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Playlist zu Peter Richters Roman "89/90"

„Sicher gibt es bessere Musik, aber dieses war nun mal die, die damals in der Luft lag.“

Peter Richter beschreibt in seinem autobiografischen Roman das chaotische Ende der DDR aus der Sicht eines damals Sechzehnjährigen. Was könnte das Lebensgefühl einer rebellischen Generation besser einfangen als Musik? In dieser Playlist versammelt Autor Peter Richter die Musik, die im Lauf seines Romans erwähnt wird, „in der Reihenfolge ihres Auftauchens ohne Rücksicht auf Herkunft oder Qualität und die Frage, ob die Protagonisten diese nun hören wollten oder nicht.“ Denn, so Peter Richter: „Sicher gibt es bessere Musik, aber dieses war nun mal die, die damals in der Luft lag.“

>> 1989 <<



The Cure: A Primary

„Ich kann mich nicht erinnern, dass überhaupt jemals zu Beginn eines Novembers, mit seinen kurzen, nassen, dunklen Tagen, so eine gute Laune und Euphorie geherrscht hätten, und zwar sogar bei denen unter uns, die immer noch The Cure oder Bauhaus hörten und es hinbekamen, selbst in diesen stürmischen Tagen ihre sogenannten Depri-Phasen zu pflegen so wie andere Leute ihre Fönfrisuren.“ (89/90, Seite 192)

Grandmaster Melle Mel: Beat Street Breakdown.

Wolf Biermann: Commandante Che Guevara

Kim Wilde: Kids in America

Sergej Rachmaninoff: Klavierkonzerte

„Anfang hatte S. noch Kim Wilde gehört, was er später leugnen sollte, so wie ich heute leugnen würde, dass ich damals noch nicht einmal Kim Wilde kannte, weil das Modernste, das bei uns zu Hause gehört wurde, ungefähr Rachmaninow war.“ (89/90, Seite 31)

Depeche Mode: But Not Tonight

The Cure: Boys don’t cry

Kaltfront: Happy Generation

Kaltfront: Karriere

„S. hatte die betrübliche Nachricht irgendwann im Herbst überbracht: Kaltfront war mal, Kollege, die sind Geschichte, tot wie Spielzeug. Aber siehe: Sie hatten irgendwie Ersatz rekrutiert, und in den Gesichtern meiner Leute stand ein beseeltes Lächeln, wie ich das bisher nur von Großeltern kannte, die in Fotoalben blättern.“ (89/90, Seite 236f.)

Siouxsie and the Banshees: Dear Prudence

Bauhaus: She’s in Parties

Metallica: For Whom the Bell Tolls

„S. fuhr mit seiner Pfarrerstochter Ende Juli für ein paar Tage mal nach Prag. Sie wollten da auf irgendein Konzert von entweder den Toten Hosen oder Metallica, ich weiß es nicht mehr. Die Informationen darüber, wer da überhaupt spielen würde und wann und wo genau, waren damals schon so dermaßen vage, dass ich keine Lust hatte, mitzufahren.“ (89/90, Seite 152)

Slayer: Mandatory Suicide

MCB: Lied des Galgenbruders an Sophie, das Henkersmädel


Gerhard Schöne: Wellensittich und Spatzen

„Wir fanden so gut wie alles interessant, berechtigt, aufregend. Selbst die Langhaarigen, die Gammler, die Penner, wie sie sich selber nannten, oder auch: die Kunden mit ihren Hirschbeuteln und Bluesmessen. Sogar die Kirchenmäuse ohne BH, die immer noch Schlaghosen trugen und Gerhard Schöne hörten.“ (89/90, Seite 33)

Modern Talking: Cheri, Cheri Lady

G.G. Anderson: Am weißen Strand von San Angelo

Olaf Berger: Es brennt wie Feuer
(ab 1:10)

„Im Hintergrund spielte dazu das Radio Schlager. Immer abwechselnd einen aus dem Westen und einen von uns. G. G. Anderson mit »Am weißen Strand von San Angelo« und gleich darauf Olaf Berger mit »Es brennt wie Feuer«. Schwer zu sagen, wo der Unterschied lag. Vielleicht war bei dem Westschlager noch mehr Sahne im Sound.” (89/90, Seite 37)

Inner City: Good Life

Billy Bragg: New England

Die Ärzte: Teenagerliebe

Fine Young Cannibals: Ever Fallen In Love (Buzzcocks-Cover)

The Smiths: How Soon Is Now?

