Leserstimmen zu
Die letzte Stunde

Minette Walters

Die Pest-Saga (1)

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Handlung: Develish, Juli 1348 Während die Pest anfangs nur an der Küste ihr Unwesen trieb, breitet sie sich mittlerweile immer weiter ins Landesinnere aus. Ganze Landstriche werden entvölkert, die ganze Bevlkerung lebt fortan in ständiger Panik, eines Tages auch Opfer der namenlosen Krankheit zu werden. Lady Anne schafft es derweil auf Develish, die Bewohner zu beruhigen, weist an, dass die Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen Schutz finden und vernichtet jeden Weg zur Außenwelt. So abgeschottet schafft sie es, die Pest auf Abstand zu halten, doch mit der Zeit werden mehrere Probleme deutlich. Werden die Vorräte reichen? Wie können mögliche Streitigkeiten vermieden werden? Und werden sie irgendwann vielleicht doch noch von der Pest befallen werden? Diesen und weiteren Fragen muss sich Lady Anne tagtäglich stellen bis eine ganz neue Sorge hinzukommt. Ein Mord ist geschehen und die Gemeinschaft will eine Aufklärung davon... Meinung: Das Cover ist stark auffallend anhand der kräftigen roten Farbe. Dazu wurde mit goldener Schrift gearbeitet, was sehr edel und hochwertig aussieht. Als Blickfang dient eine rote Blume, die ich so noch nie gesehen habe und von der ich gerne mehr erfahren würde. Insgesamt sieht es recht ansprechend aus, ich hätte es in einer Buchhandlung auf jeden Fall in die Hand genommen und näher betrachtet. Dem Roman vorangestellt sind zwei Karten, jeweils eine von Develish und eine von Mittel-Dorseteshire. Ein sehr schönes Detail, besonders die Karte von Develish habe ich am Anfang öfter betrachtet, um die Lage von Gebäuden einzuschätzen. Mir hat eine Aufstellung der handelnden Personen gefehlt. Bei historischen Romanen finde ich dies immer sehr sinnvoll, da meist viele Personen auftreten und manche Namen sehr ähnlich klingen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir nicht jeden Charakter bei seinem ersten Aufftritt gemerkt habe und ein Wiedererkennen im weiteren Roman recht schwierig war. Von der Schreibweise war ich wirklich sehr angetan. Diese wurde der Zeit des Mittelalters gut angepasst, war hochtrabend und anspruchsvoll. Ab und an gab es eine Einbindung von historischen Begriffen, diese hätten gerne in größerer Fülle eingestreut werden können. Sehr eindrucksvoll wurde die beklemmende Stimmung in Develish geschildert. Diese war düster und bedrohlich, an vielen Stellen hat sich dies auch auf mich übertragen. Anhand dessen wurde dem Roman viel Realität verliehen, was mir richtig gut gefallen hat. Ereignisse wurden von einem allwissenden Erzähler geschildert, dabei werden diese aus der Sicht von verschiedenen Personen erzählt, meist von Lady Anne und Thurkell. Bei der ersten Betrachtung des Romans mit seiner Fülle hatte ich die Erwartung, dass sich die Handlung womöglich über mehrere Jahre erstreckt und war richtig überrascht, dass ich damit komplett falsch liege. Die Handlung beginnt Anfang Juni und erstreckt sich bis in den Monat September. Selten gibt es eine Angabe, wo man sich zeitlich gerade befindet, aber das reicht mir nicht. Ich hätte es richtig gut gefunden, wenn am Anfang eines jeden neuen Kapitels ein Vermerk gewesen wäre, an welchem Datum die Geschehnisse stattfinden. So hang ich zeitlich doch etwas in der Luft... Die Protagonisten sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, sehr modern gestimmt, lassen sich ohne Widerworte Befehle von einer Frau geben und streben alle nach Höherem und einer besseren gesellschaftlichen Stellung. An einigen Stellen fand ich dieses fortschrittliche Denken richtig gut und war überrascht, wie tief manche Kapitel auf diesen Punkt eingehen. Doch irgendwann war es auch etwas zu viel des Guten, diese Anspielungen tauchten zu oft auf und haben dem eigentlichen Hauptthema, der Pest, starke Konkurrenz gemacht. Mit den Charakteren bin ich zwiegespalten. Manchmal fand ich sie richtig sympathisch und gut, besonders die Bauern haben mir mit ihrem einfachen und meist freundlichen Wesen gefallen. Doch gerade Lady Anne, ihre Tochter und der Leibeigene Thurkell haben oft meinen Unmut geweckt. Sie wirkten auf mich manchmal zu mechanisch, dann wieder zu gewollt liebevoll und einfach nicht richtig lebendig. Leider für mich keine gelungenen Hauptprotagonisten. Mir ist aufgefallen, dass das ganze Denken von allen Personen stark war, stets alle Zusammenhänge begriffen wurden und alle, egal ob Knecht oder Edelmann, eine hervorragende Bildung genossen haben. Das war mir zu fortschrittlich, nicht jeder Mensch auf einem Gut konnte lesen und schreiben. Auch die schnelle Assoziation von einfachen Knechten, dass die Pest von Ratten und Flöhen übertragen wird, hat nicht ganz gepasst. Fazit: Ein durchaus interessanter Roman, der eine spannende Geschichte erzählt, die an vielen Stellen fast schon Krimi-Potenzial hat. Aus diesem Grund hatte ich den Roman auch so schnell ausgelesen, weil die Handlung spannend geschildert wird und mir die Schreibweise so unglaublich gut gefallen hat. Leider hat mir aber nicht alles gefallen, allen voran die drei Hauptprotagonisten waren schwierig. Trotzdem bin ich schon arg gespannt auf die Fortsetzung des Buches, die auch schon bereit liegt, um in den nächsten zwei Wochen gelesen zu werden. Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternen

