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Interview mit Sharon Bolton über ihren Thriller "Böse Lügen"

Sharon Bolton über ihren Thriller »Böse Lügen«

Sharon Bolton im Gespräch

Wie sind Sie darauf gekommen, Ihren Roman "Böse Lügen" auf den Falklandinseln spielen zu lassen?

Inseln sind tolle Romanschauplätze. Ihre räumliche Begrenztheit gibt Büchern einen ganz eigenen Charakter. Ich mag diese abgeschotteten, klaustrophobischen Insel-Gemeinschaften mit ihren gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Moralkodexen. Dieses Gefühl, dass alles möglich ist, dass man eine ganz eigene Welt betritt, aus der es kein Entkommen gibt, wenn die Sonne untergeht. Inseln sind für die Bücher, die ich schreibe, genau das Richtige. Das Problem ist nur, die meisten britischen Inseln kommen bereits in mehr als einem Kriminalroman vor, und ich wollte wirklich etwas Neues schreiben. Als ich das irgendwann einmal erwähnte, schlug ein Freund von mir die Falklands vor. Erst war ich mir nicht sicher, aber je mehr ich über die Inseln herausfand, umso perfekter schienen sie geeignet zu sein. Ein Schauplatz, von dem jeder schon mal gehört hat und über den man trotzdem so gut wie nichts weiß. In vielerlei Hinsicht britischer als Großbritannien und dabei so abgelegen, dass er uns doch fremd erscheint.

Sind Sie als Teil Ihrer Recherche für dieses Buch auf die Falklands gereist?

Mein Besuch auf den Falklandinseln steht noch aus. Bestimmt werden sich manche Leser wundern, dass ich noch nicht dort war, aber den Leuten ist oft nicht klar, wie wenig Zeit man hat, wenn man Unterhaltungsromane schreibt. Mir bleibt nicht mal ein Jahr zwischen der Entscheidung, eine bestimmte Geschichte zu schreiben, und dem Tag, an dem sie in Druck geht. Als ich dazu noch die große Entfernung, die Schulferien und die Tatsache einkalkulierte, dass die Geschichte in einer anderen Hemisphäre spielt (in meinem Buch ist es Frühling, ich hätte also in unserem Winter auf die Falklands reisen müssen), war ein Besuch einfach nicht machbar. Stattdessen habe ich sehr gründlich vom Schreibtisch aus recherchiert, in Büchern und auf Websites, weniger in den Social Media. Außerdem hatte ich Glück, ein paar Leute, die die Gegend gut kennen, haben die letzte Fassung gegengelesen.

"Böse Lügen" ist ein düsterer Psychothriller, der im Südatlantik spielt. Hat das die Handlung beeinflusst?

Eigentlich kaum. Böse Lügen könnte in jeder engmaschigen sozialen Gemeinschaft spielen. Für mich war das Wichtigste die Atmosphäre, die der Schauplatz dem Buch verleiht, und wie er sich auf die handelnden Personen und ihr Verhalten auswirkt. Obwohl die Inseln ja britisch sind und eigentlich sehr vertraut sein sollten, wollte ich ein „Hier ist es anders“-Gefühl erzeugen.

"Böse Lügen" befasst sich mit Themen wie Freundschaft, Trauer, Eifersucht, um nur ein paar zu nennen. War es Ihre Absicht, diese Schlüsselthemen durch die Handlung besonders zu betonen?

Nein. Für mich sind Themen ein Bonus. Meine Romane sind immer so komplex, dass ich mich zunächst auf die Handlung konzentriere, wenn ich ein Buch plane. Um Personen, Themen, Atmosphäre und so weiter kann ich mich zumindest in den ersten Fassungen nicht weiter kümmern. Die Themen kommen dann normalerweise im Laufe des Schreibens von allein zum Vorschein. Wenn ich das merke, kann ich darauf aufbauen, die Ereignisse so anpassen, dass ein bestimmtes Thema in den Vordergrund tritt, die Entwicklung der Personen darauf einstellen. Aber ich würde nie versuchen, einer Geschichte künstlich ein Thema überzustülpen. Ich glaube, das Resultat würde sehr unbeholfen und gewollt wirken. Für mich sind die Hauptprobleme, die sich aus Böse Lügen ergeben, folgende: Wie können diejenigen, deren Leben zerstört worden sind, den Weg nach Hause finden? Und woher wissen wir eigentlich, wozu wir fähig sind, solange wir nicht auf die Probe gestellt werden?

Als Sie "Böse Lügen" geschrieben haben, war Ihnen da bewusst, dass Sie den Leser mit Problemen wie Selbstmordgedanken und Selbsthass konfrontieren würden, und war es schwer, darüber zu schreiben?

Alle meine Bücher sind schwer zu schreiben. Sie handeln von Ereignissen und Problemen, denen wir im normalen Leben niemals zu begegnen hoffen. Catrin lebt unseren allerschlimmsten Albtraum, und natürlich war es schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Als ich zu Rachels Perspektive kam, war das in vielerlei Hinsicht sogar noch schlimmer. Einen furchtbaren Verlust zu erleiden ist eine Sache, für die Tragödie eines Menschen verantwortlich zu sein, den man liebt, das ist etwas ganz anderes.

Wie lange haben Sie gebraucht, um "Böse Lügen" „zu Papier zu bringen“, und würden Sie sagen, dass es bis jetzt Ihr bester Roman ist?

Es dauert ein Jahr, einen Roman fertig zu schreiben, vom Anfang bis zum Ende, es fließt auch immer die Meinung anderer Leute ein, unter anderem die des Agenten und des Lektors. Ich bin sehr zufrieden mit Böse Lügen, aber „der Beste“ ist ein sehr subjektives Urteil. Es gibt Leute, die immer noch der Ansicht sind, dass Todesopfer mein bester Roman ist, und das wird wahrscheinlich auch immer so bleiben, ganz gleich, wie viel besser ich meiner Meinung nach vielleicht seitdem geworden bin.

Quelle: https://thelastwordbookreview.wordpress.com
Übersetzung: Marie-Luise Bezzenberger

Böse Lügen Blick ins Buch

Sharon Bolton

Böse Lügen

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