Leserstimmen zu
Ausgerechnet Deutschland

Wladimir Kaminer

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Dieses war mein erstes Buch von diesem Autor. Mich hat der Klappentext neugierig gemacht. Über dieses hochaktuelle Thema, mal ganz anders zu erfahren ,hat mich sehr gereizt. Aber wie berichtet oder beurteilt man so ein Buch? Der Schreibstil ist gut und schnell zu lesen. Er ist humorvoll und ich konnte mir sowohl Schauplätze als auch Personen gut vorstellen. Wladimir Kaminer, selber von Russland nach Deutschland gekommen, kennt selber die Anfangs- schwierigkeiten mit unserer Lebensweise und Kultur,hat einen guten Blick um die jetzigen Probleme der Flüchtlinge aufzuzeigen. Seine Schauplätze, ein Dorf in Brandenburg, Rügen, Berlin und viele mehr, sind vielfälig und betreffen viele Menschen. In 33 unterschiedlichen Geschichten werde ich mit viel Humor und Sarkasmus durch Begebenheiten, Missverständnisse, kulturelle Unterschiede und behördlichen "Wahnsinn " geführt. Warum zum Beispiel muss jeder Flüchtling eine eigene GEZ- Befreiung haben? Die einzelnen Geschichten sind ohne Bewertung oder erhobenen Zeigefinger, einfach als Tatsache zu lesen. Vielleicht muss man gerade über solche Begebenheiten Verständnis füreinander, Geduld und ein Miteinander versuchen und erproben. Vielleicht braucht die andere Seite auch solche Geschichten über uns, um uns und unsere Ängste zu verstehen. Neben Sprachproblemen ist wohl das Familienleben, die Tradition und vieles mehr sehr unterschiedlich. Dieses war mir zwar bekannt, aber es in ausführlichen und bildlichen Geschichten zu lesen, ist noch mal ganz anders. Das hat mich nachdenklich gemacht und auch sehr berührt. Wie wäre es wohl wenn ich das anders herum erleben müsste? Das Cover ist recht schlicht, passt wohl zum Inhalt, aber mir wäre es so nicht aufgefallen. FAZIT: "Ausgerechnet Deutschland - Geschichten unserer nsuen Nachbarn " von Wladimir Kaminer wird vom Goldman - Verlag veröffentlicht. Die realen Geschichten sind interessant, gut zu lesen und machen nachdenklich. Wer sich in Erzählungen über einige Problematiken, die teilweise ein Kopfschütteln oder Resignation hervorrufen können, fern ab TV, Zeitung oder Internet die menschliche Seite einen Einblick erhalten möchte, möchte ich Kaminers Buch ans Herz liegen.

