Leserstimmen zu
Nachttiger

Yangsze Choo

(17)
(1)
(0)
(0)
(0)
€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

Die 1930er Jahre in Britisch-Malaya: Der elfjährige Houseboy Ren arbeitet für seinen englischen Herrn, einen Arzt namens McFarlane. Kurz bevor dieser verstirbt, nimmt er dem Jungen ein Versprechen ab: er soll seinen Finger, den er vor Jahren verloren hat, wiederfinden, und innerhalb von 49 Tagen mit ihm begraben, damit seine Seele nach chinesischem Glauben Frieden finden kann. Pflichtbewusst wie er ist, macht Ren sich auf die Suche und stößt dabei auf ungesühnte Verbrechen, Geister, Aberglaube und nicht zuletzt die junge Ji Lin, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat, jedoch untrennbar mit Ren und seiner Jagd nach dem verschollenen Finger verbunden ist. "Nachttiger" hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und bis zur letzten nicht mehr losgelassen. Was für eine Sogwirkung! Die außergewöhnliche Mischung aus Kriminalfall, Historik, Mystik, Liebesgeschichte, dem atmosphärischem Setting und den sehr sympathischen Protagonist*innen, mit denen man einfach mitfiebern muss, hat mich absolut überzeugt. Die Grenzen zwischen Realität, Aberglaube und Übersinnlichem verschwimmen hier, was man natürlich mögen und sich darauf einlassen muss. Schockiert hat mich beim Lesen immer wieder, wie Ji Lin bzw. Frauen im Allgemeinen behandelt wurden, ebenso natürlich die chinesische Bevölkerung von den Kolonialisten. So habe ich beim Lesen zusätzlich zu der tollen Geschichte selbst noch einiges über die damalige Zeit mitnehmen können. Ich kann euch "Nachttiger" wirklich nur empfehlen!

Lesen Sie weiter

Im Britisch-Malaya der 1930er-Jahre, wird der junge Houseboy Ren von seinem sterbenden Herrn um einen letzten Gefallen gebeten: Er soll den einst amputierten Finger des alten Arztes finden, ihn innerhalb 49 Tage wieder mit seinem Körper zusammenführen, damit laut Aberglaube seine Seele ihre Ruhe finden kann und nicht rastlos umherstreifen wird. Auf seiner Suche trifft er die junge Ji Lin, deren größter Wunsch es ist, Krankenschwester zu werden, zur Zeit allerdings als heimlich als Tanzlehrerin die Schulden ihrer Mutter abarbeitet. Dass ihre Wege sich nicht zufällig kreuzen und auch Ji Lin und ihr Adoptivbruder Shin bereits Kontakt mit dem abgetrennten Finger hatten, wird ihnen erst sehr spät bewusst. Doch sie verbindet noch weitaus mehr, denn ihre Namen bilden drei der Fünf Tugenden nach Konfuzius: Zhi – Weisheit, Yi – Rechtschaffenheit, Ren – Güte, Li – Ordnung, Xin – Aufrichtigkeit. Der vierte im Bunde ist Rens verstorbener Bruder Yi, dem Ji Lin bereits in ihren Träumen begegnet ist. Doch wer ist der unbekannte Fünfte vor dem sie gewarnt werden? Bald heften sich dunkle Schatten an ihre Fersen, die vor nichts zurückschrecken - auch nicht vor Mord. Doch die Gefahr droht nicht nur von menschlicher Seite aus, sondern auch aus dem Geisterreich; Menschen sind auf mysteriöse Weise verschwunden und gestorben, Tiger wurden gesichtet. Gewöhnliche Tiger oder doch menschenfressende Geistertiger wie es die Legenden sagen? „Nachttiger“ ist weitaus mehr als nur ein einfacher historischer Roman. Er kombiniert Mystik, Thriller und Romantik auf eine Art und Weise, die den Leser in seinen Bann zieht. Die chinesischen Legenden werden so nahtlos in den Roman eingewoben, dass man nicht mehr zwischen Legende und Realität differenzieren kann. Die Hauptpersonen werden erst nacheinander eingeführt, die Perspektiven wechseln dabei zwischen Ren, Ji Lin und William Acton, einem jungen Arzt, der Ren bei sich arbeiten lässt. So lernt man die Charaktere von all ihren Seiten kennen, man erfährt ihre innersten Gedanken und Wünsche, sieht sie aber auch durch die Augen anderer und wie sie in ihrer Umwelt agieren. Doch erfährt der Leser tatsächlich alles über sie oder gibt es auch unausgesprochene Geheimnisse und Taten, derer man sich nicht bewusst ist? Verbunden durch das Schicksal und der Suche nach einem Finger, in der faszinierenden Mischung aus Kultur, Legenden, Aberglaube, Spannung und Romantik, versuchen die Protagonisten ihren Weg zu finden, bevor ihre Gegenspieler ihnen zuvorkommen. Dieses Buch hatte mich zunächst wegen des wunderschönen Stoffeinbandes angesprochen und mich dann so gefesselt, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Mischung aus historischem Roman mit mystischen Elementen, die dem Roman beinahe einen fantastischen Flair verleihen, üben eine eigenartige Faszination aus, die ich bisher in nur sehr wenigen Büchern gefunden habe. Ich kann an dieser Stelle nur eine klare Buchempfehlung aussprechen!

