Leserstimmen zu
Der Fremde aus Paris

Isabella Hammad

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Berührend und bereichernd

Von: pw

18.09.2020

Die Hauptfigur in diesem Roman ist Midhat Kamal, ein Palästinenser, der als junger Mann kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges zum Studium nach Frankreich geschickt wird. Nach fünf Jahren kehrt er in seine Heimat, das palästinensische Dorf Nablus, zurück. Wir verfolgen seine Geschichte und Probleme, die seiner Wegbegleiter und irgendwie auch die des palästinensischen Volkes über gut zwanzig Jahre, also bis in die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Mein erster Eindruck dieses imposanten Werkes von über 700 Seiten war das lange Personenverzeichnis am Anfang – voller arabischer Namen, was mich zunächst ein wenig schockierte. Würde ich damit klarkommen? Aber ich überschlug dann diese Seiten und widmete mich der Handlung. Schließlich würden die Personen nicht alle gleichzeitig auftreten, sondern ich könnte sie nach und nach kennenlernen, so dass ich mit den Namen dann konkrete Figuren verbinden könnte. Eine goldrichtige Entscheidung! Ich war sofort in die Handlung hineingezogen. Ich liebe gute historische Romane, die mein Kopfkino aktivieren. Dieser Roman schaltete es im „HD-Super-Surround-Modus“ ein. Ich war den handelnden Personen nahe und lernte nebenbei eine Menge über fremde Kultur, Geschichte und Geografie. Die Story ist meisterhaft erzählt. Die Personen aus der langen Liste am Anfang treten dann auch alle auf und ich fand es erstaunlich, dass ich nicht ein einziges Mal im Personenverzeichnis nachschlagen musste. Das zeigt, dass die Autorin es geschafft hat, mich innerhalb des Buches tatsächlich mit allen bekannt zu machen. Außerdem hat die Autorin sehr viele Wendungen aus der arabischen Sprache in den wörtlichen Reden benutzt. Beim Lesen habe ich diese irgendwie intuitiv verstanden, ohne die Sprache zu kennen. Ich empfinde diesen gewagten Kunstgriff als äußerst gelungen, denn so wirkt das Ganze noch authentischer. Dass es am Ende ein Glossar mit Übersetzungen gibt, habe ich erst festgestellt, als ich den Roman zu Ende gelesen hatte. Darüber hinaus war ich völlig verblüfft, dass dies der Debütroman der Autorin ist. Sie hat zwar palästinensische Wurzeln und der Roman ist angelehnt an die Lebensgeschichte ihres Urgroßvaters, aber das allein macht noch nicht die Fähigkeit aus, solch ein Meisterwerk zu verfassen. Mein Fazit: Ich bin sehr froh, dass ich mich nicht vom langen Personenverzeichnis am Anfang abschrecken lassen habe und fühle mich durch die Lektüre dieses Buches sowohl berührt als auch bereichert.

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Midhat Kamal aus Nablus in Palästina wird zu Beginn des Ersten Weltkrieges von seinem Vater, einem angesehenen Textilhändler aus Kairo, zum Medizinstudium nach Montpellier geschickt. Er wohnt dort bei Dr. Molineu, einem ambitionierten Soziologen und seiner Tochter Jeannette, für die er tiefe Liebe empfindet. Jeannette erwidert diese Gefühle. Isabella Hammad schildert treffend die Stimmung zu Beginn des Ersten Weltkrieges, das Umschlagen der Stimmung von Euphorie in Resignation und Trauer. Midhat entdeckt eine neue Welt auch später in Paris, wo er nach einem Zwischenfall im Hause der Molineus Geschichte studiert und zu einem arabischen Freundeskreis gehört, der auch Kontakte zu hohen politischen Würdenträgern unterhält. Im zweiten Teil des Romans kehrt Midhat nach Ende des Ersten Weltkrieges in seine Heimatstadt zurück. Das Osmanische Reich ist Geschichte, im Nahen Osten werden die britisch-französischen Mandate umgesetzt, die dauerhaft Konflikte in dieser Region begründen werden, Zionisten wandern ein, die nachhaltig das Gesellschaftsbild verändern. Welchen ambitionierten Weg wird Midhat einschlagen: Arzt, Politiker, angesehener Geschäftsmann in Kairo? Ein Brief Jeannettes bildet eine Zäsur und Midhat beugt sich dem väterlichen Willen. Hartnäckig umwirbt er Fatima aus einer sozial höher gestellten Familie. Der Tod des Vaters ist die nächste Zäsur. Im dritten Teil bildet wiederum Jeannettes Brief eine Zäsur und ist Anlass für Midhats Psychose. Ausführlich wird der arabische Generalstreik von 1936 geschildert. Eindrucksvoll schildert Hammad die Rolle der Familie, die in schwierigen Zeiten Halt bietet. Aber auch Rolle der verschiedenen internationalen Akteure erscheint plausibel. Der Roman umfasst 20 entscheidende Jahre palästinensischer Geschichte und einer berührenden Geschichte von Liebe, Sehnsüchten und Fremdheit. Sehr nützlich ist die Zeittafel zu den Ereignissen im Nahen Osten