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Autor: Wladimir Kaminer wurde am 19.07.1967 in Moskau geboren, wo er nach der Schule eine Ausbildung als Toningenieur für Theater und Rundfunk und ein Dramaturgie-Studium am Moskauer Theaterinstitut absolvierte. Seit 1990 lebt er in Berlin-Prenzlauer Berg, wo er 1995 auch seine Frau Olga kennenlernte und mit ihr eine Familie gründete. Zu dieser Familie gehören die inzwischen erwachsenen Kinder Nicole und Sebastian, die Familien-Katzen und Wladimirs Mutter, die eine Wohnung im gleichen Haus bewohnt. Bekannt wurde er durch die legendäre Russendisko im "Kaffee Burger" in Berlin, die er mittlerweile auch weltweit veranstaltet. "Russendisko" war der Titel seines Erstlings im Jahr 2002, 2012 mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt. Es folgten über 20 weitere Bücher zu den unterschiedlichsten Themen, Tätigkeiten als Radio-Moderator, Kolumnist und Autor für verschiedene Zeitschriften und Magazine. Wladimir Kaminer ist auch ein beliebter Gast in Talkshows. Seine Hörbucher hat er alle selbst eingelesen und seine Lesungen sind ein besonderes Event. Handlung: Seit Beginn der Flüchtlingswelle der Syrer beobachtet Wladimir Kaminer mit seinen ganz einen Spürsinn das Aufeinandertreffen arabischer und deutscher Kulturen sowohl in Berlin als auch in seiner Zweitheimat in Brandenburg. Diese Beobachtungen hat er in 35 teils humorvollen, teils aber zur Nachdenklichkeit anregenden Kapiteln in seiner ganz eigenen Betrachtungsweise zusammengetragen in diesem Buch. Fazit: Die Optik des Buches ist durch das Vortäuschen eines leicht angegilbten Leinenumschlags (der eigentlich nur aus Pappe ist) auf alt getrimmt. Der Shisha rauchende Gartenzwerg auf dem Cover präsentiert - vielleicht die besten Dinge aus beiden Kulturen, aber sicher welche der traditionsreichsten, aber kuriosesten ;-) Das Buch ist recht kurz - 34 Kapitel + Epilog sind auf 236 Seiten verteilt. Das Schriftbild ist großzügig und die Kapitel von angenehmer Leselänge, wenn auch ein paar Kapitel recht lang geraten sind - aber wir kennen alle Wladimir Kaminer, der in seinen Geschichten manchmal etwas abschweift - und mögen ihn deshalb auch, weil die Betrachtungsweise seiner Welt immer ganz speziell ist. Er geht in dem Buch nochmal auf seine eigene Flüchtlingsgeschichte 1990 als jüdischer Russe von Moskau nach Berlin und dem Start in einer Marzahner Flüchtlingsunterkunft zurück, berichtet über Missverständnisse seiner syrischen Nachbarn in Brandenburg in Bezug auf Post und Paket-Annahme, über den Beitrag seiner mittlerweile erwachsenen Kinder Nicole und Sebastian zur Integration von Flüchtlingen, über Sprachunterricht, über die Erfahrungen mit dem Google-Translator in Bezug auf die syrische Sprache, die es so offenbar gar nicht gibt - und so viele Dinge und Beobachtungen mehr. Das ist wieder so ein typisches Kaminer-Buch: Beste, humorvolle Unterhaltung, Ironie, Sprachwitz - aber er schafft es auch, zum Nachdenken anzuregen. Das Buch ist also sehr facettenreich - genau, wie der Autor selbst. Ich habe das Buch sehr genossen und gebe hierfür eine 5***** Sterne-Leseempfehlung :-)

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Ich habe dieses Buch als Hörbuch kostenlos vom Randomhouse Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank dafür. Inhalt: Täglich beobachtet der Autor Wladimir Kaminer, wie das Eintreffen von Flüchtlingen Deutschland verändert aber auch, welche Geschichten das Aufeinandertreffen der neuen Nachbarn mit unserer Kultur hervorbringt. Mit viel Humor und Witz berichtet er von kleinen Alltagssituationen, wie die Annahme von Paketen bei den syrischen Nachbarn, die die angenommenen Pakete erst einmal auf Sprengstoff überprüfen müssen und diese dann, nach erfolgreichem Sicherheitscheck, dem Empfänger in Einzelteilen aushändigen. Er berichtet auch von Integrationsversuchen bei einer Theateraufführung, in der Syrer mitspielen sollen. Ohne Text. Die immer wieder kontrovers diskutierten Vorurteile, die die Flüchtlingswelle mit sich gebracht hat und die noch immer sehr präsent sind, werden hier von dem Autor eloquent von einer anderen Seite beleuchtet. Mit seinem russischem Charme vollbringt es der Autor, die persönlichen Aspekte der Flucht aber auch die mitgebrachten Vorstellungen der Flüchtlinge von einem „besseren“ Europa näherzubringen. Seine ironische Erzählweise verhilft dem Zuhörer einen ganz besonderen Einblick. Auch das oft versuchte Thema Integration wird auf die Schippe genommen und zeigt auch hier, das gut gemeinte Integrationsversuche praktisch oft nicht funktionieren können. Fazit: Herr Kaminer hat viele eigene Erfahrungen mit Flüchtlingsfamilien in die Geschichte hereingebracht, was mir persönlich sehr gut gefiel. Bei all der Ironie und den witzigen Geschichten hat dieses Hörbuch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Viele und alltägliche Dinge, die wir in diesem Land gewöhnt sind und schon fast als selbstverständlich wahrnehmen, bekommen plötzlich wieder mehr Bedeutung. Es hat den Blick für das geschärft, für das wir alle dankbar sein sollten. Wir leben in absoluter Sicherheit und Wohlstand, das sollte nie vergessen werden. Ich empfand den Akzent des Autors am Anfang sehr anstrengend, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran, sodass es mich nach einiger Zeit nicht mehr gestört hat. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Random House Audio Verlag ISBN 978-3837140842 2 CDs mit 2 Std. 19 Min Spieldauer