Lesen Sie weiter

Nachtiger von Yangsze Choo war für mich in vielerlei Hinsichten ein ganz besonderes Buch. Beginnen wir wie so oft mit dem Cover. Auch wenn der Buchrücken aus Stoff nicht unbedingt mein Fall ist, kann die wunderschöne Illustration des Tigers um so mehr punkten und spiegelt die Essenz der Geschichte perfekt wider. Aufmerksam auf das Schätzchen bin ich durch andere Blogger geworden, die das Buch in höchsten Tönen gelobt haben. Und was soll ich sagen, nach einem kurzen Blick auf den Klappentext war mir sofort klar, dass ich es lesen muss. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir dank des angenehm einfachen und flüssigen Schreibstils super leicht. Ich war demnach ab der ersten Seite absolut gefesselt und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin erweckt das historische Malaysia ganz einzigartig zum Leben. Besonders begeistern konnten mich die beiden Protagonisten, die man unabhängig voneinander begleiten darf und deren Schicksale dennoch irgendwie miteinander verworren sind. Obwohl Ren gerade mal 11 Jahre alt ist, hat man keinesfalls den Eindruck die Welt durch Kinderaugen zu sehen, da er aufgrund seiner Vergangenheit schon schnell Erwachsen werden musste. Und auch die junge Tänzerin Ji Lin muss sich einigen Herausforderungen stellen, weshalb man nicht anders kann, als mit den Beiden mit zu fiebern. Zusätzlich besticht der Roman mit einigen Krimi Elementen und sorgt somit für einen durchgängigen Spannungsbogen. So oft verschwimmen die Grenzen zwischen Aberglauben und Realität und lassen den Leser sprachlos zurück. Ein Buch was zum Träumen anregt. Absolute Leseempfehlung!