Cockney Rejects: I’m not a Fool

The Crass: Do They Owe Us a Living?

Canal Terror: Staatsfeind


electra: Der Baum

Stern Combo Meißen: Mütter gehn fort ohne Laut

„Es wurde allen Ernstes Rock und Pop ‚von uns‘, aus der DDR, in ihrem Zimmer gehört, das muss man sich mal vorstellen: frühe Sachen von Electra und Stern Meißen, Musikhochschulmusik, Fachrichtung Rock. Es klang nach Schlaghosen und spitzen Hemdkragen, nach Cordjacketts und Koteletten. … Ich wusste nicht, wie ich diese Musik finden sollte. Sie klang irgendwie ockerfarben.“ (89/90, Seite 55)

Stiff Little Fingers: Barbed Wire Love

Hammer und Zirkel im Ährenkranz

Kaltfront: Kriegslied (Erich Mühsam)

Robert Schumann: Fantasie in C-Dur


TRIO: Sunday You Need Love, Monday Be Alone

„T. rauchte auch Karo. Das brach gleich mal zwischen uns das Eis. Und er mochte die Band TRIO. Das befremdete mich nun wieder. Oder sagen wir so: Das hatte ich nicht erwartet. Dauernd lief bei diesem Transvestiten eine frühe Live-Aufnahme von TRIO aus irgendeinem Dorf bei Stuttgart, Reutlingen oder Tuttlingen, der Sänger, Stephan Remmler, machte Witze darüber, irgendwas mit -lingen eben, ihm schien das auch völlig egal. Und T. hörte nicht auf, die schlichte Einfalt der Musik zu loben, das Einfache, dieses ganz, ganz Einfache und Lakonische. Fand er herrlich.“ (89/90, Seite 86f.)

Johann Sebastian Bach: 2. Brandenburgisches Konzert

„Sonnabend war aber auch der Tag, an dem der Musikunterricht war. Frau Ö. analysierte den ersten Satz von Bachs zweitem Brandenburgischen Konzert und ließ anschließend einfach den Rest der Platte auch noch durchlaufen. Das war angenehm. Und als die Geigen verstummten, hörte man schon die Kreissägen aus den Gärten der Umgebung.“ (89/90, Seite 93)

Sperma Combo: Anders sein

Ulrike am Nagel: Live in Dresden, 1992

„Es ging gegen Jena an jenem Tag. Gegen Carl Zeiss. Gegen Jena an sich konnte man eigentlich wenig haben. Eine Autobahn, ein Plattenbaugebiet, praktisch als Lärmschutzwand, und dahinter ein ganz schönes Städtchen. Hübsch auch die Landschaft. Von dort kamen Bands mit eindrucksvollen Namen, Sperma Combo und Ulrike am Nagel.” (89/90, Seite 95)

Atonal: Party Anti-Pop

Sade: Smooth Operator

Paula Abdul: The Way That You Love Me

Soulsister: The Way To Your Heart

Madonna: Like a Virgin

Roxette: The Look

The Cure: Lullaby

The Bangles: Eternal Flame

Oktoberklub: Sag mir, wo du stehst

Mysterious Art: Das Omen

Neneh Cherry: Manchild

Madonna: Express Yourself

Jason Donovan: Sealed With a Kiss

Bill Medley, Jennifer Warnes: „(I’ve Had) The Time Of My Life“


Hans-A-Plast: Ich zünd mich an

„An einem Mittwoch Anfang Juli rief zum Beispiel jemand: Hey, Hans Plast! S. hatte zu dem Zeitpunkt den Namen der westdeutschen Punkband Hans-A-Plast in weißen Lettern hinten auf der Lederjacke stehen. Wir standen immer noch unter dem Eindruck der Geschichte, wie wir einmal auf der Rue die Flics angekommen waren und die Jungs dort zwangen, das Wörtchen HASS von den Lederjacken runterzukratzen. Wegen des umkringelten A und wegen des Doppel-S. Hass schreibe sich eh mit ß, hatte der eine Flic noch gesagt. Aber nicht bei Großbuchstaben, wurde ihm entgegnet.“ (89/90, Seite 137f.)