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Kurz zum Inhalt: Dorsetshire, England, Juli 1348. Die Pest hat das Land erreicht und verbreitet sich rasend schnell. Ganze Landstriche werden entvölkert. Niemand erkennt anfangs die große Gefahr, lediglich Lady Anne von Develish lässt die Zugbrücke vernichten und schottet sich und ihre Schutzbefohlenen auf diese Weise ab, um somit von der Pest verschont zu werden. Nicht einmal ihren Ehemann Sir Richard lässt sie ein, der von einer Reise zurückkommt. Doch Angst, Panik und Verzweiflung lässt die Menschen brutal werden und viele versuchen, Develish anzugreifen. Auch das Knappwerden der Lebensmittelvorräte lässt die Einwohner auf außergewöhnliche Ideen kommen und so macht sich Lady Annes Verwalter, Thaddeus Thurkell, mit einer Gruppe junger Burschen auf den Weg nach draußen, um nach Lebensmitteln zu suchen. Als dann innerhalb der Mauern ein Mord geschieht, lässt dies die Gemeinschaft fast zerreißen. Kann Lady Anne sich und ihre Gemeinde retten? Meine Meinung: Der Erzählstil und die Sprache sind einem historischen Roman angepasst, und die Sprecherin, Gabriele Blum, lässt dies durch ihre Stimme, Klangfarbe und Betonung noch mehr hervorkommen. Man fühlt sich direkt in die Ortschaft im Mittelalter versetzt und erlebt hautnah das damalige Leben und die Sorgen und Nöte der Leibeignen mit. Die Geschichte über die Ausbreitung der Pest und wie eine einzelne starke Frau, die mit Weisheit, Ruhe und Geschick ihre Gemeinschaft retten kann, hat mich total gepackt. Lady Anne ist eine außergewöhnliche Frau mit viel Klugheit und Stärke, die als junges Mädchen im Kloster bereits gelernt hat, wie man die Ausbreitung von Krankheiten vermeiden kann, und genau das wendet sie dann auch an, um zu verhindern, dass sich die Pest in ihrer Stadt ausbreitet. Sie ist sehr sympathisch, ebenso wie der ehemalige Leibeigene Thaddeus, den Lady Anne aufgrund der außergewöhnlichen Umstände und seiner Klugheit zum Verwalter ernannt hat. Lady Annes Tochter Lady Eleanor hingegen ist ein verzogenes Gör, das ihren Vater auf ein Podest erhoben hat, obwohl dieser ein schrecklicher und brutaler Mensch war. Durch den Mord, die Angriffe auf die Stadt, die Streitereien innerhalb der Gemeinschaft und die gefährliche Suche nach Lebensmitteln kommt immer wieder Spannung auf und man ist total gefesselt. Leider war mir nicht bewusst, und es ist auch nirgends erwähnt, dass "Die letzte Stunde" keine abgeschlossene Geschichte ist - d.h., das Hörbuch endet quasi abrupt mittendrin mit den Worten "Fortsetzung folgt". Das hat mich natürlich etwas frustriert, da ich doch unbedingt wissen will, wie alles ausgeht... Fazit: Toller und spannender historischer Roman um das Schicksal eines ganzen Dorfes zu Beginn der Pest. Leider hat mich sehr gestört, dass die Geschichte plötzlich endet, da es wohl noch eine Fortsetzung geben wird. Daher ein Stern Abzug und somit 4 Sterne von mir.

