Thomas Christos im Interview zu seinem Kriminalroman »1965«

Thomas Christos im Interview zu seinem Kriminalroman »1965«

Die 1960er Jahre waren Jahre des Umbruchs, des Aufbruchs und der Revolte

Bitte stellen Sie sich uns mit einer kurzen Vita vor.
Ich bin in Griechenland geboren und im Alter von 7 Jahren als Gastarbeiterkind nach Deutschland gekommen. Nach meinem Abitur habe ich Germanistik und Erziehungswissenschaft studiert. Seit 1983 arbeite ich als Drehbuchautor und habe für über 60 TV-Filme die Drehbücher geschrieben.

Was ist Ihr gelernter Beruf bzw. üben Sie aktuell neben dem Schreiben noch eine weitere berufliche Tätigkeit aus?
Ich habe ein abgeschlossenes Studium der Germanistik. Zeitlebens habe ich nur als freiberuflicher Autor gearbeitet. Ansonsten bin ich ein sehr engagierter Vater von mittlerweile zwei erwachsenen Söhnen.

Würden Sie uns ein wenig von sich persönlich erzählen – von Ihren Hobbys, Ihrer aktuellen Lebenssituation, Ihrem Traum vom Glück …?
Meine Arbeit ist mein Hobby. Mein Hobby ist meine Arbeit.
Mein Traum? Dass die Menschen endlich vernünftig werden und die Erde nicht ökologisch und moralisch zugrunde richten.

Womit kann man Sie wütend machen und richtig auf die Palme bringen?
Durch Ignoranz und Intoleranz.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Lobe laut und tadle leise!

Wofür engagieren Sie sich? Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich war früher politisch engagiert, vor allem ökologisch. Vielleicht sollte ich das wieder in Angriff nehmen.

Verraten Sie uns bitte fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
Ich besitze keinen Fernseher.
Ich mag keine Selbstdarsteller.
Ich bin schon einmal einem lebenden Gott (living Buddha) begegnet, und zwar in der Inneren Mongolei.
Ich mag lieber Wodka als Ouzo.
Ich kann gut kochen, obwohl ich zwei linke Hände habe.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich habe mir als Kind Filme ausgedacht. Später wurde das mein Berufswunsch. Als mich das nicht mehr reizte, begann ich für meine Söhne Kinderbücher zu verfassen. Danach kam das erwachsene Publikum dran. Mit anderen Worten: Ich suche immer neue Herausforderungen in Sachen Schreiben. (Zum Beispiel habe ich so auch den Text für eine App für Kinder geschrieben).

Was inspiriert Sie und wie finden Sie Ihre Themen?
Mal so, mal so.

Bitte fassen Sie in wenigen Sätzen Ihr aktuelles Buch 1965 zusammen:
Die Mörder sind noch unter uns. Das muss der junge Kommissar Thomas Engel erfahren, der 1965 seinen Dienst in der Kripo antritt. Zum einem kommt er einem Kindermörder auf die Spur, der schon während der Nazizeit sein Unwesen getrieben hat. Zum andern muss er feststellen, dass einige seiner Kollegen Kriegsverbrecher sind, die an Massakern beteiligt waren. (Aber eigentlich ist jetzt schon fast zu viel verraten.)

Was bzw. welche Szene darin war am schwierigsten zu schreiben?
Gibt es nicht. Alles ist leicht bzw. schwer.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Schwer zu sagen. Als Thomas in einem Schweinetrog eine Prothese findet und ihm plötzlich klar wird, dass man einen Zeugen den Schweinen zum Fraß vorgeworfen hat?
Oder als Thomas, neu in der Stadt, einer Kunstauktion beiwohnt, die den merkwürdigen Titel trägt: Wie man einem toten Hasen die Bilder erklärt.
Ich mag aber auch die Situation, als Thomas vor der Bilderwand des Fotografen steht, und ein Foto von seinem Vater und seinem Chef entdeckt, das ihn zum Nachdenken bringt ...