Lesen Sie weiter

In Britisch –Malaya hat der chinesische Houseboy Ren in den 1930er - Jahren eine unglaubliche Mission: Auf dem Sterbebett musste er seinem Master versprechen, seinen vor Jahren amputierten Finger zu finden und mit ihm zu begraben. Denn nur so kann seine Seele nach dem Tod ihre Ruhe finden. Er hat 49 Tage Zeit für die Mission, und wird mit einem Brief zu einem Freund des verstorbenen Doktors geschickt, um dort zu arbeiten und sich auf die Suche zu machen.. Dann ist da noch Ji Lin, die in einer Tanzhalle arbeitet, um die Mah-Jongg – Schulden ihrer Mutter zu begleichen. Davon darf jedoch keiner aus ihrer Familie erfahren, denn offiziell macht sie eine Schneiderlehre, nachdem ihr weitere Schulbildung wohl auf Grund ihres Geschlechts von ihrem Stiefvater untersagt wurde. Und eines Tages hält sie zufällig einen in Salz konservierten Finger in einem kleinen Gläschen in der Hand. Während sie den Finger loswerden möchte, sind mehrere Leute auf der Suche nach genau dem Finger. Dann hilft ihr Bruder bei der Sache und sie steckt mitten in einem Drama. Außerdem sterben Menschen, denn ein Tiger geht um. Ist es ein normaler Tiger, ein Mensch oder gar ein Wertiger (Wertiger sind verwandelte Menschen)? Stil, Machart, Meinung Dieses Buch in ein Genre einzuordnen, ist nicht so einfach. Es ist ein Roman. Ein historischer Roman der mich in eine komplett neue Welt geführt hat. Denn ich war weder physisch noch gedanklich jemals in dem Malaysia der 1930er –Jahre. Ich hatte wohl auch nicht erwartet, jemals einen Gedanken über den Ort zu der Zeit zu haben und habe so viel von der damaligen Lebensweise, dem Aberglauben und den dort lebenden Personen erfahren. Diese Geschichte ist aber auch ein Krimi, mit Elementen eines Thrillers. Menschen sterben und man möchte erfahren, warum und durch wen. Und neben diesen eher „normalen“ Elementen der Geschichte spielt noch etwas anderes eine große Rolle: Mystisches, Aberglauben, Traumwelten und eine große überirdische Kraft. Die Geschichte ist mit dieser Mischung etwas ganz besonderes, und ich war von der ersten- bis zur letzten Seite wirklich Feuer und Flamme. Und das, obwohl ich so dicke Romane mit vielen Beschreibungen und auch so mystische Elemente nicht gerade mein Steckenpferd nennen würde (Ich denke, bei den meisten Büchern, würde ich genau das kritisieren..). Die Geschichte wird aus 2 Perspektiven erzählt, einmal der Houseboy Ren und dann Ji Lin. Sie erzählen parallel die gleiche Geschichte, die natürlich bei beiden ganz anders ist. Die beiden müssen unbedingt zusammen finden. Ich mochte beide Figuren sehr. Während Ji Lin wirklich klingt wie eine junge Frau, die auch viel aus der Vergangenheit erzählt und nur Gutes im Sinn hat, jedoch auf Grund ihres Geschlechts nicht immer Gutes erfährt. Und Ren ist ein Junge, der in seinen Erzählungen natürlich diese kindliche Naivität an den Tag legt, jedoch auch sehr schlau ist und viele Dinge einfach auch spürt.Man erhält von beiden eine recht gute Einschätzung der anderen Figuren und kann sich alles sehr gut vorstellen. Fazit Wie man schon ahnen könnte, vergebe ich begeistert 5 Sterne. Ganz verschiedene Elemente wurden zu einer stimmigen Geschichte verwoben, sodass dieses dicke Buch mich zu keiner Zeit gelangweilt hatte. Das Buch selbst ist so schön aufgemacht wie die Geschichte. Daher empfehle ich dieses Buch uneingeschränkt an Fans von schönen Geschichten, Romanen, historischen Romanen, Krimis, Asien, Tigern, Aberglauben, Traumwelten, Liebesromanen und einfach guten Büchern. Mein Lesehighlight 2020 – bis jetzt.

Lesen Sie weiter

Brilliant!

Von: Camilla

05.04.2020

Ich bin mit ganz offenen Erwartungen an das Buch herangegangen. Der Klappentext war für mich ein Hinweis, dass dieser Roman vielleicht anders sein würde als die Bücher, die ich für gewöhnlich lese. Tatsächlich konnte mich die Mischung aus einem historischen Roman mit Elementen von Krimi und Liebesroman vollkommen überzeugen. Mir hat wirklich jeder Aspekt dieser Geschichte gefallen. Da wäre zuerst das Setting in den 1930er Jahren in Britisch-Malaya, dieser Schmelztiegel an Kulturen, den die Autorin auf authentische Weise und durch bildhafte Sprache zum Leben erweckt. Die Schilderung der Natur, aber z.B. auch der lokalen Städte und Speisen, wurde so gut umgesetzt, dass man das Gefühl hatte, selbst vor Ort zu sein. Darüber hinaus webt Yangze Choo malayische und chinesische Volkssagen in die Geschichte hinein und verknüpft diese auf geschickte Weise mit Kriminalfällen. Der Titel etwa bezieht sich auf die Sage um den Tiger als Gestaltenwandler. Ich bin für gewöhnlich nicht so die Krimi-Leserin, aber hier hat mich die Spannung wirklich mitgerissen. Obwohl die Autorin auf überspitzte Dramatik verzichtet, baut sich hier Seite für Seite ein Sog auf, der einen das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Brilliant! Ich vergebe 5/5 Sterne.

