SPECIAL zu Tina Wolf

Interview mit Tina Wolf zu »Kein Kind ist auch (k)eine Lösung«

Allein unter Müttern – Charly versucht, normal zu bleiben, während alle Freundinnen schwanger werden. Was ist eigentlich das Problem?
Tina Wolf: Ich glaube, für die nicht hormongesteuerten Hinterbliebenen ist es hin und wieder nicht ganz nachvollziehbar, was mit der Freundin gerade passiert. Denn die riecht plötzlich Dinge, die man selbst nicht riecht. Sieht Dinge, die man selbst nicht sieht und ist plötzlich bei Themen empfindlich, bei denen sie sich vor ein paar Wochen noch auf den Schenkel geklopft hätte. Dafür kann die Arme nichts. Aber es wird eben auch nicht besser, wenn das Kind erst einmal da ist. Man wird komisch. Zumindest in vielen Fällen. Ich wurde sogar ganz besonders komisch. Mit Abstand betrachtet kann ich mich aber herrlich darüber amüsieren!

In Kein Kind ist auch (k)eine Lösung erzählen Sie mit viel Humor davon, wie es ist, wenn Großstädterinnen sich an die Familienplanung machen. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch?
Tina Wolf: Ich habe selbst Jahre lang mit meinem Mann mitten in der Stadt gelebt und hatte täglich die Chance, Studien zu betreiben. An meinen eigenen Freundinnen und bei Fremden, in Parks oder Cafés. Schließlich auch an mir selbst … Das Wenigste in diesem Buch habe ich mir ausgedacht – der Großteil ist wirklich passiert. Zum Beispiel die Szene mit dem Kind, das sich im Café am Busen der Mutter bedient, obwohl es sich vermutlich schon selbständig zu Schuhe zubinden konnte bzw. sich einen Kakao am Tresen hätte bestellen können.
Auch das „Kind-Planen“ habe ich hautnah miterlebt. Wer heute eine Job hat, eventuell sogar pendelt oder einen Partner hat, der pendelt, muss sich schon genau überlegen, wann er sich mal trifft, sonst wird das eben nichts … Darüber können diejenigen, die das Problem haben, natürlich nicht lachen, aber mit Abstand betrachtet bietet es eine Komik, die sehr meinen Humor trifft. Da gibt es allerhand schräge Situationen, die ich einfach nur aufgeschrieben habe…

Ihr Roman besticht durch seinen Humor und Witz. Obwohl Charly es nicht immer leicht hat, verliert auch sie nie den Humor. Was bedeutet Humor für Sie?
Tina Wolf: Was bleibt vom Leben übrig, wenn man keinen Humor hat?
Natürlich lache auch ich nicht von morgens bis abends, dann sähe meine Bauchmuskulatur sicher besser aus. Aber ich kann mit Abstand über viele Dinge lachen, die mir passiert sind. Und ich habe schon als Kind meine Mutter und meine Schwester durch das einfache Nachahmen ihrer eigenen Verhaltensmuster so zum Lachen gebracht, dass sie regelmäßig Lachkrämpfe bekommen haben.
Wenn ich heute daran denke, dass ich einen Kinderwagen hin – und her bewegt habe, in dem kein Kind lag, der Reißverschluss meines Kleides einen ganzen Abend während einer wichtigen Feierlichkeit offen stand und ich es erst zu Hause beim Ausziehen bemerkt habe, oder dass ich während einer Live-Sendung nicht die richtigen Texte zur Hand hatte und etwas über eine Demonstration erzählt habe, während man Bilder eines großen Creme-Herstellers sah – dann kann ich mich inzwischen darüber amüsieren. Was sollte ich auch sonst tun?

Charly ärgert sich, dass keine ihrer Freundinnen noch mit ihr ausgehen will. Sie selber sind Mutter, berufstätig, und noch dazu schreiben Sie Bücher. Haben Sie da noch Zeit zum Ausgehen?
Tina Wolf: Zeit zum Ausgehen hätte ich, ich bin nur teilweise zu träge. Und wer einen fünfjährigen „Personal Trainer“ hat, der braucht abends manchmal nur noch ein bequemes Sofa. Obwohl ich auch sagen muss, wie gut es tut – wenn man sich denn mal aufrafft und zurück in die Zivilisation kehrt. Kann ich nur empfehlen! Aktuell sieht es so aus, dass wir zu dritt im Flur stehen. Der Babysitter, mein Mann und ich. Jeder mit Filofax oder iPhone in der Hand, und gemeinsam suchen wir nach Terminen, an denen mein Mann und ich etwas zusammen unternehmen können. Und das klappt. Dank eines Sohnes, der sich seit drei Jahren mit allen existierenden Automarken und dazu gehörigen Modellen beschäftigt, obwohl ich ihn extra in den Waldorfkindergarten gegeben habe, und der sich dankbar von jedem bespielen lässt – Hauptsache er hat einen Autoschlüssel dabei oder lässt ihn am besten gleich mal vorne drin sitzen! Kind, Job, Schreiben, Freunde - ach, sorry, da war ja noch ein Mann… Das klappt nicht immer alles parallel und super gut. Wer das behauptet, hat entweder drei Au Pairs oder ist nicht von dieser Welt. Irgendwer kommt zu kurz. Bei mir derzeit die Freunde.
Schreiben ist für mich kein Job oder Arbeit. Es ist Berufung, auch wenn das komisch klingen mag. Ich schreibe leidenschaftlich gern, seitdem ich weiß, wozu Buchstaben da sind. Schon als Kind habe ich Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben – und wusste früh, dass ich irgendwann Bücher schreiben würde. Pure Intuition. Schreiben ist für mich Spaß, aber auch ein „Zu mir kommen“. Wann sitze ich sonst schon mal mehr als zehn Minuten am Stück auf meinem Hintern? Denn ich bin leider kein geborener Buddhist …

Kein Kind ist auch (k)eine Lösung

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