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ich versuche alle meine Figuren ernst zu nehmen, auch die Bösewichter. Nur so sind sie glaubwürdig.

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie und Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Düsseldorf, ohne die Stadt beim Namen zu nennen. Der zweite Fall wird in Berlin spielen.

Hat Ihr aktuelles Buch autobiografische Züge bzw. lassen Sie persönliche Erfahrungen in die Geschichte einfließen? Beruht Ihr Buch auf wahren Begebenheiten?
Die Handlung ist frei erfunden. Sie basiert aber auf realen historischen und kulturellen Begebenheiten. Und es sind persönliche Erinnerungen dabei, schließlich bin ich 1965 nach Deutschland gekommen. Einerseits war ich fasziniert von Dingen, die ich in Griechenland nicht kannte, zum Beispiel Straßenbahn oder Fernsehen. Andererseits war ich geschockt, als ich sah, dass man langhaarige junge Männer grundlos verprügelte. Nie vergessen werde ich auch den Polizisten, der unsere italienischen Nachbarn immer mit dem Hitlergruß begrüßte.

Wie haben Sie für ihr aktuelles Buch recherchiert? Gibt es von der Recherche eventuell Fotos, die Sie uns zur honorarfreien Veröffentlichung zur Verfügung stellen würden?
Ich habe sehr viel Literatur verschlungen, Wochenschauen und Dokus gesehen und Gespräche mit Zeitzeugen, Historikern und Juristen geführt. Hinzu kommen einige persönliche Erinnerungen und so manche Ortsbegehung.

Möchten Sie Ihren Lesern mit Ihrem aktuellen Buch eine bestimmte Botschaft mitgeben?
Wir müssen aus der Vergangenheit lernen, um die Zukunft zu gestalten.

Möchten Sie Ihren Leser/-innen noch etwas mitteilen?

Liebe Leserinnen und Leser,

die dreißiger Jahre sind bei Krimifans hoch im Kurs. Die sechziger Jahre dagegen fristen eher ein stiefmütterliches Dasein. Meiner Ansicht nach völlig zu Unrecht. Denn kaum ein Jahrzehnt hat Deutschland so geprägt und verändert wie die sechziger Jahre. Sie waren Jahre des Umbruchs, der Veränderung und Modernisierung. Die Jugend muckte auf. Die jungen Männer trugen lange Haare, die jungen Frauen Mini. Satisfaction von den Rolling Stones wurde eine der Hymnen des Aufbruchs. Das alles war ein rotes Tuch für die ältere Generation, die im Nationalsozialismus aufgewachsen war und auf Ordnung, Pflichterfüllung und Gehorsam setzte, genauso übrigens wie die Polizei. Viele Polizeibeamte hatten ja während der NS-Zeit ihren Dienst geleistet und waren dementsprechend geprägt. Mit anderen Worten: Sie liefen nicht jeden Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herum. Genau diese Erfahrung muss der Protagonist meines Kriminalromans machen, der junge Kriminalkommissar Thomas Engel, der aus der Provinz kommt und in der Großstadt 1965 seinen Dienst antritt. Von ihm wird bedingungslose Kadaverdisziplin verlangt, eine falsch verstandene Kameradschaft, die polizeiliche Willkür kaschieren soll. Doch Thomas rebelliert, erst recht, als er den Verdacht hegt, dass der Mord an einem Kind als Unfall deklariert werden soll. Trotz aller Widerstände ermittelt Thomas auf eigene Faust und öffnet damit die Büchse der Pandora …
Spoiler Alarm!

Mehr darf ich Ihnen nicht verraten, nur so viel: Der erste Fall von Thomas Engel wird ihm alles abverlangen. Am Ende wird er die Welt anders sehen. Aber wie schon gesagt: die sechziger Jahre sind ein Jahrzehnt der Veränderung und des Umbruchs!

Ihr
Thomas Christos

1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

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