Leserstimmen zu
Mehr aus weniger

Andrew McAfee

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Egal ob "Umweltschutz" oder "Klimabewegung", zumindest Halbwissen hat jeder zu diesen Begriffen. Plastikverbrauch, die Ozonschichte, alles das steht mittlerweile sehr im öffentlichen Bewusstsein. Das beschränkt sich nicht nur auf Deutschland, viele andere Länder beteiligen sich genauso am Schutz der Natur. Auch die USA sind beteiligt, obwohl es da ja bekanntlich etwas schwierig ist. Entsprechend neugierig war ich, als ich das neue Buch von Andrew McAfee gesehen habe. Ein paar Worte zum Autor. Ich kannte ihn aus Texten über die Amerikanische Wirtschaft aus dem Englischunterricht in der Schule, wirklich bekannt geworden ist er aber mit seinem Buch "The second machine age", dass er zusammen mit Erik Brynjolfsson verfasst hat. Damit hat er auch 2015 den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis gewonnen. Sein Weg in die Wirtschaft führte über mehrere naturwissenschaftliche Abschlüsse, bis er an der Harvard Business School promoviert wurde. Und, man muss es mal klar aussprechen, er ist Amerikaner. Jetzt aber zu seinem neuen Buch. Mit "The second machine age" hat er für viel Aufsehen gesorgt, die Meinungen waren schon da zwiegespalten. In "mehr aus weniger" stellt er schon auf der ersten Seite seine Hypothese vor, nämlich, dass die Menschheit im Zeitalter der Dematerialisierung angekommen ist und wir damit die Natur, unsere Umwelt, retten werden. Genauso räumt er in der Kurzbeschreibung ein, dass die Bedrohung durch die Erderwärmung und die Verschmutzung der Ozeane real ist und auch bleibt. Im Buch selber ist davon aber nur noch wenig zu spüren. Der Autor fängt am Anfang an, im Industriezeitalter. Die Nutzung von Kohle, die ersten Eisenbahnen. Der steigende Rohstoffverbrauch und die massive Umweltverschmutzung. Dabei schaut er nicht nur auf Amerika, auch England ist in seinen Statistiken und Ausführungen mal dabei. Sein Fokus ist aber eindeutig. Über die Entwicklung der Industrie kommt er zum Earthday und den verhängnisvollen Prognosen, die damals der Menschheit gestellt wurden. Weiter geht es zur Gegenwart und vielen Statistiken, die eigentlich alle nur eine Botschaft haben. Die Bevölkerungszahlen steigen, der Wohlstand auch, und der Rohstoffverbrauch geht gleichzeitig runter. Das Buch geht weiter, als absoluter Befürworter des Kapitalismus muss es dazu natürlich auch ein Kapitel geben. Der Autor sucht Begründungen für die Dematerialisierung, bevor er feststellt, dass wir damit unsere Umwelt retten können. Ich möchte mir keine Meinung über den Wahrheitsgehalt des Buches anmaßen. Was aber auf jeden Fall fest steht, ist, dass der Autor ein Meister der Rhetorik ist. Er baut eine Pyramide aus Argumenten, die er zu einer Schlussfolgerung führt, zu der sonst niemand gekommen wäre. Dabei fängt er ganz klein an, mit Dingen, die jeder für selbstverständlich hält. Und plötzlich wird daraus etwas großes, was man nicht mehr anzweifeln kann. Ob der Leser manipuliert wird? Auf jeden Fall. Ob wir wirklich mit "mehr aus weniger" die Welt retten können? Keine Ahnung. Ob das Buch lesenswert ist, kann ich nicht wirklich beantworten. Ich habe noch nie länger an einem Buch gelesen, was zum einen am Thema lag, aber auch an der Menge an Statistiken, die das Lesen erschweren. Andrew McAfee hat ein Thema ausgewählt, zu dem es in der breiten Öffentlichkeit nur eine Meinung gibt. Er hat ein Buch geschrieben, in dem er begründet, warum sie falsch ist. Beim Thema "Umwelt" sind viele emotional und nicht bereit, eine andere Meinung zu akzeptieren. Während des Lesens ist man oft geneigt, das Buch zu zuschlagen und nie wieder in die Hand zu nehmen. Eine Meinung zu akzeptieren, oder sich zumindest damit zu beschäftigen, die allem bisher gelernten widerspricht, ist schwer. Nur deshalb "mehr aus weniger" abzulehnen, wäre falsch. Es müssen aber definitiv noch mehr Wissenschaftler zu den gleichen Ergebnissen kommen, wie Andrew McAfee. Erst dann kann seine Hypothese glaubhaft werden.

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