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Inhalt: In seinem neuen Buch erzählt Wladimir Kaminer, mit seinem ganz eigenem Humor, über unsere neuen Nachbarn - die Flüchtlinge. Die bei uns Deutschen pauschal "die Syrer" heißen. Am Anfang waren es vermutlich wirklich die Syrer, die sich auf den Weg machten, weil zig Länder ihr Land bombardierten. "Die anderen Völker, die Lybier und die Afghanen, die Iraker, die Pakistaner, die Etiopier, die Algerier, die Jeminiten, alle schauten ihnen hinter her: "Wo wollen den die Syrer hin?" Die Syrer sagten es nicht, vorallem weil sie selbst nicht wussten wohin. "Geheimtipp!", dachten die anderen. "Die Syrer wissen irgendwas und sagen es nicht weiter. Sie kennen vielleicht ein Land, in dem die Sonne immer scheint, die Menschen immer freundlich und nett zueinander sind und einem die Gurken ins Maul wachsen. Wir lassen die Syrer nicht einfach so wegziehen.Wir kommen mit!", sagten die Völker der Welt und liefen den Syrern hinterher. Nach einer Weile landeten sie alle hier. Ausgerechnet in Deutschland! Einem Land der Ordentlichkeit und des Fleißes. Die Deutschen schauten ziemlich komisch aus der Wäsche, als der unerwartete Besuch da war. Die ganze Welt war plötzlich hier zu Gast - und das ohne anzuklopfen! Das letzte Mal hatten sie die ganze Welt zu Gast vor 10 Jahren, bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 gehabt. Sie fand unter dem Motto statt: Die Welt zu Gast bei Freunden. Schon damals hatten nicht alle Einheimischen diesen Slogan verstanden. Wer sollen diese geheimnisvollen Freunde sein, bei denen die ganze Welt zu Gast ist?" Wie gewohnt, bekommt jeder sein Fett weg. Die Flüchtlinge, die Deutschen. Auch sich selbst und seine Familie verschont Kaminer nie. Meine Meinung: Witzig, nachdenklich, satirisch geht er dieses ernste Thema an, wie es vielleicht nur jemand kann, der selbst einmal Flüchtling war. Eine Episode hat mich sehr geschockt. Er hat mit jemandem Babelsberg besucht, wo er ins Gespräch mit einem Stuntman kam. Dieser erzählte, dass die Amis dort gerade eine Folge "Homeland" zu Syrien drehen, wo mutige CIA Agenten gegen den Terrorismus dort kämpfen. Die Amis wollten, dass die original syrischen Flüchtlinge, die Flüchtlinge im Film spielen, die schreiend aus den ausgebombten Häusern im Film laufen. Ich finde es so dermaßen geschmacklos, die Syrer einer Retraumatisierung auszusetzen! "In was für einer skurrilen Welt Leben wir eigentlich?", fragte Kaminer. "Ach was" sagte ein Stuntman, mit dem sich Kaminer dort unterhalten hat. "In Wahrheit ist die Welt noch viel skurriler, als du dir denken kannst. Denn viele Syrer sind beim Casting durchgefallen. Sie sahen für die Amerikaner nicht arabisch genug aus. Die Amerikaner haben dann für die Massenszenen Kosovo-Albaner genommen. Sie haben sich als die besseren Syrer erwiesen. Sie sahen irgendwie viel arabischer und unrasierter aus und konnten die Anweisungen der Regie besser verstehen." Doch er erzählt es immer auf eine Art, bei der es an einem selbst liegt, wie man das Thema aufnimmt. Ob man es nur oberflächlich, humoristisch sehen mag oder tiefgreifend. Und auch wenn niemand von ihm verschont wird, besitzt er immer die Gabe, es auf eine Art zu präsentieren, die nicht verletzend ist. Ich liebe den trockenen Humor von Wladimir Kaminer sehr. Fazit: Für mich ist er ein großer Künstler und gerade bei diesem Hörbuch, bei diesem schwierigen Thema, habe ich noch mehr Achtung vor seinen Fähigkeiten. 5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ und eine klare Empfehlung. Ich greife inzwischen bei ihm übrigens immer nur noch zu den Hörbüchern, die original von ihm gelesen, einfach toll sind. Noch zwei Zitate, die mir sehr gut gefallen haben: "Merkel hat die Flüchtinge nicht eingeladen. Sie waren schon längst da." "Die Einheimischen wussten, es gibt kein besseres Europa, außer diesem hier. Das bessere Land ist immer das, was wir daraus machen."

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