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SPECIAL zu Megan MacFadden

Megan MacFadden über ihre Romanwelt und den Prozess des Schreibens

Megan MacFadden ist das Pseudonym einer Autorin, die bereits viele Erfolge im Bereich der Unterhaltungsliteratur vorweisen kann. Ihr Spektrum reicht von historischen Liebesromanen über erotische Literatur bis hin zu humorvollen Ratgebern.

Wann und wie ist der Entschluss in Ihnen gereift, Ihren ersten Roman zu schreiben?
Megan MacFadden: Ich wurde dazu verdonnert. Als ich vor Jahren mit dem Schreiben begann, verfasste ich eine Menge Kurzgeschichten, die schickte ich an eine Literarische Agentur. Ergebnis: Die Geschichten gefielen ihnen, der Markt für Kurzgeschichten sei jedoch quasi nicht vorhanden, ich solle halt einen Roman schreiben. Also setzte ich mich hin und schrieb meinen ersten Roman. Nun ja – es war kein Meisterwerk. Die Agentur las mein Manuskript und ließ mich wissen, dass es unverkäuflich sei. Sie waren wirklich sehr nett und rücksichtsvoll, luden mich zu Tee und Keksen ein und erklärten mir in freundlichen Worten, weshalb dieses Manuskript nichts tauge. Was genau gesagt wurde, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, vermutlich war ich so frustriert, dass ich kaum etwas aufnehmen konnte. Aber ich weiß noch, dass ich später mit dem Manuskript unter dem Arm auf einer Mainbrücke stand und mir überlegte, dass ich diesen nutzlosen Stapel Papier am besten in den Fluss werfen sollte. Ich tat es nicht – im letzten Augenblick fiel mir ein, man könne mich wegen Umweltverschmutzung anzeigen.
Nun ja – ich habe die Enttäuschung überwunden und weiter geschrieben. Das Thema dieses ersten, misslungenen Werkes habe ich später wiederaufgenommen und mit dem Buch sogar einen Preis gewonnen.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten in die Welt einer Ihrer Highlander-Romane reisen: In welche Figur würden Sie am liebsten schlüpfen und warum?
Megan MacFadden: Eigentlich tue ich das immer, wenn ich schreibe. (schmunzelt) Ich schlüpfe in die Rolle des Helden, aber auch die der Heldin, ich finde mich in den Nebenfiguren wieder, ganz gleich ob sie Fieslinge oder sympathische Figuren sind. Und wenn ich mich in einer dieser Rollen nicht wohlfühle, dann stimmt etwas nicht mit dieser Figur.
Aber wenn ich mal versuche, mich näher auf die Frage einzulassen ... ich glaube, ich würde am liebsten in eine meiner Frauenfiguren schlüpfen. Einfach deshalb, weil sie in den Genuss dieser tollen Männer kommen. Ich mag diese Sorte, sie sind ziemliche Machos, können schon mal ruppig werden, verlieren aber niemals den Respekt vor einer Frau und sind – wenn's drauf ankommt – nicht nur großartige Liebhaber sondern auch Typen, an die man sich vertrauensvoll anlehnen kann. Sie verfolgen ihre Ziele mit Cleverness, Energie und einer unverbesserlichen Sturheit – wenn es aber um die Liebe geht, kann so ein Highlander schon mal den Kopf verlieren und allerlei Dummheiten begehen.
Gewiss, sie haben auch ihre Macken – zum Beispiel sind sie mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein ausgestattet. Aber wenn ich's mir recht überlege, muss das nicht unbedingt ein Fehler sein. Zumal meine Heldinnen ihren Partnern durchaus das Wasser reichen können.

Woraus schöpfen Sie die Inspiration für Ihre romantischen Settings?
Megan MacFadden: Ich habe mich schon als Kind für Burgruinen, alte Klöster oder sonstige verfallene Gemäuer begeistert. Ich glaube, dass solche Orte mir schon immer Geschichten erzählen wollten, ich bin nur erst später darauf gekommen, sie aufzuschreiben.

Sie schreiben Liebesromane vor historischer Kulisse: Wie lange recherchieren Sie, bis Sie Figuren und Schauplätze gefunden haben?
Megan MacFadden: Die ersten Ideen entstehen meist aus dem Interesse für eine historische Person, eine Epoche oder eine Landschaft. Ich lese ein Buch, sehe eine Dokumentation im Fernsehen oder einen Film. Manchmal entsteht die Keimzelle für einen Roman auch auf einer Urlaubsreise oder während einer Unterhaltung mit einem Bekannten. Wenn ich dann das Gefühl habe, diese Geschichte fasziniert mich, beginne ich mit den gezielten Recherchen. Ich durchforste das Internet, besorge mir Sachbücher oder manchmal auch Filmmaterial zum Thema; wenn es zeitlich und finanziell möglich ist, reise ich auch an Originalschauplätze. Hilfreich sind auch Museen und Ausstellungen. Einige Monate muss man schon dafür einplanen und oft tauchen auch während des Schreibens neue Fragen auf, die geklärt werden müssen.

Was ist für Sie der schönste Aspekt an Ihrer Arbeit?
Megan MacFadden: Etwas zu erschaffen, das ganz allein aus meiner Phantasie erwächst. Träume aufs Papier zu bringen und andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Das ist eine total verrückte aber auch ganz wundervolle Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Skizzieren Sie Ihre Figuren vorab bis ins Detail oder kann es auch vorkommen, dass diese Sie während des Schreibens überraschen, indem sie ein „Eigenleben“ gewinnen?
Megan MacFadden: Eine gefährliche Angelegenheit. Meine Hauptfiguren sind meist ziemlich genau skizziert, ich weiß, wie sie denken und fühlen, und ich weiß auch, in welche Katastrophen und Glückseligkeiten ich sie stürzen werde. Dennoch zeigen sie während des Schreibens häufig neue Eigenschaften, das kann die Figur bereichern oder auch verwirrend sein – auf jeden Fall muss ich entscheiden, ob ich meinen Protagonisten dieses „Eigenleben“ gestatte, sie sozusagen „an der langen Leine führe“, oder ob ich energisch einschreite. Noch schwieriger ist es mit den Nebenfiguren, die ich oft erst während des Schreibprozesses entwickle. Manchmal bin ich von ihnen so begeistert, dass ich mich dieser oder jener Figur allzu sehr zuwende, dann muss ich mich vorsehen, dass sie den Hauptfiguren nicht den Rang abläuft.