Die Firma: Rote Leiber

Torpedo Mahlsdorf: Tim Reffke

Wartburgs für Walter: Springtime

Big Savod: Live (und Interview) in Friedrichsfelde

Freygang: 2 Bier, 2 Korn

Magdalene Keibel Combo: Graf Zahl

4 Skins: Plastic Gangster

Der KFC: Stumpf ist Trumpf

Killing Joke: Eighties

City: Am Fenster

Wolf Biermann: Die Elbe bei Dresden

Feeling B, Sandow und Silly in: Flüstern und Schreien

„S. hatte sich und mir in den Kopf gesetzt, die Leute aus dem Film ‚Flüstern und Schreien‘ zu finden: die Typen, die da am Ostseestrand Pogo tanzen und nachher Lagerfeuer machen mit der Band Feeling B. … Das Problem war natürlich nur, dass der Film schon vor zwei Jahren gedreht worden war und keiner sagen konnte, ob die da nun auch in diesem Jahr ihre Feten am Strand von Hiddensee feiern würden, oder ob die auch längst in Ungarn waren oder schon im Westen.“ (89/90, Seite 150f.)


Feeling B: Lied von der Unruhvollen Jugend

Rammstein: Lied von der Unruhvollen Jugend

Sandow: Er ist anders

Silly: Verlorene Kinder.

Chicoré: Käfer auf’m Blatt

Monokel: Bye bye, Lübben City


Nick Cave and The Bad Seeds: The Mercy Seat

„Hier kamen die Träumer und Eigenbrötler zusammen, die Jungs, die Nick Cave hörten, während sie die verfallenden Häuser vor ihrem Fenster festhielten, und die Mädchen mit den selbstgeschneiderten Kleidern und Frisuren und Lebensplänen. Hier fand ich es super.“ (89/90, Seite 159)

Kaoma: Lambada

Jive Bunny and The Mastermixers: Swing the Mood


Uriah Heep: Lady in Black

„An diesem Nachmittag malte ich mir eine Eisscholle in Form der DDR hinten auf die Lederjacke, Stacheldrahtzaun drum rum, und innen drin ein Männlein, das wie auf dem Knasthof seine Runden dreht. Das war inspiriert von S. Der sang gerne, das war unter den Punks auf der Rue damals üblich, zur Melodie von Uriah Heeps »Lady in Black« folgenden Text hier: Hundert Meter im Quadrat / und ringsherum ist Stacheldraht / weißt du, wo ich wohne? – und dann kam, vor dem Ah-hahaa-hahaa-hahahaa, noch irgendwas Zusammengenuscheltes mit dem Wort Zone. Meine Mutter lobte die künstlerische Leistung und versteckte zur Sicherheit die Jacke, während ich schlief.“ (89/90, Seite 161)

The Wedding Present: Why Are You Being So Reasonable Now?

The Sugar Cubes: Motorcrash

AG Geige: Das Scheusal

Robert Schumann: Klavierkonzert a-moll, Swjatoslaw Richter, Witold Rowicki, Sinfonieorchester der Nationalen Philharmonie Warschau

Einstürzende Neubauten: Haus der Lüge

Einstürzende Neubauten: Yü Gung

Freygang: Eisbeinonkel

Die Firma: Kinder der Maschinenrepublik
https://www.youtube.com/watch?v=7sULv15qDlk

vgl. aber auch:
Die Firma: Frau Müller
(Reflektiert die Wiedervereinigung schon, ist also bisschen später entstanden, dafür aber in für eine Berliner Band ziemlich gutem Sächsisch!)

„Später stand dann die Sängerin von Die Firma mit ihren zornigen roten Haaren hinter dem langen Hals ihrer Bassgitarre und bellte: Hier ist deine Zeit, und hier ist dein Platz / hier ist deine Zukunft, dein Bett, / und ob und wohin und warum du rennst – / du weißt es nicht, und du kommst auch nicht weg. Das stimmte nun so seit zwei Tagen nicht mehr, und man hatte das Gefühl, dass sie das extra gallig machte. Dem Auftritt tat es jedenfalls gut.“ (89/90, Seite 195)

Kaltfront: N.O.T. (Live bei „Rock against Exudätion and Bononen“ im Jugendklub X. Weltfestspiele am 22.12.1989)

Freunde der Italienischen Oper: Call Over The Wall
(inkl. Bilder von deren ersten Westberlin-Besuch)

„Waren wir wirklich so schnell schon in die Phase der Nostalgie eingetreten? Gerade mal sechzehn – und schon in Jugenderinnerungen schwelgen: Die Freunde der Italienischen Oper, auch sie wiederauferstanden aus dem Ausreisewellentod mit neuem Personal. Wie umwerfend das war, als diese Band, Band? Theaterereignis!, neu gewesen war vor der Ewigkeit von vielleicht zwei Jahren, sechs Männer mit Gamaschen und Krawatten und ein Sänger, der aussah wie Elvis Presleys wütender kleiner Bruder?“ (89/90, Seite 237)