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Um es vorweg zu sagen, das Buch "Der Fremde aus Paris" ist ganz nach meinem Geschmack. Es wird eine faszinierende Lebensgeschichte erzählt und gleichzeitig bekomme ich als Leser Einblicke in arabische Familienstrukturen, die uns in der westlichen Welt fremd sind. Für mich begann es schon mit dem wunderschönen Cover, welches die Düfte arabischer Gärten und Märkte in meiner Vorstellung beflügelte. Doch was wäre ein eindrucksvolles Buchcover ohne mitreißenden Text? Meine Bedenken, dass ich bei den vielen aufgeführten arabischen Namen nicht den Überblick behalten würde, erwies sich als gegenstandslos. Was mich an diesem Buch von der ersten Seite an fesselte, war die wunderschöne, fast blumige Sprache der Autorin. Die harten und abgehackten Sätze, wie sie in der modernen Literatur vielfach Verwendung finden, sind nicht ihr Stil. Um den Roman zu verstehen, denken wir uns zurück in die Zeit des 1. Weltkrieges. Midhat, ein junger Palästinenser kommt zum Medizinstudium nach Frankreich und findet sich in einer ihm fremden Kultuzr. Er ist ein Fremder. Doch hat er das Glück, im Hause eines weltoffenen Mannes wohnen zu dürfen. Nach und nach fühlt er sich heimisch, schließt Freundschaften, verliebt sich in die Tochter des Hauses und glaubt, dazu zu gehören, um letztlich festzustellen, dass er immer ein Fremder blieb. (S.114) "...er ist eindeutig ein Beweis dafür, dass man Araber erziehen kann..." Diese Feststellung seines Gastgebers, bringt ganz deutlich zum Ausdruck wie man ihn sieht und verletzt ihn zutiefst. Überstürzt flüchtet er nach Paris, lebt dort mit anderen Arabern und führt ein freies Leben mit vielen unverbindlichen Liebschaften. Midhat, der Frauenliebling. Doch als das Geld aufgebraucht ist, musste er zurück zu seinem Vater. Bis zu dieser Episode lernen wir einen jungen Mann kennen, dem die Welt zu Füßen liegen wird. Ortswechsel: Midhat ist wieder in Nablus bei seiner Familie. Doch auch hier ist er nun ein Fremder. Zu sehr hatte er sich and das europäische Leben gewöhnt. Ihm bleibt nichts übrig, als ein folgsamer Sohn zu werden und sich dem Willen seines Vaters zu beugen. Nichts bleibt von dem Midhat, der er in Frankreich geworden ist. Als Leser bekommt man in dem Roman zusätzlich eine geschichtliche Lehrstunde. Waren es zuvor Türken, die das Land eroberten, so bestätigte nun der Völkerbund die Mandate der europäischen Mächte Frankreich und Großbritannien. (S.428) Doch die dortigen Menschen fanden sich mit der Unterdrückung nicht ab und es brodelte. Überall regte sich der Widerstand. Selbst beim Lesen wird man erfasst von dieser Energie der Menschen, dem Aufbruch und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Nur Midhat bleibt ängstlich distanziert. Hat ihn sein Vater, die erzwungene Unterordnung gebrochen? Wie gewünscht entschließt er sich zur Brautwerbung (S.430). Es ist, als werde er von seiner Familie gelebt. Ganz deutlich kommt dies auf S. 446 zum Ausdruck: "Er war wütend. Er hatte alles für diesen Mann getan. Hatte sich all seinen Ansichten gefügt, jeder Entscheidung. Und das mit Erfolg!... Midhat hatte das Gefühl, dass sein Leben ein schwankendes Gebilde war, das rings um ihn zusammenbrach." Als Leser hat man Mitleid mit diesem Mann, der es jedem in seiner Familie recht machen wollte und sich selbst, seine eigenen Wünsche dabei aus den Augen verlor. Die tiefe persönliche Not von Midhat kommt bei einem Gespräch mit Antoine zutage, als er sagen kann: "Vater... ich vergebe dir".

