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Rebekka Reinhard im Interview zu »Kleine Philosophie der Macht« (Ludwig)

»Frauen sollten sich klar machen, dass Freiheit, Glück und Anerkennung ohne Machtausübung nicht zu haben sind«

Rebekka Reinhard
© Peter Lindbergh

Ihr neues Buch richtet sich speziell an Frauen. Sind die öfter als Männer so unzufrieden, dass sie ganz dringend ihr Leben verändern wollen?

Rebekka Reinhard: Zumindest neigen Frauen oft stärker zur Selbstkritik, was leider oft in Selbstzweifel und Dauergrübeln ausartet. Mein Buch lädt veränderungswillige Frauen dazu ein, ihren Denkapparat mal radikal umzuprogrammieren.

Wie kamen Sie dazu, sich mit Macht zu beschäftigen? Der Begriff klingt auf Anhieb erst mal unfreundlich.

Rebekka Reinhard: Eben deshalb! Für die meisten Frauen hat das Wort immer noch eine negative und bedrohliche Bedeutung. Wenn sie »Macht« hören, denken viele an Unterdrückung, Manipulation, Konflikte und an Männer. Sie denken an die NSA oder Wladimir Putin – doch niemals an sich selbst. Das muss sich ändern.

Warum sollten speziell Frauen Machtbewusstsein entwickeln?

Rebekka Reinhard: »Macht«, »machen« und »(ver)mögen« sind wortgeschichtlich eng verbunden. Mächtig ist der – oder vielmehr: die, die es vermag, zu zeigen, was sie kann, die mit ihrem Können auf andere einwirkt, Impulse setzt, Dinge verändert. Frauen sollten sich klar machen, dass Freiheit, Glück und Anerkennung ohne Machtausübung nicht zu haben sind.

Worin unterscheidet sich Ihre philosophische Herangehensweise von den vielen Psycho-Ratgebern, die Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit verhelfen wollen?

Rebekka Reinhard: Ich sehe Frauen nicht als therapiebedürftige, ohnmächtige Opfer, sondern als starke, selberdenkende Lebewesen, die Sinn für Humor haben und auch zur Selbstironie befähigt sind. Dementsprechend geht es für mich nicht um Themen wie »Das innere Kind«, sondern darum, Einsichten großer Denker wie Hegel, Nietzsche oder Max Weber für die spezielle Situation moderner, ambitionierter Frauen fruchtbar zu machen.

Von welchen Philosophinnen können Frauen in Sachen Macht besonders viel lernen?

Rebekka Reinhard: Jede Frau, die es geschafft hat, als Philosophin in die Geschichte einzugehen, ist ein Vorbild, was Machtausübung, Potenzialentfaltung betrifft. Von der mittelalterlichen Philosophin Christine de Pizan bis zu Hannah Arendt haben Frauen immer wieder bewiesen, dass eine mutige, nonkonformistische, leidenschaftliche Haltung weitaus glücklicher macht als die Anpassung an bestimmte Rollenerwartungen.

Kann Philosophie tatsächlich konkrete »Lebenshilfe« bieten? Nennen Sie doch mal ein, zwei konkrete Beispiele oder Strategien.

Rebekka Reinhard: Wenn »Lebenshilfe« heißt, Frauen in Abhängigkeit von einer bestimmten Theorie oder Ideologie zu bringen – dann ist mein Buch ist ein Anti-Ratgeber. Der Rat, den ich ich gebe, ist einerseits philosophisch und andererseits pragmatisch, alltagstauglich. Beim »Machtmittel Nr. 4: Sich auf hohe See begeben« geht es etwa darum, wie man die Neigung zur Selbstausbeutung ablegen und am Beispiel der britischen Philosophin Mary Wollstonecraft – von boshaften Zeitgenossenen als
»Hyäne im Petticoat« genannt – Mut zum Scheitern lernen kann. Das »Machtmittel Nr. 7: Die Kontrolle aufgeben« besteht darin, mit der taoistischen Kriegskunst nach Sunzi dem Artigen-Mädchen-Syndrom »Herrin« zu werden.

Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen) Blick ins Buch

Rebekka Reinhard

Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen)

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