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Im 14. Jahrhundert erreicht der schwarze Tod Südengland und löscht innerhalb kürzester Zeit ganze Dörfer und Landstriche aus. Angst und Panik beherrschen das Land und die Menschen. Nur in dem herrschaftlichen Anwesen Develish werden die Menschen von der Pest verschont, weil Lady Ann, die Herrin von Develish mutig und entschlossen für das Leben ihrer Schutzbefohlenen kämpft, fern von gesellschaftlichen Konventionen. Sie lässt die Zugbrücke des Anwesens verbrennen und befielt sämtliche Hygienemaßnahmen die möglich sind einzuhalten. Obwohl die Pest die Bewohner von Develish allem Anschein nach nicht erreicht, erschüttert ein merkwürdiger Todesfall die Gemeinschaft. Kann Lady Ann allen Widrigkeiten die Stirn bieten und alles zusammenhalten oder werden sich die Menschen von Develish gegen sie auflehnen?... Meine Meinung: Ich liebe die Krimis von Minette Walters, ihren Stil und ihre Art zu schreiben. Mit ihrem historischen Roman „Die letzte Stunde“ begibt sich Walters auf ganz neue Terrain und hat selbstverständlich meine Neugier geweckt. Trotz Höhen und Tiefen ein wunderbar geschriebener und hervorragend erzählter Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Lady Ann ist die Frau des selbstgefälligen und hartherzigen Sir Richards, die Mutter einer verwöhnten und einfältigen Tochter und heimliche Herrin und Verwalterin des Anwesens Develish in Dorseteshire, Südengland. Während der Abwesenheit Sir Richards bricht im Land die Pest aus und rafft ganze Dörfer und ihre Bewohner dahin. Lady Ann beschließt, Develish und die Menschen die dort leben zu retten und lässt kurzer Hand die Zugbrücke verbrennen. Develish ist von nun an von der Außenwelt abgeschnitten und auf sich gestellt. Sie ernennt den Bastard und Leibeigenen Thaddeus Thurkell zum Verwalter und steigt dadurch noch weiter im Ansehen unter ihren Schutzbefohlenen. Doch als wäre die Sorge um die Essensvorräte und die Angst vor der Pest nicht genug, erschüttert bald ein schrecklicher Todesfall die Bewohner von Develish. Derweil Lady Ann mit all ihrer Macht versucht, die Gemeinschaft zusammenzuhalten, ahnt Thaddeus, dass es sich hier nicht um einen tragischen Unfall, sondern um kaltblütigen Mord handeln muss. Der junge Verwalter versucht nun auf seine Weise und auf eigene Faust die Menschen des Anwesens zu retten. Minette Walters erzählt weitschweifig, ausführlich und sprachgewandt und zeichnet so ein fesselndes und beeindruckendes Portrait einer Epoche, in der eine grausame und Tod bringende Krankheit die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat. Bilder aus dieser Zeit entstehen vor dem geistigen Auge des Lesers, das harte Leben und das Leid der Menschen, der Kampf ums Überleben, der Gestank verwesender Leichen, diese Eindrücke und Bilder sind beinah allgegenwärtig und machen die Geschichte lebendig und authentisch. Klar ist, dass die Story erst durch ihre Protagonisten so richtig mit Leben erfüllt wird. Vor allem beindruckt hat mich die selbstbewusste und für die Zeit schon sehr emanzipierte Lady Ann, die mit viel Sanftmut und Menschenverstand weise und richtige Entscheidungen trifft. Eine Frau, die sich nicht in den Vordergrund stellt, sondern der das Leben der Menschen am Herzen liegt, unabhängig von ihrem Stand und Rang in der Gesellschaft. Jeder einzelne Charakter in diesem historischen Roman spielt seine ganz eigene und wichtige Rolle, jede Figur hat seinen Platz und wie bei einem Puzzle fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Trotz einiger Längen und langatmigen Passagen konnte mich das Buch absolut fesseln, ich wollte nichts mehr als den Ausgang der Geschichte erfahren. Umso enttäuschter war ich dann vom Ende. „Fortsetzung folgt…“, was für bittere Worte, wenn man sich nichts mehr herbeisehnt als ein zufriedenstellendes und großes Finale! Schade… Mein Fazit: „Die letzte Stunde“ von Minette Walters ist ein grandioser und bildhafter historischer Roman. Sprachgewandt und atmosphärisch erzählt Walters von einer unheilvollen Zeit, einer Zeit in der einen tödlichen Krankheit Leid und Trauer über die Menschen bringt. Es ist die Geschichte einer starken Frau mit viel Persönlichkeit und Ausstrahlung, die mit durch ihr Handeln dem Schrecken die Stirn bietet. Über die gelegentlichen Längen lässt sich durchaus hinwegsehen, die Tatsache hingegen, dass nicht von vorne herein klar war, dass es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, war allem Anschein nach nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Leser sehr enttäuschend! Hier hätte ich mir von vorne herein Klarheit gewünscht, ansonsten ist „Die letzte Stunde“ ein wirklich gelungener und lesenswerter historischer Roman.

