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SPECIAL zu »Roadkill« von Eyre Price

Stell dir vor, du bist in Las Vegas. Neonlichter, Sterne am Himmel, ein atemberaubendes Wüstenpanorama. Das Problem ist nur, dass du von einem Balkon hoch oben über der Wüstenstadt hängst, gehalten von einem unberechenbaren Muskelprotz. Ja, du steckst in der Scheiße – und zwar richtig! Du hast dich mit den falschen Leuten eingelassen und Schulden gemacht. Doch zu Hause hast du zum Glück noch eine eiserne Geldreserve. Leider stellst du dann fest, dass jemand den Safe geöffnet hat; du findest nichts mehr außer einer CD mit Blues- Songs. Aber die Songs sind eine Botschaft, die den Weg zu deinem Geld weist. Wären da nur nicht die verdammten Killer, die dir auf den Fersen sind …

Unsere Neuentdeckung Eyre Price, der Meister des treffsicheren Dialogs und tiefschwarzen Humors, weiß, wovon er schreibt. Vor der Niederschrift von Roadkill hat er sich zusammen mit seinem Sohn auf die Spuren des Blues begeben.

»Am besten stellt man sich den Highway 61 – den Blues Highway – als Asphaltschatten des Mississippi vor. Beide entspringen in Minnesota und teilen die USA in der Mitte, winden sich mehr oder weniger parallel über den Bauch der Nation bis ganz runter nach New Orleans.
Im letzten Frühjahr habe ich diese Straße mit meinem achtjährigen Sohn bereist. Wir fuhren durchs Mississippi-Delta, liefen über die Felder, auf denen Charlie Patton und Son House unter der erbarmungslosen Sonne schuften mussten, und wir saßen auf der Veranda der Dockery Plantation, wo sie vielleicht abends mit ihren Gitarren saßen und die Architektur des Blues entwarfen. Ich stand an der Kreuzung, an der Robert Johnson angeblich seine Seele gegen übermenschliche Gitarrenkünste eingetauscht hat. Da stand ich im Dreck, und der laue Wind strich durch das Gras. Und ich hörte Stimmen.
Wir liefen durch die Straßen von New Orleans, wo sich einst der Blues mit dem Boogie Woogie des Jazz vermählte – mit Professor Longhair als Zeremonienmeister. Wir liefen durch Straßen, in denen seine rhythmische Melodie noch heute widerhallt. Und ich hörte Stimmen.
Wir machten Ausflüge: In Nashville lief ich durch die kleine Gasse zwischen dem Ryman (der alten Heimat der Grand Ol’ Opry) und der weltberühmten »Tootsie’s Orchid Lounge«, auf Hank Williams’ Spuren. In Memphis besuchten wir die Stax Studios, die Sun Studios und Graceland. In Chicago natürlich Chess Records, wo Howlin’ Wolf und Muddy Waters, Etta James und Willie Dixon, Elmore James und Chuck Berry Hof hielten. Wir reisten quer durch Amerika. Und überall, wo wir waren … hörte ich Stimmen.
Als wir schließlich wieder zu Hause waren und ich mich ans Schreiben machte, waren die Stimmen immer noch da und flüsterten mir ins Ohr. Ihr Geist findet sich auf diesen Seiten wieder. Mein Name mag auf dem Umschlag stehen, aber eigentlich ist es nicht allein mein Buch. Es ist das Produkt zahlreicher Stimmen, die mir etwas eingeflüstert haben. Ich hoffe, Sie haben Ihren Spaß beim Lesen von Roadkill – und ich hoffe, dass auch Sie die Stimmen hören.«