Lesen Sie weiter

In Zeiten wie diesen, in denen nie Dagewesenes geschieht und unser Bewegungsradius eingeschränkt ist, wie wir es noch nie erlebt haben, rückt das gute, alte Lesen wieder sehr stark in den Vordergrund. Denn auf keine vergleichbare Weise kann man derart tief in andere Welten eintauchen – und das nicht nur für 90 Minuten wie bei einem Film – und alles um sich herum vergessen. Genau das passiert auch bei dem wunderbaren Buch „Nachttiger“ von Yangsze Choo. Das Buch ist ihr zweiter Roman, aber der erste, der auch in Deutschland erscheint. Für mich ist Yangsze Choo eine grandiose Entdeckung und eine Bereicherung des Literaturhimmels. „Nachttiger“ hat mich über die visuelle Schiene gepackt – beim Durchblättern der Verlagsvorschauen sprang mir dieses bezaubernde Cover ins Auge und ich musste wissen, um was es geht. Als auch die U4 gut klang, war klar: Das will ich! Wir befinden uns im Britisch-Malaya der 1930er-Jahre. Der alte Doktor MacFarlane liegt im Sterben und er hat nur noch einen großen Wunsch, den er seinem chinesischen Houseboy Ren zuflüstert: Er solle seinen amputierten kleinen Finger wiederfinden und dann zu ihm ins Grab legen. Dafür hat der Junge laut örtlichem Aberglauben genau 49 Tage Zeit – so lange befindet sich nämlich die Seele noch in einem Zwischenstadium; um zur Ruhe kommen zu können, muss der Körper des Toten unversehrt sein. Der Arzt stirbt, die Uhr tickt. Der kleine Ren gibt sich für 13 aus, ist in Wirklichkeit aber gerade mal 11 Jahre alt. Seine Eltern sind tot und vor ein paar Jahren musste er auch noch seinen Zwillingsbruder Yi ins Reich der Toten gehen lassen. War es ein Tiger, der nachts kam und ihn tötete? War es ein Unfall? Die beiden hatten auf alle Fälle von jeher einen übernatürlichen Draht zueinander und zu ihrer Umgebung. Wo sie zusammen auftraten, konnten sie Geschehnisse fühlen, bevor sie passierten, Gefahren erspüren. Doch seit seine zweite Hälfte tot ist, hat Ren dieses Gefühl nicht mehr – oder nur noch in seinen Träumen, wenn er seinen Zwillingsbruder wiedersieht. Dafür geschehen ihm auffallend oft Missgeschicke, die ihn des Öfteren fast sein Leben kosten. Ren macht sich nun mutterseelenalleine auf den Weg, alles was er hat, ist die Adresse eines Doktors, dem er einen Brief des Toten übergeben soll. Zeitgleich lernt der Leser das Mädchen Ji Lin kennen, das in Ipoh eine Ausbildung zur Schneiderin macht, obwohl es viel lieber Medizin studiert hätte, und das nebenbei noch in einer Tanzhalle arbeitet, um die Spielschulden seiner Mutter zu tilgen. Ji Lins Stiefbruder Shin hat das große Los gezogen und darf als Junge die medizinische Laufbahn einschlagen, von der Ji Lin immer geträumt hat. Switch zum anderen Setting: Als Ren eines Abends völlig erschöpft endlich bei dem jungen britischen Arzt William Acton ankommt, bietet ihm dieser nach Lektüre des überbrachten Briefes eine Anstellung als Hausdiener in seinem Hause an. Die erste Etappe seiner Reise hat der kleine Junge also erfolgreich gemeistert. Doch nun weiß er beim besten Willen nicht weiter: Woher soll er wissen, wo sich dieser kleine amputierte Finger befindet und wie er ihn finden soll? Zur selben Zeit in einer anderen Stadt muss Ji Lin mit einem besonders unangenehmen Gast in der Tanzhalle Tangoschritte üben. Bei einem besonders ungeschickten Versuch des wenig begabten Tänzers, eine Tangofigur auszuführen, verheddert sich Ji Lin in dessen Tasche und kriegt etwas Komisches zu fassen. Aus Angst, als Taschendiebin beschuldigt zu werden, steckt sie das Etwas in ihre Tasche, sagt nichts und schaut sich ihren Zufallsfund in einer ruhigen Minute an: Es ist ein kleines Glasfläschchen mit einem schaurigen Inhalt: Ein amputierter kleiner Finger. Wenige Tage später findet Ji Lin heraus, dass der unbegabte Tänzer verstorben ist. Und seit sie im Besitz des Fingers ist, fühlt sie sich wiederum seltsam verfolgt … Ist das Zufall oder gibt es hier höhere Mächte, die die Fäden ziehen? Als Ji Lin zur Beerdigung fahren will, um den Finger dort am Grab abzulegen, schließt sich ihr ihr Stiefbruder Shin an und so schliddern sie gemeinsam in ein Abenteuer, das sie beide nicht erahnen konnten. Auf äußerst raffinierte Weise entspinnt Yangsze Choo verschiedene Fäden einer Geschichte und verwebt sie äußerst kunstvoll miteinander. Personen werden wie von fremder Hand geleitet und ihre Wege kreuzen sich deswegen – und diese Begegnungen wiederum verändern ihrer aller Leben. Die Namen der wichtigsten Protagonisten im Roman zeigen auf einer Metaebene zusätzlich, dass hier Personen zusammengehören, auch wenn sie es zu Beginn noch gar nicht wissen, da sie einander noch nicht einmal kennen. So steht „Ji“ für Weisheit, eine der fünf konfuzianischen Tugenden. Die restlichen lauten Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Sittlichkeit und Aufrichtigkeit. Als alle fünf Tugenden in Form von Menschen an einem Ort aufeinandertreffen, kann das Rätsel um den amputierten Finger endlich gelöst werden. Dieses Buch entspinnt ab der ersten Seite einen magischen Zauber. Dieser wird geschickt und gekonnt mit Spannungselementen einer kriminalistischen Geschichte kombiniert, dem Allen wird als Sahnehäubchen noch eine unerwartete Liebesgeschichte oben aufgesetzt und so liegt uns hier ein perfektes Buch vor, das uns Leser für viele Stunden in eine andere Welt entführt. Mein Überraschungsliebling 2020 bislang! Ganz allerdringendste Lesepflicht!