A-lös-A, Frühlingsfest in der Erlöserkirche, Berlin-Rummelsburg 1988

>>1990<<



Phil Collins: Another Day in Paradise

Technotronic: Pump up the Jam

„‚Another Day in Paradise‘ war das Lieblingslied der Deutschen, als das Jahr 1990 begann, und wo immer diese sonderbar flache, nach Zweitaktmotoren, nach Trabis im Leerlauf klingende Stimme von Phil Collins aus dem Radio kam, erinnerte das daran, dass die Achtziger noch nicht ausgestanden waren. Aber in den Charts war neuerdings auch dies: Technotronic mit »Pump up the Jam«, und die Haare bekamen jetzt Mittelscheitel, die hingen im Idealfall, also wenn die Mädchen das »süß« finden sollten, wie bei dem Schauspieler Johnny Depp von den Seiten her in die Stirn.“ (89/90, Seite 251)

Metallica: One

Stromtroopers of Death: Speak English Or Die

Method of Destruction: Get a Real Job

Method of Destruction: Bubble But/Spandex Enormity

Böhse Onkelz: Der Nette Mann

Quetschenpaua: Mainzerstraßenlied

Philipp Boa and the Voodooclub: Container Love

Jingo de Lunch: Axe To Grind. Live

Suicidal Tendencies: How Will I Laugh Tomorrow If I Can’t Even Smile Today?


Pixies: Gouge Away

„Wir hörten sehr viel die Pixies in jenem Frühjahr, S. und ich, wahrscheinlich kam das einem Bedürfnis nach sentimentalen Melodien entgegen, für die man sich nicht schämen musste, weil sie in das kratzige Packpapier von Dissonanzen, Gebrüll und Gefiepe gewickelt kamen. Eigentlich waren die Zeiten ja nicht nach traurigen, schönen Melodien, eigentlich klangen die Zeiten nach Ernst, nach Härte und nach strenger Euphorie.“ (89/90, Seite 295)

Front 242: Headhunter

Clock DVA: Buried Dreams

Ministry: Burning Inside

Laibach: Leben heißt Leben

Bad Brains: I against I

Dead Kennedys: Holidays in Cambodia, live

Michael Jackson: Dirty Diana

Beastie Boys: Girls

Communards: Don’t Leave Me This Way

Pet Shop Boys: It’s a Sin

Fine Young Cannibals; She Drives Me Crazy.

Andreas Dorau und die Marinas: Fred vom Jupiter

Joachim Witt: Goldener Reiter

The Busters: Couch Potatoes

„Wir sind alle beim Konzert von einer Ska-Band aus dem Westen. The Busters? Blechreiz? Skaos? Weiß nicht mehr. Jedenfalls: Alle haben gute Laune, alle sind aber auch darauf eingestellt, dass es Ärger geben kann mit den ebenfalls gern zu Ska-Konzerten gehenden Skinheads. Aber von denen sind kaum welche da, und das macht die Laune noch besser.“ (89/90, Seite 305)

Angeschissen: Hund

Die Skeptiker: Hinter den Mauern der Stadt

Feeling B: Ich such die DDR

Foetus Interruptus: Don’t Hide It, Provide It

Blechreiz: Bumble Bee

Keimzeit: Flugzeug ohne Räder

Snap! The Power

Nick Kamen: I Promised Myself

Snap! Oops Up

Adamski: Killer

UB40: Kingston Town

Youth of Today: Slow Down

Joey Beltram: Energy Flash

Razzia: Kriegszustand


Roxette: It must have been Love

„Aber immer, wenn der Bus bedenklich zur Leitplanke hin rüberzog, ging vorne plötzlich sehr laut das Radio an, und Roxette heulten los: It must have been love. Oder Herbert Grönemeyer: Deine Liebe klebt. Ich fand beides schlimm, aber ich verdanke diesen Leuten mein Leben. Der Fahrer hatte irgendwie eine Technik entwickelt, im Moment des Wegsackens am Lautstärkeregler zu zerren, sodass er immer wieder rechtzeitig aufwachte.“ (394f.)

Terrace: War Zone

89/90 Blick ins Buch

Peter Richter

89/90

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