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1348 – in Südengland ist die Pest ausgebrochen. Der schwarze Tod rafft ganze Dörfer innerhalb weniger Tage dahin. Lady Anne hat in Abwesenheit ihres Mannes die Verantwortung für Gut Develish übernommen und schützt seine Bewohner nun mit allen Mitteln. Keiner darf die Burg betreten, niemand sie verlassen, damit die Krankheit nicht weiter um sich greift. Auch ihrem Mann, der von einer Reise zurückkehrt, verweigert Anne den Zutritt. Doch dann geschieht ein Mord innerhalb der Mauern und auch dort scheint es plötzlich nicht mehr sicher zu sein. Die Autorin Minette Walters kannte ich bisher nur von ihren Krimis. Ein historischer Roman aus ihrer Feder hat mich dann doch sehr neugierig gemacht. Nicht zuletzt weil ich Romane aus dem alten England ohnehin besonders gerne lese. Atmosphärisch ist diese Geschichte sehr gelungen. Das Düstere und Bedrohliche wird super vermittelt. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, sodass die Lage innerhalb und außerhalb der Burg beleuchtet wird. Einmal wäre da Lady Anne. Lange von ihrem Mann unterdrückt, die nun endlich Stärke zeigen kann und sehr besonnen und fortschrittlich mit der Krankheit umgeht. Auch dem Volk gegenüber zeigt sie sich als starke aber gerechte Frau. Doch sie muss sich immer wieder gegen Männer mit sehr mittelalterlichem Frauenbild, engstirnigen Gottesfürchtigen und nicht zuletzt gegen ihre Tochter zur Wehr setzten. Die Tochter Eleanor hat salopp gesagt einen an der Waffel. Ich habe selten so einen unsympathischen, fiesen und dummen Charakter erlebt. Sie tut der Geschichte gut, aber mich hat sie einfach tierisch genervt. Thaddeus – den neuen Verwalter, der ursprünglich nur ein Diener war, mochte ich sehr. Auch er setzt sich für die anderen ein, ist klug, mutig und ehrgeizig. Aus seiner Sicht erfährt der Leser, was außerhalb der Burg vor sich geht. Auffällig ist jedoch wirklich die schwarz - weiß Zeichnung der Charaktere. Der Schreibstil ist für einen Krimi eher ruhig gehalten. Hin und wieder etwas altertümlich und gestelzt, was den Lesefluss möglicherweise ein bisschen verlangsamt, aber super zur der Zeit und Atmosphäre passt. Leider kommt es auf den 650 Seiten dann doch ein paarmal zu langatmigen Passagen, auf denen ich der Geschichte gerne einen kleinen Schubs gegeben hätte. Insgesamt jedoch ein toller historischer Schmöker. Ich bin gespannt was die Fortsetzung mit sich bringt.