Lesen Sie weiter

Im Dezember entdeckte ich mit Nebelinsel zum ersten Mal ein Wunderraum Buch für mich. Das Buch schaffte es auch prompt mein Monatshighlight zu werden und ich schaute mir daher das Programm des Verlages weiter an. Nachttiger klang interessant und nach einer weiteren tollen Gelegenheit, meine Komfortzone zu verlassen. Doch war dieser Ausflug ins Ungewisse von Erfolg gekrönt? Malaysia: Ein Potpourri der Kulturen Wie der Klapptext schon verrät, spielt diese Geschichte in Malaysia bez. damals die Kolonie Britisch-Malaysia Anfang der 1930er. Ich persönlich kannte mich ehrlich gesagt bis dato überhaupt nicht mit diesem Land aus und so war das Lesen für mich ein Abtauchen in eine fremde, faszinierende Welt. Im Malaya, wie der historische Name des Landes ist, prallen drei Kulturen aufeinander. Zum einen die der Einheimischen, dann die britischen Kolonialherren und nicht zuletzt hat China mit einer enormen Zahl an Einwanderer enormen Einfluss und bringt, seine Traditionen und Kultur mit. Aus dieser Situation heraus entsteht eine faszinierende Vermischung von Kultur und Traditionen, so trifft zum Beispiel der malaiische Glaube an Geistertiger auf den chinesischen Zahlenaberglaube. Die Traditionen der Leute verschmelzen und bilden eine einzigartige Gesellschaft. Der Autorin gelingt es hervorragend diese Eigendynamik des Landes an den Leser zu vermitteln. Die Odyssee eines Fingers An diesem geheimnisumwitterten Ort verwebt die Autorin das Schicksal von fünf Menschen. Sie alle tragen eine der fünf konfuzianischen Tugenden im Namen: Zhi – Weisheit Yi – Rechtschaffenheit Ren – Güte Li – Ordnung Xin – Aufrichtigkeit Als Leser lernen wir die Namensträger aber erst nach und nach kennen, manche offenbaren sich sogar erst kurz vorm Ende des Buches. Zu Beginn handelt die Geschichte vor allem von dem jungen Ren, der den amputierten Finger seines toten Herren finden soll und Ji Lin, die durch Umstände ebenjenen Finger findet. Was folgt, ist eine fast schon aberwitzige, aber eben auch sehr amüsante Reise des Fingers, die man einfach nur als Odyssee bezeichnen kann. Mit voranschreiten der Handlung verweben sich die Schicksale der Figuren immer enger. Ich war absolut begeistert davon, wie die Autorin es schafft alles und jeden miteinander zu verbinden, diese Verbindungen aber immer erst nach und nach zu enthüllen. Stück für Stück die Fäden zu erkennen, die alles zusammenführen, stellte einen großen Lesegenuss dar und ließ das Buch zu keinem Zeitpunkt langweilig werden. Die Grenzen verschwimmen Doch die tolle Handlung, in der sich sogar Krimielemente finden lassen, ist nicht der einzige Grund, der dieses Buch zu einem Lesevergnügen macht. Ebenso gelungen fand ich die Vermischung von Mystik und Realität, von Traum und Wirklichkeit. In diesem Buch ist vieles nicht so, wie es scheint. Man fragt sich oft, was ist Legende und was ist wahr? Das Buch wandert dabei auf einem schmalen Grat zwischen Schein und Sein, hält aber exzellent die Balance. Und auch bei den Charakteren selbst verschwimmen die Grenzen, viele haben Dinge getan, die nicht unbedingt gut waren, waren aber trotzdem keine schlechten Menschen. Es gibt kein schwarz oder weiß in diesem Buch und das ist immer ein Punkt, den man loben muss. Fazit: Mein zweites Buch aus dem Wunderraum Verlag und definitiv nicht mein Letztes! In Nachttiger entfaltet sich eine faszinierende Welt aus Mystik und Historik, aus Liebe, Verrat und Leidenschaft. Fünf Menschen, untrennbar verbunden durch die Odyssee eines Fingers. Witzig, mitreißend und betörend. Eine klare Leseempfehlung!