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Der Fremde aus Paris

Von: pixibuch

17.09.2020

Ein über 700 Seiten langes Buch, das teilweise schwer zu lesen geht. Die ganze Geschichte basiert in der Zeit zwischen 1914 und 1936 und die Autorin hat hier das Leben ihres Urgroßvaters mit verarbeitet. Der Palästinensér Mihad wird von seinem Vater, einem reichen Tuchhändler, nach Frankreich geschickt, um dort Medizin zu studieren. Er ist von dieser neuen Welt beeindruckt und verliebt sich in die Tochter seines Gastgebers. Nach einem Eklat zieht er von Montepellier nach Paris und lebt das Leben eines Bohemes mit viel wechselnden Frauengeschichten. Dann beordet ihn sein Vater wieder in sein Dorf Nablus zurück. Auf Wunsch seines Vaters heiratet er eine Muslimin, baut sich einen eigenen Tuchladen auf und bekommt vier Kinder. In seinem Land jedoch herrscht Aufruhr, es finden schwere Kämpfe mit den Rebellen statt und Juden und Araber bekriegen sich. Doch dann treten Ereignisse ein, die Mihads Leben grundlegend verändern. Die Autorin läßt den Leser tief in das Leben der Palästinenser blicken, wir bekommen Einblick in das Leben der Muslime und deren Familien. Mihad hat sich in Europa als Außenseiter ´gefühlt und sich nicht immer an das Leben der Franzosen hineindenken können. Als er dann aber wieder in seinen Heimatort zurückkehrt, ist er viel zu sehr Europäer geworden, als dass er sich wieder in da Gefüge seines Landes einfügen kann. Wir lernen Mihads Familienmitglieder kennen und die strenge Struktur der Familien an sich. Sehr viel Platz nehmen auch die Kämpfe und die Unruhen in dem Land ein, wo Juden gegen Araber sich bekriegen. Dies macht nach meiner Meinung das Buch an gewissen Stellen etwas langatmig. Ein Buch, das uns anderen Kulturen etwas näher bringt. Am Ende des Romans befindet sich ein Anhang über die politischen Ereignisse während dieser Zeit und ein Glossar über die arabischen Ausdrücke, das sehr hilfreich ist die fremden Wörter zu verstehen. Den Einband zieren arabische Malereien, was dem Buch ein edles Aussehen gibt.

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Ein beeindruckender Debutroman

Von: ojosefine

17.09.2020

Zeitgeschichte, nicht nur anhand persönlicher Geschichten einzelner Familien und Charaktere gezeichnet schildert die junge Autorin in einer präzisen Sprache, die, ohne sich Klischees zu bedienen, Stimmungen und Landschaften Gestalt annehmen lässt. Sei es das universitäre Millieu in Montpellier, das turbulente Leben in Paris oder Nablus in Palästina, der Leser fühlt sich mitten im Geschehen und erlebt es wie Midhat Kamel, der Protagonist. Midhat zeichnet aus, dass er beobachtet, auch sich selbst, zurechtkommt, ohne sich aufzugeben. Zum Glück gibt es einen Anhang, der die politischen Ereignisse der bewegten Zeit im nahen Osten chronologisch aufführt.

