qui mal y pense, ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Das muss man wagen können, den Ikea- Katalog gleichzusetzen mit Literatur! Tenor: Das Was ist nicht entscheidend, eher das Wie. Foenkinos streift ein bisschen Houellebecq, Marcel Proust u Trierweiler am Rande, sucht nach dem Wahren im Fiktiven und macht den Leser glauben, auch er sei mittendrin im Literaturkarusell der Eitelkeiten. Marketingstrategien versus Genius. Fragen werden beim Leser aufgeworfen: Darf man Ferrante ausfindig machen, ihr Pseudonym knacken? Darf ein Buch posthum veröffentlicht werden? Der Autor kann sich nicht mehr äußern. Neben diesen aktuellen Zeitbezügen, der "Wahrheit", spielt Foenkinos mit den (fiktiven) Charakteren, die man schon bald gut zu kennen glaubt. Die Dessous-Boutiquebesitzerin Joséphine rührt den Leser, hat doch der Eine und der Andere schon einmal Verrat und Liebe erfahren. Magalis Suche nach dem rechten Outfit für ihr Fernsehinterview könnte Teil einer Comedy-Show sein und als der gescheiterte Literaturkritiker Rouche nächtens besoffen mit der Dessousverkäuferin Mathilde folgenschwere Kopien anfertigt, steigt die Spannung wie in einem Krimi. Foenkinos baut sein Buch dramaturgisch steigernd auf: Der Romanfund steht im Mittelpunkt und dessen Wirkung mäandert durch Crozon und die Beteiligten. In der Mitte dieses Romans ist ein - verzeihbarer- Bruch. Delphine und Frédéric treten in den Hintergrund und der allwissende Erzähler greift voller Enthusiasmus zum Mittel der Überzeichnung, wobei die Existenz vom "Tag des unveröffentlichten Autors", angeblich nach einer Idee des umtriebigen ehemaligen französischen Kulturministers Lang, überprüft werden sollte... Der Schluss erfährt im Epilog noch einen interessanten Nachschlag, der hier natürlich nicht preisgegeben wird. David Foenkinos ist ein brillanter Erzähler, seine Fantasie scheint grenzenlos. Er ist mitnichten der zitierte Romancier, der Selbstmord begehen würde, sollte sein Manuskript nicht angenommen werden. Die junge Malerin, die in Auschwitz ermordet wurde und deren Leben ( zwei Zeilen Eigenwerbung) von Polanski ( wäre Wunsch des Autors) "gerade" verfilmt wird ( auch Wunschtraum), ist "seine" Charlotte, der Foenkinos den gleichnamigen Roman gewidmet hat. Sie hat gelebt, ihr Leben ist aber nicht verfilmt worden. Wahrheit und Fiktion. Ein Roman eben. Meine Note: Eins Rita Fischer im August 2017

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In dem kleinen bretonischen Ort Crozon hatte Anfang der 90er Jahre der damalige Bibliothekar Jean-Pierre Gourvec, ganz nach dem amerikanischen Vorbild der Brautigan Library, in der Gemeindebücherei eine Abteilung geschaffen, die sich die Bücherei der abgelehnten Manuskripte nennt. Dort findet eine Junglektorin ein Manuskript in dem die letzten Stunden einer großen Liebe abwechselnd mit Puschkins Ringen mit dem Tode erzählt wird. Offensichtlich hat sie einen Schatz gefunden, der veröffentlicht werden muss.... In kurzen, dahinfliegenden Kapiteln erzählt David Foenkinos darüber, was dieses Manuskript bei der Familie des unbekannten, inzwischen verstorbenen Autors, einem ehemaligen Pizzabäcker, und anderen, vor allem auch den Bewohnern Crozons, ins Rollen bringt. Ebenso schildert er die Tätigkeiten im Verlagswesen, auch rund um die Vermarktung des Buches, was sich äußerst amüsant liest. Es geht u.a. darum, wie Legenden entstehen und dass Äußerlichkeiten in der heutigen Zeit das Eigentliche vollkommen in den Hintergrund drängen können. Aber auch die Liebe, der Geist der Vergangenheit und Verschwörungstheoretiker kommen in dieser Geschichte nicht zu kurz. Es lässt sich aber noch viel mehr in dieser witzigen, manchmal etwas grotesken Geschichte finden, denn es verhält sich ja genauso, wie der Autor im Laufe der Geschichte vermerkt: Jeder Leser ist auf der Suche nach dem, was ihn persönlich anspricht. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ war der erste Roman, den ich von David Foenkinos gelesen habe und sicherlich nicht der letzte. Mich hat diese charmante, amüsante und temporeiche Geschichte bestens unterhalten, manchmal auf eine falsche Fährte geführt und mich mit einem ganz unerwarteten Ende bis zum Schluss überrascht und erhält selbstverständlich meine absolute Leseempfehlung.