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Lady Anne ist nicht zu beneiden. Ihr Mann, Sir Richard, der Herr von Develish, ist ein grausamer, harter und egoistischer Zeitgenosse, der mit Vorliebe wehrlosen Frauen nachstellt; egal ob Kind oder Erwachsene. Und auch ihre Tochter Eleanor ist ganz der Papa. Besonders gerne quält sie ihre Untergebenen und würde den jungen Thaddeus, der, wie man munkelt, ein Bastard ist, zu gerne unterjochen. Doch Thaddeus hat etwas, dass Eleanor und auch ihrem Vater bei Weitem fehlt und das ist Intelligenz. Als Eleanor erfährt, dass sie bald heiraten soll; dazu auch noch einen schmächtigen, aber reichen Burschen vom Nachbargut, ist sie verärgert, glaubt gar, ihre Mutter hätte diese Verbindung in die Wege geleitet. Doch dann wird Sir Richard zugetragen, Eleanors zukünftiger Gemahl habe sich womöglich eine schwere Krankheit zugezogen; schon einmal erkrankte er an den Pocken. Sir Richard macht sich auf, um dem Gerücht auf den Grund zu gehen. Mit im Gefolge befindet sich auch Lady Annes Vertrauter Gyles Startout, der schon bald begreift, dass seinem Herren und dessen Gefolge verheimlicht werden soll, wie gravierend das Ausmaß der Krankheit tatsächlich ist. Denn die Menschen im Ort sterben wie die Fliegen. Ob reich oder arm, keiner scheint immun dagegen zu sein. Gyles ist entsetzt, als er die Wahrheit erfährt, warnt Sir Richard eindringlich und rät ihm umgehend abzureisen, doch Sir Richard begreift mal wieder nicht den Ernst der Lage, bis es zu spät ist. Zwar kann sich der Tross noch auf den Heimweg machen, doch bringt er die Krankheit bis vor die Tore Develishs. In der Zwischenzeit hat Lady Anne aber bereits Kunde über die rätselhafte Seuche erhalten und beschließt, um ihre Gefolgschaft zu schützen, die Zugbrücke zu zerstören und Sir Richard und seine Mannen, einer unfreiwilligen zweiwöchigen Quarantäne zu unterziehen. Sie lässt sich nicht umstimmen, auch nicht vom Verwalter, den sie bald darauf kurzerhand absetzt. An dessen Statt, soll nun Thaddeus die Tätigkeit des Verwalters übernehmen. Eleanor ist wütend auf Lady Anne, will unbedingt, dass ihr Vater behandelt wird, doch Lady Anne bleibt hart. Es dauert nicht lange, da sind Sir Richard und seine Gefolgsleute tot. Nur Gyles hat überlebt und versucht in seiner Quarantänezeit alles, um dem verlassenen Dorf den Anschein von Tot und Krankheit zu geben, damit mögliche plündernde Menschen, die des Weges kommen, glauben, auf Develish wäre nichts mehr zu holen. Währenddessen wird ein Junge ermordet aufgefunden. Thaddeus nimmt sich der Sache an, doch was er herausfindet, bringt ihn in eine knifflige Lage…. Ich kannte bislang nur die Krimis von Minette Walters; da aber historische Romane mein bevorzugtes Genre sind, war ich natürlich sehr neugierig auf Minette Walters Genrewechsel und ob es ihr gelingen würde, für ausreichend