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Wunderschön geschrieben....

Von: Cathy82

16.09.2020

Zuerst möchte ich die Autorin loben, auch wenn es mich zu Beginn des Buches überrascht hat: Sie hat alle handelnden Personen inklusive der Familienzugehörigkeit gleich zum Start aufgelistet, so dass man jederzeit nachschauen kann, wer eigentlich wer ist. Sehr gut! Hätte mir als Anhang aber auch genügt. Andersrum fiel ich so direkt darüber. Im Anhang wäre es gegebenenfalls verloren gegangen. Was mir noch zu Beginn auffiel: Der Einband. Hochwertig gestaltet, in orientalischen Farben, dickes Papier. Dadurch macht das Buch einen qualitativen Eindruck, der in der Geschichte an sich fortgesetzt wird. Ohne viel über die Geschichte zu erzählen, ist sie gut geschrieben. Schachtelsätze, und trotzdem einfach zu lesen. Angenehme Schriftgrösse. So muss ein Buch sein, damit es mir Spaß macht, viel am Stück zu lesen. Inhaltlich gefällt mir der Roman, weil eine sehr anschauliche Sprache gewählt wurde, ohne den eigenen Vorstellungen bzw. der eigenen Fantasie viel vorweg zu nehmen. Darüberhinaus spricht sie von Liebe, Gefühlen und ähnlichem, ohne sich groß im detaillierten Beschreiben des Liebesaktes zu verlieren, wie es viele andere Autoren tun. Und am Ende war es vielleicht auch das, was mich von diesem Buch so begeistert hat. Die Autorin kann erzählen und die Fantasie anregen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Kurz: Unbedingt lesenswert!

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Ich liebe historische Romane über alles, vor allem wenn sie auch noch einen interkulturellen Hintergrund haben. Somit hat mich "Der Fremde aus Paris" unheimlich begeistert und ich habe das Buch förmlich verschlungen. Der Roman erzählt vom kühnen Aufbruch nach Europa eines jungen Mannes in Palästina zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Autorin schaffte es, einen fesselnden historischen Roman von unerhörter Aktualität zu schreiben. In einer leicht zu verstehenden, aber trotzdem wunderschön geschriebenen Sprache zeigt die Autorin auf, wie der Protagonist versucht, in Frankreich Fuß zu fassen. Doch auch Jahre später, zurück in Palästina, bleibt er ein Entwurzelter.... Ich kann es nur jedem ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Obwohl es sich um einen historischen Roman handelt, hilft er ungemein, die aktuelle Weltlage etwas besser zu verstehen und vor allem auch mehr Verständnis für die vielen entwurzelten Menschen zu haben.

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Midhat, ein junger Palästinener, verlässt seine Heimat und macht sich auf den Weg nach Frankreich, um dort Medizin zu studieren. Er erfährt eine Welt, die so ganz anders ist wie seine eigne und er stürzt sich hinein. Er will dazu gehören und ist zuversichtlich, das dies klappt. Tut es aber nicht, denn diese so anders lebenden und sozialisierten Menschen denken garnicht daran, ihn als ihresgleichen zu sehen und ihm trotzdem noch etwas von sich selbst 'zu lassen'. Und so macht er sich nach einigen Jahren mit der Erkenntnis, es nicht geschafft zu haben, auf zurück nach Hause. Doch auch dort erwartet ihn Fremde und verhaltene Ablehnung. Und so sehr er auch versucht, wieder angenommen zu werden und anzukommen in seiner eigenen Kultur, er heiratet und gründet eine Fanilie, wie der Vater es wünscht, endlich wieder ein zuhause zu haben, es scheitert. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, vor allem, weil die Geschichte mich zur Geschichte geführt hat, zur Geschichte der Palästinenser, in der Zeit vo r unserem Heute. Das war sehr interessant, ergreifend und so voller neuer Erkenntnisse. Und es hat dazu geführt, einen viel persönlicheren Blick auf die aktuelle politische und auch menschliche Dramatik des palästinensischen Volkes ermöglicht zu bekommen.

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