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Viele Verlage überlassen es ihren Volontären oder Praktikanten, sich der unangefordert eingesandten Manuskripte anzunehmen. Unfassbare Mengen an Texten flattern tagtäglich mit der Post herein und warten darauf, beachtet zu werden. Sie liegen da in ihrer Ecke, aufeinandergestapelt und scheinen stille, stumme Schreie auszusenden: Lies! Mich! Wie viel Liebe, Herzblut und Fleiß stecken in jedem einzelnen dieser Werke? Wie viel Mut gehört dazu, sein Innerstes nach außen zu kehren und das Ergebnis den gestrengen Blicken eines Verlagsmitarbeiters auszusetzen? Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr bricht es einem das Herz, denn – und das ist ja nun längst kein Geheimnis mehr – die Verlage behandeln diese Quelle der Literatur mehr als stiefmütterlich. Kaum ein Titel aus dem unangefordert eingesandten Manuskript-Stapel schafft es je auf den Schreibtisch eines Lektors – und wenn doch, dann nur, um einen von einem Seufzer begleiteten Post-it aufs Deckblatt geklebt zu bekommen, auf dem dann doch wieder nur steht: „Absagen!“. Welcher Verlag hat schon das Geld und die Lust, sich für einen kompletten Neuling in der Literaturszene stark zu machen. Um wie vieles einfacher ist es, einen Bestseller aus dem Ausland einzukaufen, ihn übersetzen zu lassen und dann mit den Worten bewerben zu können „Die Nummer 1 aus …“. Wer jemals selbst die Aufgabe hatte, sich durch den Wust an hoffnungsfrohen Anschreiben inklusive Exposé oder gleich ganzem Oeuvre durchackern zu müssen, der weiß: So manche Perle schlummert dort, doch die Chance, dass sie veröffentlicht wird, geht gegen Null. Umso wunderbarer, was sich da im tiefsten Finistère in Frankreich tut: Der Bibliothekar Jean-Pierre Gourvec gründet in einer kleinen Gemeinde namens Crozon eine Bibliothek der abgelehnten Manuskripte, nach dem Vorbild von Richard Brautigan. Nach Gourvecs Tod übernimmt seine einzige Angestellte, Magali Croze, die Aufgabe, sich darum zu kümmern. Doch der Alltag hat die fleißige Frau fest im Griff, und nach und nach gerät die merkwürdige Bibliothek in Vergessenheit. Bis die junge, aufstrebende Lektorin Delphine Despero mit ihrem Freund, einem eher erfolglosen Buchautor (dessen Erstling den vielversprechenden Namen „Die Badewanne“ trägt …), für die Sommerferien in den Ort kommt, um die Eltern zu besuchen. In einem Gespräch erfährt sie von all den abgelehnten Manuskripten, die in der Dorfbibliothek schlummern. Einen Nachmittag lang durchstöbert das Pärchen die skurrilen Texte, und dabei macht Delphine Despero die Entdeckung ihres Lebens! Es gelingt ihr, ihren Arbeitgeber von der literarischen Qualität des Manuskripts zu überzeugen, das Buch wird veröffentlicht und ein riesiger Erfolg. Der Autor des Werkes ist der längst verstorbene Pizzabäcker des Örtchens, Henri Pick, – und das wirft Fragen auf. Nicht mal seine Frau kann sich so richtig vorstellen, wann und wie ihr Göttergatte dieses Wunderwerk vollbracht haben soll. Doch man glaubt ja gern, was einem gefällt, und so fügt sie sich in ihr Schicksal als „Autorenwitwe“. Doch nicht nur für sie ändert sich durch dieses Buch einiges – das Leben vieler Personen wird komplett umgekrempelt. Schnell stellt der Leser des Romans „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ von David Foenkinos fest, dass es nicht so wichtig ist, wie überzeugend die literarische Qualität des in der Bibliothek der unveröffentlichten Manuskripte gefundenen Romans „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ tatsächlich ist. Wichtig ist vielmehr, was diese Veröffentlichung bewirkt. Es scheint, als würde allein die Tatsache, dass ein braver Restaurantbesitzer ein solches Werk erschaffen konnte, und dass dieses Manuskript bis zu seiner märchenhaften Entdeckung im dunklen Keller der Dorfbücherei seinen Dornröschenschlaf schlummerte, ungeahnte Energien bei anderen Menschen freisetzen: ‚Wenn der das geschafft hat, schaffe ich auch Sachen, die mir keiner zutraut.