historisches Flair zu sorgen. Nun, nach dem Lesen, muss ich sagen, dass ich etwas hin und hergerissen bin, bei meiner Bewertung. Ich tendiere zwischen 3.5 und 4 von 5 Punkten, entscheide mich aber doch für vier Punkte, weil die Autorin einen süffigen, sehr eingängigen Schreibstil an den Tag legt und ihr Roman, „Die letzte Stunde“, eine nicht alltägliche Geschichte erzählt. Denn, auch wenn es am Rande um die Pest geht, die Lady Annes Gemahl und seine Mannen dahinrafft, ist es doch in erster Linie ein Buch, das die Geschichte einer cleveren Frau erzählt, die bereits sehr früh lernen musste, sich gegen die Widrigkeiten der Männerwelt zu behaupten und die die ihr auferlegten Probleme nun mit Bravour bewältigt. Zugegeben, Lady Anne wirkt sehr modern in ihrem Verhalten, wenn nicht gar zu modern; weiß zum Beispiel Schlüsse zu ziehen, die Menschen dieser Zeitepoche höchstwahrscheinlich noch nicht einmal in Erwägung gezogen hätten (Stichwort Quarantäne) und erscheint überhaupt so, als ob sie jeden Schritt ihrer Widersacher bereits im Voraus erkennen würde. Genauso gestrickt ist auch Thaddeus, den sie zu ihrem Verwalter ernennt; wohingegen Thaddeus, zwischenzeitlich auch eine rätselhafte, harte Seite zeigt. Lady Anne und Thaddeus sind interessante Romanfiguren, allerdings fehlten mir ein wenig mehr Ecken und Kanten an ihnen. Manche Rezensenten bemängelten, dass sie die Akteure des Romans an sich, durchweg unsympathisch fanden, doch hier möchte ich ein energisches Veto einlegen. ;-) Ich fand Lady Anne und Thaddeus durchaus sympathisch; allerdings hatten sie es auch nicht leicht, sich gegen schwache, nervige Charaktere, wie zum Beispiel Eleanor durchzusetzen, bzw. an deren Vernunft zu appellieren. Einzig die ständigen Wiederholungen bezüglich Eleanors Unzulänglichkeiten, nervten mich nach einer Weile. Nach dem ersten Drittel des Buches, schlichen sich kleine Längen ein, die Handlung trat auf der Stelle und auch die Untersuchung des Kriminalfalles gestaltete sich nicht unbedingt spannend. Dazu fand ich, dass die Ausdrucksweise der Romanfiguren teilweise zu modern wirkte. Aber, ab dem Moment, als sich die Story dann aus zwei Perspektiven weiterentwickelte und diverse Geheimnisse gelüftet wurden, wurde es wieder besser. Enttäuschend fand ich es allerdings, dass die Geschichte praktisch mittendrin endet. Es wäre schön gewesen, wenn man als Leser bereits im Klappentext darauf aufmerksam gemacht worden wäre, dass es sich hier um einen ersten Teil handelt. So hängt man nach dem Lesen leider für eine Weile in der Luft. Einerseits bekommt man hier eine interessante Geschichte geboten, andererseits fand ich die Umsetzung nicht ganz gelungen und habe das typisch historische Flair noch ein wenig vermisst. Fazit: Süffiger Historienschmöker, allerdings mit gewissen Schwächen, der dennoch die Neugierde auf die Fortsetzung wecken kann.