Lesen Sie weiter

Yangsze Choo hat chinesische Vorfahren und ist Malaysierin. Als Diplomatentochter prägten Umzüge ihre Kindheit, sie lebte in Japan, Deutschland, auf den Philippinen und in Thailand. Nach ihrem Harvard-Studium arbeitete sie als Consultant und in einem Start-Up. Inzwischen hat es sie mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Kalifornien verschlagen. "Nachttiger" ist ihr zweiter Roman. Dieser versetzt den Leser nach Britisch-Malaya in den 30er Jahren. Sowohl der Ort als auch die Zeit wirkten auf mich doppelt exotisch und machten mich ebenso neugierig wir das ansprechend gestaltete Buch an sich. Auf dem Sterbebett erteilt ein aus England stammender Arzt seinem chinesischen Houseboy Ren einen letzten Auftrag: Gemäß dem Aberglauben der Einheimischen muss spätestens 49 Tage nach dem Tod der vollständige Körper beerdigt sein. In diesem Fall ist das eine Herausforderung, denn diesem Arzt wurde ein Finger amputiert. So macht sich Ren auf die Suche nach dem Finger. Einen solchen über hat die angehende Schneiderin Ji Lin. Im Rahmen einer Nebenbeschäftigung kommt sie nämlich ungefragt in den Besitz eines amputierten Fingers. Bis Ren und Ji Lin zusammenfinden, sind einige Hürden zu überwinden. Stellenweise schafft es der Roman, einige mysteriöse Plots anzudenken. Gerade die Verknüpfung mit einem umherstreifenden Tiger und die Idee von "Wertigern" hätte "Nachttiger" durchaus zu einem recht abgefahrenen Leseerlebnis werden lassen können. Die Absprünge in eine mehrere Personen verbindende Traumwelt gibt dem Leser Raum für Spekulationen. Bei weitem nicht alle Mysterien werden erklärt oder zu Ende gesponnen, denn irgendwann wird die Geschichte wieder in weitgehend realistische Bahnen gelenkt. Ich fühlte mich durch "Nachttiger" auf überwiegend fesselnde Art in die Zeit und nach Britisch-Malaya entführt. Choo versteht es, die Spannung subtil aufzubauen und mich mühelos über 550 Seiten bei der Stange zu halten. Leser sollten sich zumindest ein Stück weit für Asien interessieren und sich nicht von dem durchgehen präsenten Aberglauben abschrecken lassen. Unter diesen Voraussetzungen steht einer stellenweise märchenhaften und spannenden Lesereise in eine fremde Welt nichts mehr im Weg. Außer vielleicht der aktuell erschwerte Weg in die Buchhandlung, aber es gibt ja auch gesichert virenfreie Alternativen zur Beschaffung.

Lesen Sie weiter