‘ Bei den unterschiedlichsten Menschen bringt das Buch Dinge ins Rollen. "Dieses Buch konnte Leben verändern." Sei es die Tochter des Monsieur Pick, Joséphine, die durch die Entdeckung der literarischen Ader ihres Vaters plötzlich ein wenig seines posthumen Ruhmes abbekommt. Sie, die von ihrem Mann wegen einer anderen verlassen wurde, nachdem sie ihm die zwei Söhne großgezogen hatte. Sie, die sich seither, zugegebenermaßen, völlig hatte gehen lassen, die vom Leben nichts mehr erwartete. Plötzlich interessiert sich das Fernsehen für sie, sie wird interviewt und in Zeitungsartikeln erwähnt – und selbst ihr Dessousladen in Crozon läuft endlich wieder besser. Und dann will sogar ihr Ex wieder zurück zu ihr. Das alles ist wie ein verspätetes Geschenk ihres Vaters! Oder sei es Magali, die Bibliotheksleiterin, die über die Jahre immer dicker und ihr Mann, zeitgleich, immer dünner wird. Dazu ein schönes Beispiel für Foenkinos großes Talent, kleine Sachverhalte äußerst literarisch zu beschreiben: "[…] in dem Maße, wie sie immer dicker geworden war, war er immer dünner geworden, als hätte man ihnen ein gemeinsames Paargewicht verordnet, das sie nun untereinander aufteilen mussten […]" Die ältliche, biedere Magali hat die Sternstunde ihres Lebens, als ein junger Mann mit fettigem blonden Haar die Dorfbücherei betritt, um sein eigenes (erfolgloses) Manuskript dort abzugeben. Es knistert sofort zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Personen und – zack! – hat Magali die erste und einzige heiße Affäre ihre Lebens, die sie zum Glück aber nicht von ihrem Mann entfernt, sondern ihm wieder näherbringt. Eine alte Dame darf durch das Buch neue Hoffnung schöpfen, dass ihre einzige große Liebe tatsächlich auf Gegenseitigkeit beruht hat, auch wenn sie das leider erst versteht, als ihr Angebeteter bereits einige Jahre tot ist. Sie fühlt sich dennoch beflügelt und fast ein wenig glücklich. Viele Fäden, die zu Beginn des Romans lose gesponnen wurden, werden im weiteren Verlauf des Buches miteinander verknüpft, unerwartete Wendungen bringen den Lesefluss immer wieder in Bewegung, so dass nie Langeweile aufkommt. In feuilletonistischem Stil erzählt Foenkinos ein locker-leichtes Sommergeschichtchen mit anrührenden Momenten und pointierten Dialogen. Nichts für die Ewigkeit, keine nachhaltige Lektüre, aber eine, die einen beschwingt macht und ein wohliges Gefühl in der Herzgegend aufkommen lässt. Und noch etwas schafft Foenkinos scheinbar mühelos in seinen Romanen: Er erwähnt immer mal wieder am Rande reale Personen, gibt in ein paar Fußnoten kurze Informationen über sie, weckt so die Neugier und lässt einen bereichert zurück. Das macht er in seinem grandiosen Roman Charlotte ganz wunderbar (Damals war es Aby Warburg, auf den ich neugierig wurde.) und hier gelingt es ihm wieder (Wer genau war Vivian Maier? Ich möchte gerne mehr über sie wissen …). Eine großartige Sache, wenn ein Buch so nebenbei einen „Mehrwert“ entwickelt und eine Art Schneeballeffekt lostritt! Genau die richtige Lektüre für die anstehenden (oder, je nach Bundesland, bereits begonnenen) Sommerferien, in denen man zwischen Sandburgen bauen, Radeln und Spazierengehen auch noch ein nettes Buch unterbringen will.

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