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Dorseteshire, eine kleine Stadt im Süden Englands, schottet sich vom Rest des Landes während der großen Pestepedemie vollkommen von dem Rest des Landes ab. Lady Anne setzt von nun an nicht auf das Geburtsrecht ihrer Untertanen, sondern auf den persönlichen Einsatz für die Gemeinschaft. Und trotz der knappen Vorräte werden die Begehrlichkeiten bei den Bewohnern in der Umgebung. Und auch im Inneren der Stadt verläuft nicht alles so friedlich wie gewünscht... Minnete Walters hat sich einen Namen als sehr erfolgreiche Krimiautorin gemacht – umso interessanter, dass sie in ihrem neuen Werk „Die letzte Stunde“ das Genre gewechselt hat und einen historischen Roman vorlegt. Angesiedelt zu Zeiten der Pest kommt tatsächlich jede Menge viel mittelalterliches Flair herüber, besonders die Schrecken der Pest, die ganze Landstriche entvölkert hat, sind sehr treffend und intensiv beschrieben. Die Figuren, insbesondere Lady Anne wirken für die Zeit aber schon deutlich fortschrittlich, haben eher neuzeitliche Ideale und Vorstellungen. Die gesellschaftlichen Strukturen in Dorseteshire sind aber äußerst interessant und sorgen für gelungene Gedankenspiele. Toll auch der Schwenk ab der Hälfte der Handlung, denn dann kehrt Walters doch noch in vertrautere Gefilde zurück, indem in die mittelalterliche Welt ein Kriminalfall eingebaut ist. Auch wenn sich die Handlung nicht auf die Enttarnung des Täters konzentriert, sind deutliche Elemente des Genres zu erkennen, was einen zusätzlichen Reiz ausmacht. Die Darstellung der Charaktere ist hier noch etwas einseitig, der Trennstrich zwischen Gut und Böse ist klar gezogen. Hier hätte ich mir mehr Variabilität gewünscht, der aber noch mit dem zweiten Teil kommen kann. Zweiter Teil? Ja, genau, dass hier ein Mehrteiler gestartet wurde, ist nicht so recht vom Verlag vermittelt worden. Und so kommt die Ankündigung mitten in der Handlung sehr überraschend, dass eine „Fortsetzung folgt“. Es hat richtig Spaß gemacht, in die von Walters erschaffene Welt einzutauchen, da sie sehr lebendig gestaltet wurde und die Stimmung gekonnt auf den Leser übergreift. Auch ihre Charaktere sind lebendig dargestellt, könnten aber mehr Facetten vertragen. Die Handlung nimmt verschiedene Wendungen und Schlenker, ist unterhaltsam und spannend aufbereitet, sodass auch dieser Ausflug ins andere Genre sehr lesenswert geraten ist.

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Buchhandlung Lenz

Von: Karin Wiskant aus Barmstedt

08.03.2018

Minette Walters beschreibt in "Die letzte Stunde" ganz wunderbar, wie in einer Extremsituation Vernunft und Fortschritt auf Glaube/ Aberglaube und Rückständigkeit treffen. 100 - 200 Seiten weniger hätten dem Buch jedoch gut getan, manchmal zog es sich doch arg. Ich vergebe 4 Sterne.

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Buchhandlung Reich GmbH

Von: aus Herrsching

12.01.2018

Ein beeindruckender Einblick in diese Zeit! Spannend, nachdenklich machend!

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