Buch des Flüsterns

Roman

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Taschenbuch
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In Focsani, einer Provinzstadt in Rumänien, scheinen sich die Wege des aus seiner Heimat vertriebenen armenischen Volkes zu kreuzen: Da ist Sahag, der von seiner Mutter für einen Sack Mehl verkauft wurde, und Siruni, die von den Russen nach Sibirien deportiert wurde. Und da ist Großvater Garabet, der weise die Fäden dieser so wunder- wie grausamen Saga zusammenhält. Eine fremde und ferne Welt, voll von phantastischen Geschichten und von tragischer Geschichte - das Schicksal des Volkes von Armenien als epochaler Roman.

»Ein literarisches Werk erster Güte.«

Süddeutsche Zeitung

Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner
Originaltitel: Buch des Flüsterns
Originalverlag: Zsolnay
Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71633-3
Erschienen am  12. März 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Armenische Erinnerungen: „Buch des Flüsterns“ von Varujan Vosganian

Von: Read Ost

04.07.2018

Armenien, ein Land, das als Wiege des Christentums gilt und heute dennoch für viele so gut wie unbekannt ist. Dieses kleine Land im Südkaukasus mit gerade einmal 3 Millionen Einwohnern hat eine Geschichte voller Tragödien hinter sich: Der Genozid, das Absprechen des Berges Ararat zugunsten der Türkei (und weiterer Gebiete) und eine jahrhunderte lange Diaspora, durch die heute um die 10 Millionen Armenier außerhalb des Landes leben. Varujan Vosganians „Buch des Flüsterns“ (btb) begleitete mich auf meiner einwöchigen Rundreise durch Armenien und hat alles, was ich gesehen und erlebt habe, vorweggegriffen. Dies ist kein negativer Aspekt, denn das Buch war eine hervorragende Ergänzung zu den Museen, Klöstern und Gedenkstätten, die die reiche Geschichte des armenischen Volkes aufzeigen. Der Autor, als Kind armenischstämmiger Eltern in Rumänien geboren, ist heute Präsident der Vereinigung der Armenier in Rumänien und versteht wohl wie kein anderer die armenische Kultur des Exils. In seinem epochalen Roman bringt er sämtliche Ereignisse seiner Familie und außenstehender Personen zusammen und macht das „Buch des Flüsterns“ so zu einer lauten Stimme verlorener Generationen. „Von allen Sinnen wird der Geruch am stärksten vom Gedächtnis beladen. […] Ein ganzes Leben könnte anhand seiner Geruchsaromen beschrieben werden.“ Das „Buch des Flüsterns“ ist gefüllt mit Erinnerungen der Familie des Autors. Mal sind diese nicht linear erzählt und erscheinen schwer zu durchschauen, doch immer wieder kann man den roten Faden wieder entdecken und den Hauptthemen, der Vertreibung, das Leben in der Diaspora mit allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen oder dem Verhältnis zu den Nachbarn, erneut folgen. Es ist nicht nötig, jede einzelne Figur genau zu kennen, denn das Schicksal verwebt sie alle miteinander. Und so erzählt Vosganian in einer peniblen Mischung von irgendwie allem – seinem Großvater, den Unterschieden zwischen den Deutschen und den Russen oder auch von der Bedeutung von Fotos für die Armenier:„Bilder waren für die Armenier jener Zeiten wie ein Testament oder eine Lebensversicherung. Kehrte ein Mensch zurück von den Deportiertenkonvois, aus den Waisenhäusern, von den Reisen in den Bäuchen der Schiffe, wurde das Foto in Verwahrung genommen, und der lebende Mensch nahm seinen angestammten Platz unter den anderen wieder ein.“ Vosganians Geschichten sind zumeist tragische. Sie erzählen uns von bekannten und unbekannten Helden, von Familien, die auseinandergerissen werden und von denen, die die Verfolgung und/oder Deportation nicht überlebt haben. Das Erbe des Autors ist anspruchsvoll und sein Buch eine packende Chronik des armenischen Volkes ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Auf fast jeder Seite befinden sich Zitate, die man ohne Weiteres herausziehen und als Beispiel des Leids anbringen könnte. „Buch des Flüsterns“ braucht Zeit, um sich zu entwickeln und zum Lesen zu animieren.

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Vita

Varujan Vosganian

Varujan Vosganian, geboren 1958 in Craiova, Rumänien, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Foçsani. Von 2006 bis 2008 rumänischer Finanz- und Wirtschaftsminister, 2012 bis 2013 Minister für Handel und Industrie. Er ist Präsident der Vereinigung der Armenier in Rumänien.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Wahrlich ein Jahrhundertbuch.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Eine Art südosteuropäisches Gegenstück zu Gabriel García Márquez' ›Hundert Jahre Einsamkeit‹.«

Der Spiegel

»Ein Füllhorn eindrucksvoller Figuren und bald wundersamer, bald komischer, oft aber auch grausamster Geschichten. … Ein außerordentliches, vom tragischen Sinn der Historie beherrschtes Fresko.«

Neue Zürcher Zeitung

»Trotz oder gerade wegen seiner Nüchternheit mutet der Text ergreifend an. Vosganian schockiert durch den trockenen Realismus seiner Schilderungen. Klischees vermeidet er bravourös.«

MDR Figaro