Leserstimmen zu
Calypso

David Sedaris

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Warum ich David Sedaris mag? Weil ich Geschichten über große Familien mag, deren Mitglieder alle einen bestimmten Spleen haben, und in den Erzählbänden von David Sedaris wimmelt es von diesen Geschichten. Auch in "Calypso" schreibt er über Familienzusammenkünfte im gemeinsamen Ferienhaus, die Macken der Geschwister, aber auch über seine ganz eigenen Marotten. Als Leser fühle ich mich so als wäre ich mit im Raum, wenn David sich mit seinem Lebensgefährten streitet oder sich über seinen verschrobenen Vater wundert. Seine Schilderungen sind so zynisch wie humorvoll, so pointiert wie leicht melancholisch. Sein Humor ist der bissige Humor eines schwulen Mannes, der sich von seiner eigenen SmartWatch geißeln lässt und obwohl er Amerikaner ist, very british.

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Diese Essay-Sammlung hätte ich gern als Stand-up-Comedy erlebt. An einer Stelle heißt es, dass David Sedaris auf einer Lesereise 45 Städte in 47 Tagen abgeklappert hat. Die Reise inspirierte ihn sicher zu der Geschichte „Ihr Englisch ist so gut“, bei der ich mich schlapp gelacht habe. Die Frage "Wie war Ihr Flug?", die er zu den überflüssigsten hält, bekam er wohl oft zu hören. Zu gern würde ich wissen, was er von der hierzulande überstrapazierten Floskel „Alles gut“ hält. Das zentrale Thema des Buches ist das Reisen und seine Familie, die sich regelmäßig in einem Strandhaus auf Emerald Isle in North Carolina trifft. Zu seiner Schwester Amy scheint er ein besonders inniges Verhältnis zu haben. Doch auch alle anderen Familienmitglieder kommen zum Zuge und werden in seinen Anekdoten karikaturhaft gezeichnet: zum Beispiel sein eigenwilliger Vater, der eine Taschenlampe benutzte, um Strom zu sparen, oder seine Mutter, die sich stets stilvoll kleidete und mit ihren Geschichten alle zum Lachen brachte. Manchmal blieb mir jedoch das Lachen im Hals stecken, denn mit Galgenhumor seziert Sedaris sehr ernstzunehmende Themen wie die Alkoholsucht seiner Mutter oder den Selbstmord seiner Schwester Theresa. Ihn beschäftigt nicht nur das Altern im Allgemeinen, sondern auch wie schräg oder fanatisch einige Menschen in seinem Umkreis mit zunehmendem Alter werden. Abgesehen von ein paar unappetitlichen Geschichten habe ich Sedaris’ sehr persönliche Erinnerungen und Gedanken mit Vergnügen gelesen.

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